Region in Polen

Ermland-Masuren: Seen & Städte

Ermland-Masuren (Warmińsko-Mazurskie) ist die wasserreichste Region Polens. Mehrere tausend Seen liegen hier in einer Landschaft, die von der letzten Eiszeit geformt wurde, viele davon durch Kanäle verbunden, sodass du über hundert Kilometer am Stück fahren kannst, ohne den Kiel aus dem Wasser zu nehmen. Deshalb kommen die meisten Besucher mit Boot, Paddel oder Fahrrad statt mit Museumsplan.

Die Region ist aber nicht nur Erholung. Zwei historische Landschaften stecken im Namen: das katholische Ermland mit Bischofsburgen und der Kopernikus-Stadt Frombork, und das protestantische Masuren mit seinen Dörfern und Seen. Dazu kommen Orte, an denen das 20. Jahrhundert sehr nah rückt. Diese Seite ordnet dir Ermland-Masuren: Städte, Wasser, Anreise und die Frage, wann du kommen solltest.

Ermland-Masuren: Seen & Städte
Foto: Kgbo, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftErmland-Masuren (warmińsko-mazurskie), Hauptstadt Allenstein (Olsztyn)
  • LageNordostpolen, Grenze zur russischen Oblast Kaliningrad
  • Größter SeeŚniardwy (Spirdingsee), der größte See Polens
  • TechnikdenkmalOberländischer Kanal (Kanał Elbląski) mit fünf Rollbergen
  • Ideale Dauer5 bis 7 Tage
  • Beste ReisezeitJuni bis September, Wassersport Juli und August

Ermland und Masuren: zwei Landschaften, ein Name

Der Doppelname ist kein Marketing, sondern Geschichte. Das Ermland (Warmia) im Westen war seit dem 13. Jahrhundert ein geistliches Fürstentum unter den Bischöfen von Frauenburg, gehörte ab 1466 zum polnischen Königreich und blieb katholisch. Masuren (Mazury) im Osten war Teil des Ordenslandes und später Ostpreußens, wurde protestantisch und von polnischsprachigen Siedlern geprägt, den Masuren. Diese Grenze siehst du bis heute: hier Wallfahrtskirchen und Wegkreuze, dort schlichte Backsteinkirchen.

1945 fiel die Region an Polen. Die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, neue Bewohner kamen aus Zentralpolen und aus den polnischen Ostgebieten, die an die Sowjetunion gefallen waren, dazu 1947 zwangsumgesiedelte Ukrainer und Lemken. Wer heute durch die Dörfer fährt, sieht deutsche Backsteinbauten und polnische Ortsnamen nebeneinander. Beides gehört dazu, und beides steht auf den Schildern nur in der polnischen Schreibweise.

Allenstein: die Basis

Allenstein (Olsztyn) ist mit rund 170.000 Einwohnern die einzige größere Stadt und der praktische Ausgangspunkt für die Region. Hier laufen die Bahnlinien aus Warschau, Danzig und Białystok zusammen, hier bekommst du ein Mietauto, hier gibt es die größte Auswahl an Hotels.

Die Burg des Ermländer Domkapitels aus dem 14. Jahrhundert ist das Herzstück der Altstadt. Nikolaus Kopernikus verwaltete von hier aus die Güter des Kapitels und organisierte 1521 die Verteidigung gegen den Deutschen Orden. An einer Wand des Kreuzgangs hat sich eine von ihm angelegte Tafel zur Beobachtung der Tagundnachtgleiche erhalten, eines der wenigen erhaltenen Instrumente aus seiner Hand. Dazu kommen ein hübscher Marktplatz, das Hohe Tor und viel Wald direkt am Stadtrand.

Die großen Seen: Mikołajki und Giżycko

Mikołajki (Nikolaiken) ist der bekannteste Segelort Masurens: ein kleiner Ort zwischen zwei Seen, mit Hafenpromenade, Booten in Reihe und einer Brücke, unter der laut Sage der Stinthengst angekettet liegt, ein Riesenfisch, den die Fischer bezwangen. Von hier aus liegt der Śniardwy vor der Tür, mit rund 114 Quadratkilometern der größte See Polens. Er ist flach, weit und bei Wind unangenehm ruppig.

Giżycko (Lötzen) liegt weiter nördlich zwischen Niegocin und Kisajno und ist der zweite große Wassersporthafen. Sehenswert sind die Feste Boyen, eine preußische Festungsanlage aus der Mitte des 19. Jahrhunderts mit vollständig erhaltenem Wallring, und die handbetriebene Drehbrücke über den Kanal, die für jeden Bootsdurchgang aufgeschwenkt wird. Wer eine Woche bleibt, nimmt einen der beiden Orte als Basis und fährt den Rest mit dem Auto.

