Pommern · Stadt-Guide

Danzig (Gdańsk)

Danzig, auf Polnisch Gdańsk, ist eine Hafenstadt mit zwei Geschichten. Die erste steht in der Rechtstadt: schmale Giebelhäuser, Speicher, eine der größten Backsteinkirchen der Welt und ein hölzerner Kran über dem Wasser. Die zweite steht drei Kilometer weiter nördlich am Tor der Werft, wo im August 1980 ein Streik begann, der neun Jahre später das Ende eines Systems einleitete.

Dazwischen liegen Strände, eine Bucht und zwei Nachbarstädte, mit denen Gdańsk zusammen die Dreistadt bildet. Diese Seite ordnet dir das alles: die Viertel, die Höhepunkte, wie viele Tage du wirklich brauchst, wann du am besten kommst und was du über Geld, Namen und Wetter vorher wissen solltest.

Danzig (Gdańsk)
Foto: Laima Gūtmane (simka…, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftPommern (Pomorskie)
  • Polnischer NameGdańsk, erstmals 997 erwähnt
  • Einwohnerrund 490.000, Dreistadt gut 700.000
  • DreistadtGdańsk, Sopot und Gdynia an einer Bahnlinie
  • Ideale Dauer3 bis 4 Tage
  • Beste ReisezeitJuni bis September

Warum sich Gdańsk lohnt

Die Stadt war jahrhundertelang der wichtigste Hafen an der südlichen Ostsee. Getreide aus halb Polen ging hier auf die Schiffe, zurück kamen Salz, Tuch und Geld. Das sieht man an den Häusern: hohe, schmale Fassaden, weil die Grundstücke am Wasser teuer waren, und dahinter Speicher statt Gärten.

Der zweite Grund ist die Dichte auf kleinem Raum. Die Rechtstadt misst kaum einen Kilometer im Quadrat, und darin liegen der Lange Markt mit Neptunbrunnen und Artushof, die Marienkirche, das Krantor, die Uferpromenade und drei große Museen. In welcher Reihenfolge das Sinn ergibt, steht auf der Seite Danzig Sehenswürdigkeiten.

Der dritte Grund ist die Lage. Nach zwanzig Minuten Bahnfahrt stehst du am Meer, nach vierzig in einer Hafenstadt der Zwischenkriegszeit. Wenige Städte in Europa lassen Kultur und Strand so einfach an einem Tag zusammenfallen.

Gdańsk: die polnische Schreibweise gehört dazu

Auf Deutsch sagst du Danzig, auf der Fahrkarte, am Bahnsteig und im Navi steht Gdańsk, gesprochen ungefähr „Gdanjsk“. Der Hauptbahnhof heißt Gdańsk Główny, die Stationen im Norden Gdańsk Wrzeszcz und Gdańsk Oliwa, der Flughafen trägt den Namen von Lech Wałęsa. In polnischen Apps und an Automaten findest du den deutschen Namen nicht.

Das gilt im ganzen Land: Warszawa, Kraków, Wrocław, Poznań, Szczecin. Präg dir die Schreibweise ein, sie erspart dir Ratespiele am Fahrkartenautomaten und Missverständnisse beim Nachfragen.

Die Stadt in Vierteln

Główne Miasto, die Rechtstadt, ist das, was die meisten Altstadt nennen. Hier liegen der Lange Markt, die Ulica Długa, die Marienkirche, die Ulica Mariacka mit den Bernsteinwerkstätten und die Promenade an der Motława. Fast alles Wichtige zu Fuß, fast alle Hotels, abends auch der meiste Lärm.

Stare Miasto, die eigentliche Altstadt, schließt sich nördlich an, mit Großer Mühle, Markthalle und der Katharinenkirche. Sie ist weniger geschlossen wieder aufgebaut und deshalb ruhiger.

Młode Miasto heißt das Werftgelände zwischen Altstadt und Hafen. Dort stehen das Solidarność-Zentrum, das Denkmal der gefallenen Werftarbeiter und dazwischen Backsteinhallen, Brachen und neue Wohnblöcke.

