Niederschlesien · Breslau

Rynek & Rathaus

Der Rynek ist der Platz, auf dem du in Wrocław immer wieder landest, aus welcher Gasse du auch kommst. Rund 213 mal 178 Meter groß, nach dem Rynek Główny in Kraków der zweitgrößte mittelalterliche Marktplatz Polens, und in der Mitte steht kein Denkmal, sondern ein kompletter Häuserblock mit dem gotischen Rathaus darin.

Du kannst hier zehn Minuten stehen und weiterlaufen. Besser sind zwei bis drei Stunden: einmal um den Block, hinauf auf den Turm der Elisabethkirche, durch die Gassen zwischen den Häusern und danach zum Plac Solny. Dann verstehst du auch, warum dieser Platz so bunt ist, und diese Antwort ist ernster, als sie aussieht.

Rynek & Rathaus
Foto: Halinapoland, CC BY-SA 3.0 pl · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Polnischer NameRynek
  • Größerund 213 mal 178 Meter
  • Rathausgotisch, gewachsen vom 13. bis ins 16. Jahrhundert
  • Astronomische Uhrvon 1580, an der Ostfassade
  • Dauer2 bis 3 Stunden mit Turm und Museum

Ein Platz mit einer Stadt in der Mitte

Der Rynek wurde im 13. Jahrhundert angelegt, als Wrocław nach deutschem Stadtrecht neu vermessen wurde. Anders als bei einem gewöhnlichen Marktplatz blieb die Mitte nicht frei: Dort wuchs ein eigener Block aus Waagehaus, Tuchhallen und Krämerbuden zusammen, und um ihn herum verlaufen schmale Gassen mit eigenen Namen.

Deshalb siehst du den Platz nie ganz. Du gehst um den Block herum und bekommst vier verschiedene Plätze zu sehen, jeder mit anderem Licht und anderer Stimmung. Zwischen den Fassaden stehen die Terrassen der Cafés, und irgendwo dazwischen sitzt garantiert einer der Zwerge.

Das gotische Rathaus

Das Rathaus ist über gut zweieinhalb Jahrhunderte gewachsen und deshalb kein einheitlicher Bau, sondern eine Sammlung von Ideen. Die Ostfassade ist die berühmte: Giebel mit steinernem Maßwerk, darunter eine astronomische Uhr von 1580, die Tag, Datum und Mondphase anzeigt.

Innen sitzt heute das Museum für bürgerliche Kunst. Der große Saal im ersten Stock, der Bürgersaal, hat ein Netzgewölbe und war Gerichtssaal, Festsaal und Ratsstube in einem. Unten im Keller liegt die Piwnica Świdnicka, ein Gewölbe, in dem seit dem Mittelalter Schweidnitzer Bier ausgeschenkt wurde. Ihre Nutzung hat mehrfach gewechselt, prüf vor Ort, was gerade geöffnet ist.

Vor dem Rathaus steht der Pranger, eine Säule mit Steinfigur. Das Original stammt aus dem späten 15. Jahrhundert, was du siehst, ist eine Rekonstruktion. Daneben plätschert seit dem Jahr 2000 ein Brunnen aus Glas und Stahl, über den sich die Stadt bis heute streitet.

Warum die Häuser so bunt sind

1945 war Breslau zur Festung erklärt worden. Nach der Belagerung, die bis zum 6. Mai dauerte, lagen rund siebzig Prozent der Stadt in Trümmern, der Rynek gehörte dazu. Die deutschen Bewohner mussten die Stadt danach verlassen, neue kamen aus Zentralpolen und aus Lwów.

Der Wiederaufbau am Rynek begann in den Fünfzigerjahren und dauerte Jahrzehnte. Die Restauratoren rekonstruierten Giebel und Fassaden nach alten Aufnahmen und wählten kräftige Farben, wie sie in früheren Jahrhunderten üblich waren. Gleichzeitig wurden anderswo in der Stadt ganze Straßenzüge abgetragen, weil Warszawa Ziegel für den eigenen Wiederaufbau brauchte.

Was du also fotografierst, ist keine unversehrte Altstadt. Es ist eine Rekonstruktion, an der zwei Generationen gearbeitet haben, und in vielen Häusern steckt echte alte Substanz. Das macht den Platz nicht weniger schön, aber es macht ihn interessanter.

Tipp: Steig auf den Turm der Elisabethkirche an der Nordwestecke. Es sind gut dreihundert Stufen, kein Aufzug, und oben hast du den einzigen Blick, der den ganzen Platz mit dem Rathausblock in der Mitte zeigt. Am Fuß der Kirche stehen die beiden kleinen Häuser Jaś i Małgosia, Hänsel und Gretel, verbunden durch einen Torbogen. Die lateinische Inschrift darüber sagt, dass der Tod die Tür zum Leben sei: Dahinter lag der Friedhof.

Plac Solny gleich nebenan

An der Südwestecke geht der Rynek in den Plac Solny über, den alten Salzmarkt. Heute stehen dort Blumenstände, viele bis tief in die Nacht, manche rund um die Uhr. Wenn du wissen willst, wie viele junge Leute in dieser Stadt leben, komm gegen elf Uhr abends her und schau, wer Blumen kauft.

