Auf einen Blick
- Ideale Dauer für eine erste Runde10 bis 14 Tage
- Größte DistanzDanzig bis Zakopane, rund 700 Kilometer
- Beste ReisezeitMai, Juni und September
- WährungZłoty, kein Euro
- Bestes VerkehrsmittelBahn zwischen den Großstädten, Auto in Masuren und den Bergen
Wie diese Liste funktioniert
Die Reihenfolge ist keine Rangliste, sondern eine Landkarte. Sie beginnt in Krakau (Kraków), geht über Warschau (Warszawa) an die Ostsee, dann nach Westen und zum Schluss in den Osten. Wer zwei Wochen hat, schafft davon ungefähr die Hälfte, ohne jeden zweiten Tag im Zug zu sitzen. Wie sich daraus eine sinnvolle Strecke bauen lässt, steht auf der Seite Städtereise Polen.
Zu jedem Ort steht, warum er auf der Liste landet und was du dort tatsächlich machst. Was eine eigene Seite hat, ist verlinkt. Ein Ort steht bewusst nicht in der Nummerierung, dazu weiter unten mehr.
Krakau und Kleinpolen
1 Rynek Główny in Krakau
Der größte mittelalterliche Marktplatz Europas, rund zweihundert mal zweihundert Meter, mit den Tuchhallen in der Mitte und der Marienkirche an der Ecke. Zu jeder vollen Stunde bläst ein Trompeter den Hejnał vom Turm und bricht mitten im Ton ab. Setz dich nicht ins erste Restaurant am Platz, eine Gasse weiter isst du besser und zahlst weniger. Alles zum Rynek Główny.
2 Wawel: Burg und Kathedrale
Auf dem Hügel über der Weichsel stehen die Königsburg mit ihrem Renaissance-Arkadenhof und die Kathedrale, in der polnische Könige gekrönt und begraben wurden. Es gibt keine Sammelkarte, sondern getrennte Tickets je Bereich mit Zeitfenstern und begrenzter Zahl pro Tag. Buche vor, sonst stehst du oben und kommst nirgends hinein. Zur Seite über den Wawel.
3 Kazimierz
Bis ins 19. Jahrhundert eine eigene Stadt, ab 1495 das Zentrum jüdischen Lebens in Krakau. Sieben historische Synagogen stehen noch, dazu der alte Friedhof an der Remuh-Synagoge. Dass abends die Bars voll sind, ändert nichts daran, was dieser Ort ist: Die Geschichte kommt vor den Cafés. Mehr dazu auf der Seite Kazimierz.
4 Salzbergwerk Wieliczka
Vor der Stadt geht es über hunderte Stufen hinunter in ein Bergwerk, in dem seit dem 13. Jahrhundert Salz gefördert wurde und das 1978 gemeinsam mit der Krakauer Altstadt auf die allererste Welterbeliste kam. Der Höhepunkt ist eine komplett aus Salz gehauene Kapelle. Du kommst nur mit Führung hinein, unten ist es dauerhaft kühl. Jacke einpacken. Zur Seite Wieliczka.
5 Tatra und Morskie Oko
Zwei Stunden südlich von Krakau steht mit der Tatra das einzige richtige Hochgebirge Polens. Von Zakopane aus führt die bekannteste Wanderung zum Bergsee Morskie Oko, ein breiter Asphaltweg, den im Sommer sehr viele Menschen gleichzeitig gehen. Wer Ruhe will, nimmt ein anderes Tal. Ein Überblick steht auf der Seite Tatra und Beskiden.
6 Jasna Góra in Tschenstochau
Das Paulinerkloster über Tschenstochau (Częstochowa) ist der wichtigste Wallfahrtsort Polens. In der Kapelle hängt die Schwarze Madonna, davor knien Menschen, die zu Fuß hierhergelaufen sind, manche über Wochen. Auch wer mit Wallfahrt nichts anfangen kann, versteht hier in einer halben Stunde etwas über das Land. Es ist eine aktive Kirche, die Kleiderordnung gilt.
Warschau
7 Die Warschauer Altstadt
Was hier steht, war 1945 ein Trümmerfeld. Die deutsche Besatzung hatte die Altstadt nach dem Aufstand von 1944 planmäßig gesprengt, der Wiederaufbau nach alten Plänen und Gemälden dauerte Jahre. Genau dafür kam sie 1980 auf die Welterbeliste. Mehr auf der Seite zur Warschauer Altstadt.
