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Feste in Polen: Weihnachten, Ostern & Fronleichnam

Polen ist eines der katholisch geprägtesten Länder Europas, und das merkst du als Gast nicht an Statistiken, sondern an einzelnen Tagen. An manchen Daten steht das Land still: Die Innenstädte leeren sich, Straßenbahnen fahren im Sonntagstakt, und die Hotelküche ist die einzige, die noch etwas serviert. An anderen Tagen passiert das Gegenteil, dann zieht eine Prozession quer durch die Altstadt und du kommst mit dem Koffer nicht über die Straße.

Beides ist kein Problem, solange du es vorher weißt. Hier stehen die Feste, die du als Reisender wirklich spürst, was sie bedeuten und wie du dich dabei verhältst. Feste Termine nennen wir nur da, wo es sie gibt: Ostern und Fronleichnam wandern jedes Jahr.

Feste in Polen: Weihnachten, Ostern & Fronleichnam
Foto: Emilia Wiśniewska, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Größtes FestWeihnachten, Kern ist der Abend des 24. Dezember
  • Wigiliazwölf fleischlose Gerichte, Beginn mit dem ersten Stern
  • OstermontagŚmigus-dyngus, der Tag mit dem Wasser
  • Fronleichnambeweglicher Feiertag im Frühsommer, Prozessionen durch die Städte
  • Allerheiligen1. November, Kerzen auf allen Friedhöfen des Landes
  • Wichtig für die Planungan Feiertagen schließen Geschäfte und die meisten Museen

Weihnachten: Wigilia, zwölf Gerichte, ein leeres Gedeck

Das große Fest ist nicht der 25. Dezember, sondern der Abend davor. Wigilia heißt dieser Abend, und er beginnt traditionell dann, wenn der erste Stern am Himmel steht. Auf dem Tisch stehen zwölf Gerichte, alle ohne Fleisch: Rote-Bete-Suppe mit winzigen Teigtaschen, Pierogi mit Sauerkraut und Pilzen, Hering in mehreren Varianten, Mohnkuchen, dazu Karpfen. Unter der Tischdecke liegt etwas Heu, und ein Gedeck bleibt frei, für den unerwarteten Gast.

Bevor gegessen wird, geht eine dünne weiße Oblate herum. Jeder bricht von jedem ein Stück ab und wünscht etwas, das dauert bei großen Familien eine Weile und ist der ernsteste Moment des Abends. Um Mitternacht füllt sich die Kirche zur Pasterka, der Christmette. Der 25. und der 26. Dezember sind Feiertage und gehören ebenfalls der Familie.

Als Reisender bist du an diesem Abend außen vor, und genau das ist der Punkt: Wigilia ist Familie, kein Programm. Restaurants schließen früh oder ganz, Museen sowieso. Wenn du zu Weihnachten in Polen bist, plane den 24. Dezember als ruhigen Tag mit einem langen Spaziergang und einer Kirche am Abend.

Advent: die Wochen, in denen sich die Reise lohnt

Die Adventswochen sind der bessere Zeitpunkt. Auf dem Rynek Główny in Krakau (Kraków) und auf dem Ring in Breslau (Wrocław) stehen die Buden, es riecht nach gegrilltem Schafskäse aus der Tatra, der Glühwein heißt grzaniec, und die Städte sind früh dunkel und gleichzeitig hell. Welche Märkte sich lohnen, steht unter Weihnachtsmärkte in Polen, wie sich das Land in der kalten Jahreshälfte sonst anfühlt, unter Polen im Winter.

Dreikönigstag: Umzüge und Kreide über der Tür

Der 6. Januar ist gesetzlicher Feiertag. In vielen Städten ziehen an diesem Tag große Umzüge mit den Heiligen Drei Königen durch das Zentrum, mit Kostümen, Gesang und mehreren tausend Menschen. Danach schreiben Familien mit geweihter Kreide Buchstaben und Jahreszahl über den Türrahmen. Wenn du in polnischen Treppenhäusern nach oben schaust, siehst du diese Zeichen das ganze Jahr über.

Ostern: gesegnete Körbe und ein nasser Montag

Ostern ist beweglich und nach Weihnachten das zweite große Fest. Am Palmsonntag tragen die Gemeinden bunte Palmen aus Trockenblumen und Weidenkätzchen in die Kirche, in Łowicz und den masowischen Dörfern werden sie mehrere Meter hoch. Am Karsamstag bringen Familien einen Korb zur Segnung, mit Brot, Ei, Salz, Wurst und einem Lamm aus Zucker. Das heißt święconka, und vor den Kirchen stehen dafür lange Schlangen mit Weidenkörbchen. Dieses Bild siehst du sonst nirgends.

