Region in Polen

Westpommern: Städte & Highlights

Westpommern (Zachodniopomorskie) ist die polnische Region, die am dichtesten an Deutschland liegt. Von Berlin bis Stettin (Szczecin) sind es rund zwei Stunden, von Usedom nach Świnoujście läufst du über die Grenze. Genau das macht diese Ecke zum einfachsten Einstieg in das Land: kurze Anfahrt, breite Sandstrände, Kiefernwald bis fast ans Wasser und eine Großstadt, die kaum jemand auf dem Zettel hat.

Die Region deckt die westliche Hälfte der polnischen Ostseeküste ab, dazu ein weites, dünn besiedeltes Hinterland aus Seen, Wald und kleinen Backsteinstädten. Diese Seite ordnet dir Westpommern: welche Orte sich lohnen, was der Wolin-Nationalpark kann, wie die Kurtradition funktioniert und wann du am besten kommst.

Westpommern: Städte & Highlights
Foto: Yoashca, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftWestpommern (zachodniopomorskie), Hauptstadt Stettin
  • LageNordwestpolen, Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg
  • Küstewestliche Hälfte der polnischen Ostseeküste, Sandstrand fast durchgehend
  • NationalparkWolin (Woliński Park Narodowy), seit 1960
  • Ideale Dauer4 bis 7 Tage mit Küste
  • Beste ReisezeitJuni bis September, Kur ganzjährig

Warum Westpommern

Weil die Anfahrt lächerlich kurz ist und der Unterschied trotzdem groß. Stettin liegt rund 160 Straßenkilometer von Berlin entfernt, Świnoujście rund 210. Wer aus Norddeutschland kommt, ist schneller an der polnischen Ostsee als an der Nordsee. Und die Strände sind breiter, heller und leerer als fast alles, was Deutschland an der Ostsee zu bieten hat.

Der zweite Grund ist die Mischung. In vier Tagen kombinierst du eine Großstadt mit Hafen und Backsteingotik, eine Steilküste im Nationalpark, ein Seebad mit Promenade und ein Kurbad mit Solequellen. Das gibt es sonst nirgends in Polen auf so kurzer Strecke.

Stettin: die unterschätzte Großstadt

Stettin (Szczecin) hat rund 400.000 Einwohner und ist damit die siebtgrößte Stadt Polens. Sie liegt nicht an der Ostsee, sondern gut sechzig Kilometer landeinwärts an der Oder, ist über das Stettiner Haff aber ein bedeutender Seehafen. Der Stadtgrundriss stammt aus dem 19. Jahrhundert und folgt dem Pariser Vorbild: breite Alleen, sternförmige Plätze, Gründerzeitblöcke. Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs wurde vieles davon nicht wiederaufgebaut, deshalb wirkt die Stadt an manchen Stellen zerrissen und an anderen überraschend großzügig.

Das Schaustück ist die Hakenterrasse (Wały Chrobrego), eine 500 Meter lange Terrassenanlage über der Oder, gebaut Anfang des 20. Jahrhunderts, mit Museum, Treppen und Blick auf den Hafen. Dazu kommen das Schloss der Pommernherzöge, mehrere große Backsteinkirchen und eine Philharmonie aus dem Jahr 2014, die für ihre Architektur international ausgezeichnet wurde. Was du unbedingt sehen solltest, steht auf der Seite Stettin Sehenswürdigkeiten.

Świnoujście und Misdroy: die Bäder auf Wolin und Usedom

Świnoujście (Swinemünde) ist die einzige polnische Stadt auf der Insel Usedom (Uznam) und verteilt sich insgesamt über mehrere Dutzend Inseln. Das Zentrum mit Kurpark, Promenade und einem der höchsten Leuchttürme an der Ostsee liegt auf der Usedomer Seite, der Bahnhof auf der Wolliner. Lange verband nur eine Fähre beide Teile, seit 2023 gibt es zusätzlich einen Tunnel unter der Świna. Zu Fuß oder mit dem Rad kommst du aus Ahlbeck in einer knappen Stunde an der Grenze vorbei direkt in die Stadt.

