Region in Polen

Pommern: Städte & Highlights

Pommern (Pomorze) ist die Ostseeregion im Norden Polens, mit Danzig als Mittelpunkt. Hier liegt die dichteste Mischung des Landes: eine Hansestadt mit Backsteingotik, zwei Nachbarstädte, die zusammen mit ihr die Dreistadt bilden, die größte Ordensburg der Welt, hundert Kilometer Sandstrand und eine Landschaft mit eigener Sprache, die Kaschubei.

Die Region trägt eine wechselvolle Geschichte: Hanse, Deutscher Orden, Freie Stadt Danzig, dazu die Grenzverschiebung von 1945, nach der die Bevölkerung fast vollständig ausgetauscht wurde. Das steht dir hier überall vor Augen, und es macht die Reise interessanter als jede Strandbeschreibung.

Pommern: Städte & Highlights
Foto: Scotch Mist, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftPommern (pomorskie), Hauptstadt Danzig
  • DreistadtDanzig, Zoppot und Gdingen, zusammengewachsen an der Bucht
  • UNESCO-WelterbeMarienburg (Malbork), seit 1997
  • Kaschubischin Polen als Regionalsprache anerkannt
  • WanderdünenSlowinzischer Nationalpark bei Łeba
  • Ideale Dauer5 bis 7 Tage

Warum Pommern

Weil du hier Stadt und Küste an einem Tag verbinden kannst, ohne dich zu hetzen. Von der Danziger Altstadt bis zum Strand sind es mit der Bahn zwanzig Minuten. Wer im Sommer kommt, bekommt breite, feine Sandstrände, die deutlich weniger bebaut sind als die deutsche Ostseeküste. Wer im Herbst kommt, bekommt Backstein, Bernstein und Museen für sich allein.

Fünf bis sieben Tage sind das richtige Maß: drei für die Dreistadt, einen für die Marienburg, zwei für Küste und Kaschubei. Als Basis funktioniert Danzig für fast alles, für den Westen der Region ist ein Standortwechsel sinnvoll.

Danzig als Mittelpunkt

Danzig (Gdańsk) war jahrhundertelang die reichste Stadt der polnisch-litauischen Union und zeitweise deren wichtigster Hafen. Der Lange Markt mit den schmalen Bürgerhäusern, das Krantor an der Mottlau und die Marienkirche als eine der größten Backsteinkirchen der Welt stehen wieder da, wo sie standen: 1945 lag das Zentrum in Trümmern, der Wiederaufbau folgte den alten Fassaden.

Das 20. Jahrhundert liegt hier ebenfalls dicht beieinander. Auf der Westerplatte begann am 1. September 1939 der deutsche Angriff auf Polen, auf der Werft entstand 1980 die Gewerkschaft Solidarność, deren Geschichte das Europäische Solidaritätszentrum erzählt. Drei Tage sind für die Stadt kein Luxus.

Die Dreistadt: Zoppot und Gdingen

Zoppot (Sopot) ist das Seebad dazwischen, mit der längsten hölzernen Seebrücke Europas, gut fünfhundert Metern über das Wasser hinaus. Die Fußgängerstraße hinunter zum Strand ist im Sommer voll, die Villen abseits davon lohnen den Umweg. Zoppot ist der Ort, an dem die Dreistadt badet.

Gdingen (Gdynia) ist der Gegenentwurf: 1926 aus einem Fischerdorf zum Hafen ausgebaut, weil das wiedergegründete Polen einen eigenen Zugang zum Meer brauchte. Das Zentrum ist Moderne der Zwischenkriegszeit, weiß, sachlich, mit Bullaugenfenstern. Am Kai liegen das Segelschulschiff Dar Pomorza und ein Zerstörer aus dem Zweiten Weltkrieg, im ehemaligen Seebahnhof erzählt ein Museum von der Auswanderung nach Amerika.

Alle drei Städte verbindet die S-Bahn SKM im dichten Takt. Du kannst in Danzig wohnen und trotzdem abends in Zoppot am Strand sitzen.

Marienburg: die größte Ordensburg

Die Marienburg (Malbork) liegt gut fünfzig Kilometer südöstlich von Danzig an der Nogat. Der Deutsche Orden begann sie im 13. Jahrhundert und machte sie 1309 zum Sitz des Hochmeisters, damit zur Machtzentrale des Ordensstaates. Nach Fläche ist sie die größte Backsteinburg der Welt, seit 1997 steht sie auf der Welterbeliste.