Segeln, Paddeln und Baden

Die Große Masurische Seenplatte ist ein zusammenhängendes System: Über Kanäle und Schleusen kommst du von Węgorzewo im Norden bis Pisz im Süden. Segelboote und Hausboote mietest du in Mikołajki, Giżycko und einem Dutzend kleinerer Häfen, für Hausboote unter einer bestimmten Größe brauchst du keinen Führerschein. Kajakfahrer nehmen die Krutynia, einen ruhigen Flusslauf durch Wald und Schilf, den man in Etappen von wenigen Stunden oder in einer ganzen Woche fahren kann.

Baden geht praktisch überall, das Wasser ist im Hochsommer angenehm und an vielen Stellen flach. Was in Masuren fehlt, sind Berge und Wellen, was es dafür gibt, ist Weite. Details zu Booten, Revieren und Routen findest du unter Masuren: Segeln, Kajak und Seen.

Tipp: Die zweite Julihälfte und die erste Augusthälfte sind in Masuren die vollsten Wochen des Jahres, dann sind Häfen belegt und Ferienhäuser ausgebucht. Juni und die erste Septemberhälfte bieten dasselbe Wasser bei halber Belegung. Buche Boote und Unterkünfte trotzdem früh, das Angebot ist begrenzt.

Święta Lipka: Barock mitten im Dorf

Święta Lipka (Heiligelinde) ist die bedeutendste Wallfahrtskirche der Region und steht seit dem späten 17. Jahrhundert an einem Ort, an dem der Legende nach eine Marienfigur in einer Linde gefunden wurde. Von außen wirkt die Anlage wie eine Festung: ein Rechteck aus Arkadengängen mit Ecktürmen, in der Mitte die Kirche.

Innen geht es um die Orgel. Sie hat bewegliche Figuren, Engel mit Glocken und Trompeten, die sich zum Spiel drehen, und wird mehrmals täglich kurz vorgeführt. Das ist eine aktive Pfarr- und Wallfahrtskirche: Während der Messe wird nicht besichtigt, Schultern und Knie bleiben bedeckt, und im Hochsommer stehen hier ganze Buslasten. Komm früh am Tag.

Die Wolfsschanze bei Kętrzyn

Bei Gierłoż nahe Kętrzyn (Rastenburg) liegt das ehemalige Führerhauptquartier Wolfsschanze. Von 1941 an leitete Adolf Hitler von hier aus den Krieg gegen die Sowjetunion, hier fand am 20. Juli 1944 das Attentat Claus Schenk Graf von Stauffenbergs statt, und im Januar 1945 sprengte die Wehrmacht die Anlage beim Rückzug. Geblieben ist ein Feld aus Betonruinen im Wald, teilweise meterdick, teilweise gekippt.

Der Ort ist kein Ausflugsziel wie ein Schloss. Ohne Einordnung siehst du Beton, mit einer Führung verstehst du, wie dieser Apparat funktionierte und wer hier arbeitete. Nimm also eine deutschsprachige Führung oder lies vorher. Bewegen darfst du dich nur auf den markierten Wegen, in den Ruinen liegt loses Gestein, und Teile der Anlage sind nicht gesichert. Für Kinder ist der Besuch wenig geeignet.

Elbing und der Oberländische Kanal

Elbing (Elbląg) im Westen der Region wurde 1945 fast vollständig zerstört. Der Wiederaufbau ab den 1980er Jahren ging einen eigenen Weg: Statt die alten Häuser zu kopieren, wurden auf den historischen Parzellen neue Gebäude errichtet, die deren Maßstab und Rhythmus aufnehmen, aber erkennbar modern sind. Diese Retroversion ist in Polen einmalig und für sich schon einen Umweg wert.

Der eigentliche Grund für den Besuch beginnt am Hafen. Der Oberländische Kanal (Kanał Elbląski) wurde ab Mitte des 19. Jahrhunderts nach Plänen von Georg Jacob Steenke gebaut und überwindet fast hundert Höhenmeter nicht mit Schleusen, sondern mit fünf geneigten Ebenen: Die Boote werden auf Wagen gesetzt und über Schienen an Land den Hang hinaufgezogen. Im Sommer fahren Ausflugsschiffe die Strecke, ganz oder in Teilstücken. Rechne mit einem langen Tag, denn schnell ist das nicht.

Frombork: Kopernikus am Frischen Haff

Frombork (Frauenburg) ist ein kleiner Ort am Frischen Haff, überragt von einem ummauerten Domhügel. Nikolaus Kopernikus war hier Domherr des Ermländer Kapitels und schrieb den größten Teil seines Hauptwerks über die Bewegung der Himmelskörper, das 1543 erschien. Er wurde in der Kathedrale bestattet, sein Grab galt lange als verschollen, wurde 2005 identifiziert und 2010 neu eingerichtet.

Auf dem Domhügel stehen Kathedrale, Glockenturm mit Planetarium und ein Museum. Von oben schaust du über das Haff bis zur Nehrung. Ein halber Tag reicht, gut zu verbinden mit Elbing oder mit der Weiterfahrt zur Marienburg (Malbork).