Essen und trinken am Platz

Die Terrassen direkt am Rynek sind teurer und mittelmäßiger als alles, was zwei Gassen weiter steht. Das ist keine Meinung, das ist die Lage. Trink dort einen Kaffee, weil der Blick ihn wert ist, und iss woanders: rund um den Plac Solny, in Richtung Universität oder in der Markthalle. Mehr dazu unter Essen und Trinken in Breslau.

Achtung: Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Lokale am Platz, die Preise in Euro auszeichnen, rechnen fast immer zu ihrem eigenen Kurs um. Wenn dir das Kartenterminal die Abrechnung in Euro anbietet, lehnst du ab und wählst Złoty, sonst zahlst du den Aufschlag der dynamischen Währungsumrechnung. Prüf auf der Rechnung außerdem, ob Trinkgeld schon aufgeschlagen wurde.

Tickets: Der Platz selbst kostet nichts und ist immer offen. Für das Museum im Rathaus und für den Turm der Elisabethkirche zahlst du jeweils an Ort und Stelle, eine Vorbuchung gibt es nicht. Das Stadtmuseum hat mehrere Häuser, an bestimmten Tagen ist der Eintritt in einzelne Abteilungen frei, das hängt am Haus und steht auf der städtischen Seite.

Offizielle Seite der Stadt

Was in der Nähe liegt

Fünf Minuten nach Osten steht die Maria-Magdalenen-Kirche mit dem Steg zwischen den beiden Türmen. Zehn Minuten nach Nordosten liegt die Universität mit der Aula Leopoldina an der Oder, dahinter beginnen die Inseln und die Dominsel. Alle Orte der Stadt im Überblick stehen unter Breslau Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es zwischen elf und siebzehn Uhr und an Wochenenden im Sommer. Weich in die Gassen zwischen den Blockhäusern aus, geh auf den Plac Solny oder komm vor neun Uhr morgens. Der Turm der Elisabethkirche ist fast immer ohne Wartezeit zu haben.
  • Wenn es regnetDas Museum im Rathaus, die Markthalle zehn Gehminuten weiter und die Arkaden am Platz halten dich trocken. Die Kirchen ringsum sind offen, während der Messe wird aber nicht besichtigt. Der Turmaufstieg fällt bei Sturm und Gewitter aus.
  • Mit KindernSehr gut, weil die Zwergensuche genau hier am dichtesten ist. Rechne mit vielen Pausen und lass die Kinder mitzählen. Der Turm der Elisabethkirche ist eng und ohne Aufzug, für kleine Kinder ist der Aufstieg anstrengend.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz ist eben, aber durchgehend mit grobem Kopfsteinpflaster belegt, das mit Rollstuhl oder Kinderwagen spürbar rüttelt. Ins Rathausmuseum führen Treppen, die Barrierefreiheit ist eingeschränkt. Der Turm der Elisabethkirche ist nur über Stufen erreichbar.

Häufige Fragen

Wie groß ist der Rynek in Breslau?

Rund 213 mal 178 Meter. Damit ist er nach dem Rynek Główny in Kraków der zweitgrößte mittelalterliche Marktplatz Polens. Weil in der Mitte ein ganzer Häuserblock mit dem Rathaus steht, wirkt er kleiner, als er ist, und du siehst ihn nie am Stück. Einmal um den Block herum dauert gemütlich eine Viertelstunde.

Ist der Rynek in Breslau original oder wiederaufgebaut?

Beides. Nach der Belagerung von 1945 lag der Platz weitgehend in Trümmern. Das Rathaus überstand den Krieg vergleichsweise gut, die Bürgerhäuser wurden ab den Fünfzigerjahren nach historischen Aufnahmen rekonstruiert, oft auf alten Kellern und Mauerresten. Die kräftigen Farben stammen aus dieser Rekonstruktion und folgen der Farbigkeit früherer Jahrhunderte.

Kann man das Rathaus in Breslau besichtigen?

Ja. Im Inneren sitzt das Museum für bürgerliche Kunst mit dem Bürgersaal, dem Fürstensaal und historischen Räumen. Tickets gibt es vor Ort, eine Vorbuchung ist nicht nötig. Für den besten Blick auf das Rathaus von oben steigst du auf den Turm der Elisabethkirche an der Nordwestecke des Platzes.

Lohnt es sich, am Rynek essen zu gehen?

Für einen Kaffee mit Aussicht ja, für ein Abendessen selten. Die Lokale direkt am Platz zahlen die höchste Miete der Stadt, und das schmeckst du. Zwei Gassen weiter, rund um den Plac Solny oder Richtung Universität, isst du besser und zahlst weniger. Bezahle in Złoty und lehne die Abrechnung in Euro ab.

Wann ist der Rynek am schönsten?

Früh am Morgen zwischen sieben und neun Uhr, wenn das Licht flach zwischen die Giebel fällt und der Platz fast leer ist. Die zweite gute Stunde liegt nach Sonnenuntergang, wenn die Fassaden angestrahlt werden und die Farben noch kräftiger wirken. Im Dezember steht hier ein großer Weihnachtsmarkt, dann ist es voll und stimmungsvoll zugleich.