Kleinpolen · Stadt-Guide

Krakau (Kraków)

Krakau, auf Polnisch Kraków, ist die Stadt, in der Polen sich selbst am liebsten anschaut. Oben auf dem Hügel die Königsburg mit der Krönungskathedrale, darunter der größte mittelalterliche Marktplatz Europas, dazwischen ein Trompetensignal, das jede Stunde vom Kirchturm kommt und mitten im Ton abbricht. Die Altstadt stand 1978 auf der allerersten Welterbeliste der UNESCO, gemeinsam mit dem Salzbergwerk Wieliczka.

Krakau ist außerdem das seltene polnische Stadtzentrum, das den Zweiten Weltkrieg weitgehend unzerstört überstanden hat. Was du siehst, ist Originalsubstanz und keine Rekonstruktion. Diese Seite ordnet dir die Stadt: die Viertel, die Höhepunkte, wie viele Tage du wirklich brauchst, welche Ausflüge sich lohnen, wie das Klima ist und warum der Winter hier ein Thema für sich bleibt.

Krakau (Kraków)
Foto: Igor123121, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftKleinpolen (Małopolska)
  • Einwohnerrund 800.000, zweitgrößte Stadt Polens
  • UNESCO-WelterbeAltstadt seit 1978, erste Liste überhaupt
  • Hauptstadt Polensbis 1596, Krönungsort noch lange danach
  • Ideale Dauer3 bis 5 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September

Warum sich Krakau lohnt

Krakau war bis 1596 Hauptstadt Polens. Dann zog der Hof nach Warschau, gekrönt und begraben wurden die Könige aber weiter auf dem Wawel. Diese doppelte Rolle sieht man der Stadt bis heute an: die Bauten einer Residenz, dazu die Größe einer überschaubaren Provinzhauptstadt. Von der Barbakane im Norden bis zur Burg im Süden läufst du zwanzig Minuten.

Der zweite Grund ist die Dichte. Innerhalb des Grüngürtels der Planty stehen eine gotische Hallenkirche mit dem Veit-Stoß-Altar, die älteste Universität Polens von 1364, Renaissance-Arkaden im Burghof und ein Marktplatz von rund zweihundert mal zweihundert Metern mit den Tuchhallen in der Mitte. In welcher Reihenfolge das Sinn ergibt, steht auf der Seite Krakau Sehenswürdigkeiten.

Kraków: die polnische Schreibweise gehört dazu

Auf Deutsch sagst du Krakau, auf der Fahrkarte, am Bahnsteig und im Navi steht Kraków, gesprochen ungefähr „Krakuf“. Der Hauptbahnhof heißt Kraków Główny, der Marktplatz Rynek Główny, der Flughafen Kraków Airport. In polnischen Apps und an Fahrkartenautomaten findest du „Krakau“ nicht, dort gibt es nur die polnische Form. Das gilt im ganzen Land: Warszawa, Gdańsk, Wrocław, Poznań. Präg dir die Schreibweise ein, sie erspart dir Ratespiele am Automaten.

Die Viertel: wo was ist

Stare Miasto, die Altstadt, liegt vollständig innerhalb der Planty, dem Parkring, der Anfang des 19. Jahrhunderts an der Stelle der geschleiften Stadtmauern angelegt wurde. Hier findest du den Rynek Główny mit den Tuchhallen, die Marienkirche, das Collegium Maius der Universität und die meisten Hotels. Alles zu Fuß, alles nah beieinander, abends allerdings auch laut.

Kazimierz im Süden war bis ins 19. Jahrhundert eine eigene Stadt, 1335 von König Kasimir dem Großen gegründet. Ab 1495 lebte hier die jüdische Gemeinde Krakaus, sieben historische Synagogen und der alte Friedhof an der Remuh-Synagoge stehen noch. Dass abends die Bars voll sind, ändert nichts daran, was dieser Ort ist. Die Geschichte kommt vor den Cafés, und beides bekommst du auf der Seite Kazimierz.

