Reise-Inspiration

Gedenkorte des Zweiten Weltkriegs in Polen

In Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg, und in Polen bauten die deutschen Besatzer ihre Vernichtungslager. Rund sechs Millionen polnische Staatsbürger überlebten den Krieg nicht, etwa die Hälfte von ihnen Jüdinnen und Juden. Geblieben sind Lagergelände, Rampen, Mauerstücke, Bunkertrümmer und Friedhöfe ohne Namen.

Diese Seite ordnet die wichtigsten dieser Orte und erklärt, wie ein Besuch praktisch abläuft: Anmeldung, Zeitbedarf, Verhaltensregeln, Altersempfehlung. Sie ist bewusst nüchtern geschrieben. Es geht nicht um Höhepunkte einer Reise, sondern um Orte, an denen Menschen ermordet wurden und an denen Angehörige bis heute trauern.

Gedenkorte des Zweiten Weltkriegs in Polen
Foto: Tajchman Maria, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Zentrale GedenkstättenAuschwitz-Birkenau, Majdanek, Treblinka, Sobibór, Bełżec, Stutthof
  • Eintrittan den staatlichen Gedenkstätten kostenlos
  • Anmeldungfür Auschwitz-Birkenau zwingend, sonst für Führungen
  • Altersempfehlungab 14 Jahren
  • ZeitbedarfAuschwitz-Birkenau ein ganzer Tag
  • UNESCO-WelterbeAuschwitz-Birkenau seit 1979

Kein Programmpunkt zwischen zwei Terminen

Gedenkstätten sind keine Sehenswürdigkeiten. Sie werden nicht besichtigt, sondern besucht, und sie funktionieren nach anderen Regeln als ein Museum oder eine Burg. Es gibt dort nichts abzuhaken, keine beste Uhrzeit und keine Fotomotive. Die meisten dieser Orte sind zugleich Friedhöfe, auf denen die Asche von Menschen liegt, deren Namen niemand mehr kennt.

Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Plane einen solchen Tag als ganzen Tag, ohne Anschlusstermin am Abend. Zweitens: Erwarte nicht, dass du danach noch Lust auf Altstadt und Restaurant hast. Viele Reisende unterschätzen genau das.

Auschwitz-Birkenau bei Oświęcim

Zwischen 1940 und 1945 ermordeten die deutschen Besatzer im Lagerkomplex Auschwitz rund 1,1 Millionen Menschen, die große Mehrheit von ihnen Jüdinnen und Juden aus ganz Europa, dazu Polinnen und Polen, Sinti und Roma, sowjetische Kriegsgefangene und weitere Verfolgte. Das polnische Parlament beschloss 1947, das Gelände als Gedenkstätte und Museum zu erhalten, seit 1979 steht es auf der Welterbeliste.

Der Besuch besteht aus zwei getrennten Geländen. Auschwitz I ist dicht bebaut, mit Ausstellungen in den Backsteinblocks. Auschwitz II-Birkenau, drei Kilometer entfernt, ist eine Fläche von enormer Ausdehnung mit der Rampe, den Baracken und den gesprengten Krematorien. Wer nur den ersten Teil sieht, hat den Ort nicht gesehen. Alles Weitere zu Anmeldung, Ablauf und Anreise steht auf der Seite zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. Die Stadt Oświęcim gab es lange vor dem Lager, und es gibt sie danach.

Majdanek am Stadtrand von Lublin

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Majdanek lag nicht abseits im Wald, sondern direkt an der Ausfallstraße von Lublin. Wer heute mit dem Bus hinausfährt, sieht Wohnblocks, dann einen Zaun, dann Wachtürme. Nach dem heutigen Forschungsstand starben hier rund 78.000 Menschen, die Mehrheit von ihnen Jüdinnen und Juden.

Die Rote Armee erreichte Majdanek im Juli 1944 so schnell, dass die SS kaum etwas zerstören konnte. Deshalb stehen hier Baracken, Gaskammern und das Krematorium weitgehend im Original, und deshalb ist Majdanek für viele der schwerere der beiden Besuche. Am Ende des Geländes liegt unter einer flachen Kuppel die Asche der Ermordeten. Der Eintritt kostet nichts, für Führungen meldest du dich vorher an, die Altersempfehlung liegt wie in Oświęcim bei vierzehn Jahren.

Treblinka, Sobibór, Bełżec und Chełmno

Die reinen Vernichtungslager der deutschen Besatzung lagen abseits an Nebenbahnen, und sie wurden von der SS noch während des Krieges abgeräumt. In Treblinka nordöstlich von Warschau wurden etwa 900.000 Menschen ermordet, in Bełżec rund 450.000, in Sobibór etwa 180.000, in Chełmno bei Koło, wo die Morde mit Gaswagen schon im Dezember 1941 begannen, mehr als 150.000.