Misdroy (Międzyzdroje) liegt zwanzig Kilometer weiter östlich, mitten im Wolin-Nationalpark. Der Ort ist kleiner, steiler und voller: Seebrücke, Promenade mit Handabdrücken polnischer Filmleute, dahinter gleich der Wald. Im Juli und August ist hier viel los, im Mai und September hast du denselben Strand fast für dich.

Der Wolin-Nationalpark

Der Woliński Park Narodowy wurde 1960 gegründet und schützt den Nordteil der Insel Wolin. Sein Kennzeichen sind die Steilküsten: Bei Gosań fällt der Hang gut neunzig Meter fast senkrecht zum Wasser ab, die benachbarte Kawcza Góra kommt auf gut sechzig Meter. Das ist die höchste Steilküste an der polnischen Ostsee. Oben verläuft ein Wanderweg über Buchenwald und Heide, unten liegt Strand, den du nur an bestimmten Stellen erreichst.

Im Park gibt es ein Schaugehege mit Wisenten am Rand von Misdroy, dazu Seeadler, die über den Binnenseen kreisen. Ein anderer Teil der Insel gehört der Frühgeschichte: In der Stadt Wolin lag im 9. bis 11. Jahrhundert eine der größten Handelssiedlungen der südlichen Ostsee, an der sich slawische und skandinavische Welt trafen. Ein nachgebautes Dorf und ein jährliches Festival erzählen davon.

Tipp: Der Küstenwald hört an der Steilkante abrupt auf, und der Blick von oben ist besser als jedes Strandfoto. Nimm die Route über Wisełka statt der Promenade in Misdroy, dann bist du in zwanzig Minuten aus dem Trubel heraus. Feste Schuhe helfen, der Weg ist sandig und wurzelig.

Kolberg und die Kurtradition

Kolberg (Kołobrzeg) ist das größte Kurbad an der polnischen Ostsee. Grundlage sind Solequellen, die schon im Mittelalter zur Salzgewinnung genutzt wurden, dazu Moor und Seeklima. Seit dem 19. Jahrhundert ist der Ort Badebetrieb, heute stehen hier reihenweise Sanatorien und Kurhotels, viele davon mit deutscher Kundschaft, die für ein bis zwei Wochen zur Behandlung kommt.

Für Reisende bleibt trotzdem genug: eine gotische Kollegiatkirche mit ungewöhnlich breitem Innenraum, ein Leuchtturm am Hafen, eine lange Seebrücke, ein Gradierwerk zum Solevernebeln im Kurpark und Strand in beide Richtungen. Dass die Altstadt fast vollständig neu ist, hat einen bitteren Grund: Im März 1945 wurde Kolberg bei den Kämpfen um die Stadt zu großen Teilen zerstört. Wie die Kurorte in Polen funktionieren, was Sanatorium und Kurtaxe bedeuten und wo die Alternativen liegen, steht auf der Seite Kurorte in Polen.

Hinterland: Backstein, Seen und ein krummer Wald

Zwischen Stettin und der Küste liegt eine Landschaft, die kaum ein Besucher ansteuert. Stargard hat einen erhaltenen Mauerring mit Türmen und Toren und eine Marienkirche aus glasiertem Backstein. Trzebiatów und Darłowo sind kleine Hansestädte mit Marktplatz, Rathaus und Burg. Und südlich von Gryfino steht der Krzywy Las, ein Kiefernwäldchen, dessen Stämme alle im selben Bogen nach Norden wachsen. Warum, weiß niemand sicher.

Ein Sonderfall ist die Schmalspurbahn an der Küste bei Rewal, die im Sommer zwischen den Badeorten fährt. Für Kinder ist das der beste Programmpunkt der ganzen Region. Wer die Küste weiter nach Osten verfolgen will, findet die Fortsetzung unter Die polnische Ostseeküste.

Anreise, Verkehr und Bezahlen

Stettin erreichst du von Berlin mit dem Zug in etwa zwei Stunden, mit dem Auto über die A11 und die polnische A6 in ähnlicher Zeit. Nach Świnoujście fährt die Usedomer Bäderbahn von deutscher Seite bis in die Stadt, das ist die entspannteste Anreise überhaupt. Innerhalb der Region ist die Schnellstraße S3 die Hauptachse von der Küste nach Süden. Auf einigen Autobahnabschnitten in Polen wird Maut erhoben, entlang der Küste betrifft dich das kaum.

