Auf einen Blick
- Polnischer NameZamek Książąt Pomorskich
- Dynastiedie Greifen, bis 1637
- Heutige GestaltRenaissance des 16. Jahrhunderts
- Wiederaufbau1958 bis 1980
- Astronomische Uhrvon 1693, am Uhrturm
- Dauer1 bis 2 Stunden
Die Greifen: fünfhundert Jahre Pommern
Die Greifen waren keine Randfiguren. Sie regierten Pommern seit dem 12. Jahrhundert, lavierten zwischen Dänemark, Brandenburg, Polen und dem Reich und hielten ihr Herzogtum erstaunlich lange zusammen. Mitte des 14. Jahrhunderts ließ Barnim III. an dieser Stelle ein festes Haus bauen, aus dem im Lauf der Zeit eine Residenz wurde.
Mit dem Tod von Bogusław XIV. im Jahr 1637 endete die Dynastie. Pommern wurde aufgeteilt, Stettin kam nach dem Dreißigjährigen Krieg an Schweden und 1720 an Preußen. Das Schloss verlor seine Aufgabe und wurde Verwaltungssitz, Münze und Kaserne. Wer heute durch den Hof geht, sieht eine Residenz, die die meiste Zeit ihres Lebens keine mehr war.
Vom festen Haus zur Renaissanceresidenz
Die heutige Gestalt geht auf den Umbau im 16. Jahrhundert zurück, als der Bau nach italienischem Vorbild erweitert wurde: geschlossene Vierflügelanlage, Arkaden im Hof, hohe Giebel, heller Putz. Dazu kamen die Schlosskirche und die beiden Türme.
Die astronomische Uhr am Uhrturm stammt von 1693. Ihr Zifferblatt zeigt nicht nur die Stunde, sondern auch Datum, Mondphase und Tierkreiszeichen, und sie ist eines der wenigen Stücke, das die Zerstörung überstanden hat. Stell dich in den großen Hof und schau eine Minute hinauf, sonst übersiehst du sie zwischen den Fassaden.
1944 und der Wiederaufbau
Im August 1944 zerstörten Luftangriffe große Teile der Innenstadt, das Schloss brannte aus. Nach dem Krieg stand die Ruine jahrelang, und erst 1958 begann der Wiederaufbau, der bis 1980 dauerte. Die Planer entschieden sich bewusst für die Renaissanceform, nicht für den barocken Zustand, den das Haus zuletzt hatte.
Bei den Aufräumarbeiten fand man 1946 in der Gruft die Zinnsärge der Herzöge. Sie sind erhalten, aufwendig graviert und heute Teil der Ausstellung. Wer die Geschichte Pommerns an einem Objekt festmachen will, nimmt diese Särge.
Gut zu wissen: Eine bekannte Stettinerin hat mit dem Schloss nichts zu tun, wird aber immer wieder damit verbunden: Die spätere russische Zarin Katharina die Große kam 1729 in Stettin zur Welt, weil ihr Vater hier Kommandant war. Geboren wurde sie in der Stadt, nicht in der Residenz der Greifen.
Was du drinnen siehst
Das Schloss ist heute ein Kulturzentrum. Es beherbergt die Oper, Ausstellungsräume, Konzertsäle, ein Kino und Werkstätten, dazu die Ausstellung zur Geschichte des Hauses mit den Särgen der Herzöge. Der Bestand wechselt, weil ein großer Teil der Flächen für Wechselausstellungen genutzt wird.
Rechne für die Ausstellungen mit ein bis zwei Stunden. Wer nur den Hof, die Uhr und den Turm mitnimmt, ist in einer halben Stunde durch und hat trotzdem das Wichtigste gesehen.
Turm und Hof
Auf einen der Türme kannst du hinaufsteigen. Von der Terrasse siehst du die Dächer der Unterstadt, die Oder mit dem Hafen, die Hakenterrasse und das weiße Dach der Philharmonie. Es sind Stufen, keine Aufzugsfahrt, dafür ist der Blick auf die Stadtachsen von hier oben der lehrreichste.
Der große Hof ist frei zugänglich, mit Arkaden ringsum und einem Café an der Seite. Im Sommer stehen dort Stühle, im Advent ein kleiner Markt, und bei Konzerten wird der Hof zur Bühne.