Zu sehen ist an diesen Orten fast nichts, und genau das ist der Punkt. In Treblinka steht seit den 1960er Jahren ein symbolischer Friedhof aus mehr als 17.000 aufrecht gesetzten Steinen auf dem Gelände, durch das die Gleise führten. Sobibór und Bełżec haben Gedenkstätten mit kleinen Museen. Alle drei liegen weit außerhalb, sind öffentlich schwer erreichbar und ohne Auto kaum an einem Tag zu schaffen.

Warschau: Getto, Aufstand, Hinrichtungsorte

In Warschau lebte vor 1939 die größte jüdische Gemeinde Europas. Die Besatzung sperrte diese Menschen 1940 in ein ummauertes Viertel, deportierte ab 1942 rund 300.000 von ihnen nach Treblinka und zerstörte das Viertel nach dem Aufstand von 1943 vollständig. Was geblieben ist, findest du unter Gedenkorte des Warschauer Gettos: Denkmäler, wenige Mauerreste, Markierungen im Gehweg.

Der Warschauer Aufstand von 1944 ist ein anderes Ereignis, ein Jahr später und mit anderen Akteuren. Er dauerte 63 Tage und kostete bis zu 18.000 Aufständische und nach den gängigen Schätzungen 150.000 bis 180.000 Zivilisten das Leben, danach wurde die Stadt planmäßig gesprengt. Das Museum des Warschauer Aufstands erzählt diese Wochen aus der Perspektive der Beteiligten. Wer die jüdische Geschichte des Landes über die Vernichtung hinaus verstehen will, geht zusätzlich ins POLIN-Museum am Rand des früheren Gettos. In der Stadt liegen außerdem das Gefängnis Pawiak und, in den Wäldern nördlich davon, die Erschießungsstätte Palmiry.

Westerplatte, Stutthof und der Kriegsbeginn

Am 1. September 1939 um 4.45 Uhr beschoss ein deutsches Kriegsschiff das polnische Munitionsdepot auf der Halbinsel Westerplatte am Hafeneingang von Gdańsk. In derselben Morgenstunde bombardierte die Luftwaffe die Kleinstadt Wieluń. Die Besatzung der Westerplatte hielt sieben Tage. Das Gelände ist heute frei zugänglich und zugleich Kriegsgräberstätte.

Am Tag darauf, dem 2. September 1939, nahm die SS bei Sztutowo das Lager Stutthof in Betrieb, rund fünfzig Kilometer östlich von Gdańsk. Es war das erste deutsche Lager außerhalb der Vorkriegsgrenzen des Reiches und bestand bis Mai 1945. Zehntausende Menschen starben dort. Die Gedenkstätte ist ohne Auto umständlich zu erreichen und wird deutlich seltener besucht als Auschwitz.

Die Wolfsschanze: ein Täterort

Die Wolfsschanze im Wald bei Gierłoż war von 1941 bis 1944 Hitlers Hauptquartier, hier scheiterte am 20. Juli 1944 das Attentat Stauffenbergs. Sie ist kein Gedenkort für Opfer, sondern der erhaltene Ort derer, die den Vernichtungskrieg im Osten führten und dort auch über die Besatzungspolitik entschieden.

Das Gelände wird als Betrieb geführt, mit Eintritt, Parkplatz und Ständen. Diese Mischung ist gewöhnungsbedürftig, und sie ist der Grund, warum eine Führung hier wichtig ist: Ohne Erklärung siehst du Betonklötze im Wald, mit Erklärung verstehst du, was von hier ausging.

Regeln, die überall gelten

Auf allen Gedenkstätten gelten angemessene Kleidung, Ruhe, kein Essen und Trinken auf dem Gelände, kein Rauchen, keine Drohnen und keine Haustiere. Große Rucksäcke müssen draußen bleiben, es gibt eine Gepäckaufbewahrung. Fotografieren ist in weiten Teilen erlaubt, in einzelnen Räumen untersagt, etwa dort, wo das Haar der Ermordeten liegt. Die Hinweise vor Ort sind verbindlich.

Achtung: Posieren, Balancieren auf den Gleisen und Selfies vor Toren oder Rampen sind an diesen Orten falsch. Die Gedenkstätten bitten ausdrücklich darum, das zu lassen. Wenn du mit Jugendlichen fährst, sprich vorher darüber, was hier geschehen ist und wie man sich verhält, nicht erst am Eingang.

Anmeldung, Sprache, Alter

Der Eintritt ist an den staatlichen Gedenkstätten kostenlos. Für Auschwitz-Birkenau brauchst du trotzdem eine personalisierte Karte mit festem Zeitpunkt, reserviert über die offizielle Seite der Gedenkstätte, dazu einen Ausweis. In Majdanek, Treblinka, Sobibór und Bełżec kommst du ohne Anmeldung auf das Gelände, für eine Führung meldest du dich vorher an.

