Region in Polen

Tatra & Beskiden: Berge in Polen

Der Süden Polens ist gebirgig, und zwar in drei Stufen. Die Tatra ist das einzige Hochgebirge des Landes, mit Graten, Karseen und dem höchsten polnischen Punkt auf 2499 Metern. Die Beskiden davor sind niedriger, bewaldet und deutlich leerer. Und im Westen liegt als eigenes Gebirge das Riesengebirge um Karpacz.

Wandern ist in Polen Volkssport, das Wegenetz ist dicht markiert, die Hütten sind bewirtschaftet und günstig, und im Winter wird auf allen drei Ebenen Ski gefahren. Diese Seite ordnet dir die Gebiete: was wo liegt, wo es voll wird, wie das Wetter kippt und was du dabeihaben musst.

Tatra & Beskiden: Berge in Polen
Foto: Marek Ślusarczyk (Tupungato) Photo gallery, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Höchster PunktRysy, 2499 Meter, Grenze zur Slowakei
  • NationalparksTatra, Babia Góra, Pieniny, Gorce, Riesengebirge
  • HauptorteZakopane, Krynica-Zdrój, Bielsko-Biała, Karpacz
  • WandersaisonJuni bis Oktober, oberhalb der Waldgrenze ab Juli
  • Skisaisonmeist Ende Dezember bis März
  • Notruf112, in den Bergen zusätzlich 985

Drei Gebirge, drei Charaktere

Die Tatra ist klein, aber echt alpin: Fels, Geröll, Seen in Karen, Wege mit Ketten. Sie liegt komplett im Nationalpark, du zahlst am Eingang Eintritt, und im Sommer ist sie an den bekannten Zielen voll. Die Beskiden ziehen sich als langer, bewaldeter Bogen davor entlang, von der tschechischen Grenze bis in den Südosten. Dort findest du sanfte Kämme, Almen, Holzkirchen und die Hälfte der Leute.

Das Riesengebirge im Westen gehört geografisch zu den Sudeten und liegt zweihundert Kilometer entfernt, spielt aber in derselben Liga: Hochlagen über der Waldgrenze, eigenes Wetter und mit der Śnieżka auf 1603 Metern ein Ziel, das an schönen Tagen von zwei Seiten bestiegen wird.

Die Tatra: klein, steil, ernst

Auf polnischer Seite ist die Tatra rund fünfzig Kilometer breit, mehr nicht. Trotzdem sind die Höhenunterschiede erheblich: Von Zakopane auf 800 Metern bis auf den Kamm sind es über tausend Meter. Der höchste Punkt Polens ist der Gipfel der Rysy auf 2499 Metern, der Hauptgipfel daneben liegt in der Slowakei. Der Aufstieg ist eine lange, anstrengende Tagestour und nichts für den ersten Bergtag.

Die drei Klassiker sind schneller erreichbar. Zum Bergsee Morskie Oko führt eine Straße, auf der keine Privatautos fahren dürfen: Vom Parkplatz Palenica Białczańska gehst du rund neun Kilometer bergauf, gut zwei Stunden, oder du fährst mit einem Pferdewagen. Der See ist an Sommerwochenenden extrem voll. Auf den Kasprowy Wierch auf 1987 Metern bringt dich eine Seilbahn ab Kuźnice, die Zahl der Tickets ist begrenzt, also buch vor. Und der Giewont mit dem großen Stahlkreuz von 1901 ist der Hausberg von Zakopane, mit Ketten im Gipfelbereich und entsprechendem Andrang.

Für Geübte gibt es die Orla Perć, den schwierigsten markierten Weg Polens, teils als Einbahnstrecke geführt, mit Leitern und ausgesetzten Passagen. Wer dort hinauf will, braucht Erfahrung, Helm und gutes Wetter. Anfänger gehen stattdessen durch die Täler Kościeliska oder Chochołowska, beide flach, breit und im Frühjahr voller Krokusse.

Zakopane: Basis mit eigenem Baustil

Zakopane liegt auf gut 800 Metern und ist der Ausgangspunkt für fast alles. Die Hauptstraße Krupówki ist laut, voll und in Teilen austauschbar, aber ein paar Straßen weiter steht der Grund, warum der Ort besonders ist: der Zakopane-Stil, den Stanisław Witkiewicz in den 1890er Jahren aus der örtlichen Holzbauweise entwickelte. Die Villa Koliba und die Kapelle in Jaszczurówka sind die bekanntesten Beispiele, der alte Friedhof Pęksowy Brzyzek mit seinen geschnitzten Grabmalen der schönste Ort der Stadt.

Auf den Krupówki wird überall oscypek verkauft, geräucherter Schafskäse mit geschütztem Namen. Echter oscypek entsteht nur in der Weidesaison zwischen Frühjahr und Herbst. Was du im Januar am Grill bekommst, ist meist etwas anderes. Frag nach, wo er herkommt.

