Auf einen Blick
- Polnischer NameStary Rynek
- Größerund 140 mal 140 Meter
- RathausRenaissance, 1550 bis 1560 von Giovanni Battista di Quadro
- Ziegenböcketäglich um 12 Uhr, Uhrwerk seit 1551
- Dauer1 bis 2 Stunden
- KostenPlatz und Ziegenböcke frei zugänglich
Ein Platz mit einem Block in der Mitte
Anders als in Kraków ist die Mitte des Platzes hier nicht frei. Auf dem Stary Rynek steht eine ganze Insel aus Häusern: das Rathaus, die alte Stadtwaage, das klassizistische Wachhaus, die Galerie im ehemaligen Zeughaus und eine Reihe schmaler Budenhäuser mit Arkaden. Zwischen den Bauten laufen Gassen, die kaum breiter sind als zwei Schultern.
Die Budenhäuser waren die Läden der kleinen Händler: Salz, Hering, Kerzen, Talg. Heute sitzen dort Cafés und Galerien, die Arkaden davor sind geblieben. Ringsum steht die geschlossene Front der Kaufmannshäuser in Ocker, Rosa, Grün und Blau, viele mit hohen Giebeln und Wappen über der Tür.
An den Ecken stehen vier Brunnen mit Figuren aus der Mythologie. Nur der Proserpina-Brunnen von 1766 ist alt, die anderen drei kamen erst in den 2000er Jahren dazu. Such nach der Bamberka, der Bronzefigur einer Frau mit Krügen: Sie erinnert an die Siedler aus der Gegend um Bamberg, die ab 1719 nach Poznań kamen, katholisch waren, hier heirateten und binnen zweier Generationen polnisch sprachen.
Das Rathaus
Der gotische Vorgängerbau war ein schlichter Ziegelbau. Zwischen 1550 und 1560 baute ihn Giovanni Battista di Quadro aus Lugano um, und was dabei herauskam, ist eines der besten Renaissancegebäude nördlich der Alpen: eine dreigeschossige Loggia mit Arkaden auf der Ostseite, darüber eine Attika mit Zinnen und Türmchen, ganz oben ein Adler.
Innen liegt die Große Diele, deren Gewölbe aus dem Jahr 1555 stammt und mit Reliefs bemalt ist: Planeten, Tierkreiszeichen, Herrscher und Sprüche darüber, wie ein Gemeinwesen zu führen sei. Im Haus sitzt das Museum zur Stadtgeschichte. Prüfe vor dem Besuch auf der offiziellen Seite, ob es zugänglich ist, denn dieses Rathaus wird abschnittsweise saniert.
Vor dem Eingang steht der Pranger, eine Kopie der Säule von 1535. Das Original steht im Museum. Es lohnt sich, einmal um den ganzen Block zu gehen: Die Rückseite des Rathauses sieht völlig anders aus als die berühmte Schauseite nach Osten.
Punkt zwölf: die Ziegenböcke
Um zwölf Uhr sammeln sich die Leute auf der Ostseite. Erst bläst ein Trompeter vom Turm, dann öffnet sich über der Uhr eine kleine Tür, und zwei Böcke aus Metall fahren heraus und stoßen zwölfmal die Hörner gegeneinander. Das Uhrwerk mit den Böcken ist seit 1551 belegt, nach der Zerstörung im Krieg wurde es wiederhergestellt.
Die Geschichte dazu geht so: Der Koch verbrannte den Braten für ein Festessen zur Einweihung der Uhr, schnappte sich in Panik zwei Ziegen von der Wiese, die rissen sich los, liefen auf den Turm und stießen dort vor allen Gästen die Hörner zusammen. Der Wojewode lachte, verzieh dem Koch und ordnete an, die Böcke in die Uhr einzubauen.
Praktisch heißt das: um Viertel vor zwölf da sein, auf die Ostseite stellen, nach oben schauen. Das Ganze dauert weniger als eine Minute und kostet nichts. Wer zu spät kommt, sieht Hinterköpfe.
Tipp: Iss nicht am Rynek selbst. Die Terrassen dort zahlst du mit der Aussicht. Geh eine Gasse weiter Richtung Wrocławska oder Żydowska, dort ist die Küche besser und die Rechnung kleiner. Wo genau, steht unter Essen und Trinken in Posen.
Was 1945 geschah
Von Ende Januar bis zum 23. Februar 1945 wurde in Poznań gekämpft, die deutsche Führung hatte die Stadt zur Festung erklärt. Die Altstadt brannte, das Rathaus verlor Dach und Turm, die Häuserfront am Markt lag in Trümmern. Der Wiederaufbau begann kurz darauf und zog sich durch die 1950er Jahre.
Die Restauratoren gingen dabei zurück auf ältere Zustände: Manche Fassade sieht heute barocker aus, als sie 1939 war. Was du also vor dir hast, ist keine unversehrte Altstadt und auch keine Kulisse, sondern eine sehr bewusste Rekonstruktion. Wenn du darauf achtest, siehst du an den Sockeln und in den Durchgängen, welche Mauerteile alt sind.