Der Ostersonntag beginnt mit einem ausgiebigen Frühstück, jetzt wieder mit Fleisch, Wurst und den bemalten Eiern. Und dann kommt der Ostermontag, śmigus-dyngus, der Tag mit dem Wasser. Kinder und Jugendliche bespritzen einander auf der Straße, mit Bechern, Flaschen und Wasserpistolen, in Kleinstädten auch mit Eimern vom Balkon. Wer als Gast mit der Kamera durch ein Wohnviertel läuft, ist ein legitimes Ziel. Nimm es sportlich, pack die Technik ein und lass die gute Jacke im Hotel.

Gut zu wissen: Ostern und Fronleichnam haben kein festes Datum, sie verschieben sich jedes Jahr. Fronleichnam liegt immer an einem Donnerstag rund zwei Monate nach Ostern. Prüf vor der Buchung kurz den polnischen Feiertagskalender für dein Reisejahr, das erspart dir eine geschlossene Stadt am gebuchten Museumstag.

Fronleichnam: Blumenteppiche und gesperrte Straßen

Fronleichnam, polnisch Boże Ciało, ist gesetzlicher Feiertag und der sichtbarste Tag im katholischen Kalender. In jeder Stadt und jedem Dorf zieht eine Prozession vom Kirchenportal durch die Straßen zu vier Altären, die Anwohner mit Tüchern, Birkenzweigen und Blumen schmücken. Mädchen in Weiß streuen Blütenblätter, dahinter geht die ganze Gemeinde. In Krakau führt der größte Zug vom Wawel hinunter in die Innenstadt.

Für dich heißt das ganz praktisch: Straßen sind gesperrt, Straßenbahnen fahren Umleitungen, Läden bleiben zu. Und es heißt: an den Rand treten, warten und keine Nahaufnahmen von betenden Menschen machen. Das ist ein Gottesdienst auf der Straße, kein Festumzug.

Allerheiligen: das stärkste Bild des Jahres

Wenn du ein einziges polnisches Fest erleben willst, dann dieses. Am 1. November fährt das halbe Land zu den Gräbern der eigenen Familie. Auf jedem Friedhof, vom Dorf bis zum Rakowicki-Friedhof in Krakau und zur Powązki-Nekropole in Warschau (Warszawa), brennen am Abend Zehntausende Grablichter in roten, blauen und grünen Gläsern. Von Weitem sieht ein Friedhof aus wie eine glühende Fläche. Es ist voll, es ist erstaunlich leise, und es ist kein Trauertag, sondern ein Familientag.

Der 1. November ist Feiertag, der 2. November ist Allerseelen. Rechne mit vollen Zügen, Staus vor den Städten und geschlossenen Geschäften. Vor den Friedhofstoren stehen Stände mit Blumen und Grablichtern, bezahlt wird dort in Złoty und oft bar.

Tipp: Geh an Allerheiligen erst nach Einbruch der Dunkelheit auf einen großen Friedhof, dann wirkt das Lichtermeer am stärksten. Halte dich am Rand, sprich leise und stell dich nicht zwischen Familien und ihr Grab. Wenn du ein Licht abstellen möchtest, wähle ein altes, ungepflegtes Grab, nicht eines, an dem gerade jemand steht.

Staatliche Feiertage und die großen Wallfahrten

Neben den kirchlichen Terminen gibt es drei staatliche, die deine Planung berühren. Der 1. Mai ist arbeitsfrei, der 3. Mai erinnert an die Verfassung von 1791, und zwischen beiden nehmen viele Polen frei: Die „Majówka“ ist die erste große Reisewelle des Jahres, Küste und Berge sind dann voll. Der 11. November ist Unabhängigkeitstag und erinnert an 1918. In Warschau finden an diesem Tag große Märsche statt, informiere dich kurz, bevor du am Nachmittag ins Zentrum gehst.

Am 15. August kommt beides zusammen. Mariä Himmelfahrt ist Feiertag, und in Tschenstochau (Częstochowa) enden die Fußwallfahrten zur Schwarzen Madonna auf dem Jasna Góra. Gruppen laufen dafür aus dem ganzen Land teils zwei Wochen lang. Wer an diesen Tagen dort übernachten will, braucht sehr früh ein Zimmer.

