Region in Polen

Niederschlesien: Städte & Highlights

Niederschlesien (Dolny Śląsk) liegt im Südwesten Polens, zwischen Oder und tschechischer Grenze. Die Region hat mit Breslau eine der lebendigsten Großstädte des Landes, mit dem Riesengebirge ein echtes Mittelgebirge samt Schneekoppe, dazu ein Tal mit über dreißig Schlössern und zwei Fachwerkkirchen, die zu den größten Holzbauten Europas gehören.

Kein Landstrich Polens hat 1945 einen so vollständigen Bruch erlebt: Die Grenze wurde verschoben, die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, und es kamen Menschen aus Zentralpolen und aus den Gebieten im Osten, die an die Sowjetunion fielen. Wer das weiß, versteht die Region besser, von den Bahnhöfen bis zu den Museumssammlungen.

Niederschlesien: Städte & Highlights
Foto: No machine-readable author provided. Semper lupus assumed (based on copyright claims)., CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftNiederschlesien (dolnośląskie), Hauptstadt Breslau
  • UNESCO-WelterbeFriedenskirchen in Schweidnitz und Jauer (2001), Jahrhunderthalle Breslau (2006)
  • Höchster BergSchneekoppe (Śnieżka), 1603 Meter, an der Grenze zu Tschechien
  • Hirschberger Talüber dreißig Schlösser und Herrenhäuser auf engem Raum
  • Bevölkerungnach 1945 fast vollständig ausgetauscht
  • Ideale Dauer5 bis 7 Tage

Warum Niederschlesien

Weil die Region zwei Dinge verbindet, die in Polen sonst weit auseinanderliegen: eine große, junge Stadt und ein Gebirge, das du in gut anderthalb Stunden erreichst. Dazwischen liegen Kurorte, Burgen, Sandsteinfelsen und eine Dichte an Schlössern, die es sonst nirgends im Land gibt. Für Deutsche kommt hinzu, dass die Anreise kurz ist: Von Dresden oder Berlin bist du in wenigen Stunden da.

Fünf bis sieben Tage sind sinnvoll: drei für Breslau, zwei bis drei für Berge, Schlösser und den Glatzer Kessel. Ein Auto hilft, sobald du die Stadt verlässt.

1945: warum hier fast niemand von hier ist

Bis 1945 gehörte diese Gegend zu Deutschland. Auf der Konferenz von Potsdam wurde sie unter polnische Verwaltung gestellt, die deutsche Bevölkerung floh vor der Front oder wurde in den Jahren danach vertrieben. An ihre Stelle traten Menschen aus Zentralpolen und aus den Gebieten östlich des Bug, die die Sowjetunion übernahm, viele davon aus Lemberg, polnisch Lwów.

Diese Umsiedlung siehst du bis heute. Zwei der wichtigsten Sammlungen Breslaus, die Bibliothek Ossolineum und das Rundgemälde Panorama Racławicka, standen vorher in Lwów und kamen mit den Menschen mit. Die Region ist also nicht alt und gewachsen, sondern alt gebaut und neu bewohnt. Das erklärt vieles, auch das Selbstbewusstsein Breslaus als Stadt, die sich neu erfunden hat.

Breslau: die Stadt auf den Inseln

Breslau (Wrocław) liegt an der Oder und verteilt sich auf mehrere Inseln, verbunden von über hundert Brücken. Der Rynek gehört zu den größten Marktplätzen Polens, mit einem gotischen Rathaus in der Mitte, auf der Dominsel stehen Kathedrale und Kirchen dicht beieinander, und über die ganze Stadt verteilt sitzen mehrere hundert kleine Bronzezwerge, die eine politische Vorgeschichte aus den 1980er Jahren haben.

Vor den Toren steht die Jahrhunderthalle, 1913 von Max Berg aus Stahlbeton gebaut und damals die weitestgespannte Kuppel der Welt, seit 2006 Welterbe. Für die Stadt brauchst du drei Tage, sie ist außerdem der beste Ausgangspunkt für alles Weitere.

Das Hirschberger Tal: Schlösser in Serie

Rund um Hirschberg (Jelenia Góra) liegt das Tal, das sich heute Tal der Schlösser und Gärten nennt. Preußischer Adel und Bürgertum bauten hier im 18. und 19. Jahrhundert Sommersitze mit Landschaftsparks, weil die Kulisse des Riesengebirges als besonders romantisch galt. Über dreißig davon stehen noch.