Wrzeszcz ist das große Wohnviertel im Nordwesten mit eigenem Bahnhof, Alleen und Cafés, in denen mehr Einheimische als Gäste sitzen. Oliwa weiter nördlich hat Kathedrale, Park und Zoo, und ganz oben am Wasser liegen die Strandviertel Brzeźno und Jelitkowo.

1945 und der Wiederaufbau

Im Frühjahr 1945 lag das Zentrum in Trümmern, ein sehr großer Teil der historischen Bausubstanz war zerstört. Was du heute siehst, ist ab 1950 wieder aufgebaut worden, nach Aufmaßen, Fotografien und alten Stadtansichten, und zwar bewusst im Bild des 17. Jahrhunderts.

Mit den Häusern wechselte die Bevölkerung. Die deutschen Einwohner flohen oder wurden vertrieben, neue Bewohner kamen aus Zentralpolen und aus den Gebieten, die Polen im Osten verlor. Die Stadt, die hier steht, ist deshalb polnisch aufgebaut und polnisch bewohnt, mit einer Vorkriegsgeschichte, die sie nicht versteckt. Zwischen 1920 und 1939 war Danzig eine Freie Stadt unter Aufsicht des Völkerbunds, mit eigener Währung und einem Hafen außerhalb des polnischen Zollgebiets. Genau deshalb baute Polen sich rund zwanzig Kilometer weiter nördlich Gdynia.

Die Höhepunkte in Kürze

Der Lange Markt ist der Anfang: eine breite Straße statt eines Platzes, mit dem Neptunbrunnen von 1633 in der Mitte, dem Artushof der Kaufleute und dem Rathausturm daneben. Wenige Schritte weiter steht die Marienkirche, rund 105 Meter lang, mit astronomischer Uhr und einem Turm, auf den rund vierhundert Stufen führen.

Am Wasser liegt das Krantor, ein mittelalterlicher Hafenkran, in dem Menschen in Trägrädern liefen. Rechne dazu das Maritime Museum mit dem Museumsschiff, die Speicherinsel gegenüber und das Nationalmuseum mit dem „Jüngsten Gericht“ von Hans Memling.

Zwei Daten des 20. Jahrhunderts

Am 1. September 1939 eröffnete ein deutsches Kriegsschiff das Feuer auf ein polnisches Munitionsdepot am Hafeneingang. Damit begann der Zweite Weltkrieg. Das Gelände auf Westerplatte ist heute frei zugänglich und zugleich Kriegsgräberstätte, dort gelten dieselben Regeln wie auf einem Friedhof.

Am 14. August 1980 begann in der Werft ein Streik, aus dem die Gewerkschaft Solidarność hervorging. Wie aus einer Forderungsliste eine Massenbewegung und neun Jahre später der Systemwechsel wurde, erzählt das Europäische Solidarność-Zentrum am Tor Nummer zwei. Beide Orte an einem Tag sind zu viel, und zwar nicht wegen der Entfernung.

Die Dreistadt: drei Städte, eine Bahnlinie

Gdańsk, Sopot und Gdynia liegen an der Bucht aufgereiht und sind durch die Stadtbahn SKM verbunden, die tagsüber dicht fährt. Sopot ist das Seebad mit der längsten hölzernen Seebrücke Europas, gut zwanzig Minuten entfernt. Gdynia ist die Hafenstadt der Zwanzigerjahre mit Museumsschiffen und modernistischer Innenstadt, rund fünfunddreißig Minuten.

Praktisch heißt das: Du musst dich morgens nicht festlegen. Wie Tickets, Züge und Trams zusammenhängen, steht auf der Seite zum Verkehr in Danzig.

Wie viele Tage brauchst du?

Zwei volle Tage decken Rechtstadt, Marienkirche, Motława und Werftgelände ab. Drei bis vier Tage sind das ehrliche Maß, weil dann ein Ausflugstag frei bleibt: Strand und Dreistadt, die Marienburg oder ein Museumstag. Mit einem Tag bleibst du zwischen Goldenem Tor und Krantor und lässt den Rest weg.