8 POLIN, Museum der Geschichte der polnischen Juden
Das Haus steht auf dem Boden des ehemaligen Gettos und erzählt tausend Jahre jüdisches Leben in Polen, nicht nur dessen Ende. Wer in Warschau nur eine Ausstellung besucht, sollte diese nehmen. Plane mindestens drei Stunden ein. Zur Seite über das POLIN-Museum.
9 Museum des Warschauer Aufstands
63 Tage dauerte der Aufstand von 1944, danach war die Stadt zerstört und ein großer Teil der Zivilbevölkerung tot. Das Museum arbeitet laut, dicht und sehr emotional, für viele deutsche Besucher ist es der unbequemste Ort der Stadt. Genau deshalb gehört er auf die Liste. Zur Seite über das Aufstandsmuseum.
10 Łazienki-Park
Der große Landschaftspark im Süden der Innenstadt mit dem Palast auf der Insel, Pfauen auf den Wegen und dem Chopin-Denkmal, an dem im Sommer sonntags Klavierkonzerte unter freiem Himmel stattfinden. Der beste Gegenentwurf zum Verkehr der Innenstadt. Zur Seite über den Łazienki-Park.
Die Ostsee und Danzig
11 Langer Markt in Danzig
Die schmalen Bürgerhäuser am Długi Targ mit dem Rathaus und dem Neptunbrunnen sind die schönste Straßenflucht Polens, auch wenn fast alles nach 1945 wieder aufgebaut wurde. Vom Rathausturm siehst du, wie konsequent die Stadt zum Wasser hin gebaut ist. Zur Seite über den Langen Markt.
12 Krantor und Motława-Ufer
Der hölzerne Hafenkran aus dem 15. Jahrhundert ist das Wahrzeichen Danzigs (Gdańsk). Am schönsten ist die Uferpromenade früh am Morgen, bevor die Ausflugsboote ablegen. Wer Bernstein kaufen will, schaut vorher nach, woran echter zu erkennen ist. Zur Seite über das Krantor.
13 Europäisches Solidarność-Zentrum
Auf der Danziger Werft begann 1980 die Streikbewegung, aus der die erste unabhängige Gewerkschaft des Ostblocks wurde. Das Museum im rostroten Bau am historischen Werfttor erklärt das ohne Pathos und mit sehr guten Originaldokumenten. Zur Seite über das Solidarność-Zentrum.
14 Die Seebrücke von Sopot
Die längste hölzerne Seebrücke Europas ragt in Sopot (Zoppot) weit in die Ostsee hinaus. Das Seebad zwischen Danzig und Gdingen erreichst du mit der Nahverkehrsbahn SKM in gut zwanzig Minuten. Im Juli und August ist der Strand voll, im Mai und September gehört er fast dir allein.
15 Die Halbinsel Hel
Ein Sandfinger von gut dreißig Kilometern Länge, an der schmalsten Stelle nur ein paar hundert Meter breit, mit Wasser auf beiden Seiten. In Hel leben Kegelrobben in einer Forschungsstation, und die Bahn fährt bis ans Ende. Am Wochenende steht der Autoverkehr auf der einzigen Straße, nimm den Zug oder das Schiff.
16 Die Wanderdünen bei Łeba
Im Slowinzischen Nationalpark schieben sich Dünen langsam landeinwärts und begraben dabei den Wald unter sich. Von Łeba sind es ein paar Kilometer bis zum Sand, zu Fuß, mit dem Rad oder per Elektrobahn. Nimm Wasser mit, oben gibt es keinen Schatten.
Backsteingotik an der Weichsel
17 Die Marienburg
Der Deutsche Orden begann 1274 mit dem Bau, entstanden ist die flächenmäßig größte Backsteinburg der Welt, seit 1997 Welterbe. Für den Rundgang durch Hoch-, Mittel- und Vorburg brauchst du drei bis vier Stunden. Von Danzig aus ist Malbork ein bequemer Tagesausflug mit dem Zug.
18 Thorn
Die Altstadt von Thorn (Toruń) ist im Zweiten Weltkrieg fast unbeschädigt geblieben, hier steht also Originalsubstanz und keine Rekonstruktion. Nikolaus Kopernikus wurde in der Stadt geboren, sein Geburtshaus ist heute Museum. Die Lebkuchen sind kein Souvenirkitsch, sondern ein Handwerk mit Jahrhunderten Tradition.
