Region in Polen

Kujawien-Pommern: Städte & Highlights

Kujawien-Pommern (Kujawsko-Pomorskie) ist die Region an der mittleren Weichsel, zwischen Großpolen und der Ostsee. Ihre Städte gehören zu den ältesten des Landes und sind fast alle aus demselben Material gebaut: rotem Backstein. Der Deutsche Orden legte hier ab 1230 seine ersten Städte an, die Weichsel machte sie reich, und weil die Front 1945 großenteils an ihnen vorbeizog, steht vieles davon noch im Original.

Der bekannteste Ort ist Thorn (Toruń), Geburtsstadt von Nikolaus Kopernikus und seit 1997 Welterbe. Drumherum liegt eine Region, die kaum jemand ansteuert: Speicherfronten über dem Fluss, ein preußischer Kanal mitten in einer Großstadt, Gradierwerke in einem Kurbad und eine Ausgrabung aus der Bronzezeit. Diese Seite ordnet dir alles davon.

Kujawien-Pommern: Städte & Highlights
Foto: Maciejw, CC BY-SA 3.0 pl · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftKujawien-Pommern (kujawsko-pomorskie), zwei Hauptstädte: Bromberg und Thorn
  • LageNordpolen an der mittleren Weichsel
  • UNESCO-WelterbeMittelalterliche Stadt Thorn, seit 1997
  • BaustoffBacksteingotik, Ordensburgen und Speicher
  • Ideale Dauer3 bis 4 Tage
  • Beste ReisezeitMai bis September

Warum Kujawien-Pommern

Weil hier die dichteste Ansammlung mittelalterlicher Backsteinstädte Polens liegt und trotzdem kaum jemand hinfährt. Innerhalb von siebzig Kilometern entlang der Weichsel reihen sich Thorn, Chełmno und Graudenz aneinander, alle drei mit erhaltenem Mauerring oder erhaltener Stadtstruktur, alle drei aus derselben Bauzeit. Wer Backsteingotik mag, bekommt hier mehr fürs Geld als in jeder anderen Region.

Kurios ist die Verwaltung: Die Woiwodschaft hat zwei Hauptstädte. In Bromberg (Bydgoszcz) sitzt der Woiwode als Vertreter der Regierung, in Thorn die Selbstverwaltung der Region. Beide Städte hätten den Titel gern allein, der Kompromiss von 1999 hält bis heute. Für dich heißt das: zwei ungleiche Zentren, etwa fünfzig Kilometer auseinander, gut in einer Reise zu verbinden.

Thorn: Welterbe an der Weichsel

Thorn (Toruń) ist der Grund, warum die meisten Besucher überhaupt kommen. Der Deutsche Orden gründete die Stadt 1231, zwei Jahre später erhielt sie mit der Kulmer Handfeste ihr Stadtrecht. Was du siehst, ist eine fast vollständig erhaltene mittelalterliche Stadt: das mächtige Rathaus mitten auf dem Altstadtmarkt, drei große Backsteinkirchen, Speicher und Bürgerhäuser, dazu der Mauerring am Fluss mit dem Schiefen Turm, der spürbar aus dem Lot steht.

1473 wurde hier Nikolaus Kopernikus geboren, das mutmaßliche Geburtshaus ist heute ein Museum. Der zweite Exportartikel ist süß: Thorner Lebkuchen, polnisch pierniki, werden seit dem Mittelalter gebacken und in einem Mitmachmuseum erklärt, in dem du selbst Teig in Holzformen drückst. Zwei Tage sind ein gutes Maß, ein Tag reicht für die Altstadt.

Gut zu wissen: Die schönste Ansicht von Thorn hast du nicht in der Stadt, sondern vom anderen Weichselufer. Über die Brücke sind es zu Fuß rund zwanzig Minuten, dann liegt die ganze Stadtsilhouette mit Mauern, Türmen und Speichern vor dir. Am späten Nachmittag steht die Sonne dafür richtig.