Podgórze liegt südlich der Weichsel, verbunden durch die Fußgängerbrücke Kładka Bernatka. Hier richtete die deutsche Besatzung 1941 das Getto ein, 1943 wurde es liquidiert. Am Plac Bohaterów Getta erinnern leere Stühle daran, gleich daneben liegen die Apotheke unter dem Adler und die frühere Emaillefabrik von Oskar Schindler, heute ein Museum.

Nowa Huta im Osten entstand ab 1949 als sozialistische Planstadt rund um das Stahlwerk, mit dem Plac Centralny als Mittelpunkt. Mit der Tram bist du in rund einer halben Stunde dort. Wer schon zweimal in Krakau war, findet hier die interessanteste dritte Stadt.

Die Höhepunkte in Kürze

Der Rynek Główny ist der Anfang: rund vier Hektar Pflaster, in der Mitte die Tuchhallen, an der Ecke die Marienkirche. Zu jeder vollen Stunde bläst ein Trompeter vom höheren der beiden Türme den Hejnał in vier Himmelsrichtungen, und jedes Mal bricht die Melodie mitten im Ton ab. Drinnen steht der Flügelaltar von Veit Stoß, geschnitzt Ende des 15. Jahrhunderts.

Danach kommt der Wawel mit Schloss und Krönungskathedrale, unten am Fluss der feuerspeiende Drache. Kazimierz und Podgórze füllen einen zweiten Tag, das Collegium Maius der Universität einen Vormittag. Wer Aussicht will, geht auf einen der künstlichen Hügel am Stadtrand, den Kopiec Krakusa oder den Kościuszko-Hügel: Von oben verstehst du in fünf Minuten, wie die Stadt im Tal liegt.

Wie viele Tage brauchst du?

Drei volle Tage für die Stadt sind das Minimum: einen für Altstadt und Wawel, einen für Kazimierz und Podgórze, einen für das, was liegen geblieben ist. Für das Salzbergwerk rechnest du einen halben Tag dazu, für die Gedenkstätte in Oświęcim einen ganzen. Vier bis fünf Tage sind das ehrliche Maß. Zwei Tage funktionieren nur, wenn du auf beide Ausflüge verzichtest.

Tickets: Auf dem Wawel gibt es keine Sammelkarte für alles, sondern getrennte Tickets je Bereich, jeweils mit Zeitfenster und begrenzter Zahl pro Tag. Buch online vor, vor allem für die Repräsentationsräume und die Schatzkammer. Die Kathedrale wird getrennt verwaltet. Für das Salzbergwerk und die Gedenkstätte reservierst du ebenfalls vorab.

Zur offiziellen Website

Ausflüge: Wieliczka, Oświęcim, Tatra

Das Salzbergwerk Wieliczka liegt direkt vor der Stadt und kam 1978 gemeinsam mit der Altstadt auf die erste Welterbeliste. Du gehst nur mit Führung hinein, unter Tage ist es konstant kühl, rund 14 bis 18 Grad, nimm also eine Jacke mit.

Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau liegt rund 65 Kilometer westlich in Oświęcim. Der Besuch ist reservierungspflichtig, es gelten feste Verhaltensregeln, und für Kinder unter vierzehn Jahren wird er nicht empfohlen. Das ist kein Programmpunkt zwischen zwei Sehenswürdigkeiten. Plane den Tag ohne Anschlusstermin und rechne damit, dass du danach nichts anderes mehr vorhast.

Nach Süden geht es in die Berge. Zakopane und die Tatra erreichst du in rund zwei Stunden, im Winter ist es Skiort, im Sommer Ausgangspunkt für Wanderungen zum Bergsee Morskie Oko.

Beste Reisezeit und Klima

Mai, Juni und September sind die stärksten Monate: mild, lange hell und ohne die Enge des Hochsommers. Juli und August bringen im Mittel Höchstwerte um 25 Grad, sind aber auch die nassesten Monate, gemeinsam mit dem September liegen sie bei gut 100 Millimetern Niederschlag. Am trockensten ist statistisch der März mit rund 45 Millimetern. Im Januar kommt die Stadt tagsüber im Schnitt auf knapp 3 Grad, nachts sinkt es auf etwa minus 3 Grad.