Beste Reisezeit und Klima

Juni bis September. Der August ist mit einem Mittel der Höchstwerte von 23,4 Grad der wärmste Monat, der Juli bringt mit rund 98 Millimetern den meisten Regen. Der Mai kommt auf 16,7 Grad und ist deutlich leerer, der September mit 19,2 Grad und rund 51 Millimetern ist der unterschätzte Monat. Am trockensten sind März und April mit 37 und 35 Millimetern.

Der Winter ist an der Küste selten streng: Im Januar liegt das Mittel der Höchstwerte bei 2,8 Grad, nachts bei minus 1,1 Grad. Dafür ist es grau, früh dunkel und windig. An rund vierzehn Tagen im Januar fällt Niederschlag, meist als Regen oder Schneeregen.

Meer und Strand

Gdańsk liegt am Meer, auch wenn du davon in der Rechtstadt nichts merkst. Die Stadtstrände Brzeźno und Jelitkowo erreichst du mit der Tram in gut zwanzig Minuten: feiner Sand, Kiefernwald im Rücken, eine Seebrücke. Die elegantere Variante ist Sopot.

Die Ostsee hier ist kein Mittelmeer. Selbst im August bleibt das Wasser meist unter zwanzig Grad, ablandiger Wind drückt es über Nacht weiter herunter. Der Wind ist überhaupt das Thema an der Küste: Nimm eine winddichte Jacke mit, ein Schirm hilft dir an der offenen Bucht wenig.

Geld: hier gilt der Złoty

Polen zahlt mit dem Złoty, nicht mit dem Euro. Das ist der häufigste Irrtum deutscher Reisender. Kartenzahlung funktioniert dagegen fast überall, kontaktlos und auch für Kleinbeträge, vom Bäcker bis zum Ticketautomaten im Zug.

Achtung: Wenn dir das Kartenterminal oder der Geldautomat anbietet, direkt in Euro abzurechnen, lehne ab und wähle Złoty. Diese dynamische Währungsumrechnung nutzt einen eigenen Kurs und kostet dich jedes Mal Geld. Bargeld holst du am Automaten einer Bank, nicht an freistehenden Geräten in Touristenlagen, und Wechselstuben in den Seitenstraßen sind besser als die direkt am Langen Markt.

Ausflüge in die Umgebung

Die Marienburg, polnisch Malbork, ist die größte Backsteinburg der Welt und mit dem Zug in 30 bis 45 Minuten erreichbar. Die Halbinsel Hel schiebt sich als schmaler Sandstreifen weit in die Bucht, im Sommer fahren Schiffe hin.

Rund fünfzig Kilometer östlich, bei Sztutowo, liegt die Gedenkstätte Stutthof, das erste deutsche Konzentrationslager außerhalb der damaligen Reichsgrenzen. Für Führungen ist eine Anmeldung nötig, es gelten feste Verhaltensregeln, und für jüngere Kinder wird der Besuch nicht empfohlen. Plane den Tag ohne Anschlusstermin.

Für wen sich Gdańsk besonders lohnt

Für alle, die Hafen- und Handelsgeschichte mögen und dabei nicht auf Meer verzichten wollen. Für alle, die sich mit dem 20. Jahrhundert ernsthaft beschäftigen: Kriegsbeginn, Kriegsende, Vertreibung und die Wende von 1989 liegen hier innerhalb weniger Kilometer. Und für Familien, weil Schiffe, Fähren und Strand die Museumstage auffangen.