Viele sind heute Hotels oder Kulturorte, etwa Lomnitz, Wojanów oder Karpniki. Das ist die praktischste Art, sie kennenzulernen: eine Nacht in einem, tagsüber die anderen anschauen. Der Stadtteil Hirschberg-Bad Warmbrunn (Cieplice Śląskie-Zdrój) hat außerdem eine lange Kurtradition. Mehr zu Residenzen im ganzen Land steht unter Burgen und Schlösser.

Karpacz und das Riesengebirge

Karpacz ist der bekannteste Bergort auf polnischer Seite und Ausgangspunkt für den Aufstieg zur Schneekoppe (Śnieżka), mit 1603 Metern der höchste Punkt der Region. Oben stehen eine Kapelle und ein Observatorium in Form dreier flacher Scheiben, dazu ein Grenzstein: Die Grenze zu Tschechien verläuft über den Gipfel.

Im Ort selbst steht die Wang-Kirche, eine norwegische Stabkirche aus der Zeit um 1200. König Friedrich Wilhelm IV. kaufte sie, ließ sie zerlegen und 1842 hier wieder aufbauen. Ein Bau aus Holz, ohne Nägel gefügt, mit Drachenköpfen an den Giebeln, mitten im schlesischen Gebirge. Die Wege im Riesengebirge sind gut markiert, das Wetter kippt oben schnell, und im Winter ist der Kamm eine ernste Angelegenheit. Routenideen für ganz Polen findest du unter Wandern in Polen.

Achtung: Auf der Schneekoppe weht fast immer Wind, und die Temperatur liegt deutlich unter der im Tal. Nimm Jacke, Mütze und feste Schuhe mit, auch im Juli. Bei Gewitterwarnung bleibst du unten, der Kamm ist völlig ungeschützt. Der Aufstieg ist kein Spaziergang, sondern zwei bis drei Stunden bergauf.

Die Friedenskirchen in Schweidnitz und Jauer

Nach dem Westfälischen Frieden von 1648 durften die Protestanten in Schlesien drei Kirchen bauen, unter harten Auflagen: außerhalb der Stadtmauern, ohne Turm und Glocken, nur aus Holz, Lehm, Stroh und Sand, und fertig innerhalb eines Jahres. Zwei davon stehen noch, in Schweidnitz (Świdnica) und in Jauer (Jawor), seit 2001 gehören sie zum Welterbe.

Von außen sind es große, schlichte Fachwerkbauten. Innen erwarten dich mehrstöckige Emporen, bemalte Decken und Platz für mehrere tausend Menschen. Es sind bis heute evangelische Gemeindekirchen, während der Gottesdienste bleibt der Besichtigungsbetrieb draußen.

Glatz und der Glatzer Kessel

Glatz (Kłodzko) liegt im Süden, in einem von Bergen umschlossenen Becken. Über der Stadt liegt eine ausgedehnte Festung mit unterirdischen Gängen, durch die Altstadt führt eine gotische Brücke mit barocken Figuren, die man ohne Übertreibung mit der Karlsbrücke vergleichen kann.

Ringsum liegen Kurorte, die seit dem 19. Jahrhundert Gäste empfangen: Kudowa, Duszniki mit seiner alten Papiermühle, Polanica. Wandern gehst du in den Heuscheuergebirge genannten Tafelbergen, wo Sandsteinfelsen zu Gassen und Labyrinthen verwittert sind. Für diese Ecke brauchst du zwei Tage und ein Auto.

Liegnitz und die Umgebung

Liegnitz (Legnica) war Sitz schlesischer Piastenherzöge, ihr Schloss steht am Rand der Altstadt. Bei Wahlstatt (Legnickie Pole) südöstlich der Stadt schlugen 1241 mongolische Verbände ein europäisches Ritterheer, der Herzog fiel; die barocke Klosterkirche dort erinnert daran. Nach 1945 lag in Liegnitz das Hauptquartier der sowjetischen Truppen in Polen, bis 1993 lebten hier tausende Soldaten mit ihren Familien in einem abgesperrten Stadtteil.

Nicht weit entfernt liegen zwei weitere Orte, die sich lohnen: Schloss Fürstenstein (Książ) bei Waldenburg (Wałbrzych), eines der größten Schlösser Polens, unter dem die deutsche Rüstung ab 1943 Stollen in den Berg treiben ließ, gebaut von Zwangsarbeitern. Und Kreisau (Krzyżowa), das Gut der Familie von Moltke, Treffpunkt einer Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus und 1989 Ort einer viel beachteten Versöhnungsmesse. Heute ist es eine internationale Begegnungsstätte.

