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Weihnachtsmärkte in Polen: Krakau, Breslau & Co.

Polnische Weihnachtsmärkte sind kleiner als der deutsche Durchschnitt, dafür stehen sie an Plätzen, die selbst schon die halbe Miete sind: dem größten mittelalterlichen Marktplatz Europas in Krakau, dem Ring in Breslau, der wiederaufgebauten Altstadt in Warschau, dem Kohlenmarkt vor dem Zeughaus in Danzig. Geöffnet ist meist von Ende November bis in die ersten Januartage.

Hier steht, welche vier Städte sich wirklich lohnen, was du an den Ständen isst und trinkst, wann du dem Gedränge entgehst und warum Heiligabend in Polen der Tag ist, an dem draußen alles zumacht und drinnen alles anfängt.

Weihnachtsmärkte in Polen: Krakau, Breslau & Co.
Foto: Aw58, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • ZeitraumEnde November bis Anfang Januar, Krakau am längsten
  • Größter MarktBreslau, rund um Ring und Salzmarkt
  • Krakauer Krippenimmaterielles UNESCO-Kulturerbe seit 2018
  • HeiligabendWigilia am 24. Dezember, zwölf Gerichte, kein Fleisch
  • Feiertage25. und 26. Dezember, 1. und 6. Januar
  • BezahlenZłoty, Karte auch an den Ständen

Krakau: der Markt mit der besten Kulisse

In Krakau (Kraków) steht der Markt auf dem Rynek Główny, in zwei Reihen entlang der Tuchhallen, mit der Marienkirche im Rücken. Er ist nicht der größte, aber der stimmigste, weil der Platz alles trägt. Verkauft werden Holzspielzeug, Wollpantoffeln, Keramik aus Bolesławiec, Lebkuchen und Kränze.

Die Krakauer Spezialität hat mit Ständen nichts zu tun: Am ersten Donnerstag im Dezember tragen Krippenbauer ihre szopki zum Mickiewicz-Denkmal, bunte Türme aus Stanniolpapier, in denen die Krakauer Bauwerke zur Krippe umgebaut werden. Danach werden die Arbeiten im Museum ausgestellt. Seit 2018 steht diese Tradition auf der UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes. Wenn du eine Sache aus dem Krakauer Advent mitnimmst, dann diese.

Tipp: Der Krakauer Markt bleibt am längsten stehen, oft bis zum Dreikönigstag am 6. Januar. Die Woche zwischen Weihnachten und Neujahr ist deutlich ruhiger als der dritte und vierte Advent und die Beleuchtung dieselbe. Wer den Markt ohne Menschenmasse sehen will, kommt genau dann.

Breslau: der größte

Der Jarmark in Wrocław gilt als der größte des Landes. Er zieht sich um das Rathaus über den Ring und weiter auf den Salzmarkt, wo die Blumenstände das ganze Jahr über stehen. Die Hütten sind dicht gestellt, die Gassen dazwischen eng, und genau das erzeugt die Stimmung, die dem weiten Krakauer Platz fehlt.

Kulinarisch ist Breslau der beste der vier: mehr Stände, mehr Auswahl, viel Gegrilltes. Für Kinder gibt es meist einen eigenen Bereich mit Karussell. Rechne am Freitag- und Samstagabend mit Schrittgeschwindigkeit, unter der Woche vormittags läufst du frei.

Warschau: die Beleuchtung schlägt den Markt

In Warschau (Warszawa) ist der Markt auf dem Schlossplatz und in der Altstadt überschaubar. Die eigentliche Attraktion ist die Illumination des Königswegs: Von Anfang Dezember an hängen über Krakowskie Przedmieście und Nowy Świat Lichtbögen, Kronleuchter und Tierfiguren, und sie bleiben bis weit in den Winter hinein an. Der Spaziergang vom Schlossplatz Richtung Süden ist abends kostenlos und besser als jeder Glühweinstand.

Dazu kommt eine Eisbahn und, wenn es kalt genug wird, ein Winterbild, das der Wiederaufbaualtstadt gut steht. Als alleiniger Reisegrund im Advent trägt Warschau nicht, in Kombination mit Museen aber sehr gut.

