Auf einen Blick
- WoiwodschaftGroßpolen (wielkopolskie), Hauptstadt Posen (Poznań)
- LageWestpolen an der Warthe, zwischen Oder und Weichsel
- Historische RolleKernland der Piasten, Gnesen war die erste Hauptstadt
- Landschaftflach, viele kleine Seen, Kiefernwald, gutes Radland
- Ideale Dauer3 bis 4 Tage
- Beste ReisezeitMai bis September
Warum Großpolen
Diese Region verkauft sich schlecht und liefert gut. Sie hat keine Berge, kein Meer und keine Altstadt vom Format Krakaus. Dafür hat sie den Anfang: Auf den Inseln und Burgwällen zwischen Gnesen und Posen begann im 10. Jahrhundert das, was heute Polen heißt. Die Steine dazu liegen noch da, und sie sind nicht rekonstruiert, sondern ausgegraben.
Der zweite Grund ist die Alltagsseite. Großpolen ist wohlhabend, ordentlich und wenig auf Besucher eingestellt, was den Aufenthalt angenehm unaufgeregt macht. Du sitzt in Posen auf einem der schönsten Renaissanceplätze Mitteleuropas, ohne dich durch Reisegruppen zu schieben. Drei bis vier Tage reichen für die Region, wenn du Posen als Standort nimmst.
Posen: das Zentrum der Region
Posen (Poznań) ist die fünftgrößte Stadt Polens und hat rund eine halbe Million Einwohner. Der Alte Markt (Stary Rynek) ist ein Quadrat mit dem Rathaus in der Mitte, das Giovanni Battista di Quadro Mitte des 16. Jahrhunderts im Renaissancestil umbaute. Mittags stoßen zwei mechanische Ziegenböcke über dem Uhrwerk die Hörner gegeneinander, und der halbe Platz schaut nach oben.
Nördlich davon liegt die Dominsel (Ostrów Tumski), der eigentliche Ursprungsort. Hier stand die Pfalz der ersten Piasten, hier steht die Kathedrale mit der Goldenen Kapelle, in der die Grabmäler von Mieszko I. und Bolesław Chrobry erinnert werden. Wer nur einen Tag hat, macht beides zu Fuß: Marktplatz am Vormittag, Dominsel am Nachmittag.
Posen ist außerdem die Stadt des Großpolnischen Aufstands von 1918 und 1919, des erfolgreichsten Aufstands der polnischen Geschichte, und die Stadt des Juni 1956, als Arbeiterproteste blutig niedergeschlagen wurden. Zwei Kreuze am Plac Mickiewicza erinnern daran.
Gut zu wissen: Am 11. November, dem Martinstag, ist in Posen Ausnahmezustand: Dann werden zehntausende Rogale świętomarcińskie gebacken, gefüllte Hörnchen mit weißem Mohn, deren Rezept und Name geschützt sind. Das ganze Jahr über bekommst du sie in Bäckereien, die Hintergründe erklärt das Rogal-Museum am Alten Markt.
Gnesen und die Piastenroute
Gnesen (Gniezno) liegt rund fünfzig Kilometer östlich von Posen und war die erste Hauptstadt des Landes. Im Jahr 1000 kam Kaiser Otto III. hierher, um am Grab des Märtyrers Adalbert zu beten, und richtete das erste polnische Erzbistum ein. 1025 wurde Bolesław Chrobry in der Kathedrale zum ersten polnischen König gekrönt. Das bekannteste Stück im Inneren sind die bronzenen Türflügel aus dem 12. Jahrhundert, auf denen das Leben des Heiligen Adalbert in achtzehn Feldern erzählt wird.
Die Piastenroute (Szlak Piastowski) verbindet Gnesen mit den übrigen Gründungsorten. Der stärkste davon ist Ostrów Lednicki, eine Insel im Lednica-See auf halbem Weg nach Posen. Dort stehen die Fundamente einer Pfalz mit Taufbecken, das nach heutigem Forschungsstand mit der Christianisierung in Verbindung gebracht wird. Du fährst mit einem kleinen Boot hinüber, und der Ort ist so unspektakulär, wie Ursprünge nun einmal sind: Mauerreste im Gras, Wasser, Wind. Die Route läuft weiter nach Osten in die Nachbarregion Kujawien-Pommern, zum Mäuseturm von Kruszwica und zur eisenzeitlichen Siedlung Biskupin.
Kalisch: die älteste Stadt Polens
Kalisch (Kalisz) im Süden der Region beruft sich auf den ältesten Beleg: Der Geograf Ptolemäus nannte im 2. Jahrhundert einen Ort namens Kalisia an der Bernsteinstraße, die von der Ostsee zur Adria führte. Ob damit genau diese Stelle gemeint war, diskutieren Historiker bis heute, die Stadt feiert es trotzdem.
Was du siehst, ist eine barock und klassizistisch geprägte Kleinstadt am Fluss Prosna, deren Zentrum im Ersten Weltkrieg fast vollständig zerstört und danach wieder aufgebaut wurde. Ein halber Tag reicht. Lohnender ist die Verbindung mit Gołuchów, wo ein Renaissanceschloss im französischen Stil samt Park und Wisentgehege in Fahrweite liegt.
Schlösser, Parks und Eichen
Südlich von Posen liegen zwei Ziele, die zusammen einen guten Tag ergeben. Kórnik ist eine neugotisch umgebaute Burg im Wassergraben mit einem der ältesten und größten Arboreten Polens, angelegt von der Familie Działyński. Rogalin ein paar Kilometer weiter ist ein Barockpalast der Familie Raczyński, berühmt für die Eichen im angrenzenden Auwald der Warthe. Drei besonders alte tragen die Namen Lech, Czech und Rus, nach den Brüdern der Gründungssage der drei slawischen Völker.
