Stadt in Polen · Kleinpolen

Oświęcim: die Stadt hinter dem Namen

Oświęcim ist eine Kleinstadt in Kleinpolen, rund 65 Kilometer westlich von Krakau (Kraków). Gut 34.000 Menschen leben hier, über dem Fluss Soła steht eine Burg, auf dem Marktplatz fahren Kinder Rad. Und Oświęcim ist der Ort, dessen deutscher Name Auschwitz seit 1940 weltweit für das größte deutsche Vernichtungslager steht. Beides ist wahr, und beides gehört zusammen gedacht.

Diese Seite handelt von der Stadt: von ihren achthundert Jahren, von der jüdischen Gemeinde, die hier über vier Jahrhunderte lebte, und davon, wie eine Anreise praktisch funktioniert. Die Gedenkstätte behandeln wir auf einer eigenen Seite, weil sie getrennt behandelt gehört.

Oświęcim: die Stadt hinter dem Namen
Foto: MichalPL, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftKleinpolen (Małopolska)
  • Polnischer NameOświęcim, jiddisch Oszpicin
  • Einwohnerrund 34.000
  • Lagerund 65 Kilometer westlich von Krakau, am Fluss Soła
  • Stadtrecht13. Jahrhundert, ab 1315 eigenes Herzogtum
  • DauerStadt 2 bis 3 Stunden, Gedenkstätte ein ganzer Tag

Zwei Namen, ein Ort

Auf dem Bahnhofsschild, auf dem Wegweiser und auf deiner Fahrkarte steht Oświęcim. Der deutsche Name Auschwitz ist der ältere von beiden und geht auf die mittelalterliche Besiedlung zurück. Die deutsche Besatzung übernahm ihn 1939 und gab ihn dem Lager, das sie ab 1940 am Stadtrand errichtete. Seither meint fast jeder, der Auschwitz sagt, das Lager.

Für die rund 34.000 Menschen, die hier leben, ist das ein täglicher Zustand. Sie wohnen in einer Stadt, deren Namen die Welt kennt und deren Straßen kaum jemand betritt. Wer nach Oświęcim fährt und nur den Parkplatz der Gedenkstätte sieht, hat die Stadt nicht besucht. Das ist keine Aufforderung, den Ort touristisch zu nutzen, sondern eine Feststellung.

Achthundert Jahre Stadtgeschichte

Die Siedlung an der Soła bekam im 13. Jahrhundert Stadtrecht. 1315 wurde Oświęcim ein eigenes Herzogtum, kam später als Lehen unter die böhmische Krone und wurde 1457 von der polnischen Krone gekauft. Bei der Ersten Teilung Polens 1772 fiel die Stadt an Österreich und gehörte bis 1918 zu Galizien; die Habsburger führten den Titel Herzog von Auschwitz und Zator noch bis zum Ende der Monarchie.

Vom mittelalterlichen Oświęcim steht die Burg auf dem Hügel über dem Fluss. Ihr runder Backsteinturm ist der älteste erhaltene Bau der Stadt, darunter liegen Kellergewölbe, die man auf einem Rundgang sieht. Heute ist ein Stadtmuseum darin, das die Geschichte von den Piasten bis in die Nachkriegszeit erzählt. Der Marktplatz mit den niedrigen Bürgerhäusern liegt wenige Minuten entfernt.

Die zweite prägende Schicht ist die Industrie. Die deutsche IG Farben baute ab 1941 östlich der Stadt ein Chemiewerk und setzte dafür Zwangsarbeiter und Häftlinge ein. Nach 1945 wurde der Betrieb als polnisches Chemiewerk weitergeführt und ist bis heute der größte Arbeitgeber der Region. Auch das gehört zur Stadtgeschichte, und es steht selten im Reiseführer.

Oszpicin: die jüdische Stadt

Juden lebten hier seit dem 16. Jahrhundert, auf Jiddisch hieß der Ort Oszpicin. 1939 war ungefähr die Hälfte der rund 14.000 Einwohner jüdisch. Es gab etwa zwanzig Synagogen und Bethäuser, Schulen, Vereine, Werkstätten, einen Friedhof. Diese Gemeinde wurde in der deutschen Besatzung ausgelöscht, und nach 1945 kehrten nur wenige zurück; der letzte jüdische Einwohner der Stadt starb im Jahr 2000.

Erhalten ist eine einzige Synagoge, die Chewra Lomdei Misznajot. Sie steht nahe dem Marktplatz, wurde 1998 an die jüdische Gemeinde zurückgegeben und gehört heute zum Jüdischen Zentrum, das nebenan ein kleines Museum über das jüdische Oświęcim betreibt. Der Besuch dauert eine knappe Stunde und ist der wichtigste Grund, in der Stadt zu bleiben: Er zeigt, was hier war, bevor der Name eine andere Bedeutung bekam. Mehr dazu steht unter jüdisches Erbe in Polen.

Die Gedenkstätte am westlichen Stadtrand

Die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau liegt rund zwei Kilometer vom Stadtzentrum entfernt und besteht aus zwei Geländen, zwischen denen ein Shuttlebus verkehrt. Der Besuch ist kostenlos, eine Reservierung der Eintrittskarte über die offizielle Website ist jedoch verpflichtend, und in den besucherstarken Stunden kommst du nur in einer geführten Gruppe hinein. Die Gedenkstätte empfiehlt den Besuch erst ab etwa vierzehn Jahren.

