Auf einen Blick
- WoiwodschaftHeiligkreuz (świętokrzyskie), Hauptstadt Kielce
- Höchster BergŁysica, gut 610 Meter
- UNESCO-WelterbeFeuersteinbergwerk Krzemionki, seit 2019
- NationalparkŚwiętokrzyski, gegründet 1950
- Ideale Dauer3 bis 4 Tage
- Beste ReisezeitMai bis September
Warum sich die Region lohnt
Die Świętokrzyskie-Berge gehören zu den ältesten Gebirgen Europas, ihre Gesteine entstanden lange vor den Alpen und den Karpaten. Was übrig ist, sind abgerundete, bewaldete Rücken, über die ein Kammweg führt. Wer hier wandert, bekommt keine Aussicht auf Felswände, sondern Buchenwald, Stille und alle paar Kilometer ein Feld aus scharfkantigem Quarzitgeröll.
Der zweite Grund heißt Weichsel. Bei Sandomierz macht der Fluss eine breite Kurve, darüber sitzt auf einem Lössrücken eine Altstadt, die den Krieg überstanden hat. Der dritte Grund ist Vorgeschichte: In Krzemionki wurde vor rund fünftausend Jahren gestreifter Feuerstein abgebaut, im Untertagebau, mit Schächten und Kammern. Seit 2019 steht die Anlage auf der Liste des UNESCO-Welterbes und ist mit Führung zu befahren.
Kielce: Bischofspalast und ein Steinbruch im Zentrum
Kielce gehörte jahrhundertelang den Krakauer Bischöfen, und deren Palast aus dem 17. Jahrhundert steht noch mitten in der Stadt, samt originaler Deckenbalken und Bemalung. Heute beherbergt er ein Nationalmuseum. Es ist einer der wenigen frühbarocken Profanbauten Polens, die im Original erhalten sind.
Direkt am Stadtrand liegt Kadzielnia, ein aufgelassener Kalksteinbruch mit Felsnadeln, Höhlen und einer Freilichtbühne im Kessel. Kielce ist keine Stadt für drei Tage, aber als Basis praktisch: von hier sind die Berge, Chęciny und die Höhlen jeweils in einer halben Stunde erreichbar.
Sandomierz: Altstadt über dem Fluss
Sandomierz ist der Höhepunkt der Region. Die Altstadt steht auf einem Lösssporn hoch über der Weichsel, mit Rathaus mitten auf dem Markt, dem Opatów-Tor als letztem erhaltenen Stadttor und einer gotischen Kathedrale mit byzantinisch beeinflussten Fresken im Chor. Unter dem Marktplatz zieht sich ein Netz aus Kaufmannskellern, das als unterirdischer Rundgang begehbar ist.
Rund um die Stadt haben sich Hohlwege in den Löss geschnitten, der bekannteste ist der Wąwóz Królowej Jadwigi. In Polen kennt fast jeder Sandomierz aus einer langlaufenden Fernsehserie, entsprechend viele polnische Gäste sind am Wochenende unterwegs. Unter der Woche gehört dir der Platz fast allein.
Die Berge: Kammweg, Kloster und Gołoborza
Der Nationalpark schützt den Kamm der Łysogóry mit der Łysica als höchstem Punkt, gut 610 Meter. Auf der Nachbarkuppe steht die Abtei Święty Krzyż, ein Benediktinerkloster, das der ganzen Region den Namen gegeben hat, weil dort seit dem Mittelalter eine Kreuzreliquie verehrt wird. Der Aufstieg dauert je nach Startpunkt eine gute Stunde.
Die Besonderheit sind die Gołoborza: baumfreie Halden aus kantigen Quarzitblöcken, die wie erstarrte Steinströme im Wald liegen. Sie stammen aus der Eiszeit, als Frost das Gestein zersprengte. Betreten darfst du sie nicht, ein Holzsteg führt daran entlang. Mehr zu Routen im Land findest du unter Wandern in Polen.
Tipp: Wer nur einen Tag hat, kombiniert Sandomierz am Vormittag mit dem Feuersteinbergwerk Krzemionki am Nachmittag. Beide liegen im Osten der Region, sind eine knappe Stunde voneinander entfernt und ergänzen sich gut: oben die Renaissance, unten die Jungsteinzeit.
Burgen und Ruinen
Auf einem Kalkrücken über Chęciny steht eine königliche Burgruine mit zwei runden Türmen, von oben siehst du bei klarer Luft bis zu den Bergen. Wenige Kilometer weiter liegt die Höhle Jaskinia Raj mit Tropfsteinen, für die die Besucherzahl pro Tag begrenzt ist. Buch dort vorab, sonst stehst du vor einer ausgebuchten Führung.
Im Osten liegen zwei Schlösser, die unterschiedlicher kaum sein könnten: Baranów Sandomierski, eine gepflegte Renaissanceresidenz mit Arkadenhof, und Krzyżtopór in Ujazd, die riesige Ruine eines Schlosses aus dem 17. Jahrhundert, das nie richtig bewohnt wurde. Einordnung und weitere Ziele unter Burgen und Schlösser.