Der Advent hat seinen eigenen Reiz, weil der Weihnachtsmarkt mitten auf dem Rynek steht und die Tuchhallen von innen leuchten. Kalt und voll ist es trotzdem, und der Winter bringt ein zweites Thema mit.

Smog im Winter: die ehrliche Version

Krakau liegt in einer Senke der Weichsel, in der sich bei Inversionswetter kalte Luft staut. Der Dreck bleibt dann über der Stadt hängen. Die Stadt hat gegengesteuert: Seit September 2019 ist das Heizen mit Kohle und Holz im Stadtgebiet verboten, als erste Kommune Polens. Spürbar besser ist es dadurch geworden, verschwunden ist das Problem nicht, denn die Umlandgemeinden heizen weiter und der Verkehr kommt dazu.

Gut zu wissen: An klaren, windstillen Wintertagen kann die Luft in Krakau schlecht sein. Die amtlichen Messwerte stehen online und in den gängigen Wetter-Apps. Wenn du empfindlich reagierst, verleg das Programm an solchen Tagen nach drinnen: Museen, Kirchen, das Bergwerk. Zwischen April und Oktober spielt das Thema praktisch keine Rolle.

Geld: hier gilt der Złoty

Polen zahlt mit dem Złoty, nicht mit dem Euro. Das ist der häufigste Irrtum deutscher Reisender. Manche Läden am Rynek nehmen Euro an, zu einem Kurs, den du nicht willst. Karten funktionieren dagegen fast überall, kontaktlos und auch für Kleinbeträge, vom Bäcker bis zum Ticketautomaten in der Tram.

Achtung: Wenn dir das Kartenterminal oder der Geldautomat anbietet, direkt in Euro abzurechnen, lehne ab und wähle Złoty. Diese dynamische Währungsumrechnung nutzt einen eigenen Kurs und kostet dich jedes Mal Geld. Bargeld holst du am besten am Automaten einer Bank, nicht an den freistehenden Geräten in Touristenlagen.

Der klassische Fehler

Zwei Tage buchen und trotzdem alles sehen wollen, Bergwerk und Gedenkstätte inklusive. Das geht schief, weil beide Ausflüge Zeit und Kraft kosten. Der zweite Fehler steht direkt am Marktplatz: Restaurants mit Speisekarten in sechs Sprachen und Leuten, die dich hineinbitten. Eine Gasse weiter isst du besser und zahlst weniger. Der dritte Fehler ist die Kutschfahrt über das Kopfsteinpflaster, die kaum jemand zweimal macht.

Und ein letzter: feste Schuhe. Das Pflaster in der Altstadt ist uneben, in Kazimierz noch gröber. Wer die Stadt in drei Tagen zu Fuß macht, merkt das am zweiten Abend. Die Details, die sonst noch den Unterschied machen, stehen auf der Seite Krakau: Insider-Tipps.

Für wen sich Krakau besonders lohnt

Für alle, die eine Altstadt am Stück sehen wollen, ohne von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit zu fahren. Für alle, die sich mit dem 20. Jahrhundert ernsthaft beschäftigen wollen: Kaum eine Stadt bringt jüdische Geschichte, Besatzung, Getto und sozialistischen Städtebau so nah zusammen. Und für alle, die gut und günstig essen wollen.

Weniger geeignet ist Krakau, wenn du Ruhe suchst und im Zentrum wohnst, oder wenn du im Sommer Hitze schlecht verträgst: Der Rynek hat wenig Schatten. Wer Berge oder Meer erwartet, ist hier auch falsch, dafür fährst du weiter nach Süden in die Tatra oder in den Norden an die Ostsee.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Krakau16°Cüberwiegend klar
  • Wärmster MonatAugust, 25 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -3 °C
  • Trockenster MonatMärz
  • Höhe219 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

3°-3°J
6°-1°F
10°0°M
14°4°A
19°9°M
24°14°J
25°16°J
25°16°A
20°11°S
15°7°O
8°2°N
4°-1°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