Es gelten Verhaltensregeln: angemessene Kleidung, Ruhe, keine Aufnahmen in bestimmten Räumen, große Taschen bleiben draußen. Plane einen ganzen Tag ein und danach nichts mehr. Alle praktischen Punkte stehen ausführlich auf der Seite zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau.

Gut zu wissen: Die Eintrittskarten der Gedenkstätte werden ausschließlich über die offizielle Seite auschwitz.org vergeben und sind in der Hauptsaison Wochen im Voraus vergriffen. Buche zuerst die Karte, dann die Anreise, nicht umgekehrt.

Anreise, Übernachten, Bezahlen

Von Krakau fährt der Zug ab Kraków Główny nach Oświęcim und braucht je nach Verbindung eineinhalb bis zwei Stunden. Vom Bahnhof sind es rund zwei Kilometer bis zur Gedenkstätte und ähnlich weit ins Zentrum, ein Stadtbus verbindet beides. Mit dem Auto bist du in gut einer Stunde da, es gibt gebührenpflichtige Parkplätze. Aus Kattowitz im Nordwesten dauert die Fahrt ebenfalls etwa eine Stunde.

Übernachten kannst du in Oświęcim gut und deutlich günstiger als in der Krakauer Altstadt. Bezahlt wird in Polen mit dem Złoty, nicht mit dem Euro; Karte funktioniert praktisch überall. Wenn das Terminal dir anbietet, in Euro abzurechnen, lehnst du ab und wählst Złoty.

Was in der Nähe liegt

Nach Wadowice sind es rund dreißig Kilometer nach Südosten, nach Bielsko-Biała und in die Beskiden rund fünfunddreißig Kilometer nach Süden. Östlich beginnt nach einer knappen Stunde Krakau, westlich das schlesische Industrierevier. Eine Anmerkung zur Planung: Gedenkstätte und Bergwanderung am selben Tag funktionieren nicht, auch wenn die Entfernungen es zulassen. Weitere Ziele der Region findest du unter Kleinpolen.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Oświęcim17°Cleichte Schauer
  • Wärmster MonatAugust, 25 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -3 °C
  • Trockenster MonatMärz
  • Höhe232 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

3°-3°J
6°-1°F
10°0°M
14°4°A
19°9°M
23°14°J
25°16°J
25°16°A
20°12°S
15°7°O
9°3°N
4°-1°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

56mm13 TageJ
63mm13 TageF
45mm11 TageM
62mm12 TageA
84mm14 TageM
74mm12 TageJ
95mm15 TageJ
96mm12 TageA
97mm12 TageS
70mm12 TageO
59mm11 TageN
59mm13 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Berlin489 km610 km, 7 Std. 45 Min.
München594 km740 km, 9 Std. 15 Min.
Stuttgart738 km920 km, 11 Std. 30 Min.
Hamburg744 km930 km, 11 Std. 30 Min.
Frankfurt751 km940 km, 11 Std. 45 Min.
Köln871 km1.090 km, 13 Std. 30 Min.
Düsseldorf886 km1.110 km, 13 Std. 45 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Wadowice26 km30 km, 0 Std. 15 Min.
Bielsko-Biała26 km30 km, 0 Std. 15 Min.
Kattowitz28 km40 km, 0 Std. 30 Min.
Gleiwitz48 km60 km, 0 Std. 45 Min.
Krakau52 km60 km, 0 Std. 45 Min.
Teschen52 km70 km, 0 Std. 45 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Heißt die Stadt Auschwitz oder Oświęcim?

Der polnische Name Oświęcim ist der amtliche und der einzige, der auf Bahnhofsschild, Wegweiser und Fahrkarte steht. Auschwitz ist der ältere deutsche Name der Stadt, den die deutsche Besatzung ab 1940 auf das Lager übertrug. Wenn du Zug oder Navigation buchst, brauchst du Oświęcim. Sprichst du über das Lager, ist Auschwitz-Birkenau die übliche Bezeichnung.

Lohnt sich ein Besuch der Stadt Oświęcim selbst?

Ja, für zwei bis drei Stunden. Die erhaltene Synagoge mit dem Jüdischen Zentrum und die Burg über der Soła erzählen zusammen, was hier vor 1939 war: eine Kleinstadt, in der etwa die Hälfte der Einwohner jüdisch war. Wer nur zur Gedenkstätte und zurück fährt, nimmt genau diesen Teil nicht mit.

Wie kommt man von Krakau nach Oświęcim?

Mit dem Zug ab Kraków Główny in eineinhalb bis zwei Stunden, abhängig von der Verbindung. Direktbusse fahren ebenfalls und halten näher an der Gedenkstätte. Mit dem Auto brauchst du gut eine Stunde. Vom Bahnhof Oświęcim sind es rund zwei Kilometer zur Gedenkstätte, ein Stadtbus fährt die Strecke.

Muss man den Besuch der Gedenkstätte reservieren?

Ja. Der Eintritt ist kostenlos, die Eintrittskarte muss aber vorab über die offizielle Website reserviert werden, und in den besucherstarken Stunden ist der Zugang nur in geführten Gruppen möglich. In der Hauptsaison sind die Karten Wochen vorher vergeben. Die Gedenkstätte empfiehlt den Besuch erst ab etwa vierzehn Jahren.

Kann man in Oświęcim übernachten?

Ja, die Stadt hat Hotels und Pensionen, und die Preise liegen unter denen der Krakauer Altstadt. Wer ein frühes Zeitfenster reserviert hat, ist von hier aus deutlich schneller da. Bezahlt wird in Złoty, Kartenzahlung ist überall üblich.