Stadt in Polen · Masowien

Plock (Płock): Kathedrale über der Weichsel

Plock, auf Polnisch Płock, steht auf einer Steilkante hoch über der Weichsel, und genau daraus bezieht die Stadt ihre Wirkung. Oben auf dem Tumski-Hügel stehen die romanische Kathedrale, die Reste der Burg und ein Bistum, das seit 1075 besteht. Unten fließt der breiteste Fluss Polens, und dazwischen liegen rund fünfzig Höhenmeter Blick.

Płock war zwischen 1079 und 1138 Residenz der polnischen Herrscher, in der Kathedrale liegen zwei von ihnen begraben. Für einen Tag ist die Stadt ein starkes Ziel: alte Substanz, ein sehr gutes Jugendstilmuseum und eine Uferpromenade, an der die halbe Stadt spazieren geht.

Plock (Płock): Kathedrale über der Weichsel
Foto: Konrad Wąsik, CC BY 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftMasowien (mazowieckie)
  • Polnischer NamePłock, gesprochen ungefähr „Pwotsk“
  • Einwohnerrund 115.000
  • Bistumseit 1075, eines der ältesten Polens
  • Herrschersitz1079 bis 1138, Grablege in der Kathedrale
  • Ideale Dauerein Tag

Die älteste Ecke Masowiens

Płock ist älter als fast alles, was in Masowien sonst steht. Auf dem Tumski-Hügel über dem Fluss lag eine Burg der Piasten, 1075 wurde das Bistum gegründet, und zwischen 1079 und 1138 regierten Władysław Herman und sein Sohn Bolesław Schiefmund von hier aus das Land. Als Polen sich danach in Teilfürstentümer zerlegte, verlor die Stadt diese Rolle wieder, behielt aber Bischof, Kathedrale und Bedeutung.

Vom Hügel siehst du, warum hier gebaut wurde: Die Weichsel macht einen weiten Bogen, die Steilkante fällt fast senkrecht ab, und wer oben sitzt, kontrolliert den Fluss. Diese Kante, auf Polnisch Skarpa, ist bis heute das Beste an der Stadt.

Die Kathedrale und die Königsgräber

Die Kathedrale wurde im 12. Jahrhundert romanisch begonnen und später mehrfach umgebaut, die beiden Türme prägen die Silhouette von unten. Im Inneren steht der Sarkophag mit den Gebeinen von Władysław Herman und Bolesław Schiefmund, dazu die Kapellen der Bischöfe und eine Ausmalung aus dem frühen 20. Jahrhundert.

Berühmt ist die Kirche für etwas, das nicht mehr hier ist. Die romanische Bronzetür wurde im 12. Jahrhundert in Magdeburg für Płock gegossen und gelangte im Spätmittelalter nach Nowgorod, wo sie bis heute an der Sophienkathedrale hängt. In Płock hängt seit den 1980er Jahren eine Nachbildung. Nebenan im Diözesanmuseum liegt der Kirchenschatz, einer der bedeutendsten des Landes.

Gut zu wissen: Die Kathedrale ist eine aktive Bischofskirche, keine Museumshalle. Während der Messe bleibst du hinten oder kommst später wieder, Schultern und Knie sind bedeckt. Die Zeiten hängen am Portal aus.

Der Blick von der Steilkante

Von der Aussichtsterrasse neben der Kathedrale schaust du über die Weichsel, die hier bereits zum Stausee von Włocławek aufgestaut ist und entsprechend breit daliegt. Unten führt eine Promenade am Wasser entlang, mit Anleger, Amphitheater und Strandabschnitt. Der Weg hinunter und wieder hinauf ist steil, dafür ist es der Ort, an dem die Stadt am schönsten ist, morgens wie abends.

Neben der Kathedrale stehen zwei Türme der alten Burg und die Gebäude einer Benediktinerabtei. Vom Marktplatz oben sind es ein paar Minuten dorthin, das ganze historische Zentrum lässt sich in einem langen Vormittag ablaufen.

Jugendstil im Masowischen Museum

Das Muzeum Mazowieckie zeigt eine der größten Jugendstilsammlungen Polens: Möbel, Glas, Keramik, Plakate und ganze eingerichtete Räume aus der Zeit um 1900. Das ist keine Nebensache, sondern der eigentliche Grund, warum Kunstinteressierte nach Płock fahren. Rechne mindestens anderthalb Stunden ein.

Eine Besonderheit der Stadt ist außerdem die mariavitische Kirche, eine altkatholische Gemeinschaft, die sich um 1900 von Rom trennte und ihren Sitz bis heute in Płock hat. Ihr Tempel der Barmherzigkeit und Liebe steht in der Nähe der Steilkante.

Jüdisches Płock

Eine jüdische Gemeinde ist in Płock seit dem Mittelalter belegt, sie gehörte zu den ältesten in Masowien und stellte vor 1939 einen erheblichen Teil der Stadtbevölkerung. Die große Synagoge wurde in der Besatzungszeit zerstört, das Gebäude der kleinen Synagoge steht noch und beherbergt heute ein Museum der masowischen Juden. Das Getto, das die deutsche Besatzung 1940 einrichtete, wurde bereits im Frühjahr 1941 aufgelöst und die Menschen verschleppt. Zum größeren Zusammenhang siehe Jüdisches Erbe in Polen.