Danzig: Holzhäuser vor dem Zeughaus

Der Jarmark in Danzig (Gdańsk) steht auf dem Kohlenmarkt (Targ Węglowy) vor der Fassade des Großen Zeughauses, ein paar Schritte vom Langen Markt entfernt. Er ist in den letzten Jahren stark gewachsen und wird regelmäßig in europäische Bestenlisten gewählt. Verkauft wird das, was zur Stadt gehört: Bernstein, Keramik, Räucherfisch, dazu Handwerk aus dem Umland.

Der Vorteil von Danzig im Winter ist die Backsteinkulisse bei Dunkelheit. Der Nachteil ist das Wetter von der See her: nasser Wind, der jede Temperaturangabe unterläuft. Mütze und wasserdichte Schuhe sind hier keine Übervorsicht.

Wer noch dazugehört

Stadt Wo Wofür du kommst
Krakau Rynek Główny Kulisse, Krippen, lange Saison
Breslau Ring und Salzmarkt größter Markt, meiste Stände
Warschau Schlossplatz, Königsweg Illumination der Prachtstraße
Danzig Kohlenmarkt Bernstein und Backstein bei Dunkelheit
Posen Freiheitsplatz Eisskulpturen
Thorn Altstädtischer Ring Lebkuchen an der Quelle

In Posen (Poznań) heißt der Markt Posener Bethlehem und ist vor allem für seinen Wettbewerb der Eisskulpturen bekannt. In Thorn (Toruń) kaufst du Lebkuchen dort, wo sie seit dem Mittelalter gebacken werden; im Advent riecht die halbe Altstadt danach.

Was du isst und trinkst

Der Klassiker heißt grzaniec, heißer Wein mit Nelken, Zimt und Orange. Daneben steht fast überall grzane piwo, heißes Bier mit Honig und Gewürzen, das mehr Fans hat, als der erste Gedanke vermuten lässt. Wer keinen Alkohol will, nimmt kompot aus Trockenfrüchten oder heißen Apfelsaft mit Ingwer.

Zu essen gibt es Piroggen mit Sauerkraut und Pilzen, bigos aus dem Kessel, Wurst vom Grill, Kartoffelpuffer, gefüllte Kohlrouladen und in Krakau obwarzanki vom Wagen. Der gegrillte Schafskäse mit Preiselbeeren, den alle für oscypek halten, ist im Dezember meist keiner: Echter oscypek wird nur in der Weidesaison im Sommer hergestellt. Was im Winter auf dem Rost liegt, ist geräucherter Käse aus Kuhmilch. Schmeckt trotzdem, nur der Name stimmt nicht. Was sonst auf der Karte steht, erklärt die polnische Küche.

Gut zu wissen: Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Karte funktioniert an fast jedem Stand, auch für einen Becher Glühwein. Wenn das Terminal fragt, ob du in Euro abrechnen willst, lehne ab und zahle in Złoty, sonst legt der Terminalbetreiber seinen eigenen Kurs zugrunde. Mehr dazu unter Bezahlen in Polen.

Wann es ruhig ist

Voll wird es am dritten und vierten Adventswochenende, jeweils ab dem späten Nachmittag. Wirklich ruhig ist es an Werktagen vormittags, in der ersten Dezemberwoche und zwischen Weihnachten und Neujahr. Die Beleuchtung brennt zu allen diesen Zeiten, die Stände sind dieselben, nur die Menschenmenge fehlt.

Zur Kälte: In Krakau liegen die Höchstwerte im Dezember im Mittel bei 4,3 Grad und nachts bei minus 1,0 Grad, in Breslau bei 5,3 und 0,3 Grad, in Warschau bei 3,8 und minus 0,2 Grad, in Danzig bei 4,4 und 0,9 Grad. Es ist also selten bitterkalt, aber feucht: In Krakau fallen im Dezember rund 53 Millimeter Niederschlag an 13 Tagen. Schnee ist möglich, verlässlich ist er nicht.

Wigilia: der 24. Dezember

Weihnachten ist in Polen ein Familienfest, und sein Zentrum ist der Abend des 24. Dezember. Die Wigilia beginnt, wenn der erste Stern am Himmel steht. Vor dem Essen teilen alle die opłatek, eine dünne Oblate, brechen ein Stück ab und wünschen sich der Reihe nach etwas. Unter der Tischdecke liegt Heu, ein Gedeck bleibt frei für einen unerwarteten Gast.