Breslau, Posen und der Westen
19 Rynek und Zwerge in Breslau
Der Marktplatz von Breslau (Wrocław) gehört zu den größten des Landes, mitten darauf steht ein gotisches Rathaus mit astronomischer Uhr. Über die Stadt verteilt sitzen hunderte kleine Bronzezwerge, die auf den Protest der Orangen Alternative in den achtziger Jahren zurückgehen. Zu den Seiten Rynek und Zwerge.
20 Die Jahrhunderthalle
Max Berg baute sie zwischen 1911 und 1913 aus Stahlbeton, mit einer Kuppel, die damals alles übertraf, was an freitragenden Konstruktionen existierte. Seit 2006 steht sie auf der Welterbeliste. Wer sich für Architektur des 20. Jahrhunderts interessiert, fährt hinaus. Zur Seite über die Jahrhunderthalle.
21 Panorama Racławicka
Ein Rundgemälde von 1894, mehr als hundert Meter lang und fünfzehn Meter hoch, das eine Schlacht von 1794 zeigt. Du stehst in der Mitte, und der Übergang zwischen Leinwand und plastischem Vordergrund verschwimmt vollständig. Der Zutritt läuft über Zeitfenster, buche vor. Zur Seite über die Panorama Racławicka.
22 Alter Markt in Posen
Mittags um zwölf stoßen am Rathaus von Posen (Poznań) zwei mechanische Ziegenböcke die Hörner gegeneinander, davor sammelt sich der halbe Platz. Der Renaissance-Umbau von Giovanni Battista di Quadro ist der eigentliche Grund zu kommen. Zur Seite über den Alten Markt.
Der Osten: Renaissance, Seen und Urwald
23 Zamość
Kanzler Jan Zamoyski ließ ab 1580 vom Architekten Bernardo Morando eine komplette Stadt am Reißbrett bauen, italienische Renaissance mitten in der Ebene. Der Marktplatz mit den Laubengängen und dem Rathaus wirkt wie ein Bühnenbild. Zamość steht seit 1992 auf der Welterbeliste und liegt weit genug abseits, dass du dort Platz hast.
24 Die Masurische Seenplatte
Tausende Seen, viele davon durch Kanäle verbunden, dazu Wälder bis zum Horizont. Ein Segelboot oder ein Kajak sind hier die passenderen Verkehrsmittel als das Auto. Ausgangspunkte sind Giżycko und Mikołajki. Zu den Seiten Masurische Seenplatte und Segeln in Masuren.
25 Der Urwald von Białowieża
Im Osten an der Grenze zu Belarus steht der letzte große Tieflandurwald Europas, Welterbe seit 1979 und Heimat der größten frei lebenden Wisentpopulation. In die streng geschützte Kernzone kommst du nur mit lizenziertem Führer. Zur Seite über Białowieża.
Ein Ort, der nicht auf eine Bucketlist gehört
Auschwitz-Birkenau bei Oświęcim ist keine Sehenswürdigkeit und steht deshalb nicht in dieser Nummerierung. Das Gelände ist die zentrale Gedenkstätte für die mehr als eine Million Menschen, die das deutsche nationalsozialistische Konzentrations- und Vernichtungslager ermordet hat, die große Mehrheit von ihnen Jüdinnen und Juden aus ganz Europa.
Der Eintritt kostet nichts, eine personalisierte Reservierung ist trotzdem Pflicht. Es gelten feste Verhaltens- und Gepäckregeln, und die Gedenkstätte empfiehlt den Besuch erst ab vierzehn Jahren. Plane einen ganzen Tag ohne Anschlusstermin. Wie das praktisch abläuft, steht auf der Seite Auschwitz-Birkenau, den größeren Zusammenhang findest du unter Gedenkorte des Zweiten Weltkriegs.
Was knapp an der Liste vorbeigeht
Fünfundzwanzig Plätze sind schnell voll. Nicht mehr hineingepasst haben die Altstadt von Lublin mit dem Krakauer Tor, die Friedenskirche von Schweidnitz (Świdnica) aus Holz, Lehm und Stroh, das Riesengebirge über Karpacz mit seiner norwegischen Stabkirche und Kattowitz (Katowice), wo aus einem Kohlerevier gerade eine Kulturstadt wird.