Die andere Seite: Orlen

Nördlich der Stadt steht die größte Raffinerie Polens. Sie ist der Grund, warum Płock nach dem Krieg gewachsen ist, sie zahlt einen großen Teil des städtischen Haushalts, und sie ist von vielen Punkten aus zu sehen. Das gehört zur Stadt dazu und wird hier auch nicht versteckt. Auf die Altstadt und die Promenade hat sie keinen Einfluss, sie liegt weit genug außerhalb.

Anreise und Zeit

Płock ist die größte polnische Stadt ohne gute Bahnverbindung zur Hauptstadt. Von Warschau kommst du am schnellsten mit dem Fernbus, rund zwei Stunden für gut hundert Kilometer, mit dem Auto ähnlich lang. Züge fahren, aber langsam und mit Umsteigen. Wie Bahnfahren in Polen sonst funktioniert, steht unter Polen mit dem Zug.

Ein Tag reicht für Kathedrale, Museum und Promenade. Gut kombinieren lässt sich die Stadt mit Łowicz oder mit Łódź, beide liegen im Süden. Bezahlt wird in Złoty, Karte funktioniert überall, die Abrechnung in Euro am Terminal lehnst du ab.

Beste Reisezeit

Mai bis September, weil Steilkante und Promenade den Ausschlag geben. Im August liegt der Tagesschnitt bei 25 Grad, im Januar bei 2 Grad, nachts bei knapp minus 3 Grad. Der Juli ist mit rund 77 Millimetern der nasseste Monat, der März mit etwa 36 Millimetern der trockenste. Im Winter ist der Weg hinunter zur Weichsel oft glatt, dann bleibt vor allem das Museum.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Płock16°Cüberwiegend klar
  • Wärmster MonatAugust, 25 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -3 °C
  • Trockenster MonatMärz
  • Höhe103 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

2°-3°J
5°-2°F
8°0°M
14°4°A
19°9°M
24°14°J
24°15°J
25°16°A
20°12°S
14°7°O
7°3°N
4°-0°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

50mm12 TageJ
48mm11 TageF
36mm10 TageM
39mm10 TageA
64mm11 TageM
59mm10 TageJ
77mm12 TageJ
59mm10 TageA
54mm9 TageS
61mm11 TageO
39mm10 TageN
48mm11 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Berlin426 km530 km, 6 Std. 45 Min.
Hamburg658 km820 km, 10 Std. 15 Min.
München756 km950 km, 11 Std. 45 Min.
Frankfurt811 km1.010 km, 12 Std. 45 Min.
Stuttgart851 km1.060 km, 13 Std. 15 Min.
Köln894 km1.120 km, 14 Std.
Düsseldorf898 km1.120 km, 14 Std.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Lowicz52 km60 km, 0 Std. 45 Min.
Ciechocinek72 km90 km, 1 Std. 0 Min.
Lodz89 km110 km, 1 Std. 15 Min.
Thorn91 km110 km, 1 Std. 15 Min.
Warschau95 km120 km, 1 Std. 15 Min.
Graudenz122 km150 km, 1 Std. 45 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Lohnt sich Płock für einen Tagesausflug?

Ja. Kathedrale mit den Königsgräbern, der Blick von der Steilkante über die Weichsel und die Jugendstilsammlung im Masowischen Museum füllen einen guten Tag. Von Warschau bist du in etwa zwei Stunden dort, allerdings besser mit dem Bus als mit dem Zug. Für mehrere Übernachtungen ist die Stadt zu klein, als Zwischenstopp ist sie stark.

Warum war Płock einmal Hauptstadt?

Zwischen 1079 und 1138 residierten Władysław Herman und Bolesław Schiefmund hier, damit war Płock Sitz des Herrschers. Die Lage auf der Steilkante über der Weichsel war strategisch, das Bistum bestand seit 1075. Nach 1138 zerfiel Polen in Teilfürstentümer, die Rolle ging verloren. Die beiden Herrscher liegen bis heute in der Kathedrale begraben.

Was sieht man in der Kathedrale von Płock?

Die romanische Anlage aus dem 12. Jahrhundert mit späteren Umbauten, den Sarkophag der beiden Piastenherrscher, die Bischofskapellen und eine Ausmalung aus dem frühen 20. Jahrhundert. Die berühmte romanische Bronzetür hängt seit dem Spätmittelalter in Nowgorod, in Płock steht eine Nachbildung. Der Kirchenschatz liegt im Diözesanmuseum nebenan.

Wie kommt man von Warschau nach Płock?

Am besten mit dem Fernbus, rund zwei Stunden für gut hundert Kilometer. Die Bahnverbindung ist schlecht, Züge brauchen länger und erfordern meist Umsteigen. Mit dem Auto führt die Strecke über Landstraßen, rechne ebenfalls mit zwei Stunden. Wer weiter nach Łowicz oder Łódź will, fährt am flexibelsten mit dem eigenen Wagen.

Was ist am Masowischen Museum besonders?

Die Jugendstilsammlung. Sie gehört zu den größten in Polen und zeigt Möbel, Glas, Keramik, Schmuck und komplett eingerichtete Räume aus der Zeit um 1900. Wer sich für Kunsthandwerk interessiert, plant mindestens anderthalb Stunden ein. Das Museum liegt im historischen Zentrum, wenige Minuten von der Kathedrale entfernt.