Chełmno und Graudenz

Chełmno (Kulm) liegt vierzig Kilometer nördlich auf einer Anhöhe über dem Weichseltal und ist die stillste Überraschung der Region. Die Stadt bekam 1233 gemeinsam mit Thorn ihr Stadtrecht, das als Kulmer Recht Vorbild für über zweihundert weitere Städte wurde. Der Grundriss von damals ist unverändert: ein rechteckiges Raster, ein großer Marktplatz mit Renaissance-Rathaus, sechs gotische Kirchen und ein fast vollständig erhaltener Mauerring. In der Pfarrkirche wird eine Valentinsreliquie verwahrt, weshalb sich Chełmno als Stadt der Verliebten vermarktet.

Graudenz (Grudziądz) weiter flussabwärts hat das spektakulärste Einzelmotiv: eine geschlossene Front alter Kornspeicher, die direkt aus der Uferböschung aufsteigt und vom Wasser aus wie eine Stadtmauer wirkt. Gebaut wurden sie ab dem 14. Jahrhundert, als das Getreide der Region über die Weichsel nach Danzig ging. Vom gegenüberliegenden Ufer siehst du die ganze Reihe auf einmal.

Bromberg: Kanal, Insel und Speicher

Bromberg (Bydgoszcz) ist mit rund 330.000 Einwohnern die größte Stadt der Region und ganz anders gebaut als die Ordensstädte. Ihr Thema ist Wasser: 1774 wurde der Bromberger Kanal eröffnet, der die Brda mit der Netze verbindet und damit das Einzugsgebiet der Weichsel mit dem der Oder. Die alte Schleusentreppe liegt heute im Grünen und lässt sich zu Fuß ablaufen.

Im Zentrum liegt die Mühleninsel, eine ruhige Insel mitten in der Stadt mit Museen und Wiesen. Daneben stehen die Fachwerkspeicher am Wasser, das Wahrzeichen der Stadt, und über dem Fluss balanciert eine Figur auf einem Drahtseil, die selbst bei Wind kippt und sich wieder fängt. Dazu kommt ein modernes Opernhaus am Ufer. Ein Tag reicht, zwei sind angenehm.

Ciechocinek und die Kurtradition

Ciechocinek liegt zwanzig Kilometer westlich von Thorn und ist einer der ältesten Kurorte Polens. Grundlage ist Sole, die hier aus der Tiefe kommt. Im 19. Jahrhundert entstanden drei Gradierwerke aus Holz und Schwarzdorn, über die Sole herabrieselt und verdunstet. Zusammen sind sie über anderthalb Kilometer lang und damit die größte Anlage ihrer Art in Europa.

Wenn du daran entlanggehst, riechst du das Salz und spürst den feuchten Film auf der Haut. Genau darum geht es: Die Luft im Umfeld wirkt wie an der Küste. Dazu kommen ein weitläufiger Kurpark, ein Blumenteppich mit Uhr und eine Reihe von Sanatorien. Wie Kur in Polen praktisch abläuft, steht unter Kurorte in Polen.

Biskupin, Kruszwica und die Piastenroute

Der Süden der Region gehört zur Landschaft Kujawien und damit zu den Gründungsorten des polnischen Staates. In Kruszwica am Gopło-See steht der Mäuseturm, der Rest einer Burg Kasimirs des Großen aus dem 14. Jahrhundert, verbunden mit der Sage vom Fürsten Popiel, den die Mäuse holten. In Biskupin liegt eine befestigte Siedlung der Lausitzer Kultur aus der Bronzezeit, ab 1934 ausgegraben und in Teilen nachgebaut, mit Palisade, Bohlenweg und Häuserzeilen.

Beide Orte gehören zur Piastenroute, die weiter westlich in Großpolen nach Gnesen und Ostrów Lednicki führt. Mit dem Auto lässt sich das gut an einem Tag verbinden.

