Kleinpolen · Krakau

Schindlers Fabrik & Podgórze

In der ehemaligen Emailwarenfabrik an der ulica Lipowa 4 zeigt das Museum der Stadt Kraków die Jahre der deutschen Besatzung von 1939 bis 1945. Der Name Schindler zieht die Besucher an, doch die Ausstellung erzählt nicht die Geschichte eines Mannes, sondern die einer Stadt unter Besatzung.

Gleich nebenan liegt Podgórze, wo die Besatzungsmacht 1941 das Getto einrichtete. Reste der Mauer, der Platz der Gettohelden und die Apotheke unter dem Adler stehen noch. Das sind Gedenkorte, keine Ausflugsziele, und sie verlangen entsprechendes Verhalten.

Schindlers Fabrik & Podgórze
Foto: Anna Hanks, CC BY 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Adresseulica Lipowa 4, Stadtteil Zabłocie
  • AusstellungKraków unter der Besatzung 1939 bis 1945
  • TrägerMuseum der Stadt Kraków
  • Getto PodgórzeMärz 1941 bis März 1943
  • TicketsZeitfenster, oft Tage im Voraus vergriffen
  • Dauer2 Stunden für das Museum, halber Tag mit Podgórze

Was das Museum wirklich zeigt

Oskar Schindler übernahm 1939 einen zuvor stillgelegten Betrieb an der Lipowa und produzierte dort Emailgeschirr. In seinen Fabriken arbeiteten jüdische Zwangsarbeiter, und mehr als tausend von ihnen überlebten, weil er sie als unentbehrlich führen ließ. Sein Büro ist erhalten und Teil des Rundgangs.

Der weit größere Teil der Ausstellung handelt jedoch von der Stadt: vom Einmarsch im September 1939, von der Verhaftung der Krakauer Professoren, vom Alltag unter der Besatzung, vom Getto in Podgórze, vom Lager Płaszów, vom Widerstand und von den Menschen, die halfen. Die Räume sind stark inszeniert, mit nachgebauten Straßenzügen, Tondokumenten und Fotografien. Wer den Film erwartet, findet ihn hier nicht. Wer die Stadt verstehen will, findet sehr viel.

Tickets: Der Besuch läuft über Zeitfenster mit begrenzter Personenzahl, und die Termine sind in der Saison mehrere Tage im Voraus vergriffen. Buche früh über die Website des Museums der Stadt Kraków, nicht über Zwischenhändler. Es gibt einen Tag mit freiem Eintritt, an dem die wenigen Plätze besonders schnell weg sind. Bezahlt wird in Złoty; lehne am Kartenterminal die Abrechnung in Euro ab.

Gut zu wissen: Direkt neben der Fabrik liegt in den alten Werkshallen das Museum für zeitgenössische Kunst, kurz MOCAK. Das ist ein völlig anderer Ton und ein guter Gegenpol, wenn du nach der Ausstellung noch Zeit hast und etwas anderes brauchst.

Podgórze: der Ort des Gettos

Podgórze war bis 1915 eine eigene Stadt und liegt am rechten Weichselufer. Im März 1941 zwang die deutsche Besatzungsmacht die jüdische Bevölkerung Krakaus hierher, aus Kazimierz über die Brücke in ein abgesperrtes Viertel. Die Mauer, die man um das Getto zog, bekam oben eine Form, die an jüdische Grabsteine erinnerte.

Zwei Abschnitte dieser Mauer stehen noch, an der ulica Lwowska und an der Limanowskiego. Sie sind unauffällig, und genau das macht sie eindrücklich: Es ist eine gewöhnliche Straße mit einer Tafel daran.

Auf dem Plac Bohaterów Getta, dem Platz der Gettohelden, stehen seit 2005 leere Stühle aus Metall über den ganzen Platz verteilt. Von diesem Platz gingen die Deportationen aus. Die Möbel der Deportierten blieben zurück, daran erinnert das Denkmal. An der Ecke liegt die Apotheke unter dem Adler, die einzige im Getto verbliebene Apotheke, geführt von Tadeusz Pankiewicz, der dort blieb und half. Sie ist heute eine kleine Ausstellung.

Südlich davon liegt das Gelände des Lagers Płaszów, heute ein weitläufiges Gedenkgelände auf offener Fläche. Es gibt dort keine erhaltenen Baracken, sondern Wiesen, Wege und Denkmäler.

Podgórze ist zugleich ein normaler Stadtteil, in dem Menschen wohnen, einkaufen und zur Arbeit gehen. Genau darin liegt die Schwierigkeit des Ortes: Die Gedenkzeichen stehen im Alltag, an einer Bushaltestelle, neben einem Kiosk. Nichts ist abgesperrt, nichts wird inszeniert. Du musst selbst entscheiden, wie du dich dort verhältst, und das ist angemessen so.

Achtung: Diese Orte sind Gedenkstätten und keine Fotomotive. Es gilt, was überall an solchen Orten gilt: leise sprechen, sich nicht auf die Stühle des Denkmals setzen, keine Selbstporträts vor Mauerresten und Tafeln. Für Kinder unter etwa vierzehn Jahren sind die Inhalte des Museums schwer einzuordnen.

