Masowien · Stadt-Guide

Warschau (Warszawa)

Warschau, auf Polnisch Warszawa, ist die Stadt, die es zweimal gibt: die vor 1944 und die danach. Nach dem Warschauer Aufstand sprengte die deutsche Besatzung das linke Weichselufer systematisch, die Altstadt lag am Ende in Trümmern. Was heute zwischen Schlossplatz und Barbakane steht, haben die Warschauer nach dem Krieg wieder aufgebaut, in Teilen nach den Stadtansichten des Malers Bernardo Bellotto, genannt Canaletto. Genau dafür, für diesen Wiederaufbau, steht die Altstadt seit 1980 auf der UNESCO-Welterbeliste.

Daneben steht die andere Stadt: der Kulturpalast aus der Stalinzeit, ein Ring aus Glastürmen darum herum, Museen, die international mitspielen, und ein weitgehend naturbelassenes Flussufer mitten im Zentrum. Diese Seite ordnet dir Warschau: die Viertel, die Höhepunkte, die Gedenkorte, wie viele Tage du brauchst, wie das Klima ist und welche Fehler du dir sparen kannst.

Warschau (Warszawa)
Foto: Adrian Grycuk, CC BY-SA 3.0 pl · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftMasowien (Mazowieckie)
  • Einwohnerrund 1,8 Millionen, größte Stadt Polens
  • Hauptstadtseit dem Ende des 16. Jahrhunderts, davor Krakau
  • UNESCO-WelterbeAltstadt seit 1980, ausgezeichnet für den Wiederaufbau
  • Ideale Dauer3 bis 4 Tage
  • Beste ReisezeitMai, Juni und September

Warum sich Warschau lohnt

Wer Warschau nur mit Krakau vergleicht und dabei auf hübsche Fassaden schaut, wird enttäuscht. Warschau gewinnt anders. Kaum eine europäische Stadt erzählt das 20. Jahrhundert so vollständig: die Großstadt der Zwischenkriegszeit, das Getto, den Aufstand von 1944, die planmäßige Zerstörung, den Wiederaufbau von Hand, vierzig Jahre Volksrepublik und danach eine Wirtschaftsmetropole mit Hochhäusern. Das liegt hier nicht in getrennten Kapiteln, sondern oft in derselben Straße übereinander.

Der zweite Grund sind die Museen. Das POLIN zur Geschichte der polnischen Juden, das Museum des Warschauer Aufstands und das Kopernikus-Wissenschaftszentrum sind keine Provinzhäuser, sondern Sammlungen und Inszenierungen, für die Menschen aus ganz Europa anreisen. Der dritte Grund ist der Fluss: Die Weichsel fließt mitten durch die Stadt und ihr rechtes Ufer ist über Kilometer Sand, Weiden und Vogelgeschrei geblieben.

Warszawa: die polnische Schreibweise gehört dazu

Auf Deutsch heißt die Stadt Warschau, auf jeder Fahrkarte, jeder Anzeigetafel und in jeder polnischen App steht Warszawa, gesprochen ungefähr „Warschawa“. Der große Fernbahnhof heißt Warszawa Centralna, der Bahnhof für Regionalzüge gleich daneben Warszawa Śródmieście, der Flughafen Lotnisko Chopina. Die Weichsel ist die Wisła. Wer nach der deutschen Form sucht, findet an Automaten und in Fahrplänen nichts. Das gilt im ganzen Land, für Kraków, Gdańsk, Wrocław und Poznań genauso.

Die Altstadt: Wiederaufbau als Welterbe

Die Altstadt mit dem Königsschloss ist der Ort, an dem die meisten anfangen, und sie funktioniert nur, wenn du weißt, was du siehst. Nach 1945 stand hier fast nichts mehr. Die Warschauer entschieden sich gegen einen modernen Neubau und für die Rekonstruktion, mit Ziegeln aus dem eigenen Schutt, mit alten Plänen und mit den Stadtansichten Bellottos als Vorlage. Die UNESCO nahm die Altstadt 1980 auf, ausdrücklich als Beispiel dafür, wie eine Gesellschaft ihre zerstörte Geschichte zurückholt.

