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Was kostet eine Reise nach Polen wirklich?

Polen gilt als günstiges Reiseland, und das stimmt weiterhin, nur nicht mehr pauschal. Bei manchen Posten ist der Abstand zu Deutschland riesig, bei anderen ist er verschwunden. Wer mit Zahlen aus älteren Reiseberichten plant, verrechnet sich in beide Richtungen und ärgert sich am Ende über die Kartenabrechnung.

Konkrete Beträge nennen wir hier bewusst nicht: Die Inflation der vergangenen Jahre war spürbar, und eine Zahl von gestern führt dich in die Irre. Stattdessen bekommst du die Struktur. Welche Posten dein Budget bestimmen, wo du wirklich sparst, was du dir in Polen leisten kannst, das zu Hause nicht drin wäre, und an welchen vier Stellen Geld verschwindet, ohne dass du etwas dafür bekommst.

Was kostet eine Reise nach Polen wirklich?
Foto: Oleslawlama, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WährungZłoty (zł, PLN), der Euro ist kein Zahlungsmittel
  • Deutlich günstigerRestaurant, Nahverkehr, Taxi, Eintritte
  • Etwa wie zu HauseSupermarkt, Kraftstoff, Elektronik, Markenkleidung
  • Größter PostenUnterkunft, vor allem in Warschau und an der Ostsee im Sommer
  • Ortstaxein Kurorten und einigen Städten, pro Person und Nacht
  • Bester Spartippviele staatliche Museen haben einen freien Tag pro Woche

Die kurze Antwort

Eine Städtereise nach Polen kostet dich weniger als dieselbe Reise nach Frankreich, Italien oder Skandinavien, und vor Ort gibst du spürbar weniger aus als in München oder Hamburg. Der Unterschied liegt fast vollständig bei den Dienstleistungen: Essen im Lokal, Nahverkehr, Taxi, Eintritte, Führungen. Alles, was aus dem Regal kommt, kostet ungefähr dasselbe wie zu Hause.

Das verschiebt dein Gesamtbudget nicht um Welten, aber es verschiebt, was möglich ist. Drei Museen an einem Tag, abends warm essen mit Vorspeise und Wein, ein Taxi statt des Fußwegs bei Regen: Darüber denkst du in Polen nicht lange nach.

Übernachtung: der Posten, der entscheidet

Die Unterkunft macht in fast jeder Kalkulation den größten Anteil aus, und sie schwankt am stärksten. Vier Dinge treiben den Preis: die Stadt, die Saison, der Wochentag und wie früh du buchst.

Warschau (Warszawa) ist die teuerste Adresse, weil die Stadt vom Geschäftsreiseverkehr lebt. Genau deshalb wird sie am Wochenende billiger, während Krakau (Kraków) am Wochenende teurer wird. An der Ostsee dreht sich alles um Juli und August, dann zahlst du in den Seebädern Preise, die im Mai unvorstellbar wären. In Posen (Poznań) hängt alles an den Messewochen: außerhalb davon günstig, während einer großen Messe teurer als die Hauptstadt.

Wo du in den beiden großen Städten am besten schläfst, steht unter Hotels in Krakau und Hotels in Warschau. Als Faustregel gilt: Ein Zimmer eine Straße außerhalb der Altstadt kostet deutlich weniger, und du läufst fünf Minuten länger. Apartments sind in Polen weit verbreitet und für Familien meist die günstigste Lösung.

Essen: hier ist die Ersparnis am größten

Beim Essen gibt es die meisten Stufen. Ganz unten steht die Milchbar, ein Überbleibsel der Volksrepublik: Du liest die Tafel an der Wand, bestellst am Tresen, zahlst sofort, holst dein Tablett ab und räumst selbst ab. Ein volles Mittagessen kostet dort einen Bruchteil dessen, was in Deutschland eine Kantine verlangt.

Darüber liegen die normalen Restaurants, in denen du für ein Abendessen mit Getränk etwa so viel bezahlst wie zu Hause für einen Mittagsteller. Ganz oben steht die neue polnische Küche in Warschau und Krakau, die international mithält und auch international abrechnet. Was du wo bestellst und wie eine Milchbar funktioniert, erklärt Essen in Polen.

Der teuerste Fehler ist gleichzeitig der bequemste: das Lokal mit Fotos auf der Speisekarte direkt am Hauptplatz. Eine Gasse weiter isst du besser und zahlst deutlich weniger. Steht die Karte in Euro, dreh um. Und beim Fisch an der Küste schau auf die Angabe pro hundert Gramm, sonst überrascht dich die Rechnung.