Deutschsprachige Führungen gibt es überall dort, wo Führungen angeboten werden, sie sind aber seltener als polnische und englische und oft Wochen im Voraus vergeben. Kümmere dich früh darum. Die Altersempfehlung von vierzehn Jahren ist ernst gemeint und keine Formalie.

Gut zu wissen: Kommerzielle Anbieter verkaufen Fahrt und Betreuung als Paket. Die Eintrittskarte selbst bleibt kostenlos, bezahlt wird die Organisation, und bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab. Prüfe außerdem, ob im Paket wirklich beide Gelände enthalten sind.

Wie du so einen Tag in eine Reise einbaust

Die naheliegenden Kombinationen sind Krakau mit Oświęcim, Lublin mit Majdanek und Warschau mit den Gettogedenkorten. Setze den Besuch nicht auf den Anreisetag und nicht auf den letzten Tag vor dem Rückflug. Nimm Wasser mit, iss vorher, und rechne in Birkenau und Majdanek mit langen Wegen im Freien bei Wind, Kälte oder Sonne, denn Schatten gibt es dort kaum.

Fahr nicht zwei Gedenkstätten an einem Tag ab. Und plane den Abend leer. Ein Spaziergang, ein früher Rückzug ins Hotel, ein Gespräch: mehr geht meistens nicht, und mehr ist auch nicht nötig.

Worte, die zählen

Eine Formulierung geht im deutschen Sprachgebrauch bis heute schief: „polnische Lager“. Die Lager lagen im besetzten Polen, sie waren deutsche Lager, geplant, gebaut und betrieben von der SS. Die UNESCO hat den Namen der Welterbestätte 2007 genau deshalb präzisiert. In Polen ist das kein Detail, sondern ein Thema, das viele Menschen unmittelbar berührt.

Ebenso wenig hilft es, die jüdische Geschichte Polens auf die Jahre 1939 bis 1945 zu verkürzen. Sie umfasst rund tausend Jahre, und ohne dieses Davor bleibt das Danach unverständlich. Wer sich damit beschäftigen will, findet den Einstieg unter jüdisches Erbe in Polen.

Häufige Fragen

Muss man den Besuch in Auschwitz-Birkenau vorher reservieren?

Ja. Jeder Besucher braucht eine personalisierte Eintrittskarte für einen festen Zeitpunkt, auch wenn der Eintritt selbst nichts kostet. Reserviert wird über die offizielle Seite der Gedenkstätte, am Eingang wird der Name mit dem Ausweis abgeglichen. In der Hauptsaison ist der Zugang tagsüber nur mit Bildungsbetreuer möglich. Deutschsprachige Termine sind früh vergeben.

Ab welchem Alter ist ein Besuch sinnvoll?

Die Gedenkstätten empfehlen den Besuch ab vierzehn Jahren. Das ist keine Formalie, sondern eine Erfahrung aus Jahrzehnten Bildungsarbeit: Jüngere Kinder können die Bilder und Räume kaum einordnen. Für ältere Jugendliche entscheidet die Vorbereitung. Sprich vorher darüber, was dort geschehen ist, und lass danach Zeit für Fragen.

Kann man Auschwitz und Majdanek an einem Tag sehen?

Nein, und es wäre auch nicht sinnvoll. Zwischen Oświęcim und Lublin liegen mehrere hundert Kilometer. Jede der beiden Gedenkstätten füllt einen Tag, allein wegen der Wege auf dem Gelände. Zwei solcher Besuche hintereinander stumpfen ab, statt zu vertiefen. Plane sie an verschiedenen Stationen deiner Reise ein.

Ist der Eintritt in die Gedenkstätten kostenlos?

An den staatlichen Gedenkstätten ja, das gilt für Auschwitz-Birkenau, Majdanek, Treblinka, Sobibór und Bełżec. Bezahlt werden nur Zusatzleistungen wie eine Betreuung in einer bestimmten Sprache oder organisierte Fahrten. Die Wolfsschanze ist ein anderer Fall: Sie wird privat bewirtschaftet, dort werden Eintritt und Parkgebühr erhoben, in Złoty.

Wie viel Zeit braucht man für Auschwitz-Birkenau?

Einen ganzen Tag. Die begleitete Runde über beide Gelände dauert rund dreieinhalb Stunden, dazu kommen An- und Rückfahrt von Krakau und die Zeit, die du danach brauchst. Wer nur das Stammlager sieht, verpasst die Dimension von Birkenau. Lege für diesen Tag nichts anderes an, auch nicht am Abend.

Was ist an der Formulierung „polnische Lager“ falsch?

Sie verlegt die Verantwortung dorthin, wo die Opfer waren. Die Vernichtungslager standen im besetzten Polen, errichtet und betrieben wurden sie von der deutschen SS. Korrekt heißt es „deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager“. Die UNESCO hat den Namen der Welterbestätte 2007 entsprechend angepasst.