Die Anlage besteht aus Hochschloss, Mittelschloss und Vorburg, dazwischen Höfe, Wehrgänge und der Remter mit seinem Palmengewölbe. 1945 wurde sie zu großen Teilen zerstört und über Jahrzehnte wiederaufgebaut. Rechne mit drei bis vier Stunden vor Ort, die Wege sind lang und uneben.

Hel: die schmale Halbinsel

Die Halbinsel Hel zieht sich rund fünfunddreißig Kilometer in die Ostsee hinaus und ist an der schmalsten Stelle nur ein paar hundert Meter breit. Links Ostsee mit Wellen, rechts die ruhige Danziger Bucht: An kaum einem Ort in Polen kommst du so schnell von einem Ufer zum anderen. Der Ort Hel an der Spitze hat eine Robbenstation der Universität Danzig und Reste der Küstenbefestigungen, deren Besatzung sich 1939 wochenlang gehalten hat.

Im Sommer ist die einzige Straße auf die Halbinsel regelmäßig dicht. Nimm den Zug ab Gdynia oder das Ausflugsschiff ab Danzig oder Zoppot, dann fängt der Tag entspannter an. Wind gibt es hier fast immer, deshalb ist der Ort Jastarnia bei Surfern und Kitern beliebt.

Łeba und die Wanderdünen

Westlich davon liegt Łeba, ein Badeort am Rand des Slowinzischen Nationalparks. Dort wandern die höchsten Dünen der polnischen Küste tatsächlich: Der Wind schiebt sie mehrere Meter im Jahr landeinwärts, unter dem Sand liegen die Reste von Wald. Von der Landschaft her ist das der ungewöhnlichste Küstenabschnitt Polens.

Autos bleiben am Parkplatz, von dort sind es mehrere Kilometer zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit einem der Elektrowagen. Nimm Wasser mit, auf dem Sand gibt es keinen Schatten. Wer mehr über die Küste im Ganzen wissen will, findet den Überblick unter Polnische Ostseeküste.

Stolp und die Mitte der Region

Stolp (Słupsk) liegt im Westen der Woiwodschaft und ist kein Badeort, sondern eine ruhige Stadt an der Słupia mit Schloss der pommerschen Herzöge, Mühle und Backsteintoren. Im Museum hängt die größte Sammlung von Porträts des Malers und Schriftstellers Stanisław Ignacy Witkiewicz, kurz Witkacy, die es gibt. Für einen Regentag an der Küste ist das die beste Adresse weit und breit.

Kaschubei: eigene Sprache, eigenes Land

Südwestlich von Danzig beginnt die Kaschubei, eine hügelige Seenlandschaft mit Wäldern und kleinen Höfen. Die Kaschuben sind hier seit dem Mittelalter ansässig, ihre Sprache ist in Polen als Regionalsprache anerkannt, in mehreren Gemeinden stehen zweisprachige Ortsschilder. Der höchste Punkt ist die Wieżyca mit 329 Metern, was hier oben tatsächlich eine Aussicht ergibt.

Sehenswert sind das Freilichtmuseum in Wdzydze Kiszewskie, das älteste seiner Art in Polen, und die Klosterkirche in Kartuzy mit ihrem Dach in Form eines Sargdeckels. Ohne Auto ist die Gegend mühsam, mit Auto ein ruhiger, schöner Tag.

Hanse, Orden und das Jahr 1945

Diese Region gehörte über Jahrhunderte abwechselnd zum Deutschen Orden, zur polnischen Krone und zu Preußen, Danzig war zwischen den Weltkriegen Freie Stadt unter Völkerbundmandat. Nach 1945 wurde die Grenze nach Westen verschoben, die deutsche Bevölkerung floh oder wurde vertrieben, und es kamen Menschen aus Zentralpolen sowie aus den Gebieten, die die Sowjetunion im Osten übernommen hatte. Die Kaschuben blieben.

Deshalb siehst du hier deutsche Bausubstanz und polnische Gegenwart nebeneinander. Auf Wegweisern, Fahrkarten und in Apps stehen ausschließlich die polnischen Namen: Gdańsk, Sopot, Gdynia, Malbork, Słupsk. Wer danach sucht, findet schneller.

