Auf einen Blick
- Notruf112, kostenlos, auch auf Englisch
- KarteEuropäische Krankenversicherungskarte, Rückseite der Versichertenkarte
- Gilt beiEinrichtungen mit NFZ-Vertrag, nicht in Privatkliniken
- Apotheke„apteka“, grünes Kreuz, Nachtdienst im Wechsel
- Notaufnahme„SOR“ im Krankenhaus, nur für echte Notfälle
- Nicht abgedecktRücktransport nach Deutschland
Die kurze Antwort
Bist du gesetzlich versichert, gilt in Polen die Europäische Krankenversicherungskarte. Sie steckt auf der Rückseite deiner Versichertenkarte und berechtigt dich zur medizinisch notwendigen Behandlung in allen Einrichtungen, die einen Vertrag mit dem staatlichen Gesundheitsfonds NFZ haben. Du zahlst dort nichts, außer den gesetzlichen Zuzahlungen, die auch Versicherte in Polen leisten.
Privatversicherte gehen den umgekehrten Weg: erst selbst zahlen, dann die Rechnung zu Hause einreichen. Für beide Gruppen gilt: Eine zusätzliche Auslandsreise-Krankenversicherung ist sinnvoll, und zwar wegen des Rücktransports.
Was die Karte abdeckt und wo sie endet
Die Karte deckt das ab, was während deines Aufenthalts nicht bis zur Rückkehr warten kann: akute Erkrankungen, Unfälle, die Fortsetzung einer laufenden Behandlung bei chronischen Leiden, Schwangerschaftsvorsorge. Der Rettungsdienst ist eingeschlossen. Geplante Eingriffe sind es nicht, und eine Behandlung, für die du extra angereist bist, auch nicht.
Drei Grenzen solltest du kennen. Erstens gilt die Karte nur bei Anbietern mit NFZ-Vertrag, du erkennst sie am blauen NFZ-Logo an der Tür. Zweitens sind Zahnbehandlungen im staatlichen System nur eingeschränkt abgedeckt, und viele Zahnarztpraxen arbeiten rein privat. Drittens ist der Krankenrücktransport nach Deutschland nirgends enthalten, weder über die Karte noch über die gesetzliche Kasse. Genau dafür gibt es die Reiseversicherung, die im Verhältnis zu den übrigen Reisekosten wenig kostet, siehe Was eine Reise nach Polen kostet.
Achtung: Der Rücktransport im Krankheitsfall ist der einzige Posten, der wirklich weh tun kann. Ein Ambulanzflug oder ein Krankentransport über tausend Kilometer geht in eine Größenordnung, die keine Urlaubskasse abfedert. Schließ vor der Abfahrt eine Auslandsreise-Krankenversicherung mit Rücktransport ab und speicher die Notrufnummer der Versicherung im Telefon.
Wenn es akut ist: 112 und die SOR
Bei einem Notfall wählst du 112. Der Anruf ist kostenlos, wird auch auf Englisch entgegengenommen und funktioniert im ganzen Land, siehe Handy in Polen. Der Rettungsdienst heißt „pogotowie ratunkowe“ und ist für Versicherte kostenfrei.
Die Notaufnahme im Krankenhaus heißt SOR, ausgeschrieben „szpitalny oddział ratunkowy“. Sie funktioniert wie in Deutschland: Wer schwer verletzt ist, kommt sofort dran, alle anderen warten, teils lange. Mit Halsschmerzen oder Durchfall bist du dort falsch. Für genau diese Fälle gibt es abends, nachts und am Wochenende die „nocna i świąteczna opieka zdrowotna“, den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst, der an vielen Krankenhäusern und Ambulatorien angesiedelt ist.
Wenn es nicht akut ist: der private Weg
Für alles zwischen lästig und beunruhigend ist in Polen die Privatpraxis die schnellste Lösung. Große private Klinikketten und Praxen gibt es in jeder größeren Stadt, Termine bekommst du oft noch am selben Tag, häufig auch am Wochenende. Bezahlt wird direkt, mit Karte und in Złoty, und die dynamische Umrechnung in Euro lehnst du am Terminal ab, siehe Bezahlen in Polen.
Wichtig ist das Papier danach. Lass dir eine Rechnung mit deinem vollen Namen und deiner Adresse ausstellen, das polnische Wort dafür ist „faktura“, dazu die Diagnose und eine Aufstellung der Leistungen. Ohne diese Angaben tut sich deine Versicherung zu Hause schwer. Frag in der Rezeption deiner Unterkunft nach einer Praxis, dort weiß man, wer deutsch- oder englischsprachig arbeitet.
Gut zu wissen: Wer im staatlichen System behandelt werden will, legt die Europäische Krankenversicherungskarte zusammen mit einem Ausweis vor. Fehlt die Karte, wirst du zunächst als Selbstzahler behandelt. Eine spätere Erstattung ist möglich, aber mühsam. Fotografier die Karte und leg das Bild in denselben Ordner wie deine Tickets.
Apotheke: „apteka“, grünes Kreuz, Nachtdienst
Apotheken heißen „apteka“ und tragen ein grünes Kreuz. Sie sind gut sortiert, die Beratung ist kompetent, und in den Städten spricht das Personal oft Englisch. Anders als in Deutschland liegen viele Schmerzmittel in kleinen Packungen auch in Drogerien und an Tankstellen, für alles Weitere brauchst du die Apotheke.