Tickets: Der große Hof kostet nichts, für Ausstellungen, Turm und Gruft löst du an der Kasse im Schloss. Für Opernabende und Konzerte buchst du vorab, die Termine stehen auf der offiziellen Website des Hauses. Gezahlt wird in Złoty, Kartenzahlung ist Standard, die Abrechnung in Euro lehnst du am Terminal ab.
Was daneben liegt
Unterhalb des Schlosses beginnt das Podzamcze mit dem Rynek Sienny und dem gotischen Alten Rathaus, in dem das Stadtmuseum sitzt. Die bunten Giebelhäuser drumherum sind Neubauten der letzten Jahrzehnte, das erklärt ihren frischen Eindruck. Fünf Minuten nach Norden liegt die Hakenterrasse, ebenso weit nach Westen der Platz mit der Philharmonie. Alle Orte im Überblick stehen unter Stettin Sehenswürdigkeiten, die Einordnung der Stadt findest du unter Stettin.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istEin Andrangproblem hat das Schloss selten. Voll wird es nur bei Konzerten, Opernabenden und beim Adventsmarkt im Hof. Wenn eine Ausstellung geschlossen ist, weil im Haus produziert wird, bleiben Hof, Uhr und Turm, und fünf Minuten weiter wartet die Unterstadt mit dem Stadtmuseum im Alten Rathaus.
- Wenn es regnetIdeal bei Regen, weil fast alles drinnen liegt. Ausstellungen, Gruft und Café halten dich eine bis zwei Stunden trocken. Nur der Turm lohnt bei tiefen Wolken nicht. Direkt anschließen kannst du das Nationalmuseum an der Hakenterrasse.
- Mit KindernMittelmäßig spannend. Die Zinnsärge der Herzöge und der Turmaufstieg ziehen Kinder, die Wechselausstellungen eher nicht. Der große Hof ist autofrei, dort können sie laufen, während du in Ruhe die astronomische Uhr suchst.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer große Hof ist ebenerdig erreichbar, das Pflaster ist historisch und uneben. In die Ausstellungsbereiche führen Aufzüge, nach dem barrierefreien Weg fragst du am besten an der Kasse. Der Turm ist ausschließlich über Treppen zugänglich, ohne Alternative.
Häufige Fragen
Ist das Schloss in Stettin original?
Nein, es ist ein Wiederaufbau. Das Schloss brannte im August 1944 aus, die Rekonstruktion lief von 1958 bis 1980 und orientierte sich bewusst an der Renaissanceform des 16. Jahrhunderts. Original erhalten sind einzelne Teile, darunter die astronomische Uhr von 1693 und die Zinnsärge der Herzöge, die 1946 in der Gruft gefunden wurden.
Kostet der Besuch im Schloss der Pommernherzöge Eintritt?
Der große Innenhof ist frei zugänglich, ebenso die Wege ums Haus. Eintritt zahlst du für die Ausstellungen, den Turmaufstieg und die Gruft mit den Särgen, gelöst wird an der Kasse im Schloss. Opern und Konzerte buchst du vorab. Bezahlt wird in Złoty, Kartenzahlung funktioniert überall im Haus.
Wer waren die Pommernherzöge?
Die Greifen, eine Dynastie, die Pommern seit dem 12. Jahrhundert regierte und sich zwischen Dänemark, Brandenburg, Polen und dem Reich behauptete. Stettin war eine ihrer Residenzen. Mit dem Tod von Bogusław XIV. im Jahr 1637 starb das Haus aus, Pommern wurde geteilt, und die Stadt kam später an Schweden und dann an Preußen.
Kann man den Schlossturm in Stettin besteigen?
Ja, über eine Treppe, einen Aufzug gibt es nicht. Von oben siehst du die Unterstadt, die Oder mit dem Hafen, die Hakenterrasse und die Philharmonie, dazu die sternförmigen Achsen der Stadt. Das Ticket löst du an der Kasse im Schloss. Bei Sturm und bei Veranstaltungen kann der Turm geschlossen bleiben.
Wie viel Zeit sollte man für das Schloss einplanen?
Eine bis zwei Stunden mit Ausstellungen, Turm und Gruft. Wer nur den Hof, die astronomische Uhr und den Blick vom Turm mitnimmt, kommt mit einer halben Stunde aus. Weil das Schloss mitten im Zentrum liegt, lässt es sich gut mit der Hakenterrasse und der Unterstadt zu einem Vormittag verbinden.