51mm12 TageJ
59mm13 TageF
44mm12 TageM
65mm12 TageA
89mm14 TageM
68mm11 TageJ
107mm15 TageJ
100mm12 TageA
107mm12 TageS
69mm10 TageO
49mm11 TageN
53mm13 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Berlin530 km660 km, 8 Std. 15 Min.
München645 km810 km, 10 Std.
Hamburg785 km980 km, 12 Std. 15 Min.
Stuttgart790 km990 km, 12 Std. 15 Min.
Frankfurt802 km1.000 km, 12 Std. 30 Min.
Köln922 km1.150 km, 14 Std. 30 Min.
Düsseldorf936 km1.170 km, 14 Std. 30 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Wieliczka12 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Wadowice37 km50 km, 0 Std. 30 Min.
Oświęcim52 km60 km, 0 Std. 45 Min.
Kattowitz69 km90 km, 1 Std. 0 Min.
Bielsko-Biała69 km90 km, 1 Std. 0 Min.
Neu Sandez73 km90 km, 1 Std. 0 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

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Sehenswürdigkeiten im Detail

Praktische Infos

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Krakau?

Für die Stadt selbst drei volle Tage: Altstadt mit Wawel, dann Kazimierz und Podgórze, dann der Rest. Willst du zusätzlich ins Salzbergwerk Wieliczka, rechne einen halben Tag dazu, für die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau einen ganzen. Damit landest du bei vier bis fünf Tagen. Mit zwei Tagen siehst du die Höhepunkte, aber ohne Ausflüge und ohne Pausen.

Lohnt sich Krakau auch im Winter?

Ja, mit einer Einschränkung. Der Weihnachtsmarkt steht mitten auf dem Rynek Główny, die Museen sind leerer und Übernachtungen günstiger als im Sommer. Dafür wird es früh dunkel, es ist kalt, und bei Inversionswetter kann die Luft belastet sein. Wenn du empfindlich bist, schau vorher auf die Messwerte und plane mehr Programm in Innenräumen ein.

Ist Krakau teuer?

Im Vergleich zu westeuropäischen Städtezielen liegt Krakau darunter, vor allem bei Übernachtung und Essen. Direkt am Marktplatz gleichen sich die Preise allerdings an das an, was du aus Deutschland kennst. Bezahlt wird in Złoty, mit Karte fast überall. Wechsle kein Geld am Bahnhof oder Flughafen und lehne die Abrechnung in Euro am Terminal ab.

Kann man Auschwitz-Birkenau von Krakau aus besuchen?

Ja, die Gedenkstätte liegt rund 65 Kilometer westlich in Oświęcim und ist mit Zug, Bus oder organisierter Fahrt erreichbar. Der Besuch ist reservierungspflichtig, in den stärker besuchten Stunden nur im Rahmen einer Führung. Es gelten Verhaltens- und Gepäckregeln, für Kinder unter vierzehn Jahren wird der Besuch nicht empfohlen. Plane einen ganzen Tag ein.

Wann ist die beste Reisezeit für Krakau?

Mai, Juni und September. Dann ist es mild, die Tage sind lang und die Stadt nicht so voll wie im Hochsommer. Juli und August erreichen im Mittel Höchstwerte um 25 Grad, bringen aber viel Regen: im Juli rund 107, im August rund 100 Millimeter. Genauso nass ist der September. Der Winter ist kalt: Im Januar liegt der Tagesschnitt bei knapp 3 Grad, nachts bei etwa minus 3 Grad.

Wie heißt Krakau auf Polnisch?

Kraków, gesprochen ungefähr „Krakuf“. Diese Schreibweise steht auf Bahntickets, Bahnhofsschildern, Wegweisern und in polnischen Apps, der deutsche Name taucht dort nicht auf. Der Hauptbahnhof heißt Kraków Główny, der große Marktplatz Rynek Główny. Wer nach der polnischen Form sucht, findet Verbindungen und Adressen deutlich schneller.