Blog · Polen-Wissen

Krakau oder Warschau: welche Stadt passt zu dir?

Krakau (Kraków) und Warschau (Warszawa) sind die beiden Städte, zwischen denen sich die meisten Polenreisenden entscheiden müssen. Die kurze Antwort: Krakau ist die schönere Stadt, Warschau die interessantere. Krakau hat eine mittelalterliche Altstadt, die den Zweiten Weltkrieg weitgehend überstanden hat. Warschau wurde 1944 fast vollständig zerstört und danach wiederaufgebaut, und genau das macht seine Geschichte aus.

Beide sind mit dem Zug gut zweieinhalb Stunden voneinander entfernt, du musst dich also nicht endgültig entscheiden. Diese Seite sagt dir, welche Stadt du nimmst, wenn du nur Zeit für eine hast, und wie du beide in einer Reise verbindest.

Krakau oder Warschau: welche Stadt passt zu dir?
Foto: Oleslawlama, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • EinwohnerKrakau rund 800.000, Warschau rund 1,7 Millionen
  • AltstadtKrakau erhalten, Warschau wiederaufgebaut
  • UNESCObeide Altstädte stehen auf der Welterbeliste
  • Entfernungmit dem Schnellzug gut 2,5 Stunden
  • AufenthaltKrakau 3 bis 4 Tage, Warschau 2 bis 3 Tage
  • Flugzeit ab Berlinbeide etwa 1 Stunde 15 Minuten

Der Unterschied in einem Satz

Krakau zeigt dir, wie Polen vor dem 20. Jahrhundert aussah. Warschau zeigt dir, was das 20. Jahrhundert mit Polen gemacht hat. Beide Sätze stimmen wörtlich, und daraus folgt fast alles andere.

In Krakau steht die Altstadt aus dem Mittelalter, dazu die Königsburg auf dem Wawel und das jüdische Viertel Kazimierz. Die Stadt war ab dem 11. Jahrhundert Königssitz und blieb es bis 1596, danach war sie Provinz, was sie paradoxerweise gerettet hat. In Warschau steht eine Hauptstadt, die 1944 nach dem Aufstand systematisch niedergelegt wurde. Die Altstadt, die du heute siehst, wurde nach Plänen und Gemälden rekonstruiert. Dass gerade dieser Wiederaufbau seit 1980 auf der Welterbeliste steht, ist die eigentliche Pointe.

Der Vergleich in der Tabelle

Kriterium Krakau Warschau
Altstadt original erhalten, sehr kompakt rekonstruiert, kleiner als erwartet
Größe alles zu Fuß machbar Metro und Tram nötig
Andrang im Sommer sehr hoch verteilt sich auf die ganze Stadt
Preisniveau im Zentrum höher außerhalb der Touristenzonen günstiger
Museen Kunst, Geschichte, Universität die stärksten Häuser des Landes
Gedenkorte Auschwitz-Birkenau als Tagesfahrt Getto, Aufstand, jüdische Geschichte
Abende Kneipen dicht beieinander Szeneviertel, dafür längere Wege
Ausflüge Wieliczka, Zakopane, Tatra Weichselufer, Wilanów, Łódź
Ideal für erste Polenreise, Wochenende, Romantik zweite Reise, Geschichte, Stadtleben

Wann du Krakau nimmst

Wenn es deine erste Reise nach Polen ist, nimm Krakau. Die Stadt liefert in drei Tagen mehr sichtbare Geschichte als jede andere in Polen, und alles liegt so dicht beieinander, dass du kein Verkehrsmittel brauchst. Der Rynek Główny ist einer der größten mittelalterlichen Marktplätze Europas, vom Wawel bis Kazimierz gehst du eine Viertelstunde.

Krakau ist außerdem der Ausgangspunkt für zwei Ziele, die viele Reisen bestimmen: das Salzbergwerk Wieliczka und die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Beide sind Tagesfahrten, beide brauchen eine Reservierung, und die Gedenkstätte ist keine Sehenswürdigkeit, sondern ein Ort, für den du dir einen eigenen Tag ohne Anschlussprogramm nimmst.

Der Nachteil ist der Andrang. Die Altstadt ist klein, und im Sommer merkst du das an jeder Ecke. Wer im Juli oder August kommt, sollte früh aufstehen und die Zeitfenster für Museen vorher buchen. Wer flexibel ist, kommt im Mai, September oder Oktober.