Anreise, Verkehr und Praktisches

Der Flughafen Breslau hat Verbindungen nach Deutschland, mit dem Zug fährst du aus Berlin und Dresden über Görlitz und Cottbus. Die Autobahn A4 quert die Region von Westen nach Osten und ist auf Teilstücken mautpflichtig. In die Berge und ins Hirschberger Tal kommst du mit Bahn und Bus bis zu den Hauptorten, für Schlösser und Dörfer brauchst du ein Auto.

Gezahlt wird in Złoty, nicht in Euro, auch wenn die Grenze nah ist. Karte funktioniert fast überall, in Berghütten ist Bargeld nützlich. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland, und seit 2021 haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang.

Klima und beste Reisezeit

Breslau gehört zu den wärmsten Städten Polens. Im August liegt der Tagesschnitt bei rund 25 Grad, im Januar bei knapp 4 Grad, nachts bei etwa minus 2 Grad. Der August ist mit etwa 80 Millimetern der nasseste Monat, der März mit rund 41 Millimetern der trockenste. In Karpacz ist es merklich kühler, im August rund 22 Grad am Tag, im Januar knapp über null.

Mai, Juni und September sind die besten Monate für die Kombination aus Stadt und Bergen. Zum Wandern hält der Oktober oft noch stabile Tage bereit, im Winter wird in Karpacz und Umgebung Ski gefahren, dann ist es dort voll und in den Schlossparks still.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Niederschlesien?

Fünf bis sieben. Drei Tage gehören Breslau, danach zwei bis drei für das Hirschberger Tal, das Riesengebirge und die Friedenskirchen. Wer zusätzlich in den Glatzer Kessel mit den Tafelbergen will, plant eine Woche. Ab dem zweiten Tag außerhalb der Stadt ist ein Mietwagen praktisch unverzichtbar, weil die Schlösser und Kirchen in Dörfern liegen.

Warum leben in Niederschlesien keine Nachfahren der alten Bewohner mehr?

Weil die Region 1945 unter polnische Verwaltung kam und die deutsche Bevölkerung floh oder in den Jahren danach vertrieben wurde. Angesiedelt wurden Menschen aus Zentralpolen und aus den Gebieten östlich des Bug, die die Sowjetunion übernahm. Die Bausubstanz blieb deutsch, die Bewohner kamen neu. Museen und Bibliotheken zogen teilweise aus Lemberg mit um.

Lohnt sich das Riesengebirge auf polnischer Seite?

Ja. Der Aufstieg von Karpacz zur Schneekoppe dauert zwei bis drei Stunden, oben verläuft die Grenze zu Tschechien über den Gipfel. Die Wege sind gut markiert, das Wetter wechselt schnell, Jacke und feste Schuhe gehören dazu. Im Ort steht mit der Wang-Kirche eine norwegische Stabkirche aus der Zeit um 1200, die 1842 hier wiederaufgebaut wurde.

Was macht die Friedenskirchen besonders?

Sie durften nach 1648 nur unter strengen Auflagen entstehen: außerhalb der Stadtmauern, ohne Turm und Glocken, aus Holz, Lehm, Stroh und Sand, fertig binnen eines Jahres. Trotzdem fassen sie mehrere tausend Menschen und gehören zu den größten Fachwerkkirchen Europas. Erhalten sind die Bauten in Schweidnitz und Jauer, seit 2001 sind sie Welterbe und weiterhin Gemeindekirchen.

Kann man die Schlösser im Hirschberger Tal besichtigen?

Teilweise. Viele der über dreißig Anlagen sind heute Hotels, Restaurants oder Kulturorte, andere befinden sich in Privatbesitz oder werden noch saniert. Die praktischste Lösung ist, in einem zu übernachten und die anderen von außen und über ihre Parks anzuschauen. Die Anlagen liegen dicht beieinander, ein Auto oder ein Fahrrad reicht für einen guten Tag.

Wie kommt man von Deutschland nach Niederschlesien?

Mit dem Zug ab Berlin oder Dresden über Cottbus und Görlitz nach Breslau, mit Umsteigen an der Grenze. Der Flughafen Breslau hat Verbindungen zu mehreren deutschen Städten. Mit dem Auto führt die Autobahn A4 von Görlitz aus quer durch die Region, auf Teilstücken wird Maut erhoben. Bezahlt wird auch grenznah in Złoty.