Weniger geeignet ist die Stadt, wenn du unzerstörte Originalsubstanz erwartest: Das Zentrum ist rekonstruiert, sorgfältig, aber eben nachgebaut. Wer verlässliches Badewetter braucht, fährt ans Mittelmeer. Wo du am besten schläfst, steht auf der Seite zu den Hotels in Danzig.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Danzig16°Cbedeckt
  • Wärmster MonatAugust, 23 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -1 °C
  • Trockenster MonatApril
  • Höhe8 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

3°-1°J
4°-1°F
8°1°M
12°4°A
17°9°M
22°13°J
22°15°J
23°16°A
19°12°S
14°8°O
8°4°N
4°1°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

50mm14 TageJ
42mm11 TageF
37mm10 TageM
35mm10 TageA
48mm11 TageM
64mm12 TageJ
98mm14 TageJ
66mm11 TageA
51mm10 TageS
54mm11 TageO
50mm11 TageN
53mm13 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Berlin403 km500 km, 6 Std. 15 Min.
Hamburg573 km720 km, 9 Std.
Frankfurt825 km1.030 km, 13 Std.
München848 km1.060 km, 13 Std. 15 Min.
Düsseldorf869 km1.090 km, 13 Std. 30 Min.
Köln874 km1.090 km, 13 Std. 45 Min.
Stuttgart900 km1.130 km, 14 Std.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Hel30 km40 km, 0 Std. 30 Min.
Marienburg43 km50 km, 0 Std. 30 Min.
Elbing & der Oberländische Kanal54 km70 km, 0 Std. 45 Min.
Frauenburg67 km80 km, 1 Std. 0 Min.
Łeba84 km100 km, 1 Std. 15 Min.
Graudenz97 km120 km, 1 Std. 15 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

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Sehenswürdigkeiten im Detail

Praktische Infos

Häufige Fragen

Wie viele Tage sollte man für Danzig einplanen?

Zwei volle Tage reichen für die Rechtstadt, die Marienkirche, die Uferpromenade und das Werftgelände mit dem Solidarność-Zentrum. Drei bis vier Tage sind besser, weil dann ein Tag für Sopot und Gdynia, für die Marienburg oder für den Strand frei bleibt. Wer nur einen Tag hat, bleibt zwischen Goldenem Tor und Krantor.

Wie heißt Danzig auf Polnisch?

Gdańsk, gesprochen ungefähr „Gdanjsk“. Diese Schreibweise steht auf Fahrkarten, Bahnsteigen, Wegweisern und in polnischen Apps, der deutsche Name taucht dort nicht auf. Der Hauptbahnhof heißt Gdańsk Główny, weitere wichtige Stationen sind Gdańsk Wrzeszcz und Gdańsk Oliwa. Nachbarstädte der Dreistadt sind Sopot und Gdynia.

Wann ist die beste Reisezeit für Danzig?

Juni bis September. Der August ist mit einem Mittel der Höchstwerte von 23,4 Grad der wärmste Monat, im Juli fallen mit rund 98 Millimetern die meisten Niederschläge. Mai und September sind mit 16,7 und 19,2 Grad angenehm und deutlich leerer. Im Winter bleibt es mit 2,8 Grad im Januar mild, aber grau und windig.

Ist Danzig für einen Städtetrip mit Kindern geeignet?

Ja, wenn du mischst. Die Fähre über die Motława, das Museumsschiff, der Turm der Marienkirche, das Aquarium in Gdynia und der Strand funktionieren zuverlässig. Das Museum des Zweiten Weltkriegs und die Gedenkstätte Stutthof sind für kleine Kinder nicht gedacht. Rechne mit Wind an der Küste und pack eine Jacke mehr ein.

Lohnt sich Danzig auch bei schlechtem Wetter?

Ja, die Museumsdichte ist hoch. Solidarność-Zentrum, Museum des Zweiten Weltkriegs, Maritimes Museum, Nationalmuseum und Bernsteinmuseum füllen mehrere Tage. Draußen hilft an der Küste eine winddichte Jacke mehr als ein Schirm. Nur der Strandtag und die Ausflugsschiffe fallen bei Sturm aus.

Kann man von Danzig aus einen Ausflug ans Meer machen?

Sehr einfach sogar. Die Stadtstrände Brzeźno und Jelitkowo erreichst du mit der Tram in gut zwanzig Minuten, Sopot mit der SKM in etwa derselben Zeit. Weiter nördlich liegen Gdynia und die Halbinsel Hel, im Sommer auch per Schiff. Die Wassertemperatur bleibt allerdings selbst im Hochsommer meist unter zwanzig Grad.