Wetter: der halny und das Nachmittagsgewitter

Das Wetter in der Tatra kippt schnell. Im Sommer bauen sich Gewitter typischerweise am frühen Nachmittag auf, genau dann, wenn viele auf den Graten unterwegs sind. Die Regel ist deshalb einfach: früh starten, mittags am Abstieg sein. Auf dem Giewont und den umliegenden Kämmen hat es schon mehrfach schwere Blitzunfälle gegeben, das Kreuz und die Ketten sind aus Metall.

Im Herbst und Frühjahr weht der halny, ein Fallwind aus dem Süden, der die Temperatur binnen Stunden hochtreibt, Bäume umlegt und Dächer abdeckt. Wenn der halny angekündigt ist, bleiben die Seilbahnen unten und du auch.

Achtung: Die Bergrettung TOPR arbeitet seit 1909 und ist gut, aber die Wege dorthin sind lang. Der Notruf 112 gilt überall, für die Berge gibt es zusätzlich die Nummer 985 und eine Rettungs-App. Nimm Regenjacke, warme Schicht, Stirnlampe und Wasser mit, auch für eine kurze Tour. Turnschuhe auf nassem Kalk sind der häufigste Grund für Einsätze.

Hütten, Stempel und das Wanderabzeichen

Die Berghütten gehören meist dem Wanderverband PTTK, sind einfach, bewirtschaftet und mit Lagern ausgestattet. Die höchste Polens steht im Tal der Fünf Seen auf rund 1670 Metern. Reservieren solltest du weit im Voraus, gerade im Sommer und an Feiertagen. Traditionell wird niemand abgewiesen, der bei schlechtem Wetter Schutz braucht, dann schläfst du eben auf dem Boden im Gastraum.

In jeder Hütte liegt ein Stempel. Viele Wanderer sammeln sie im Heft für das Wanderabzeichen GOT, bei dem du für zurückgelegte Strecken Punkte bekommst. Das ist kein Gimmick für Gäste, sondern seit den 1930er Jahren fester Bestandteil der polnischen Wanderkultur. Wer sammeln will, kauft das Heft in der ersten Hütte. Mehr zu Routen und Ausrüstung steht unter Wandern in Polen.

Die Beskiden: leerer und freundlicher

Die Beskiden bestehen aus mehreren Gruppen. Im Westen der Schlesische Beskid mit dem Skrzyczne, dahinter der Saybuscher Beskid mit der Babia Góra auf 1725 Metern, dem höchsten Berg außerhalb der Tatra. Sie hat einen eigenen Nationalpark, ist bei Wind ausgesetzt und für ihr schnell wechselndes Wetter bekannt. Weiter östlich folgen Gorce, Sandezer Beskid und schließlich der Niedere Beskid mit seinen lemkischen Holzkirchen, von denen mehrere zum Welterbe gehören.

Dazwischen liegen die Pieniny, ein kleines Kalkgebirge am Dunajec. Dort setzen Flößer Gäste in flachen Holzbooten durch die Flussschlucht, ein Handwerk, das seit dem 19. Jahrhundert betrieben wird. Vom Gipfel der Drei Kronen schaust du senkrecht auf den Fluss. Zu den Kirchen findest du mehr unter Holzkirchen in Polen.

Krynica, Nowy Sącz und Bielsko-Biała

Krynica-Zdrój ist der bekannteste Kurort der polnischen Berge, mit Trinkhalle, Mineralquellen und einer Standseilbahn auf den Parkberg. Von hier führt eine Gondel auf die Jaworzyna Krynicka, im Winter das größte Skigebiet der Gegend. Kurorte im ganzen Land ordnet die Seite Kurorte in Polen ein.

Nowy Sącz im Tal des Dunajec hat einen der größten Marktplätze Polens und am Stadtrand ein sehenswertes Freilichtmuseum mit nachgebautem galizischem Städtchen. Bielsko-Biała ganz im Westen entstand 1951 aus zwei Städten, die auf zwei Seiten eines Flusses lagen und zu zwei verschiedenen Ländern gehörten. Heute ist es das Tor zum Schlesischen Beskid, mit Seilbahn auf die Szyndzielnia und einem Trickfilmstudio, das Generationen polnischer Kinder geprägt hat.

Karpacz und das Riesengebirge

Karpacz liegt auf rund 600 Metern am Fuß der Śnieżka, die mit 1603 Metern der höchste Berg der Sudeten ist. Oben steht eine markante runde Wetterstation, die Grenze zu Tschechien verläuft über den Kamm. Im Ort steht die Wangkirche, eine norwegische Stabkirche aus der Zeit um 1200, die ab 1842 hier wieder aufgebaut wurde.

Das Riesengebirge hat sein eigenes Wetter: Nebel, Wind und plötzliche Kälte auch im Sommer. Die Hochfläche ist Nationalpark, Wege sind teils als Einbahn geführt, und im Winter gilt Lawinengefahr in den Kesseln.

