Auf einen Blick
- WoiwodschaftOppeln (opolskie), Hauptstadt Opole
- Besonderheitkleinste Woiwodschaft Polens nach Fläche
- Sprachenzweisprachige Ortsschilder polnisch und deutsch
- FlussOder (Odra), Wasserstraße und Hochwasserthema
- Ideale Dauer2 bis 3 Tage
- Beste ReisezeitMai bis September
Zweisprachigkeit: wie das funktioniert
Polen hat 2005 ein Gesetz über nationale Minderheiten beschlossen. Wo eine anerkannte Minderheit mindestens zwanzig Prozent der Einwohner stellt, darf eine Gemeinde zweisprachige Ortsschilder aufstellen und die Minderheitensprache als Hilfssprache im Amt zulassen. Nirgendwo in Polen betrifft das so viele Gemeinden wie in der Woiwodschaft Oppeln.
Praktisch heißt das: Du fährst über Landstraßen und liest unter dem polnischen Ortsnamen den deutschen. Das ist kein historisches Denkmal, sondern geltendes Recht für die heute dort lebenden Menschen. Die deutsche Minderheit ist außerdem politisch organisiert und war mehrfach im Sejm vertreten. Wer sich für schlesische Geschichte interessiert, findet den Überblick unter Schlesien.
Opole: Piastenturm, Rathaus und ein Festival
Opole liegt an der Oder und ist eine der ältesten Städte Polens. Vom Piastenschloss steht nur noch der Piastenturm, dafür ist er begehbar und liefert den Überblick über Stadt und Fluss. Das Rathaus am Markt wurde im 19. Jahrhundert nach dem Vorbild des Palazzo Vecchio in Florenz umgebaut, was in einer oberschlesischen Kleinstadt zunächst überrascht.
Bekannt ist Opole in Polen vor allem für das nationale Festival des polnischen Liedes, das seit 1963 im Amphitheater stattfindet. Wer im Sommer kommt, sollte damit rechnen, dass zu Festivalzeiten alle Zimmer belegt sind. Schön ist außerdem der Blick auf die Häuserzeile am Mühlgraben, die vor Ort Opolska Wenecja heißt.
Nysa: das Schlesische Rom
Nysa war jahrhundertelang Residenz der Breslauer Fürstbischöfe und bekam wegen der vielen Kirchen den Beinamen Schlesisches Rom. Der wichtigste Bau ist die Jakobuskirche mit ihrem gewaltigen, extrem steilen Dach und dem freistehenden Glockenturm, der nie fertig wurde. 1945 wurde die Stadt zu großen Teilen zerstört, der Wiederaufbau fiel schlichter aus als anderswo. Umso stärker wirkt die Kirche.
Rundherum liegen Reste der preußischen Festung Nysa, unter anderem das Fort Prusy. Im Süden staut der Nysa-See das Wasser der Glatzer Neiße, im Sommer ein Ziel für Segler und Badegäste.
Sankt Annaberg und die Erinnerung
Der Sankt Annaberg (Góra Świętej Anny) ist der wichtigste Wallfahrtsort Oberschlesiens, mit Basilika, Franziskanerkloster und einer barocken Kalvarienberganlage. Er ist zugleich Erinnerungsort: 1921 wurde hier während des dritten Aufstands gekämpft, später errichteten die Nationalsozialisten am Hang eine Thingstätte, in der Volksrepublik entstand ein Denkmal für die Aufständischen.
Das ist keine leichte Kost und genau deshalb interessant. Die Region trägt außerdem die Erinnerung an die Deportationen oberschlesischer Zivilisten in die Sowjetunion Anfang 1945 und an die Bevölkerungsverschiebungen nach der Grenzziehung desselben Jahres. Beides ist bis heute Teil des Familiengedächtnisses vieler Menschen hier.
Gut zu wissen: Die Kirchen der Region sind aktive Gotteshäuser. Am Sonntagvormittag und an Wallfahrtstagen wird gebetet, nicht besichtigt. Komm unter der Woche, halte dich an die Kleiderordnung mit bedeckten Schultern und lass die Kamera stecken, solange Gottesdienst ist.
Moszna und das Oderland
Schloss Moszna sieht aus wie ein Märchenentwurf und ist doch echt: ein Landsitz der Industriellenfamilie Tiele-Winckler, in mehreren Etappen um 1900 erweitert, mit einer Vielzahl von Türmen und Türmchen. Der Park ist frei zugänglich, Teile des Hauses werden als Hotel und Ausstellungsraum genutzt. Weitere Adressen dieser Art findest du unter Burgen und Schlösser.
Die Oder prägt die Region auch anders. 1997 traf ein Jahrhunderthochwasser Opole und die Dörfer flussabwärts schwer, bevor es Breslau erreichte. Deichbau und Polder gehören seither zum Landschaftsbild. Wer Rad fährt, ist auf den Wegen entlang des Flusses gut aufgehoben.