Wann du Warschau nimmst

Wenn du schon einmal in Polen warst, wenn dich das 20. Jahrhundert interessiert oder wenn du Stadt statt Kulisse willst, nimm Warschau. Die Hauptstadt ist mehr als doppelt so groß wie Krakau, sie ist nicht auf Besucher hin gebaut, und genau das macht sie interessant. Neben der rekonstruierten Altstadt stehen Plattenbauten, Glastürme und der Kulturpalast, ein Geschenk Stalins, das die Stadt bis heute nicht wegdenken kann.

Die Museen sind die besten des Landes. Das POLIN erzählt tausend Jahre jüdisches Leben in Polen, nicht nur dessen Ende, und ist damit eines der wichtigsten Museen Europas. Das Museum des Warschauer Aufstands erklärt, warum die Stadt aussieht, wie sie aussieht. Dazu kommen die Gedenkorte des Warschauer Gettos, verteilt über ein Viertel, in dem heute Wohnblocks stehen.

Warschau ist auch die Stadt für Abende. Praga auf der anderen Weichselseite, die alten Fabrikgelände, die Uferabschnitte mit ihren Strandbars im Sommer. Und weil sich alles über eine große Fläche verteilt, ist es nie so voll wie eine Krakauer Gasse im August.

Preise, Andrang und Essen

Beim Geld liegen die beiden näher beieinander, als der Ruf vermuten lässt. Warschauer Hotels im Zentrum kosten oft mehr als Krakauer, dafür ist Essen außerhalb der Touristenzonen in der Hauptstadt günstiger. Die teuerste Lage Krakaus ist der Rand des Rynek: Wer dort sitzt, zahlt für die Aussicht. Eine Gasse weiter isst du besser und deutlich billiger, und das ist keine Sparempfehlung, sondern eine Qualitätsfrage.

In beiden Städten gibt es die bary mleczne, die Milchbars. Das sind subventionierte Kantinen aus sozialistischer Zeit, die es immer noch gibt: Suppe, pierogi, Kotelett, bestellt an der Theke, bezahlt vorher, in wenigen Minuten auf dem Tablett. Die Karte hängt an der Wand und ist selten übersetzt, aber das Personal hilft. Es ist die ehrlichste Art, in Polen mittags zu essen. Was sonst auf den Tisch kommt, steht unter polnische Küche.

Der Andrang verteilt sich unterschiedlich. Krakau konzentriert alles auf wenige hundert Meter, deshalb wirkt es im Juli sehr voll, obwohl weniger Menschen unterwegs sind als in Warschau. Die Hauptstadt verteilt ihre Besucher über eine große Fläche und mehrere Museen, und außer in der rekonstruierten Altstadt merkst du kaum, dass Saison ist. Wer Andrang schlecht verträgt, ist deshalb im Hochsommer in Warschau entspannter unterwegs.

Fünf Tage für beide: ein Vorschlag

Tag eins und zwei in Krakau: Altstadt mit Rynek Główny und Tuchhallen, Marienkirche, dann der Wawel mit Kathedrale und einer Ausstellung, am zweiten Tag Kazimierz und Podgórze mit der jüdischen Geschichte beider Ufer. Tag drei Wieliczka als halber Tag, danach der Nachmittagszug nach Warschau. Fährst du stattdessen nach Auschwitz-Birkenau, nimm dir dafür einen eigenen Tag ohne Anschlussprogramm und fahr erst am nächsten Morgen weiter.

Tag vier in Warschau: POLIN am Vormittag, danach der Königsweg vom Schlossplatz bis zum Nowy Świat, abends Praga oder das Weichselufer. Tag fünf: Museum des Warschauer Aufstands, Kulturpalast für die Aussicht, und wenn Zeit bleibt, der Łazienki-Park. Das ist dicht, aber machbar, weil beide Städte kurze Wege zwischen den Hauptzielen haben.

Tipp: Wenn du dich nicht entscheiden kannst, plane die Reise als Fünf-Tage-Kombination: drei Nächte Krakau, zwei Nächte Warschau, dazwischen der Schnellzug. Buche das Zugticket vorher online, dann bekommst du einen festen Sitzplatz und den günstigeren Tarif. Bezahlt wird in beiden Städten in Złoty, Karte funktioniert überall, und die Abrechnung in Euro am Terminal lehnst du ab.

