Auf einen Blick
- WoiwodschaftKleinpolen (małopolskie), Hauptstadt Krakau
- LageSüdpolen, Grenze zur Slowakei
- UNESCO-WelterbeKrakauer Altstadt und Wieliczka (1978), Auschwitz-Birkenau (1979), Kalwaria Zebrzydowska (1999), Holzkirchen (2003)
- Höchster BergRysy in der Tatra, 2499 Meter, höchster Punkt Polens
- Ideale Dauer5 bis 7 Tage mit Bergen
- Beste ReisezeitMai, Juni und September
Warum Kleinpolen
Diese Region ist der Grund, warum die meisten Deutschen überhaupt nach Polen fahren. Das liegt an Krakau, aber nicht nur. Innerhalb von hundert Kilometern um die Stadt liegen vier Welterbestätten, ein Nationalpark mit Hochgebirge und eine Landschaft, die sich von der Weichselebene über sanfte Hügel bis zu Felsgipfeln aufbaut. Du kannst hier eine Woche verbringen, ohne die Basis zu wechseln.
Der größte Teil Kleinpolens gehörte außerdem ab 1772 zu Österreich, als Königreich Galizien und Lodomerien; Krakau kam 1795 dazu und war zwischenzeitlich Freie Stadt. Diese Zeit hat Spuren hinterlassen: Kaffeehäuser, Verwaltungsbauten, eine ältere Bürgerlichkeit und eine katholische Prägung, die stärker ist als im Rest des Landes.
Krakau als Mittelpunkt
Krakau (Kraków) ist die zweitgrößte Stadt Polens und war bis 1596 Hauptstadt. Königsburg auf dem Wawel, der größte mittelalterliche Marktplatz Europas, die Universität von 1364 und das ehemals eigenständige Kazimierz mit seiner jüdischen Geschichte liegen alle innerhalb eines Fußwegs von zwanzig Minuten.
Praktisch heißt das: Nimm Krakau als Standort und mach den Rest der Region als Tagesausflug. Flughafen, Fernbahnhof und Busbahnhof liegen zentral, in fast jede Ecke Kleinpolens kommst du von hier in unter drei Stunden. Für die Stadt selbst rechnest du drei Tage, für alles andere kommen zwei bis vier dazu.
Wieliczka: Salz unter der Erde
Das Salzbergwerk in Wieliczka beginnt gleich hinter der Stadtgrenze von Krakau und stand 1978 gemeinsam mit der Krakauer Altstadt auf der allerersten Welterbeliste der UNESCO. Abgebaut wurde hier seit dem 13. Jahrhundert. Der Touristenweg führt an Kammern, Solesseen und Skulpturen vorbei bis zur Kapelle der Heiligen Kinga, in der Kronleuchter, Altar und Reliefs aus Steinsalz gearbeitet sind.
Du kommst nur mit Führung hinein, es geht mehrere hundert Stufen hinunter, hinauf fährst du mit dem Aufzug. Unter Tage ist es das ganze Jahr über kühl, nimm eine Jacke mit. Ein halber Tag inklusive Anfahrt.
Oświęcim: die Gedenkstätte
In Oświęcim, rund 65 Kilometer westlich von Krakau, liegt die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau, das ehemalige deutsche Konzentrations- und Vernichtungslager. Der Besuch ist reservierungspflichtig, in den stärker besuchten Stunden nur im Rahmen einer Führung. Es gelten feste Verhaltensregeln, große Taschen dürfen nicht mit auf das Gelände, und für Kinder unter vierzehn Jahren wird der Besuch nicht empfohlen.
Rechne mit einem ganzen Tag. Das Stammlager und Birkenau liegen mehrere Kilometer auseinander, zwischen beiden verkehrt ein Shuttle. Plane für diesen Tag nichts anderes ein, weder davor noch danach. Eine Übersicht der Orte im ganzen Land findest du unter Gedenkorte des Zweiten Weltkriegs.