Unterwegs: Bahn, Bus, Tram, Taxi

Nahverkehr ist so billig, dass sich Rechnen kaum lohnt. Kauf ein Tagesticket und fahr, Automaten in Straßenbahn und Bus nehmen fast überall die Karte. Taxi ist ebenfalls günstig, solange du eine App nutzt statt eines Wagens ohne Firmenschild vor dem Bahnhof.

Im Fernverkehr gilt dasselbe Prinzip wie in Deutschland: Wer früh bucht, zahlt einen Bruchteil des Normalpreises, und der Aufschlag für die erste Klasse ist klein genug, um ihn auf langen Strecken mitzunehmen. Wie das System funktioniert, steht unter Mit dem Zug durch Polen. Fernbusse sind noch billiger und deutlich langsamer.

Mit dem eigenen Auto kommen zwei Posten dazu, die viele vergessen: Maut auf Teilen der Autobahnen und die Umweltzonen in Krakau und Warschau. Beides steht unter Umweltzonen und Verkehrsregeln. In den Altstädten ist Parken teuer und knapp, ein Hotel am Rand mit Parkplatz rechnet sich schnell.

Eintritte: der angenehmste Posten

Museen sind auffallend preiswert, und viele staatliche Häuser haben einen Tag pro Woche mit freiem Eintritt in die Dauerausstellung. Das ist der stärkste Spareffekt überhaupt, kostet dich aber Flexibilität, denn an diesem Tag ist es voll und Zeitfenster sind schnell weg.

Ein paar Ausnahmen solltest du kennen. Das Salzbergwerk in Wieliczka ist nur mit Führung zu besichtigen und gehört zu den teureren Tickets des Landes. Auf dem Wawel wird jede Ausstellung einzeln verkauft, da summiert es sich. Der Eintritt in die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ist kostenlos, eine Reservierung ist verpflichtend, und für die Begleitung durch eine Bildungskraft wird ein Beitrag erhoben.

Tipp: Frag im Hotel oder an der Kasse nach dem freien Wochentag des jeweiligen Museums und leg deinen Museumstag dorthin. Kombiniere ihn mit einem Haus, das ohnehin wenig kostet, und heb dir die teuren Zeitfenster für den ruhigsten Tag deiner Reise auf.

Ortstaxe, Gebühren und Kleinkram

In Kurorten und einigen Städten kommt eine Ortstaxe pro Person und Nacht dazu. Sie ist meist nicht im Buchungspreis enthalten und wird an der Rezeption abgerechnet, gelegentlich nur in bar. Rechne außerdem mit Kleinbeträgen für Toiletten in Bahnhöfen und Einkaufszentren, für Gepäckaufbewahrung und für die Garderobe im Museum, die in Polen oft verpflichtend ist.

Trinkgeld liegt im Restaurant bei rund zehn Prozent und ist freiwillig. Bei Selbstbedienung erwartet es niemand. Gib es möglichst bar, weil längst nicht jedes Terminal danach fragt.

Was in Polen nicht mehr billig ist

Der Supermarkt liegt inzwischen ungefähr auf deutschem Niveau, bei einzelnen Produkten darüber. Kraftstoff, Elektronik, Markenkleidung und Kaffee in internationalen Ketten kosten dasselbe wie zu Hause. Hotels an der Ostsee in den Sommerferien und Zimmer im Warschauer Zentrum unter der Woche sind sogar teuer im europäischen Vergleich.

Der niedrige Preis ist deshalb kein guter alleiniger Reisegrund. Er ist ein angenehmer Nebeneffekt einer Reise, die sich wegen der Städte lohnt.

Achtung: Wenn Terminal oder Geldautomat dir anbieten, den Betrag gleich in Euro abzurechnen, lehnst du ab und wählst Złoty. Diesen Kurs legt nicht deine Bank fest, sondern der Betreiber des Geräts, und der Aufschlag liegt regelmäßig im oberen einstelligen Prozentbereich. Es gibt keinen Fall, in dem diese Umrechnung für dich die bessere Wahl ist.

Wo du unnötig Geld verlierst

Vier Stellen kosten wirklich, und alle vier sind vermeidbar. Erstens die eben beschriebene Umrechnung in Euro. Zweitens die Wechselstube am Flughafen oder im Bahnhof, wo der Kurs die Bequemlichkeit bezahlt. Drittens der freistehende Geldautomat eines unabhängigen Betreibers in der Altstadt, der eine eigene Gebühr nimmt und den Auszahlungsbetrag nach unten begrenzt, sodass du zweimal zahlst. Viertens das Lokal mit Euro-Preisen am Hauptplatz.