Wer schon einmal in Polen war, findet dort die interessantere zweite Runde. Eine sortierte Übersicht steht auf der Seite Alle polnischen Städte, die Landesteile findest du unter Regionen Polens.
Praktisches für die erste Reise
Zwischen den Zielen kommst du gut mit der Bahn voran. Die Schnellzüge zwischen Warschau, Krakau, Danzig und Breslau sind zuverlässig und reservierungspflichtig, gebucht wird online, im Vorverkauf meist deutlich günstiger. Details stehen auf der Seite Polen mit dem Zug. Wer fährt, beachtet die Maut auf Teilen der Autobahnen, die Umweltzonen in Krakau und Warschau, den Vorrang für Fußgänger am Zebrastreifen seit 2021, die strenge Alkoholgrenze und das ganztägige Lichtgebot. Das steht ausführlich unter Mit dem Auto nach Polen.
Achtung: In Polen gilt der Złoty, nicht der Euro. Karten funktionieren fast überall, auch für Kleinbeträge. Wenn dir das Terminal oder der Geldautomat anbietet, gleich in Euro abzurechnen, lehne ab und wähle Złoty. Diese dynamische Währungsumrechnung nutzt einen eigenen Kurs und kostet dich jedes Mal Geld.
Tipp: Präg dir die polnischen Ortsnamen ein. Am Bahnsteig, auf dem Ticket und im Navi steht Kraków, Gdańsk, Wrocław, Poznań, Toruń oder Malbork. Die deutschen Namen tauchen in polnischen Apps und an Fahrkartenautomaten nicht auf, und mit der falschen Schreibweise findest du keine Verbindung.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für die Highlights Polens?
Für eine erste Runde mit Krakau, Warschau, Danzig und einem Abstecher in die Natur rechnest du zehn bis vierzehn Tage. Wer nur eine Woche hat, nimmt zwei Städte und einen Ausflug, zum Beispiel Krakau mit Wieliczka und danach Warschau. Drei Großstädte in sieben Tagen gehen zwar, kosten aber zwei komplette Tage im Zug.
Welche Stadt sollte man in Polen zuerst sehen?
Krakau, wenn du eine geschlossene Altstadt willst, die den Krieg weitgehend unbeschädigt überstanden hat. Warschau, wenn dich das 20. Jahrhundert und eine große, moderne Hauptstadt mehr reizen als Kopfsteinpflaster. Danzig, wenn du Wasser und Backstein magst. Wer sich zwischen den beiden größten Städten nicht entscheiden kann, findet den Vergleich Krakau oder Warschau im Blog.
Wann ist die beste Reisezeit für Polen?
Mai, Juni und September sind am stärksten: mild, lange hell und ohne den Andrang des Hochsommers. Juli und August sind an der Ostsee und in Masuren voll, dafür ist dann Badesaison. Der Winter lohnt sich für Weihnachtsmärkte und Ski, ist aber kalt und früh dunkel. Monat für Monat steht das im Reisezeit-Guide.
Kann man Polen gut ohne Auto bereisen?
Zwischen den großen Städten ja. Die Schnellzüge verbinden Warschau, Krakau, Danzig, Breslau und Posen zuverlässig, Reservierung ist Pflicht und der Vorverkauf günstiger. Schwieriger wird es in Masuren, im Riesengebirge und an Teilen der Ostseeküste. Dort lohnt sich ein Mietwagen für ein paar Tage oder eine Kombination aus Bahn und Regionalbus.
Ist Polen ein günstiges Reiseland?
Übernachtung, Essen und Nahverkehr liegen unter westeuropäischem Niveau, direkt an den großen Marktplätzen gleichen sich die Preise aber an. Bezahlt wird in Złoty, Kartenzahlung ist praktisch überall möglich. Wechsle kein Geld am Flughafen oder Bahnhof und lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab, sie kostet dich jedes Mal einen Aufschlag.
Gehört Auschwitz-Birkenau auf eine Liste mit Highlights?
Nein. Auschwitz-Birkenau ist eine Gedenkstätte, keine Sehenswürdigkeit, und wird auf dieser Seite deshalb ohne Nummer geführt. Der Eintritt ist frei, eine personalisierte Reservierung Pflicht, es gelten feste Verhaltensregeln, und die Gedenkstätte empfiehlt den Besuch ab vierzehn Jahren. Plane einen ganzen Tag und danach kein Programm mehr.