Museen rund um den Platz
Im Wachhaus in der Platzmitte erzählt ein Museum vom Großpolnischen Aufstand, der Ende 1918 hier begann und die Region an Polen brachte. Es ist der erfolgreichste Aufstand der polnischen Geschichte und in Deutschland fast unbekannt.
An der Ostseite liegt das Museum für Musikinstrumente mit einer der größten Sammlungen Europas, dazu kommen eine Literaturausstellung und, im Palast an der Westseite, das Rogal-Museum. Für einen Regennachmittag reicht das locker.
Gut zu wissen: Zwei Minuten südlich steht die Pfarrkirche Fara, innen kompletter Barock und der stärkste Innenraum der Stadt. Sie ist ein aktives Gotteshaus: Schultern und Knie bedeckt, während der Messe keine Besichtigung. Das Pflaster auf dem Rynek ist grob und uneben, feste Schuhe helfen mehr als jeder Routenplan.
Tickets: Der Platz, die Arkaden, der Pranger und der Auftritt der Ziegenböcke kosten nichts und brauchen keine Buchung. Für die Museen zahlst du an der Kasse, nur das Rogal-Museum arbeitet mit festen Zeitfenstern. Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Kartenzahlung funktioniert auch an kleinen Kassen, und wenn das Terminal dir eine Abrechnung in Euro anbietet, lehnst du ab und wählst Złoty.
Was in der Nähe liegt
Nach Osten sind es zehn Minuten zu Fuß über die Warthebrücken zur Dominsel mit dem Dom, nach Westen zehn Minuten zum Kaiserschloss, nach Süden zwanzig zum Stary Browar. Alle Orte im Überblick stehen unter Posen Sehenswürdigkeiten, den Rahmen dazu gibt die Seite zu Posen.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istVoll ist es nur kurz vor zwölf und nur auf der Ostseite. Wenn du dort nicht mehr durchkommst, stell dich zwanzig Meter weiter zurück an die Häuserfront, von dort siehst du die Uhr besser als aus der ersten Reihe. Danach löst sich die Menge in Minuten auf.
- Wenn es regnetDer Platz hat Arkaden an den Budenhäusern, darunter bleibst du trocken. Für längeren Regen gehst du ins Museum für Musikinstrumente, ins Rogal-Museum oder zwei Minuten weiter in die Fara, deren Innenraum bei schlechtem Wetter sogar besser wirkt.
- Mit KindernFunktioniert gut: Die Ziegenböcke sind kurz und laut genug, das Rogal-Museum lässt Kinder mitmachen, und in den Gassen der Platzmitte kann man sich verstecken. Plane die Böcke als Startpunkt und nicht als Abschluss eines langen Vormittags.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer ganze Platz liegt eben, aber das Kopfsteinpflaster ist grob und stellenweise ausgefahren. Mit Rollstuhl oder Rollator ist der Ring aus Gassen mühsam, der glatte Streifen entlang der Häuserfronten hilft. In die Museen führen Stufen, im Rathaus mehrere Treppen ohne Aufzug.
Häufige Fragen
Wann stoßen die Ziegenböcke in Posen zusammen?
Täglich um zwölf Uhr mittags. Kurz davor spielt ein Trompeter vom Rathausturm, danach fahren die beiden Böcke über der Uhr heraus und stoßen zwölfmal die Hörner gegeneinander. Der Auftritt dauert keine Minute. Stell dich auf die Ostseite des Rathauses, dort sitzt die Uhr, und sei eine Viertelstunde früher da.
Ist der Alte Markt in Posen original oder wiederaufgebaut?
Wiederaufgebaut. Bei den Kämpfen um die Stadt bis zum 23. Februar 1945 brannte die Altstadt weit überwiegend aus. Rathaus, Waage und die Häuserfronten wurden in den 1950er Jahren rekonstruiert, teils nach älteren Vorbildern als dem Zustand von 1939. Originalsubstanz findest du vor allem in Kellern, Sockeln und einzelnen Portalen.
Kann man das Rathaus in Posen von innen besichtigen?
Im Rathaus sitzt das Museum zur Stadtgeschichte, dessen Höhepunkt die Große Diele mit dem bemalten Gewölbe von 1555 ist. Weil das Haus abschnittsweise saniert wird, prüfst du vor dem Besuch auf der offiziellen Seite der Stadt, ob geöffnet ist. Die Ziegenböcke siehst du unabhängig davon, sie erscheinen außen am Turm.
Wie groß ist der Alte Markt in Posen?
Rund 140 mal 140 Meter, damit gehört er zu den größten Marktplätzen Polens. Der Eindruck täuscht allerdings, weil die Mitte bebaut ist: Rathaus, Stadtwaage, Wachhaus und die Budenhäuser stehen als eigener Block darin. Du erlebst den Platz deshalb eher als Ring aus Gassen denn als eine große freie Fläche.
Lohnt sich der Alte Markt in Posen mit Kindern?
Ja, vor allem wegen der Ziegenböcke um zwölf, die man Kindern in einem Satz erklären kann. Danach funktioniert das Museum für Musikinstrumente, weil dort viel zu sehen und manches zu hören ist, und das Rogal-Museum am Platz, wo mitgeknetet werden darf. Auf dem groben Pflaster kommen Roller und Buggys schlecht voran.