Das Ergebnis ist klein: Marktplatz mit der Sirene, enge Gassen, die Barbakane, dahinter die Neustadt. In zwei Stunden hast du es gesehen. Nimm dir trotzdem Zeit für das Königsschloss, dessen Innenräume ebenfalls rekonstruiert wurden, teils mit geretteten Originalstücken.

Der Kulturpalast und die neue Skyline

Der Kulturpalast steht mitten im Zentrum und teilt die Stadt bis heute in zwei Lager. Gebaut wurde er Anfang der Fünfzigerjahre als Geschenk der Sowjetunion, entworfen von einem sowjetischen Architekten, lange das höchste Gebäude Polens. Für die einen ist er ein Denkmal der Fremdherrschaft, für die anderen einfach das Haus, in dem sie ihr erstes Konzert gehört haben. Die Aussichtsterrasse liegt in der 30. Etage, und der beste Grund für den Aufstieg ist ein Witz, den sich die Stadt selbst erzählt: Von dort oben siehst du das Gebäude nicht.

Rundherum ist in den letzten Jahrzehnten ein Ring aus Bürotürmen gewachsen, dichter als in jeder anderen Stadt zwischen Berlin und Moskau. Wer abends von der Weichselseite herüberschaut, sieht eine Skyline, die mit dem Bild vom grauen Nachkriegsblock nichts mehr zu tun hat.

Die Viertel: wo was ist

Śródmieście ist die Mitte: Kulturpalast, Hauptbahnhof, Einkaufsstraßen, die meisten Hotels und der Königsweg, der vom Schlossplatz über Krakowskie Przedmieście und Nowy Świat nach Süden führt. Hier ist alles nah, laut und gut angebunden.

Powiśle liegt darunter am Hang zur Weichsel, ruhiger, jünger, mit dem Kopernikus-Zentrum, der Universitätsbibliothek und den Uferpromenaden.

Muranów im Nordwesten ist auf den Trümmern des Gettos gebaut. Die Wohnblocks der Fünfzigerjahre stehen dort teils meterhoch über dem alten Straßenniveau, auf einem Schuttberg, der nie abgetragen wurde.

Praga auf der rechten Weichselseite hat den Krieg weitgehend überstanden. Dort stehen die echten Mietshäuser des 19. Jahrhunderts, mit Hinterhöfen, Kapellen und einer Geschichte, die nicht rekonstruiert ist. Warum sich der Weg über die Brücke lohnt, steht auf der Seite zu Praga.

Gedenkorte: Getto und Aufstand

Zwei Kapitel prägen die Stadt so stark, dass du sie nicht umgehen solltest. Das erste ist das Warschauer Getto, das die deutsche Besatzung 1940 einrichtete und in dem hunderttausende Menschen eingesperrt, ausgehungert und von dort in die Vernichtungslager deportiert wurden. Sichtbar sind heute Mauerreste, der Umschlagplatz, Denkmäler und Metallmarkierungen im Gehweg. Wie du diese Orte in einem Gang verbindest, steht auf der Seite zu den Gedenkorten des Warschauer Gettos.

Das zweite ist der Warschauer Aufstand vom 1. August 1944, der nach 63 Tagen niedergeschlagen wurde und die Zerstörung der Stadt zur Folge hatte. Das Museum des Warschauer Aufstands erzählt ihn dicht und laut. Plane für beides jeweils einen halben bis ganzen Tag und leg diese Programmpunkte nicht auf denselben Nachmittag.

Gut zu wissen: Getto und Aufstand sind zwei verschiedene Ereignisse. Der Aufstand im Getto begann im April 1943 und war der bewaffnete Widerstand der eingeschlossenen jüdischen Bevölkerung. Der Warschauer Aufstand begann im August 1944 und ging von der polnischen Untergrundarmee aus. Beide werden im deutschen Sprachgebrauch regelmäßig verwechselt.