Auf den Tisch kommen zwölf Gerichte, traditionell ohne Fleisch: rote Bete-Suppe mit kleinen Teigtaschen, Piroggen mit Kraut und Pilzen, Hering, Karpfen, Mohnkuchen, im Osten des Landes kutia aus Weizen, Mohn und Honig. Danach gehen viele zur Pasterka, der Mitternachtsmesse. Der 25. und der 26. Dezember sind Feiertage, an denen die Familie bleibt, wo sie ist.

Achtung: Für Reisende heißt das: Am 24. Dezember schließen Märkte, Geschäfte und die meisten Restaurants spätestens am frühen Nachmittag, der Tag gilt inzwischen als arbeitsfrei. Am 25. und 26. Dezember bleibt fast alles zu, der Nahverkehr fährt nach Feiertagsplan. Plane das Abendessen vorher im Hotel oder besorge dir Vorräte. An Sonntagen gilt in Polen ohnehin ein Handelsverbot, von dem im Dezember nur einzelne Sonntage ausgenommen sind.

Nach Weihnachten

Silvester wird auf den großen Plätzen gefeiert, in Krakau auf dem Rynek, in Zakopane auf der Krupówki mit Bergmusik. Der 6. Januar ist Feiertag: Zu Dreikönig ziehen in vielen Städten Umzüge mit Königen, Kamelen und singenden Familien durch die Straßen, das Ganze ist erstaunlich groß und komplett kostenlos. Danach werden die Märkte abgebaut, und die Städte gehören für zwei Monate wieder denen, die dort wohnen.

Häufige Fragen

Welcher Weihnachtsmarkt in Polen ist der schönste?

Breslau ist der größte und kulinarisch der stärkste, Krakau hat die beste Kulisse und die längste Saison, Danzig gewinnt bei Dunkelheit mit seiner Backsteinaltstadt. Warschau lohnt weniger wegen des Markts als wegen der Illumination des Königswegs. Wenn du nur eine Stadt wählst: Breslau für den Markt, Krakau für die Stimmung.

Wann haben die Weihnachtsmärkte in Polen geöffnet?

In der Regel von Ende November bis in die ersten Januartage, in Krakau oft bis zum Dreikönigstag am 6. Januar. Am 24. Dezember schließen die Stände früh oder bleiben ganz zu, am 25. und 26. Dezember ist Feiertag. Die genauen Termine legt jede Stadt neu fest und veröffentlicht sie auf ihrer offiziellen Seite.

Was trinkt man auf polnischen Weihnachtsmärkten?

Grzaniec, also heißen Gewürzwein, und grzane piwo, heißes Bier mit Honig und Gewürzen. Ohne Alkohol gibt es kompot aus Trockenfrüchten, heißen Apfelsaft mit Ingwer und Tee. Bezahlt wird in Złoty, Karte wird an fast jedem Stand akzeptiert. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab.

Was ist die Wigilia?

Das Abendessen am 24. Dezember, der wichtigste Moment des polnischen Weihnachtsfests. Es beginnt mit dem ersten Stern, alle teilen die Oblate opłatek und wünschen sich etwas, dann kommen zwölf Gerichte ohne Fleisch auf den Tisch, darunter Rote-Bete-Suppe mit Teigtaschen, Piroggen, Hering und Karpfen. Viele gehen anschließend zur Mitternachtsmesse.

Ist an Weihnachten in Polen alles geschlossen?

Fast. Am 24. Dezember machen Geschäfte, Märkte und die meisten Restaurants am frühen Nachmittag dicht, der 25. und 26. Dezember sind Feiertage. Der Nahverkehr fährt nach Feiertagsplan, Museen bleiben überwiegend zu. Sorge für Vorräte oder buche ein Hotel, das an diesen Tagen ein Abendessen anbietet.

Was sind die Krakauer szopki?

Kunstvolle Weihnachtskrippen aus Stanniolpapier, in denen Krakauer Bauwerke zu Türmen und Fassaden umgebaut werden. Am ersten Donnerstag im Dezember werden sie zum Mickiewicz-Denkmal am Hauptmarkt getragen und dort bewertet, danach im Museum gezeigt. Seit 2018 gehört die Tradition zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.