Wie du am besten an Bargeld kommst, welche Karte funktioniert und was beim Trinkgeld gilt, steht ausführlich unter Bezahlen in Polen. Kurzfassung: Karte mit Visa- oder Mastercard-Zeichen, hundert Złoty in bar und die Antwort „Złoty, bitte“ am Terminal.

Drei Reisestile, drei Budgets

Sparsam heißt: Hostel oder Apartment außerhalb der Altstadt, mittags Milchbar, Nahverkehr statt Taxi, Museen am freien Tag, Anreise mit Fernbus oder früh gebuchter Bahn. So kommst du in Polen mit sehr wenig durch, ohne dass es sich nach Verzicht anfühlt.

Mittel heißt: ordentliches Hotel in Laufnähe zur Altstadt, einmal am Tag warm essen im Restaurant, zwei bis drei Eintritte täglich, gelegentlich ein Taxi. Das ist der Stil, für den Polen gemacht ist, weil du dafür weniger zahlst als für den sparsamen Stil in Westeuropa. Komfortabel heißt: Hotel direkt am Markt, gute Küche am Abend, private Führungen, Mietwagen für die Ausflüge.

Was die Anreise selbst kostet, hängt vor allem an deinem Wohnort und steht unter Anreise nach Polen. Wie du mehrere Städte sinnvoll verbindest, ohne dass die Fahrtkosten davonlaufen, zeigt die Städtereise-Route durch Polen.

Häufige Fragen

Ist Polen wirklich billiger als Deutschland?

Bei Restaurantessen, Nahverkehr, Taxi, Führungen und Eintritten ja, und zwar deutlich. Bei Supermarkt, Kraftstoff, Elektronik und Markenkleidung liegt das Niveau nah beieinander. Hotels schwanken stark: Warschau ist unter der Woche teuer, an der Ostsee kostet der Hochsommer ein Vielfaches des Frühjahrs. Rechne nicht mit Preisen aus älteren Reiseberichten.

Welcher Posten kostet auf einer Polenreise am meisten?

Die Unterkunft, mit Abstand. Sie macht in fast jeder Kalkulation den größten Anteil aus und schwankt am stärksten nach Stadt, Saison und Wochentag. Essen, Nahverkehr und Eintritte fallen dagegen kaum ins Gewicht. Wer sparen will, dreht deshalb zuerst an Lage und Zeitpunkt der Unterkunft, nicht an den Restaurantbesuchen.

Wie viel Bargeld sollte ich mitnehmen?

Wenig. Kartenzahlung funktioniert in Polen flächendeckend, auch für Kleinstbeträge, im Taxi und am Fahrscheinautomaten. Bargeld brauchst du fürs Trinkgeld, für Marktstände, für manche Toiletten, für die Ortstaxe an der Rezeption und für ein paar altmodische Milchbars. Hundert Złoty in kleinen Scheinen decken ein Wochenende ab.

Gibt es in Polen eine Kurtaxe?

In Kurorten und einigen Städten wird eine Ortstaxe pro Person und Nacht erhoben. Sie steckt in der Regel nicht im Buchungspreis, sondern wird an der Rezeption abgerechnet, teils nur in bar. Der Betrag ist niedrig, überrascht aber Gäste, die vorab alles online bezahlt haben. Frag beim Einchecken kurz nach.

Kommt man in polnische Museen auch kostenlos hinein?

Viele staatliche Museen haben einen Tag pro Woche mit freiem Eintritt in die Dauerausstellung, Sonderausstellungen sind davon meist ausgenommen. An diesem Tag ist es voll und Zeitfenster sind früh vergeben. Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau ist grundsätzlich ohne Eintritt zugänglich, eine Reservierung ist jedoch verpflichtend.

Lohnt sich eine Reise nach Polen nur wegen der Preise?

Nein, und das wäre auch der falsche Grund. Der Preisabstand ist kleiner geworden und verteilt sich ungleich. Was Polen trägt, sind die Städte selbst: Krakau, Danzig (Gdańsk), Breslau (Wrocław), Warschau und Posen halten jedem Vergleich stand. Dass du dort für dein Geld mehr erlebst, ist ein angenehmer Nebeneffekt, kein Reisegrund.