Schlesisch essen
Die Küche ist der zugänglichste Teil der regionalen Identität. Das Sonntagsessen heißt rolada, eine Rinderroulade mit Speck und Gurke, dazu kommen kluski śląskie, runde Kartoffelklöße mit einer Mulde für die Soße, und modra kapusta, geschmorter Rotkohl. Wer das einmal bestellt hat, versteht, warum in schlesischen Familien darüber gestritten wird, wessen Version die richtige ist.
Dazu gibt es kołocz śląski, einen flachen Hefekuchen mit Quark, Mohn oder Apfel und Streuseln, traditionell zu Hochzeiten verteilt. Und wodzionka, eine sehr einfache Suppe aus altem Brot, Knoblauch und Schmalz, die aus der Bergarbeiterzeit stammt. In den Dorfgasthäusern findest du all das eher als in den Restaurants am Markt von Opole. Ein Blick auf die Tageskarte lohnt sich, sie ist meist deutlich günstiger und besser als die feste Karte.
Anreise und Praktisches
Opole liegt an der Hauptbahnstrecke zwischen Breslau und Kattowitz. Breslau erreichst du in etwa einer Stunde, Kattowitz in gut einer Stunde. Die Autobahn A4 verläuft südlich der Stadt und ist auf Teilstücken mautpflichtig. Für die Dörfer, Moszna und den Annaberg brauchst du ein Auto.
Bezahlt wird in Złoty, auch wenn viele Menschen hier Deutsch sprechen. Karte geht fast überall. Lehne an Terminal und Geldautomat die Abrechnung in Euro ab, der dabei verwendete Kurs ist schlechter als der deiner Bank. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht.
Klima und beste Reisezeit
Die Gegend gehört zu den wärmeren Ecken Polens. In Opole liegen die Mittelwerte im Januar bei 3 Grad am Tag und minus 2 Grad in der Nacht, im August bei knapp 26 Grad. Juli und August bringen mit rund 88 und 89 Millimetern den meisten Regen, der März mit etwa 39 Millimetern den wenigsten. In Nysa sieht es ähnlich aus.
Von Mai bis September ist die Region angenehm zu bereisen, im Frühling blühen die Obstgärten, im September ist es ruhig. Als eigenständiges Reiseziel reicht sie für zwei bis drei Tage, gut kombinierbar mit Niederschlesien.
Häufige Fragen
Warum gibt es in der Region Oppeln zweisprachige Ortsschilder?
Weil hier die größte deutsche Minderheit Polens lebt. Ein Gesetz von 2005 erlaubt Gemeinden zweisprachige Ortstafeln, wenn eine anerkannte Minderheit mindestens zwanzig Prozent der Einwohner stellt. In der Woiwodschaft Oppeln trifft das auf zahlreiche Gemeinden zu. Auf Wegweisern und Fahrkarten steht trotzdem immer die polnische Form, präg sie dir ein.
Kann man in der Region Oppeln mit Deutsch weiterkommen?
In vielen Dörfern und bei älteren Menschen ja, in Ämtern und Geschäften der Städte ist Polnisch die Regel und Englisch die zweite Wahl. Verlass dich nicht darauf, aber wundere dich nicht, wenn dich jemand auf Deutsch anspricht. Ein paar polnische Höflichkeitsformeln werden überall geschätzt.
Wie viele Tage braucht man für die Region Oppeln?
Zwei bis drei. Ein Tag für Opole mit Piastenturm, Markt und Flussufer, ein Tag für Nysa mit der Jakobuskirche und den Festungsresten, ein halber für Moszna und den Sankt Annaberg. Als alleiniges Reiseziel ist die Region zu klein, in Kombination mit Breslau oder Kattowitz geht sie gut auf.
Lohnt sich Schloss Moszna?
Für Architekturfreunde ja. Der Bau wurde um 1900 in mehreren Etappen erweitert und trägt heute eine große Zahl an Türmen und Aufbauten, was ihn zum meistfotografierten Gebäude der Region macht. Der Park ist frei zugänglich, Teile des Hauses dienen als Hotel. Rechne mit ein bis zwei Stunden, es ist ein Zwischenstopp, kein Tagesziel.
Wie kommt man ohne Auto in der Region herum?
Opole und Nysa erreichst du mit dem Zug, Opole liegt an der schnellen Strecke zwischen Breslau und Kattowitz. Zwischen den Kleinstädten fahren Busse, aber selten und selten am Wochenende. Für Moszna, den Sankt Annaberg und die Dörfer mit den zweisprachigen Schildern brauchst du ein Auto oder ein Fahrrad.