Wie viele Tage brauchst du?

Drei volle Tage sind das ehrliche Minimum: einen für Altstadt, Königsweg und Kulturpalast, einen für die Gedenkorte und eines der großen Museen, einen für Łazienki, Praga oder Wilanów. Mit vier Tagen wird es entspannt, weil Warschau größer ist als Krakau und du zwischen den Zielen fährst statt läufst. Zwei Tage reichen für die Altstadt und ein Museum, mehr nicht.

Beste Reisezeit und Klima

Mai, Juni und September sind die besten Monate. Im Mai kommt die Stadt im Mittel auf Höchstwerte um 19 Grad, im September auf rund 20 Grad, dazu lange helle Abende und Parks, die genau dafür gemacht sind. Der wärmste Monat ist im Schnitt der August mit rund 25 Grad, der nasseste der Juli mit gut 80 Millimetern Niederschlag. Am trockensten ist statistisch der März mit knapp 40 Millimetern.

Der Winter ist kalt und kurz belichtet: Im Januar liegen die Höchstwerte im Mittel bei knapp 2 Grad, nachts geht es auf etwa minus 3 Grad. Dafür sind Museen leerer, Hotels günstiger, und im Advent stehen Weihnachtsmärkte am Schlossplatz.

Geld: hier gilt der Złoty

Polen zahlt mit dem Złoty, nicht mit dem Euro. Das ist der häufigste Irrtum deutscher Reisender. Kartenzahlung funktioniert dagegen fast überall, kontaktlos, auch für Kleinbeträge und für Fahrscheine. Bargeld brauchst du wenig.

Achtung: Wenn Kartenterminal oder Geldautomat dir anbietet, direkt in Euro abzurechnen, lehnst du ab und wählst Złoty. Diese dynamische Währungsumrechnung rechnet mit einem eigenen, schlechteren Kurs. Bargeld holst du am Automaten einer Bank, nicht an den freistehenden Geräten in Touristenlagen und nicht am Flughafen.

Die klassischen Fehler

Der erste: Warschau als Zwischenstopp buchen, einen Tag bleiben und danach behaupten, die Stadt sei grau. Der zweite: alles zu Fuß machen wollen. Die Entfernungen sind größer als in Krakau, die Metro ist schnell und billig, und wie das Netz funktioniert, steht auf der Seite zum Verkehr in Warschau. Der dritte: zwei Gedenkorte und ein schweres Museum an einem Tag stapeln. Das hält niemand aus.

Und der vierte: am Marktplatz der Altstadt essen gehen, weil man gerade dort steht. Zwei Straßen weiter, erst recht auf der anderen Weichselseite, isst du besser und zahlst weniger. Was sich lohnt, steht auf der Seite Essen und Trinken in Warschau.

Für wen sich Warschau besonders lohnt

Für alle, die Geschichte nicht als Kulisse wollen, sondern als Frage. Für alle, die gute Museen mögen. Für alle, die eine europäische Hauptstadt sehen wollen, in der sich gerade viel bewegt und in der Essen, Übernachtung und Nahverkehr weniger kosten als in Berlin oder Wien. Und für Reisende mit Kindern, weil das Kopernikus-Zentrum, der Zoo und die Stadtstrände einen Tag mühelos füllen.

Weniger geeignet ist Warschau, wenn du eine geschlossene historische Altstadt erwartest, durch die du drei Tage bummelst. Die gibt es hier nicht, dafür fährst du nach Krakau oder Danzig. Alle Ziele im Überblick und in einer sinnvollen Reihenfolge findest du auf der Seite Warschau Sehenswürdigkeiten.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Warschau13°Cklar
  • Wärmster MonatAugust, 25 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -3 °C
  • Trockenster MonatMärz
  • Höhe113 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

2°-3°J
5°-1°F
9°0°M
14°4°A
19°9°M
24°14°J
25°16°J
25°16°A
20°12°S
14°7°O
7°3°N
4°-0°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

