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Breslau oder Posen: Schlesien oder Großpolen?

Beide liegen auf dem Weg von Deutschland nach Osten, beide haben einen großen Marktplatz mit prächtigem Rathaus, und in Reiseführern stehen sie gern im selben Kapitel. Trotzdem sind Breslau (Wrocław) und Posen (Poznań) grundverschieden. Die eine ist eine farbige Studentenstadt auf einem Dutzend Inseln, die andere der Ort, an dem der polnische Staat vor über tausend Jahren begann.

Wenn nur eine der beiden in deine Reise passt, hilft dieser Vergleich: Größe, Sehenswürdigkeiten, Anreise, Stimmung und Zeitbedarf nebeneinander, dazu ein Vorschlag für zwei Tage in jeder Stadt und der einfachste Weg, beide zu verbinden.

Breslau oder Posen: Schlesien oder Großpolen?
Foto: MOs810, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Breslaurund 670.000 Einwohner, an der Oder
  • Posenrund 536.000 Einwohner, an der Warthe
  • Zeitbedarf Breslau2 bis 3 Tage
  • Zeitbedarf Posen1 bis 2 Tage
  • Entfernung zueinanderrund 180 Kilometer, Zug etwa 2 Stunden
  • WelterbeJahrhunderthalle in Breslau, seit 2006

Die kurze Antwort

Für die erste Reise in diesen Teil Polens nimm Breslau. Die Stadt hat schlicht mehr zu sehen, das Zentrum ist farbiger, das Wasser liegt mittendrin, und abends ist deutlich mehr los. Zwei Tage sind gut gefüllt, drei werden nicht langweilig.

Posen ist die Wahl, wenn dich interessiert, wo Polen anfängt. Auf der Dominsel steht die älteste Kathedrale des Landes, darunter liegen Fundamente aus der Zeit der ersten Herrscher. Die Stadt ist kompakter, ruhiger und in anderthalb Tagen gesehen. Als Zwischenstopp auf der Fahrt von Berlin nach Warschau (Warszawa) ist sie kaum zu schlagen.

Und wenn du unentschlossen bleibst: Zwischen beiden liegen rund 180 Kilometer, der Zug braucht ungefähr 2 Stunden. Das ist der einfachste Doppelpack, den Polen zu bieten hat.

Der direkte Vergleich

Merkmal Breslau (Wrocław) Posen (Poznań)
Einwohner rund 670.000 rund 536.000
Lage an der Oder, zwölf Inseln, über hundert Brücken an der Warthe, sehr kompaktes Zentrum
Hauptplatz Rynek, einer der größten Marktplätze Polens Stary Rynek mit Renaissance-Rathaus
Markenzeichen über 800 Bronzezwerge in der ganzen Stadt zwei Ziegenböcke, die mittags am Rathaus die Hörner stoßen
Ältester Kern Dominsel mit Kathedrale und Laternenanzünder Ostrów Tumski, älteste Kathedrale Polens
Welterbe Jahrhunderthalle, seit 2006 keine Welterbestätte
Stimmung Studentenstadt, abends viel los bürgerlich und ruhiger, Messe- und Handelsstadt
Zeitbedarf 2 bis 3 Tage 1 bis 2 Tage
Zug ab Berlin rund viereinhalb Stunden knapp 3 Stunden

Breslau: Farbe, Wasser und Zwerge

Der Rynek ist der Grund, warum die meisten wiederkommen. Die Häuserzeilen sind ockergelb, taubenblau und altrosa gestrichen, in der Mitte steht kein leerer Platz, sondern ein ganzer Block mit dem gotischen Rathaus, und ringsum sitzen abends mehr Einheimische als Gäste. Nach 1945 lag hier fast alles in Trümmern; was du siehst, ist rekonstruiert, und das ist an keiner Stelle peinlich.