Achtung: Auch direkt hinter der Grenze gilt der Złoty und nicht der Euro. Manche Läden in Świnoujście und Misdroy nehmen Euro an, zu einem Kurs, den du nicht willst. Zahl mit Karte, das funktioniert überall, und lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland, und seit 2021 haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang.

Klima und beste Reisezeit

Die Küste ist kühler und windiger als das Landesinnere. In Kolberg liegen die Höchstwerte im August im Mittel bei gut 22 Grad, in Świnoujście bei rund 23 Grad, in Stettin bei gut 24 Grad. Im Januar kommt die Küste tagsüber auf knapp 4 Grad und bleibt damit über dem Gefrierpunkt. Nass ist vor allem der Juli: Kolberg verzeichnet dann im Mittel rund 105 Millimeter Niederschlag, in Stettin sind es 95.

Zum Baden taugen Juli und August, dann ist die Ostsee hier am wärmsten und die Orte am vollsten. Die besseren Monate sind Juni und September: gleiche Strände, halbe Belegung, angenehmere Temperaturen zum Radfahren und Wandern. Für Kur- und Wellnessaufenthalte spielt die Jahreszeit kaum eine Rolle, im Winter ist die Küste stürmisch und die Preise sind niedriger.

Häufige Fragen

Wie weit ist Westpommern von Berlin entfernt?

Stettin liegt rund 160 Straßenkilometer von Berlin entfernt, die Fahrt dauert etwa zwei Stunden, mit dem Zug ähnlich lang. Bis Świnoujście sind es rund 210 Kilometer, bis Kolberg rund 290. Damit ist Westpommern die am schnellsten erreichbare Region Polens für alle, die aus dem Nordosten Deutschlands anreisen.

Lohnt sich Stettin für ein Wochenende?

Ja, wenn du keine geschlossene Altstadt erwartest. Stettin ist eine Hafen- und Gründerzeitstadt mit breiten Alleen, der Hakenterrasse über der Oder, dem Schloss der Pommernherzöge und einer sehr guten Museums- und Essensszene. Zwei Tage reichen. Wer eine intakte mittelalterliche Kulisse sucht, fährt lieber nach Danzig oder Thorn.

Kann man von Usedom nach Polen laufen?

Ja. Von Ahlbeck führt die Strandpromenade direkt an die Grenze und weiter nach Świnoujście, zu Fuß ist das gut eine Stunde, mit dem Rad deutlich schneller. Kontrollen gibt es im Regelfall keine, Ausweis oder Pass gehören trotzdem in die Tasche. Die Usedomer Bäderbahn fährt außerdem von deutscher Seite bis in die Stadt.

Was ist im Wolin-Nationalpark zu sehen?

Vor allem die Steilküste: Bei Gosań fällt der Hang gut neunzig Meter fast senkrecht zur Ostsee ab, oben verläuft ein Wanderweg durch Buchenwald. Dazu kommen Binnenseen, Seeadler und ein Schaugehege mit Wisenten am Rand von Misdroy. Der Park schützt den Nordteil der Insel Wolin und besteht seit 1960.

Ist Kolberg nur etwas für Kurgäste?

Nein, aber die Kur prägt den Ort. Neben Sanatorien und Solebehandlungen gibt es einen breiten Strand in beide Richtungen, eine Seebrücke, den Leuchtturm am Hafen und eine gotische Kollegiatkirche. Die Altstadt ist nach den Zerstörungen von 1945 fast vollständig neu. Wer Ruhe und Struktur mag, ist hier richtig, wer Nachtleben sucht, eher nicht.

Wann ist die beste Reisezeit für die Küste in Westpommern?

Juni und September sind das beste Verhältnis aus Wetter und Andrang. Zum Baden sind Juli und August am verlässlichsten, dann liegen die Höchstwerte in Kolberg im Mittel bei gut 22 Grad und in Świnoujście bei rund 23 Grad. Der Juli ist gleichzeitig der nasseste Monat. Im Winter ist es stürmisch, dafür sind Kurhotels günstiger.