Anreise, Verkehr und Bezahlen

Thorn und Bromberg liegen an der Bahnstrecke von Warschau nach Danzig und sind aus beiden Städten in gut zwei bis drei Stunden erreichbar. Mit dem Auto führt die Autobahn A1 von Norden nach Süden durch die Region, auf Teilstücken wird Maut erhoben. Von Berlin sind es rund 440 Straßenkilometer nach Thorn. Bromberg hat einen kleinen Flughafen, die größeren liegen in Danzig, Posen und Warschau. Zwischen den Städten der Region kommst du mit Regionalzügen zurecht, für Biskupin und Kruszwica ist ein Auto klar im Vorteil.

Achtung: Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Karte funktioniert überall, auch für Kleinbeträge. Wenn dir der Automat oder das Terminal die Abrechnung in Euro anbietet, lehne ab und wähle Złoty, sonst zahlst du einen schlechteren Kurs. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland, und seit 2021 haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang.

Klima und beste Reisezeit

Das Klima ist trocken und kontinental geprägt. In Thorn liegen die Höchstwerte im August im Mittel bei rund 25 Grad, im Juli bei gut 24 Grad, im Januar bei gut 2 Grad mit Nachtwerten um minus 2 Grad. Regen fällt wenig: Der März kommt auf etwa 35 Millimeter, der Juli als nassester Monat auf rund 80. In Bromberg und Ciechocinek sieht es fast identisch aus.

Mai bis September ist die beste Zeit, mit einem klaren Höhepunkt im Juni und September, wenn es mild ist und die Altstädte leer sind. Im Advent lohnt Thorn ein Wochenende, weil der Markt vor dem Rathaus steht und die Lebkuchenbäckereien Hochsaison haben.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Kujawien-Pommern?

Drei bis vier Tage. Zwei davon gehören Thorn, einer Bromberg, einer den kleineren Städten Chełmno und Graudenz oder dem Kurort Ciechocinek. Wer die Piastenroute mit Biskupin und Kruszwica anhängen will, plant einen weiteren Tag ein und braucht dafür ein Auto.

Warum ist Thorn UNESCO-Welterbe?

Weil die mittelalterliche Stadt weitgehend im Original erhalten ist. Der Deutsche Orden gründete sie 1231, der Grundriss, das Rathaus, die großen Backsteinkirchen, Speicher, Bürgerhäuser und Teile der Stadtmauer stammen aus dem Mittelalter. Anders als in vielen polnischen Städten wurde hier nach 1945 kaum rekonstruiert. Seit 1997 steht die Altstadt auf der Welterbeliste.

Warum hat die Woiwodschaft zwei Hauptstädte?

Bei der Verwaltungsreform von 1999 konnten sich Bromberg und Thorn nicht einigen. Der Kompromiss: In Bromberg sitzt der Woiwode als Vertreter der Regierung, in Thorn die gewählte Selbstverwaltung der Region mit dem Marschall. Beide Städte liegen rund fünfzig Kilometer auseinander und lassen sich problemlos in einer Reise verbinden.

Was sind die Gradierwerke in Ciechocinek?

Große Holzgerüste, gefüllt mit Schwarzdornreisig, über die Sole herabrieselt und verdunstet. Ursprünglich diente das der Salzgewinnung, heute geht es um die salzhaltige Luft, die entlang der Anlage entsteht und bei Atemwegsbeschwerden eingesetzt wird. Die drei Bauwerke aus dem 19. Jahrhundert sind zusammen über anderthalb Kilometer lang.

Lohnt sich Chełmno für einen Ausflug?

Ja, gerade weil dort so wenig los ist. Die Stadt hat ihren mittelalterlichen Grundriss behalten, dazu einen großen Marktplatz mit Renaissance-Rathaus, sechs gotische Kirchen und einen fast vollständigen Mauerring, alles auf einer Anhöhe über dem Weichseltal. Ein halber Tag reicht, gut zu verbinden mit Graudenz weiter flussabwärts.

Wann ist die beste Reisezeit für die Region?

Mai bis September, besonders Juni und September. Es ist eine trockene Gegend: In Thorn fallen im März nur rund 35 Millimeter Niederschlag, im Juli als nassestem Monat rund 80. Der August erreicht im Mittel rund 25 Grad. Im Januar bleibt es tagsüber bei gut 2 Grad, dafür ist der Advent in Thorn stimmungsvoll.