Was das praktisch für dich bedeutet

An gesetzlichen Feiertagen sind Supermärkte, Einkaufszentren und die meisten Museen geschlossen. Cafés und Restaurants in touristischen Zentren öffnen häufig trotzdem, verlass dich aber nicht darauf. Dazu kommt das Handelsverbot an den meisten Sonntagen: Große Läden bleiben zu, kleine Kioske, Bäckereien, Tankstellen und Bahnhofsgeschäfte dürfen öffnen. Der Einkauf gehört also auf den Samstag.

Kirchen sind an Festtagen keine Museen, sondern voll besetzte Gotteshäuser. Als Gast bist du willkommen, während einer Messe gehst du aber nicht mit der Kamera durch das Mittelschiff, und Schultern und Knie bleiben bedeckt. Ein paar polnische Sätze helfen dabei mehr als jede Geste, sie stehen unter Polnisch für die Reise. Was an Festtagen auf den Tisch kommt, erklärt Essen in Polen, und welcher Monat generell zu dir passt, steht unter beste Reisezeit für Polen.

Achtung: Eine Prozession ist ein Gottesdienst, keine Attraktion. Stell dich nicht in den Zug hinein, geh nicht rückwärts vor der Spitze her und filme keine einzelnen Betenden aus der Nähe. Dasselbe gilt an Allerheiligen auf dem Friedhof. Wer sich zurückhält, wird freundlich behandelt, alles andere fällt sofort auf.

Häufige Fragen

Wann feiert man in Polen Weihnachten?

Der Kern des Festes ist der Abend des 24. Dezember, Wigilia genannt. Er beginnt traditionell, wenn der erste Stern zu sehen ist, mit zwölf fleischlosen Gerichten und dem Teilen der Oblate. Um Mitternacht folgt die Christmette. Der 25. und der 26. Dezember sind gesetzliche Feiertage und gehören der Familie, öffentlich ist an diesen Tagen wenig los.

Was ist Śmigus-dyngus?

Der Wasserbrauch am Ostermontag. Kinder und Jugendliche bespritzen einander auf der Straße mit Wasser, aus Flaschen, Bechern und Wasserpistolen. Der Brauch ist alt und wird heute vor allem in Wohnvierteln und Kleinstädten ausgelebt. Als Tourist bist du nicht ausgenommen, also lass Kamera und gute Kleidung an diesem Vormittag besser im Hotel.

Sind an polnischen Feiertagen die Geschäfte geschlossen?

Ja, große Läden, Einkaufszentren und Supermärkte schließen an gesetzlichen Feiertagen. Dazu gilt an den meisten Sonntagen ein Handelsverbot. Offen bleiben dürfen kleine Kioske, Bäckereien, Tankstellen und Geschäfte an Bahnhöfen und Flughäfen. Restaurants und Cafés in den Altstädten arbeiten meist weiter, an Heiligabend allerdings nur bis zum frühen Nachmittag.

Lohnt es sich, an Allerheiligen in Polen zu sein?

Für alle, die etwas vom Land verstehen wollen, ja. Am Abend des 1. November brennen auf jedem Friedhof Zehntausende Grablichter, das ist das eindrücklichste Bild des polnischen Jahres. Gleichzeitig sind Züge und Straßen voll und die Geschäfte geschlossen. Plane an diesem Tag kein Museumsprogramm, sondern nur den Friedhofsbesuch am Abend.

Wann ist Fronleichnam in Polen?

An einem Donnerstag im Frühsommer, das Datum hängt am Ostertermin und wandert jedes Jahr. Der Tag ist gesetzlicher Feiertag. In jeder Stadt zieht eine Prozession zu vier geschmückten Altären, dabei werden Straßen gesperrt und Straßenbahnen umgeleitet. Wer an diesem Tag mit Gepäck durch eine Altstadt muss, sollte Zeitpuffer einplanen.

Darf man bei einer Prozession zusehen und fotografieren?

Zusehen ja, und du wirst nicht schief angeguckt, wenn du dich an den Rand stellst. Fotografieren aus der Distanz ist üblich, Nahaufnahmen von betenden oder singenden Menschen sind es nicht. Geh nicht in den Zug hinein und laufe nicht rückwärts vor der Spitze her. Es handelt sich um einen Gottesdienst, der zufällig draußen stattfindet.