Beide in einer Reise: so geht es

Die Schnellzüge zwischen Warschau und Krakau brauchen gut zweieinhalb Stunden und fahren mehrmals täglich. Beide Hauptbahnhöfe liegen zentral, in Krakau direkt an der Altstadt, in Warschau mitten im Zentrum. Das macht die Kombination einfacher als in vielen anderen Ländern: Du steigst aus und stehst im Ziel.

Die sinnvolle Reihenfolge hängt vom Flughafen ab. Fliegst du über Warschau ein, mach die Hauptstadt zuerst, dann Krakau, und flieg von dort zurück. Umgekehrt geht es genauso. Wer mit dem Auto kommt, lässt es beim Hotel stehen: Beide Städte haben Umweltzonen und knappe, teure Parkplätze im Zentrum, und ein Auto ist in beiden Altstädten reine Last. Details zu Strecken und Tickets stehen unter Polen mit dem Zug, ganze Routenvorschläge unter Städtereise Polen.

Und wenn du nur drei Tage hast? Dann nimm eine Stadt und lass die andere für das nächste Mal. Zwei Städte in drei Tagen heißt: zwei Bahnhöfe, zwei Hotels und wenig gesehen.

Häufige Fragen

Krakau oder Warschau: was ist besser für eine erste Polenreise?

Krakau. Die Altstadt ist original erhalten, alles liegt zu Fuß beieinander, und in drei Tagen siehst du Wawel, Rynek Główny und Kazimierz ohne Hetze. Warschau lohnt sich mehr, wenn dich das 20. Jahrhundert interessiert oder wenn du eine große, lebendige Stadt statt einer kompakten Altstadt suchst. Für eine zweite Reise ist Warschau der spannendere Ort.

Wie lange braucht man für Krakau und Warschau zusammen?

Fünf bis sechs Tage sind das Minimum: drei Nächte Krakau, zwei Nächte Warschau, dazwischen der Schnellzug mit gut zweieinhalb Stunden Fahrzeit. Willst du zusätzlich Auschwitz-Birkenau oder Wieliczka sehen, rechne für jedes Ziel einen eigenen Tag dazu. Zwei Städte in drei Tagen funktioniert nicht, dafür sind beide zu groß.

Ist Warschau teurer als Krakau?

Nicht pauschal. Hotels im Warschauer Zentrum kosten oft mehr, dafür sind Restaurants außerhalb der Touristenzonen günstiger als rund um den Krakauer Rynek. Wer in Krakau eine Gasse weiter geht, zahlt sofort weniger. In beiden Städten gilt: Bezahlt wird in Złoty, Karte funktioniert fast überall, und die Abrechnung in Euro am Terminal lehnst du ab.

Wie kommt man von Warschau nach Krakau?

Am schnellsten mit dem Zug. Die Schnellverbindungen brauchen gut zweieinhalb Stunden und fahren mehrmals täglich, beide Hauptbahnhöfe liegen zentral. Buche online vor, das ist meist günstiger und sichert dir einen Sitzplatz. Fernbusse sind billiger und deutlich langsamer, ein Inlandsflug lohnt sich auf dieser Strecke nicht.

Lohnt sich Warschau überhaupt, wenn die Altstadt neu ist?

Ja, gerade deswegen. Die Rekonstruktion nach der Zerstörung von 1944 steht seit 1980 auf der UNESCO-Welterbeliste, weil sie zeigt, wie eine Gesellschaft ihre Geschichte zurückgeholt hat. Dazu kommen die stärksten Museen des Landes, darunter POLIN zur jüdischen Geschichte und das Museum des Warschauer Aufstands. Wer nur Fassaden sucht, ist in Krakau richtiger.

Welche Stadt ist besser mit Kindern?

Warschau, wenn die Kinder Bewegung und Mitmachangebote brauchen: Es gibt große Parks, breite Uferwege an der Weichsel und ein Wissenschaftszentrum zum Anfassen. Krakau punktet mit kurzen Wegen, der Drachenhöhle am Wawel und dem Salzbergwerk Wieliczka als Ausflug. Beides funktioniert, Krakau ist logistisch einfacher, Warschau abwechslungsreicher.