Anreise und Verkehr

Der Flughafen Danzig liegt westlich der Stadt und ist per Bahn angebunden. Schnelle Züge fahren nach Warschau, Posen und Kattowitz, entlang der Küste kommst du mit Regionalzügen weiter. Fähren verbinden Danzig und Gdynia mit Schweden. Auf Teilstücken der Autobahnen wird Maut erhoben.

Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Karte funktioniert fast überall, auch am Strandkiosk. Lehne die Abrechnung in Euro am Terminal ab. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland, und Fußgänger haben seit 2021 am Zebrastreifen Vorrang.

Klima, Baden und der klassische Fehler

Für Danzig liegt der Tagesschnitt im Januar bei knapp 3 Grad, im August bei rund 23 Grad. Der Juli ist mit etwa 98 Millimetern der nasseste Monat, der April mit rund 35 Millimetern der trockenste. Die Ostsee bleibt kühl, und an windigen Tagen kann kaltes Tiefenwasser an die Küste kommen und die Wassertemperatur innerhalb eines Tages fallen lassen. Ein Pullover gehört auch im Juli in den Rucksack.

Gut zu wissen: An bewachten Stränden bedeutet eine weiße Flagge, dass Baden erlaubt ist, eine rote verbietet es. Hängt gar keine Flagge, ist kein Rettungsschwimmer im Dienst. Nimm das ernst: Die Ostsee hat hier ablandige Strömungen, und außerhalb der bewachten Abschnitte hilft dir niemand.

Der klassische Fehler ist der Julitag auf Hel mit dem Auto: eine Straße, kein Ausweichen, Stau in beide Richtungen. Der zweite ist, die Region auf Strand zu reduzieren. Wenn es regnet, hast du hier Marienburg, Museen und Backsteingotik in Reichweite, und das ist bei diesem Wetter oft der bessere Tag.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Pommern?

Fünf bis sieben. Drei Tage für Danzig, Zoppot und Gdingen, einen für die Marienburg, dazu ein bis zwei für Küste und Kaschubei. Wer nur die Dreistadt sehen will, kommt mit vier Tagen aus. Für Łeba und die Wanderdünen lohnt ein Standortwechsel nach Westen, sonst sitzt du zu lange im Auto.

Wann ist die beste Reisezeit für die polnische Ostsee?

Juni bis September zum Baden, mit dem wärmsten Wasser im August. Juli und August sind auch die vollsten Monate, dann sind Strände und Anfahrtsstraßen ausgelastet. Mai und September eignen sich für Städte, Wandern und Radfahren, die Preise sind niedriger. Rechne das ganze Jahr über mit Wind, ein Pullover gehört immer dazu.

Lohnt sich die Marienburg als Tagesausflug von Danzig?

Ja. Mit dem Zug bist du in 30 bis 45 Minuten in Malbork, vom Bahnhof sind es rund zehn Minuten zu Fuß. Für die Anlage aus Hochschloss, Mittelschloss und Vorburg brauchst du drei bis vier Stunden. Die Wege sind lang, das Pflaster uneben, feste Schuhe helfen. Ein Audioguide führt durch die Räume und ordnet die Geschichte des Ordensstaates ein.

Wie kommt man am besten auf die Halbinsel Hel?

Mit dem Zug ab Gdynia oder mit dem Ausflugsschiff ab Danzig, Zoppot oder Gdynia. Die einzige Straße auf die Halbinsel ist im Sommer regelmäßig überlastet, mit dem Auto verlierst du dann Stunden. Auf Hel selbst kommst du gut mit dem Fahrrad weiter, ein Radweg führt die Halbinsel entlang durch Kiefernwald und an den Stränden vorbei.

Was ist die Kaschubei?

Eine hügelige Seenlandschaft südwestlich von Danzig, in der die Kaschuben seit dem Mittelalter leben. Ihre Sprache ist in Polen als Regionalsprache anerkannt, in mehreren Gemeinden gibt es zweisprachige Ortsschilder. Sehenswert sind das Freilichtmuseum in Wdzydze Kiszewskie, die Klosterkirche in Kartuzy und der Aussichtsberg Wieżyca. Ohne Auto ist die Gegend schwer zu erschließen.

Sind die Strände in Pommern kostenlos?

Ja, die Strände sind frei zugänglich. Bezahlen musst du für Parkplätze in den Badeorten, für Strandkörbe oder Liegen, wo sie angeboten werden, und in den Nationalparks für den Eintritt, etwa im Slowinzischen Nationalpark bei Łeba. Bezahlt wird in Złoty, an den meisten Kassen und Kiosken auch mit Karte.