Ohne Auto sind beide Orte mühsam, mit Auto sind es je zwanzig bis dreißig Minuten ab Posen. Wer nur eines schafft, nimmt Rogalin wegen der Bäume und der Gemäldesammlung.
Flach, grün und ideal zum Radfahren
Großpolen hat den geringsten Niederschlag Polens und eine Landschaft, die von der letzten Eiszeit geformt wurde: lange Rinnenseen, Endmoränen, dazwischen Felder und Kiefernwald. Ernsthafte Steigungen gibt es nicht. Genau das macht die Region zum unangestrengtesten Radland des Landes, egal ob du an der Warthe entlangfährst, um die Seen bei Zaniemyśl kurvst oder den Großpolnischen Nationalpark südlich von Posen durchquerst.
Die Seen sind kleiner als in Masuren und weniger überlaufen. Zum Baden taugen sie im Hochsommer, zum Segeln eher nicht, dafür fehlt die Weite. Wer die großen Wasserflächen sucht, fährt in die Masurische Seenplatte.
Anreise, Verkehr und Bezahlen
Posen liegt an der Bahnstrecke Berlin, Warschau und ist von Berlin in gut zweieinhalb bis drei Stunden erreichbar, mit dem Auto sind es rund 300 Kilometer über die Autobahn A2. Auf Teilstücken der A2 wird Maut erhoben, das gilt auch für ausländische Fahrzeuge. Der Flughafen Poznań-Ławica liegt am westlichen Stadtrand. Innerhalb der Region kommst du mit Regionalzügen nach Gnesen und Kalisch, zu den Schlössern und Seen brauchst du ein Auto.
Achtung: Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Karte funktioniert praktisch überall, vom Bäcker bis zum Parkautomaten. Wenn dir das Terminal oder der Geldautomat anbietet, in Euro abzurechnen, lehne ab und wähle Złoty. Diese dynamische Währungsumrechnung nutzt einen eigenen Kurs und kostet dich jedes Mal Geld. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland, und seit 2021 haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang, auch wenn sie die Fahrbahn gerade erst betreten.
Klima und beste Reisezeit
Posen kommt im Januar tagsüber auf gut 3 Grad, nachts auf knapp minus 2 Grad. Im August liegen die Höchstwerte im Mittel bei rund 25 Grad, im Juli bei knapp 25 Grad. Nass ist es hier selten: Der April bringt im Schnitt nur rund 37 Millimeter, der Juli als feuchtester Monat gut 70. In Gnesen sieht es fast gleich aus, Kalisch liegt ein halbes Grad darüber.
Von Mai bis September funktioniert alles, für Rad und Seen sind Juni bis August am verlässlichsten. Der Martinstag am 11. November ist der einzige Termin, für den sich eine Reise im Winter wirklich lohnt.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Großpolen?
Zwei Tage für Posen, einen für Gnesen und die Piastenroute, einen für Schlösser oder Kalisch. Damit landest du bei drei bis vier Tagen und hast die Region ordentlich gesehen. Wer nur einen Städtetrip will, bleibt in Posen und hängt den Ausflug nach Gnesen als Halbtagestour an, dafür reichen zwei volle Tage.
Warum ist Gnesen die erste Hauptstadt Polens?
Weil hier im Jahr 1000 das erste polnische Erzbistum gegründet wurde, am Grab des Märtyrers Adalbert, und 1025 die erste Königskrönung stattfand. Die Piastenherzöge residierten in dieser Gegend, bevor der Hof im 11. Jahrhundert nach Krakau zog. Die Kathedrale mit den bronzenen Türflügeln aus dem 12. Jahrhundert steht noch, ebenso die Ausgrabungen auf der Insel Ostrów Lednicki.
Kann man Großpolen ohne Auto bereisen?
Posen, Gnesen und Kalisch erreichst du bequem mit dem Zug, dafür brauchst du kein Auto. Schwierig wird es bei Ostrów Lednicki, Kórnik, Rogalin und den Seen: Dorthin fahren nur wenige Busse, und die Fahrpläne sind auf Schüler ausgelegt. Wenn diese Ziele dazugehören sollen, miete ein Auto in Posen oder plane Radetappen ein.
Lohnt sich Posen als Städtereise?
Ja, vor allem als kurze Reise ab Berlin. Der Alte Markt gehört zu den schönsten Renaissanceplätzen Mitteleuropas, die Dominsel erzählt die Gründungsgeschichte des Landes, und die Stadt ist deutlich weniger besucht als Krakau oder Danzig. Zwei bis drei Tage sind das richtige Maß, mit dem Zug bist du in unter drei Stunden dort.
Was ist die Piastenroute?
Eine ausgeschilderte Route zu den Orten, an denen der polnische Staat im 10. und 11. Jahrhundert entstand. Sie führt von Posen über Ostrów Lednicki nach Gnesen und weiter nach Kujawien, unter anderem nach Kruszwica und Biskupin. Manche Stationen sind Kirchen, andere nur Ausgrabungen im Gras. Mit dem Auto machst du die Kernstrecke an einem langen Tag.
Wann ist die beste Reisezeit für Großpolen?
Mai bis September. Es ist die trockenste Region Polens, die Sommer erreichen im Mittel rund 25 Grad, und die flache Landschaft lässt sich dann gut mit dem Rad erschließen. Im Januar liegen die Tageswerte in Posen bei gut 3 Grad. Wer den Martinstag am 11. November mit den Posener Hörnchen erleben will, kommt bewusst im Spätherbst.