Dazu kommt das Wasser. Die Oder teilt sich im Stadtgebiet in mehrere Arme, dazwischen liegen Inseln, verbunden von über hundert Brücken. Auf der Dominsel zündet abends ein Laternenanzünder in Kostüm die Gaslaternen an, und das wirkt weniger nach Show, als es klingt. Und dann sind da die Zwerge: über 800 kleine Bronzefiguren an Hauswänden, Bordsteinen und Laternenmasten. Sie gehen auf den Protest der Orangen Alternative in den 1980er Jahren zurück, sind also politischer, als Kinder ahnen, die sie sammeln.

Wer mehr will als Altstadt, findet es: die Jahrhunderthalle von 1913, eine Betonkuppel, die seit 2006 zum Welterbe gehört, das Panorama Racławicka als über hundert Meter langes Rundgemälde, die barocke Aula der Universität. Breslau kam 1945 mit der Grenzverschiebung zu Polen. Die deutsche Bevölkerung musste die Stadt verlassen, und viele der neuen Bewohner kamen ihrerseits aus Lemberg, das Polen im Osten verlor. Das Rundgemälde ist mit ihnen gereist.

Posen: hier fängt Polen an

Auf Ostrów Tumski stand im 10. Jahrhundert der Sitz der ersten Piastenherrscher, und die Kathedrale daneben ist die älteste Polens. In der Krypta liegen Reste der frühesten Bauten und die Gräber der ersten Herrscher. Nebenan erzählt ein modernes Besucherzentrum die Geschichte der Staatsgründung mit Bildern und Ton statt mit Vitrinen. Wer wissen will, warum Polen sich als tausendjährig versteht, versteht es hier in zwei Stunden.

Der Alte Markt ist kleiner als der Breslauer, aber sein Rathaus gehört zu den besten Renaissancegebäuden nördlich der Alpen. Jeden Mittag öffnet sich über der Uhr eine Klappe, zwei metallene Ziegenböcke fahren heraus und stoßen zwölfmal die Hörner gegeneinander. Der Platz füllt sich dafür jeden Tag, und das ist in Ordnung, denn es dauert eine Minute, danach hat man den Markt wieder für sich.

Posen ist außerdem Handelsstadt. Die Messe prägt sie bis heute, und das merkst du an den Hotelpreisen: In Messewochen sind sie hoch, sonst niedrig. Kulinarisch hat die Stadt ein eigenes Wahrzeichen, das Martinshörnchen mit geschützter Herkunftsbezeichnung, gefüllt mit weißem Mohn. Und mit dem Kaiserschloss steht hier ein Gebäude, das die Brüche des 20. Jahrhunderts in einem einzigen Grundriss erzählt.

Tipp: Plan Posen um zwölf Uhr mittags herum. Die Ziegenböcke sind der einzige Programmpunkt der Stadt mit fester Uhrzeit, alles andere legst du drumherum. Stell dich nicht direkt unter den Turm, sondern etwas zurück auf den Platz, sonst siehst du vom Schauspiel nur die Unterseite der Klappe.

Anreise: was näher liegt

Posen gewinnt beim Anfahrtsweg. Ab Berlin fährt der Zug direkt und ist in knapp drei Stunden da, mit dem Auto sind es über die A2 rund 300 Kilometer. Breslau liegt rund 350 Kilometer von Berlin und rund 280 von Dresden entfernt, mit der Bahn ab Berlin bist du etwa viereinhalb Stunden unterwegs. Aus Süddeutschland dreht sich das Bild: Über die A4 ab Dresden ist Breslau klar die nähere Stadt.

Innerhalb Polens liegen beide gut im Netz. Posen erreichst du von Warschau in rund drei Stunden, Breslau von Krakau (Kraków) in dreieinhalb. Wie du Fahrkarten buchst und was Reservierung, Zugklassen und Nachtzüge bedeuten, steht unter Mit dem Zug durch Polen.