Wie du den Tag legst

Am sinnvollsten verbindest du Podgórze mit Kazimierz, weil erst dann klar wird, was 1941 geschah: Die Menschen mussten von einem Ufer zum anderen. Geh vormittags durch Kazimierz, dann über die Fußgängerbrücke, dann zum Plac Bohaterów Getta und zur Apotheke, und nimm dir am Nachmittag das Zeitfenster für die Fabrik.

Danach ist der Tag zu Ende. Kombiniere diesen Nachmittag nicht mit der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, auch wenn Anbieter das als Paket verkaufen. Beides an einem Tag wird keinem der beiden Orte gerecht.

Anfahrt und Umgebung

Von der Altstadt fährt die Tram nach Zabłocie, vom Bahnhof Kraków Zabłocie sind es wenige Minuten zu Fuß. Wer läuft, nimmt die Fußgängerbrücke von Kazimierz und ist in einer knappen halben Stunde da. Alle Verbindungen und die Ticketlogik des Nahverkehrs stehen unter Verkehr in Kraków.

In der Nähe erhebt sich der Krakus-Hügel, von dem du über die Stadt und das ehemalige Lagergelände blickst, mehr dazu unter Hügel und Aussichtspunkte. Der Zusammenhang aller Gedenkorte in Polen steht unter Gedenkorte des Zweiten Weltkriegs, der Überblick über die Stadt unter Krakau Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istIst kein Zeitfenster mehr frei, geh trotzdem nach Podgórze: Mauerreste, Platz der Gettohelden und die Apotheke unter dem Adler sind ohne Voranmeldung zugänglich und erzählen viel. Für das Museum prüfst du früh am Morgen die Website, dort werden kurzfristig zurückgegebene Plätze frei.
  • Wenn es regnetDie Ausstellung ist vollständig überdacht und funktioniert bei jedem Wetter. Für den Weg durch Podgórze brauchst du Regenzeug, denn Mauerreste und Denkmal liegen im Freien. Das Museum für zeitgenössische Kunst nebenan überbrückt einen Wolkenbruch gut.
  • Mit KindernErst ab etwa vierzehn Jahren sinnvoll. Kleinere Kinder werden von den Tonaufnahmen und engen Räumen überfordert. Mit Jugendlichen vorher sprechen, unterwegs Pausen machen und den Besuch abbrechen, wenn es zu viel wird.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Museum ist über Aufzüge weitgehend barrierefrei, der Rundgang hat allerdings enge Passagen und schmale Durchgänge. Podgórze ist flach, die Wege dorthin sind asphaltiert, und die Fußgängerbrücke über die Weichsel hat Rampen statt Treppen.

Häufige Fragen

Ist Schindlers Fabrik ein Museum über Oskar Schindler?

Nur zu einem kleinen Teil. Sein Büro ist erhalten und wird gezeigt, der Schwerpunkt der Ausstellung liegt aber auf Kraków unter der deutschen Besatzung zwischen 1939 und 1945: Alltag, Verfolgung, Getto, Lager Płaszów, Widerstand. Wer eine Verfilmung des Kinostoffs erwartet, wird enttäuscht. Wer die Stadtgeschichte sucht, findet eine der stärksten Ausstellungen Polens.

Muss man Tickets für Schindlers Fabrik vorher buchen?

Ja. Der Zutritt läuft über Zeitfenster mit begrenzter Personenzahl, und in der Saison sind die Termine mehrere Tage im Voraus vergriffen. Buche direkt über das Museum der Stadt Kraków. Spontan hineinzukommen gelingt selten und meist nur außerhalb der Ferien. Für den freien Eintrittstag gibt es besonders wenige Plätze.

Wo lag das Krakauer Getto?

In Podgórze am rechten Weichselufer, nicht in Kazimierz. Die Besatzungsmacht richtete es im März 1941 ein und löste es im März 1943 auf. Erhalten sind zwei Abschnitte der Gettomauer an der Lwowska und der Limanowskiego, der Platz der Gettohelden mit dem Denkmal aus leeren Stühlen und die Apotheke unter dem Adler.

Wie viel Zeit braucht man für das Museum?

Rund zwei Stunden für die Ausstellung, weil sie dicht ist und viel Text enthält. Mit Podgórze, den Mauerresten und dem Platz der Gettohelden wird daraus ein halber bis ganzer Tag. Plane danach nichts Fröhliches ein. Die meisten Besucher brauchen danach eine Stunde am Weichselufer, bevor sie weitermachen.

Ist der Besuch für Kinder geeignet?

Für Kinder unter etwa vierzehn Jahren ist die Ausstellung schwer einzuordnen, und die Inszenierung mit Tondokumenten und engen Räumen kann belasten. Mit älteren Kindern funktioniert der Besuch, wenn du vorher erklärst, worum es geht, und Fragen zulässt. Erzwinge nichts und geh raus, sobald es zu viel wird.