Anreise, Verkehr und Bezahlen

Autobahnen gibt es hier keine. Aus Deutschland fährst du über Stettin oder Danzig und danach über Schnellstraßen und Landstraßen, von Berlin sind es rund 620 Kilometer bis Allenstein. Mit der Bahn kommst du über Warschau oder Danzig nach Allenstein, in die Seenorte weiter mit Regionalzug oder Bus. Bei Szymany südlich von Allenstein gibt es einen kleinen Regionalflughafen mit saisonalem Verkehr. Ohne Auto bleibst du in Masuren an wenige Orte gebunden.

Achtung: Die Landstraßen sind schmal, oft von alten Alleebäumen gesäumt und im Sommer voll mit Wohnwagen und Fahrrädern. Fahr defensiv, überhol nicht in Alleen, und rechne abends mit Wild. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland, und seit 2021 haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang. Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Kartenzahlung ist auch in kleinen Orten üblich, in Bootshäfen und bei Direktvermarktern hilft etwas Bargeld. Am Terminal lehnst du die Abrechnung in Euro ab.

Klima und beste Reisezeit

Ermland-Masuren gehört zu den kühlsten Ecken des polnischen Flachlands. In Allenstein liegen die Höchstwerte im Januar im Mittel bei knapp 1 Grad, nachts geht es auf gut minus 3 Grad, in Nikolaiken und Lötzen ist es noch eine Spur kälter. Der Sommer ist mild: Der August erreicht in Allenstein im Schnitt rund 24 Grad, der Juli knapp 23 Grad, ist mit rund 94 Millimetern aber auch der nasseste Monat.

Für Wassersport ist Juli bis Mitte September die verlässlichste Zeit, für Rad und Wandern Mai, Juni und September. Im Winter sind viele Häfen, Pensionen und Ausflugsschiffe geschlossen, dafür ist die Landschaft leer und still. Wenn die Seen zufrieren, wird auf einigen davon Eissegeln betrieben, verlassen kannst du dich darauf nicht.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Masuren?

Fünf bis sieben Tage. Wer segelt oder ein Hausboot mietet, plant besser eine ganze Woche, weil das Revier groß ist und du bei Wind Zeit verlierst. Für eine Rundreise mit Auto reichen fünf Tage: zwei für die Seen um Mikołajki und Giżycko, einer für Święta Lipka und die Wolfsschanze, zwei für Allenstein, Frombork und den Oberländischen Kanal.

Braucht man in Masuren einen Bootsführerschein?

Für Hausboote unterhalb bestimmter Längen- und Leistungsgrenzen nicht, dafür bekommst du vor der Übergabe eine Einweisung. Für Segelboote hängt es von Größe und Vermieter ab, viele verlangen einen Nachweis oder vermitteln einen Skipper. Kläre das bei der Buchung, und plane die erste Etappe kurz, bis du das Boot kennst.

Was ist der Oberländische Kanal?

Eine Wasserstraße von Elbing ins masurische Oberland aus dem 19. Jahrhundert. Statt Schleusen nutzt sie fünf geneigte Ebenen: Boote werden auf Wagen gesetzt und über Schienen an Land den Hang hinaufgezogen. Im Sommer fahren Ausflugsschiffe die Strecke ganz oder in Etappen. Die Fahrt ist langsam, plane einen ganzen Tag ein.

Lohnt sich der Besuch der Wolfsschanze?

Nur mit Vorbereitung. Die Anlage bei Gierłoż war ab 1941 Hauptquartier Hitlers und Ort des Attentats vom 20. Juli 1944, 1945 wurde sie gesprengt. Heute stehen dort Betonruinen im Wald. Ohne Führung oder Vorwissen bleibt davon wenig hängen. Bewege dich nur auf markierten Wegen, Teile der Ruinen sind nicht gesichert, und für Kinder ist der Ort wenig geeignet.

Kann man Masuren ohne Auto bereisen?

Eingeschränkt. Allenstein, Elbing, Giżycko und Mikołajki erreichst du mit Bahn oder Bus, zwischen den Seenorten verkehren im Sommer auch Ausflugsschiffe. Święta Lipka, die Wolfsschanze und die kleinen Dörfer sind ohne Auto mühsam. Eine gute Alternative ist das Fahrrad: Die Region ist flach, und viele Strecken lassen sich in Tagesetappen fahren.

Wann ist die beste Reisezeit für Ermland-Masuren?

Juni bis September. Für Wassersport sind Juli und August am verlässlichsten, dann ist es aber auch am vollsten. Der August erreicht in Allenstein im Mittel rund 24 Grad, der Juli ist mit rund 94 Millimetern der nasseste Monat. Im Januar bleibt es tagsüber bei knapp 1 Grad, viele Betriebe an den Seen haben dann geschlossen.