Skisaison

Die Saison läuft meist von Ende Dezember bis März, in den Hochlagen der Tatra länger. Familien fahren nach Białka Tatrzańska, Bukowina und Chochołów, wo neben den Pisten große Thermalbäder liegen, die genau für den Tag nach dem Schneefall gemacht sind. Sportlich wird es am Kasprowy Wierch, wo es keine Beschneiung gibt und die Abfahrten anspruchsvoll sind, sowie in Szczyrk im Schlesischen Beskid.

Wer im Januar oder Februar kommt, sollte wissen, dass die polnischen Winterferien regional gestaffelt sind und Zakopane in diesen Wochen sehr voll ist. Auch der Jahreswechsel füllt den Ort komplett.

Anreise und Praktisches

Nach Zakopane fährst du ab Krakau mit Bus oder Zug in rund zwei Stunden, nach Bielsko-Biała und Nowy Sącz mit der Bahn, nach Karpacz über Jelenia Góra. Mit dem Auto sind die Zufahrtsstraßen in die Tatra an Wochenenden verstopft, Parkplätze an den Talschlüssen füllen sich vor acht Uhr morgens.

Bezahlt wird in Złoty. In Hütten funktioniert die Karte oft, aber nicht immer, nimm Bargeld mit. Lehne an Terminals die Abrechnung in Euro ab. Der Eintritt in die Nationalparks wird an den Wegzugängen erhoben, häufig auch bargeldlos.

Klima und beste Reisezeit

Die Berge sind deutlich kühler und nasser als das Flachland. In Zakopane liegen die Mittelwerte im Januar bei knapp 1 Grad am Tag und minus 5 Grad in der Nacht, im August bei rund 22 Grad. Nass ist es das ganze Jahr: Der Mai bringt im Mittel 152 Millimeter, der Juli 148, der Februar mit 85 Millimetern immer noch mehr als Warschau im Sommer. In Krynica-Zdrój erreicht der August im Mittel 23 Grad, in Karpacz knapp 22.

Zum Wandern taugen Juni bis Oktober, oberhalb der Waldgrenze zuverlässig erst ab Juli, weil in den Rinnen lange Altschnee liegt. September ist der stärkste Monat: stabiler, klarer, leerer. Im Mai und Juni musst du mit viel Regen rechnen.

Häufige Fragen

Wie hoch ist der höchste Berg Polens?

Der höchste Punkt Polens liegt auf 2499 Metern am Gipfel der Rysy in der Tatra, direkt an der Grenze zur Slowakei. Der etwas höhere Hauptgipfel gehört zur slowakischen Seite. Der Aufstieg von polnischer Seite über das Morskie Oko ist eine lange Tagestour mit Ketten im oberen Teil und nur bei stabilem Wetter sinnvoll.

Muss man für die Tatra Tickets vorbuchen?

Für den Nationalpark selbst zahlst du am Wegzugang, ohne Reservierung. Vorbuchen musst du dagegen die Seilbahn auf den Kasprowy Wierch, deren Kapazität begrenzt ist, und Betten in den Berghütten, oft Wochen im Voraus. Für das Morskie Oko brauchst du kein Ticket, aber einen frühen Start, weil die Parkplätze morgens voll sind.

Wann ist die beste Zeit zum Wandern in den polnischen Bergen?

September. Das Wetter ist stabiler als im Frühsommer, die Sicht besser und die Wege leerer. Juli und August funktionieren auch, sind aber voll und gewitteranfällig. Im Mai und Juni fällt in Zakopane im Mittel am meisten Regen, und oberhalb der Waldgrenze liegt bis in den Sommer Altschnee in den Rinnen.

Sind die Beskiden eine Alternative zur Tatra?

Für viele die bessere Wahl. Die Beskiden sind niedriger und bewaldet, die Wege einfacher, der Andrang deutlich geringer. Die Babia Góra mit 1725 Metern bietet echtes Gipfelgefühl, im Niederen Beskid wanderst du an lemkischen Holzkirchen vorbei. Wer Felsgrate und Karseen will, kommt an der Tatra allerdings nicht vorbei.

Wie funktionieren die polnischen Berghütten?

Die Hütten gehören meist dem Wanderverband PTTK, sind ganzjährig bewirtschaftet und einfach ausgestattet, oft mit Mehrbettlagern. Reservieren ist im Sommer Pflicht. Traditionell wird bei schlechtem Wetter niemand weggeschickt, notfalls schläfst du im Gastraum. In jeder Hütte gibt es einen Stempel für das Heft des Wanderabzeichens GOT.

Was ist der halny?

Ein warmer Fallwind aus dem Süden, der vor allem im Herbst und Frühjahr über die Tatra kommt. Er treibt die Temperatur binnen Stunden nach oben und erreicht in Böen Sturmstärke, mit umgestürzten Bäumen und abgedeckten Dächern. Bei angekündigtem halny stehen die Seilbahnen still, und Bergtouren sind keine gute Idee.