Wadowice und Kalwaria
Wadowice ist der Geburtsort von Karol Wojtyła, dem späteren Papst Johannes Paul II. Sein Elternhaus neben der Pfarrkirche ist heute ein modern eingerichtetes Museum, das seinen Weg vom Schüler zum Papst erzählt. Für polnische Reisende ist das ein Pflichtziel, für alle anderen ein guter Zugang zu der Frage, warum die katholische Kirche in diesem Land eine andere Rolle spielt als in Deutschland.
In der Nähe liegt Kalwaria Zebrzydowska, eine Wallfahrtsanlage aus dem frühen 17. Jahrhundert mit Kloster und Kapellenweg über die Hügel, seit 1999 Welterbe. Beide Orte lassen sich an einem Tag verbinden.
Zakopane und die Tatra
Zakopane liegt zwei Stunden südlich von Krakau am Fuß der Tatra und ist Polens bekanntester Bergort: im Winter Skiort, im Sommer Ausgangspunkt für Wanderungen. Die Hauptstraße Krupówki ist laut und voll, die eigentliche Sehenswürdigkeit sind die Holzhäuser im sogenannten Zakopane-Stil, den Stanisław Witkiewicz Ende des 19. Jahrhunderts aus der örtlichen Bauweise entwickelte.
Dahinter beginnt der Tatra-Nationalpark. Der Bergsee Morskie Oko ist das Ziel Nummer eins und entsprechend überlaufen, die Zufahrtsstraße ist für Autos gesperrt und der letzte Abschnitt eine breite Fahrstraße bergauf. Auf den Rysy mit 2499 Metern, den höchsten Punkt Polens, gehen nur geübte Bergwanderer, und im Winter gar nicht ohne Ausrüstung. Im Januar liegt der Tagesschnitt in Zakopane bei knapp einem Grad, nachts bei rund minus 5 Grad, im August bei etwa 22 Grad.
Achtung: Die Straße von Krakau nach Zakopane ist an Sommer- und Winterwochenenden regelmäßig überlastet, aus zwei Stunden werden dann vier. Fahr unter der Woche, starte früh, oder nimm den Zug. Und plane die Tatra nicht als Tagesausflug ab Krakau: Anfahrt, Wanderung und Rückfahrt an einem Tag sind zwölf Stunden, von denen die Hälfte auf der Straße vergeht.
Nowy Sącz und Krynica: der stille Osten
Östlich von Krakau wird die Region ruhiger. Nowy Sącz hat einen sehr großen Marktplatz mit Rathaus in der Mitte und am Stadtrand ein weitläufiges Freilichtmuseum, das die Bauweise des Beskiden-Vorlands zeigt, samt Kirchen und einem ganzen nachgebauten Marktplatz. Es ist die beste Vorbereitung auf die Holzarchitektur der Umgebung.
Krynica-Zdrój ist der bekannteste Kurort der Region: Trinkhallen mit Mineralwasser, eine lange Fußgängerpromenade, Waldwege und eine Standseilbahn auf den Hausberg. Berühmt ist der Ort außerdem für den Maler Nikifor, einen Autodidakten aus armen Verhältnissen, dessen Werke heute in einem eigenen Museum hängen. Wer Kurorte mag, findet in den Beskiden mehrere davon in Fahrweite.
Holzkirchen als Welterbe
2003 nahm die UNESCO sechs hölzerne Kirchen Südkleinpolens in die Welterbeliste auf, darunter Dębno Podhalańskie mit seiner bemalten Innenausstattung aus dem 15. Jahrhundert, dazu Binarowa, Lipnica Murowana und Sękowa. Sie sind aus Lärche und Fichte gebaut, ohne Nägel gefügt, und stehen oft mitten im Dorf hinter einem Zaun.
Das sind aktive Pfarrkirchen. Öffnungen richten sich nach der Gemeinde, häufig holst du den Schlüssel im Haus nebenan, während der Messe wartest du draußen. Ohne Auto bekommst du an einem Tag höchstens zwei zusammen.
Anreise, Verkehr und Praktisches
Der Flughafen Kraków Airport in Balice liegt vor der Stadt und ist mit dem Zug in etwa zwanzig Minuten mit dem Hauptbahnhof verbunden. Züge fahren aus Warschau, Kattowitz und Breslau, für die Bergorte brauchst du Bus, Kleinbus oder Auto. Die Autobahn A4 quert die Region und ist auf Teilstücken mautpflichtig. Krakau hat eine Umweltzone eingerichtet, die Regeln ändern sich, informier dich vor der Fahrt.
Gezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Karte funktioniert fast überall, in Berghütten und bei Standverkäufern ist Bargeld nützlich. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab. Tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, die Alkoholgrenze ist strenger als in Deutschland, und seit 2021 haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang, auch beim Betreten der Fahrbahn.
Klima und beste Reisezeit
Für Krakau liegt der Tagesschnitt im Januar bei knapp 3 Grad und nachts bei etwa minus 3 Grad, im August bei rund 25 Grad. Juli, August und September sind mit je etwa 100 Millimetern die nassesten Monate, der März ist mit rund 45 Millimetern der trockenste. In den Bergen ist es kühler und deutlich nasser.
Mai, Juni und September sind die besten Monate: mild, lang hell, ohne die Enge des Hochsommers. Zum Wandern in der Tatra ist die Zeit von Juni bis Anfang Oktober die verlässlichste, im Winter kommen Skifahrer auf ihre Kosten, dann ist in Krakau allerdings mit belasteter Luft an windstillen Tagen zu rechnen.
Häufige Fragen
Wie viele Tage braucht man für Kleinpolen?
Für Krakau allein drei Tage. Kommen Wieliczka und die Gedenkstätte in Oświęcim dazu, sind es fünf. Wer zusätzlich in die Tatra will, plant sieben und übernachtet mindestens zwei Nächte in Zakopane. Der häufigste Fehler ist, die Berge als Tagesausflug einzuschieben: Die Fahrt dauert je Richtung zwei Stunden und an Wochenenden deutlich länger.
Kann man Kleinpolen ohne Auto bereisen?
Krakau, Wieliczka, Oświęcim und Zakopane erreichst du mit Zug oder Bus gut, Nowy Sącz und Krynica ebenfalls. Schwierig wird es bei den Holzkirchen und den kleinen Bergorten, dorthin fahren nur wenige Kleinbusse. Wenn die Dörfer dazugehören sollen, miete ein Auto, am einfachsten in Krakau. Für eine reine Städtereise brauchst du keines.
Wie besucht man die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau?
Über die offizielle Website reservieren, auch wenn der Eintritt in das Gelände selbst nichts kostet. In den stark besuchten Stunden ist der Zutritt nur mit Führung möglich, dafür wird eine Gebühr erhoben. Große Taschen sind nicht zugelassen, es gelten Verhaltensregeln, und für Kinder unter vierzehn Jahren wird der Besuch nicht empfohlen. Plane einen ganzen Tag ohne Anschlusstermin.
Wann ist die beste Reisezeit für die Tatra?
Juni bis Anfang Oktober für Wanderungen, dann sind die Wege schneefrei und die Hütten geöffnet. Im Juli und August ist es am vollsten, Gewitter ziehen typischerweise am Nachmittag auf, starte also früh. Von Dezember bis März ist Zakopane Skiort. Hochgebirgswege im Winter erfordern Ausrüstung und Erfahrung, das ist kein Spaziergang mit Turnschuhen.
Lohnt sich das Salzbergwerk Wieliczka?
Ja, es gehört zu den Orten, die auch Skeptiker überzeugen. Der Weg führt durch Kammern, an Solesseen vorbei und endet in einer Kapelle, in der Altar, Reliefs und Kronleuchter aus Steinsalz gearbeitet sind. Du gehst nur mit Führung, mehrere hundert Stufen hinunter, mit dem Aufzug wieder hinauf. Unten ist es kühl, nimm eine Jacke mit.
Was ist am Zakopane-Stil besonders?
Stanisław Witkiewicz entwickelte ihn Ende des 19. Jahrhunderts aus der Bauweise der Goralen, der Bergbevölkerung des Podhale. Kennzeichen sind hohe Steinsockel, steile Dächer, geschnitzte Giebel und massives Holz. Die bekanntesten Beispiele stehen in Zakopane selbst, darunter mehrere Villen und eine Kapelle. Der Stil war der Versuch, eine eigene polnische Nationalarchitektur zu begründen.