Nachts und an Feiertagen gibt es einen Bereitschaftsdienst im Wechsel. Welche Apotheke gerade dran ist, hängt als Liste an der Tür jeder geschlossenen Apotheke und steht auf den Seiten der Gemeinde. In größeren Städten hat mindestens eine Apotheke durchgehend geöffnet, oft am Hauptbahnhof. Sonntags ist außerdem der polnische Ladenschluss zu beachten: Viele Geschäfte bleiben zu, Apotheken im Bereitschaftsdienst nicht.
Ein Rezept aus Deutschland kannst du in Polen grundsätzlich einlösen, wenn es als europäisches Rezept ausgestellt ist und den Wirkstoff nennt. Verlass dich nicht darauf: Nimm Dauermedikamente in ausreichender Menge mit und schreib dir die Wirkstoffnamen auf, nicht nur die Handelsnamen. Die helfen in jeder Apotheke weiter, auch ohne gemeinsame Sprache. Ein paar nützliche Sätze stehen unter Polnisch für die Reise.
Zecken, Wasser und die kleinen Dinge
Impfungen sind für Polen keine vorgeschrieben, sinnvoll ist der übliche Grundschutz. Ein Thema ist die Zeckenimpfung: In den Wäldern des Nordostens, in Podlachien und rund um die Masurische Seenplatte, kommt die Frühsommer-Meningoenzephalitis vor. Wer viel wandert, spricht das vor der Reise mit der Hausarztpraxis ab und kontrolliert abends Beine und Haaransatz.
Das Leitungswasser hat in Polen Trinkwasserqualität. Viele Polinnen und Polen trinken es trotzdem lieber aus der Flasche, das ist Gewohnheit, nicht Notwendigkeit. Reisen Kinder mit, packst du dieselbe kleine Apotheke ein wie zu Hause, weiteres dazu unter Polen mit Kindern.
Tipp: Leg vor der Abfahrt eine Notiz im Telefon an: Wirkstoffnamen deiner Medikamente, Allergien, Blutgruppe, die Nummer deiner Versicherung und die Adresse deiner Unterkunft in polnischer Schreibweise. Das ersetzt im Zweifel ein halbes Gespräch, das du in einer fremden Sprache führen müsstest.
Häufige Fragen
Gilt meine deutsche Krankenversicherung in Polen?
Gesetzlich Versicherte nutzen die Europäische Krankenversicherungskarte auf der Rückseite ihrer Versichertenkarte. Damit hast du Anspruch auf alle Behandlungen, die während des Aufenthalts nötig werden, allerdings nur bei Anbietern mit Vertrag zum staatlichen Gesundheitsfonds NFZ. Privatpraxen und Privatkliniken rechnen direkt mit dir ab. Privatversicherte zahlen selbst und reichen die Rechnung zu Hause ein.
Brauche ich für Polen eine Auslandskrankenversicherung?
Empfehlenswert ist sie, aus einem klaren Grund: Der Krankenrücktransport nach Deutschland ist über die Karte nicht abgedeckt und kann teuer werden. Außerdem übernimmt eine Reiseversicherung die Behandlung bei privaten Anbietern, die oft schneller einen Termin haben. Die Beiträge sind im Verhältnis zu den übrigen Reisekosten gering.
Wie finde ich in Polen nachts eine Apotheke?
Apotheken heißen „apteka“ und haben ein grünes Kreuz. Nachts und an Feiertagen gilt ein Bereitschaftsdienst im Wechsel, die aktuelle Liste hängt an der Tür jeder geschlossenen Apotheke und steht auf den Seiten der Gemeinde. In größeren Städten hat meist eine Apotheke durchgehend geöffnet, häufig am Hauptbahnhof. Die Rezeption deiner Unterkunft hilft schnell weiter.
Muss ich beim Arzt in Polen selbst bezahlen?
Im staatlichen System nicht, wenn du die Europäische Krankenversicherungskarte und einen Ausweis vorlegst. Es bleiben nur die gesetzlichen Zuzahlungen, etwa bei Medikamenten. In Privatpraxen bezahlst du selbst, mit Karte und in Złoty. Lass dir dort eine Rechnung mit Namen, Adresse, Diagnose und Leistungen ausstellen, sonst wird die Erstattung mühsam.
Kann man in Polen Leitungswasser trinken?
Ja, es hat Trinkwasserqualität und wird streng kontrolliert. Viele Menschen in Polen greifen trotzdem zur Flasche, das ist Gewohnheit aus früheren Jahrzehnten. In sehr alten Häusern kann das Wasser durch die Leitungen im Gebäude schlechter schmecken. Im Zweifel fragst du in der Unterkunft kurz nach.
Welche Nummer wähle ich bei einem Notfall?
112, im ganzen Land, kostenlos und auch auf Englisch. Daneben bestehen die alten Nummern weiter: 999 für den Rettungsdienst, 998 für die Feuerwehr, 997 für die Polizei. Im Gebirge erreichst du die Bergrettung unter 601 100 300, am Wasser die Wasserrettung unter 601 100 100. Die Notaufnahme im Krankenhaus heißt SOR.