Essen und Übernachten
Gekocht wird hier bäuerlich und ohne Show. Auf den Karten stehen żurek, die saure Mehlsuppe mit Wurst und Ei, pierogi in mehreren Füllungen, Kartoffelpuffer und im Herbst Pilzgerichte aus den Wäldern der Łysogóry. Rund um Sandomierz kommt Obst dazu: Die Gegend ist Obstanbaugebiet, im Spätsommer stehen Äpfel, Pflaumen und Kirschen an jedem Straßenrand, und die Region hat eine junge Weinszene an den Weichselhängen.
Übernachtet wird in Kielce im Hotel, in Sandomierz eher in kleinen Pensionen in oder direkt unter der Altstadt. Am Wochenende ist Sandomierz früh ausgebucht, unter der Woche findest du dagegen kurzfristig etwas. In den Bergdörfern gibt es Bauernhofpensionen, in Polen agroturystyka genannt, mit Frühstück und meist ohne Englisch an der Rezeption. Ein paar Brocken Polnisch oder ein Übersetzer auf dem Handy helfen dort mehr als jede Reservierungsplattform.
Anreise und Praktisches
Kielce liegt an der Bahnstrecke zwischen Warschau und Krakau, die Fahrt dauert jeweils rund zweieinhalb Stunden. Sandomierz erreichst du mit dem Bus, für alles andere brauchst du ein Auto: Berge, Burgen und Bergwerk liegen verstreut, und Busse fahren dorthin selten.
Gezahlt wird in Złoty, Karte funktioniert auch in kleinen Orten. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab und wähle Złoty, sonst zahlst du einen schlechten Kurs mit. Auf den Landstraßen gilt: tagsüber Licht an, Fußgänger haben am Zebrastreifen Vorrang, und die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland.
Klima und beste Reisezeit
In Kielce liegen die Mittelwerte im Januar bei gut 1 Grad am Tag und minus 4 Grad in der Nacht, im August bei rund 25 Grad. Der Juli und der August bringen mit je etwa 75 Millimetern den meisten Niederschlag, der März mit rund 41 Millimetern den wenigsten. In Sandomierz ist es eine Spur wärmer, dort erreicht der August im Mittel knapp 26 Grad.
Mai, Juni und September sind die stärksten Monate: mild genug für die Berge, trocken genug für die Hohlwege. Im Hochsommer ist Sandomierz am Wochenende voll, im Winter lohnt vor allem Kielce mit seinen Museen.
Häufige Fragen
Lohnt sich Sandomierz für einen Tagesausflug?
Ja. Die Altstadt über der Weichsel ist klein und in wenigen Stunden zu Fuß erschlossen: Markt mit Rathaus, Opatów-Tor, Kathedrale und der unterirdische Rundgang durch die Kaufmannskeller. Wer die Hohlwege außerhalb der Stadt mitnimmt, füllt einen ganzen Tag. Am Wochenende kommen viele polnische Gäste, unter der Woche ist es ruhig.
Was ist das Feuersteinbergwerk Krzemionki?
Ein prähistorisches Bergwerk, in dem vor rund fünftausend Jahren gestreifter Feuerstein abgebaut wurde, aus dem man Beile fertigte. Erhalten sind Schächte und unterirdische Kammern, ein Teil ist mit Führung begehbar. Seit 2019 steht die Anlage auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Unter Tage ist es kühl, nimm eine Jacke mit.
Wie hoch sind die Świętokrzyskie-Berge?
Niedrig. Der höchste Punkt ist die Łysica mit gut 610 Metern, der Kammweg verläuft meist zwischen 400 und 600 Metern. Anspruchsvoll ist hier nichts, die Wege sind gut markiert und in ein bis drei Stunden zu gehen. Der Reiz liegt im alten Buchenwald und in den Gołoborza, den Blockfeldern aus scharfkantigem Quarzit.
Braucht man ein Auto für die Region Heiligkreuz?
Für Kielce und Sandomierz nicht, dorthin kommst du mit Zug und Bus. Alles andere liegt verstreut: Burgruine Chęciny, Höhle, Kloster Święty Krzyż, Krzemionki, Krzyżtopór. Zwischen diesen Zielen fahren kaum Busse, mit dem Auto schaffst du dagegen zwei bis drei Punkte am Tag entspannt.
Passt die Region als Stopp zwischen Warschau und Krakau?
Sehr gut sogar. Kielce liegt direkt an der Bahn- und Straßenverbindung, von beiden Städten jeweils rund zweieinhalb Stunden entfernt. Ein bis zwei Übernachtungen reichen für Sandomierz und einen Bergtag. Wer mit dem Auto fährt, hängt Chęciny und Krzemionki ohne großen Umweg an.