Zwei Tage vor Ort

In Breslau gehört Tag eins dem Rynek, dem Rathaus, den Blumenständen am Salzmarkt und dem Weg über die Sandinsel zur Dominsel, wo du bis zur Dämmerung bleibst. Tag zwei beginnt in der Markthalle, führt zum Panorama Racławicka, mit der Straßenbahn zur Jahrhunderthalle und abends zurück an die Oder. Die Zwerge sammelst du nebenbei ein.

In Posen verbringst du den Vormittag am Alten Markt, siehst um zwölf die Ziegenböcke und gehst danach zu Fuß hinüber zur Dominsel und ins Besucherzentrum. Am zweiten Tag folgen das Kaiserschloss, die alte Brauerei als Einkaufs- und Kunstzentrum und der Park dahinter, dazu ein Martinshörnchen, das man besser teilt, weil es größer ist, als es aussieht.

Gut zu wissen: In beiden Städten bezahlst du in Złoty, nicht in Euro. Kartenzahlung ist überall möglich, auch für einen Kaffee. Wenn das Terminal anbietet, in Euro abzurechnen, lehne ab und wähle Złoty, sonst zahlst du den Aufschlag der dynamischen Währungsumrechnung. Mehr dazu steht unter Bezahlen in Polen.

Wenn du beides willst

Dann fahr von Berlin über Posen nach Breslau und von dort weiter nach Krakau oder zurück über Dresden. Zwei Nächte Breslau, eine Nacht Posen: Das entspricht dem Gewicht der beiden Städte. Wer im Advent unterwegs ist, hat einen zweiten Grund für die Reihenfolge, denn beide Marktplätze tragen dann Buden, und der Breslauer Markt zählt zu den größten des Landes.

Häufige Fragen

Ist Breslau oder Posen die schönere Stadt?

Breslau, wenn Schönheit heißt: farbige Fassaden, Wasser, Brücken und ein großer Marktplatz mit Leben bis spät. Posen punktet anders, nämlich mit Alter und Bedeutung. Dort steht die älteste Kathedrale Polens, und die Stadt erzählt die Gründung des Staates. Für die erste Reise ist Breslau die sichere Wahl, Posen die interessantere zweite.

Wie viele Tage braucht man für Breslau?

Zwei volle Tage sind ein gutes Maß: einer für Rynek, Rathaus und Dominsel, einer für Markthalle, Panorama Racławicka und Jahrhunderthalle. Drei Tage lohnen sich, wenn du abends ausgehen und einen Halbtagsausflug ins Umland machen willst. Für einen reinen Zwischenstopp reicht ein Tag, dann bleibst du im Zentrum und lässt die Jahrhunderthalle weg.

Wie weit ist es von Breslau nach Posen?

Rund 180 Kilometer. Der Zug braucht etwa 2 Stunden, mit dem Auto bist du ungefähr genauso lange unterwegs. Damit lassen sich beide Städte problemlos in einer Reise verbinden, zum Beispiel auf dem Weg von Berlin nach Krakau. Wer aus Deutschland kommt, nimmt Posen zuerst, weil es näher an der Grenze liegt.

Was ist das Besondere an den Zwergen in Breslau?

Es sind über 800 kleine Bronzefiguren, verteilt über die ganze Stadt, jede mit eigenem Motiv. Ihr Ursprung ist politisch: Die Bewegung Orange Alternative malte in den 1980er Jahren Zwerge über die Farbflecken, mit denen die Behörden regimekritische Parolen übermalt hatten. Heute sind sie eine Schnitzeljagd, die Kindern die Stadt erträglich macht.

Lohnt sich Posen als Zwischenstopp zwischen Berlin und Warschau?

Sehr. Der Zug ab Berlin braucht knapp drei Stunden, von Posen weiter nach Warschau sind es noch einmal rund drei. Eine Nacht reicht, um Alten Markt, Ziegenböcke und Dominsel zu sehen. Wer mit dem Auto über die A2 fährt, macht dasselbe mit einer Übernachtung. Nur in den Messewochen solltest du das Hotel früh buchen.