50mm13 TageJ
49mm11 TageF
39mm11 TageM
48mm11 TageA
69mm12 TageM
65mm10 TageJ
81mm13 TageJ
76mm11 TageA
61mm10 TageS
65mm12 TageO
41mm10 TageN
53mm11 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Berlin517 km650 km, 8 Std.
Hamburg753 km940 km, 11 Std. 45 Min.
München810 km1.010 km, 12 Std. 45 Min.
Frankfurt890 km1.110 km, 14 Std.
Stuttgart919 km1.150 km, 14 Std. 15 Min.
Köln980 km1.220 km, 15 Std. 15 Min.
Düsseldorf985 km1.230 km, 15 Std. 30 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Lowicz74 km90 km, 1 Std. 0 Min.
Plock95 km120 km, 1 Std. 15 Min.
Lodz119 km150 km, 1 Std. 45 Min.
Kazimierz Dolny120 km150 km, 1 Std. 45 Min.
Lublin153 km190 km, 2 Std. 15 Min.
Kielce153 km190 km, 2 Std. 15 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

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Sehenswürdigkeiten im Detail

Praktische Infos

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Warschau?

Drei volle Tage sind das sinnvolle Minimum: einen für Altstadt, Königsweg und Kulturpalast, einen für die Gedenkorte und eines der großen Museen, einen für Park, Praga oder Wilanów. Mit vier Tagen bleibt Luft für Pausen. Warschau ist weitläufiger als Krakau, du fährst zwischen den Zielen mit Metro oder Tram statt zu laufen.

Ist die Altstadt von Warschau echt?

Sie ist echt wieder aufgebaut. Nach der Zerstörung 1944 stand hier fast nichts mehr. Die Warschauer rekonstruierten die Häuser aus dem eigenen Schutt, nach alten Plänen und nach den Stadtansichten von Bernardo Bellotto. Die UNESCO nahm die Altstadt 1980 gerade wegen dieses Wiederaufbaus auf die Welterbeliste. Alt ist an ihr die Form, nicht das Material.

Warschau oder Krakau: was lohnt sich mehr?

Das hängt davon ab, was du suchst. Krakau hat die unzerstörte Altstadt und ist zu Fuß machbar. Warschau hat die besseren Museen, die stärkere Geschichte des 20. Jahrhunderts, den Fluss und mehr Alltag. Wer zum ersten Mal nach Polen fährt und eine schöne Kulisse will, nimmt Krakau. Wer verstehen will, nimmt Warschau. Am besten beides, der Zug dazwischen braucht rund zweieinhalb Stunden.

Wann ist die beste Reisezeit für Warschau?

Mai, Juni und September. Im Mai liegen die Höchstwerte im Mittel um 19 Grad, im September um 20 Grad, die Parks stehen gut da und die Abende sind lang. Der August ist im Schnitt der wärmste Monat mit rund 25 Grad, der Juli der nasseste. Im Januar erreicht die Stadt tagsüber im Mittel knapp 2 Grad, nachts etwa minus 3 Grad.

Wie heißt Warschau auf Polnisch?

Warszawa, gesprochen ungefähr „Warschawa“. Diese Schreibweise steht auf Fahrkarten, Anzeigetafeln, Wegweisern und in polnischen Apps, den deutschen Namen findest du dort nicht. Der Fernbahnhof heißt Warszawa Centralna, der Regionalbahnhof daneben Warszawa Śródmieście, der Fluss ist die Wisła. Präg dir die Formen ein, das spart Ratespiele am Automaten.

Ist Warschau teuer?

Warschau ist die teuerste Stadt Polens, liegt aber immer noch unter dem Niveau vergleichbarer westeuropäischer Hauptstädte, vor allem bei Nahverkehr, Essen und Übernachtung. Bezahlt wird in Złoty, Karte funktioniert praktisch überall. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab und wechsle kein Bargeld am Bahnhof oder Flughafen.