Auf einen Blick
- StraßenbrotObwarzanek krakowski, EU-Herkunftsschutz seit 2010
- KlassikerPierogi, Żurek, Bigos, Placki ziemniaczane
- Günstig essenbar mleczny, die staatlich gestützte Milchbar
- NachtimbissZapiekanka am Plac Nowy in Kazimierz
- BezahlenZłoty, Karte fast überall, kleines Bargeld für Märkte
Was du probiert haben musst
Pierogi zuerst: gefüllte Teigtaschen, gekocht oder in Butter gebraten. Die Standardfüllung heißt pierogi ruskie, Kartoffel mit Quark, und hat nichts mit Russland zu tun, der Name kommt aus der historischen Region Rus. Dazu gibt es Fleisch, Pilze mit Sauerkraut und im Sommer süße Varianten mit Beeren.
Żurek ist die zweite Pflichtstation: eine säuerliche Suppe aus vergorenem Roggenmehl, meist mit weißer Wurst und Ei, oft im ausgehöhlten Brotlaib serviert. Dazu kommen Bigos, das lang geschmorte Kraut mit Fleisch, Placki ziemniaczane als Kartoffelpuffer, Barszcz als klare Rote-Bete-Brühe und der Kotlet schabowy, das polnische Schnitzel. Wie sich das ins Land einordnet, steht auf der Seite Polnische Küche.
Am Markt wird geräucherter Schafskäse aus der Tatra gegrillt und mit Preiselbeeren serviert. Echter Oscypek ist geschützt, wird in den Bergen und nur in der warmen Jahreszeit hergestellt. Was am Rynek das ganze Jahr über auf dem Grill liegt, ist meistens die Kuhmilch-Kopie. Schmeckt trotzdem, ist aber nicht dasselbe.
Obwarzanek: das Brot mit dem Loch
Der Obwarzanek krakowski ist ein geflochtener, gebrühter und gebackener Brotring mit Mohn, Sesam oder Salz, verkauft aus blauen Wagen an fast jeder Kreuzung der Altstadt. Er ist seit 2010 in der EU als Herkunftsprodukt geschützt und gehört zu Krakau wie die Tuchhallen.
Tipp: Kauf den Obwarzanek morgens. Frisch ist er weich und leicht salzig, am späten Nachmittag zäh wie ein Gummiring. Zwei Stück ersetzen ein Frühstück, und mehr als ein paar Złoty kostet er nicht.
Zapiekanka am Plac Nowy
Die Zapiekanka ist ein halbes, mit Champignons und Käse überbackenes Baguette, oben drauf kommt Ketchup und was du sonst willst. Zu Hause ist sie am Plac Nowy in Kazimierz, wo sie aus den Luken des runden Pavillons in der Platzmitte verkauft wird. Der Bau war ursprünglich ein jüdisches Schlachthaus, heute ist er nachts der am dichtesten umlagerte Ort des Viertels.
Der zweite Nachtklassiker ist Wurst vom Grill aus einem alten blauen Lieferwagen in der Nähe der Markthalle Grzegórzki. Kein Sitzplatz, kein Service, nur Wurst, Brot und Senf. Genau darum geht es.
Ein Wort zu den Lokalen mit jüdischen Namen und Klezmermusik rund um die Szeroka: Die wenigsten sind koscher, sie bedienen ein Bild. Wenn dich die Geschichte dahinter interessiert, fang bei den Synagogen und dem Friedhof an, nicht bei der Speisekarte. Eine Einordnung für ganz Polen gibt die Seite Jüdisches Erbe in Polen.
Milchbar: so bestellst du richtig
Der bar mleczny ist eine Kantine mit staatlicher Stütze, entstanden lange vor dem Sozialismus und bis heute subventioniert. Du isst dort Suppe, Pierogi, Kompott und Milchgerichte zu einem Bruchteil des Restaurantpreises, an Resopaltischen und oft mit Fremden am Tisch.
Der Ablauf: Karte an der Wand lesen, an der Kasse bestellen und zahlen, Bon oder Nummer nehmen, an der Durchreiche warten, bis dein Gericht aufgerufen wird, und am Ende das Tablett selbst zum Rückgabefenster bringen. Das Personal ist knapp im Ton, das ist keine Unfreundlichkeit, sondern Tempo.
Gut zu wissen: Viele Milchbars haben inzwischen ein Kartenterminal, ein paar der kleinen bleiben bei Bargeld. Hab ein paar Złoty in der Tasche, dann bist du auf beides vorbereitet. Und geh mittags, abends sind die meisten längst zu.
Wódka ohne Folklore
Wodka wird in Polen kalt, pur und zum Essen getrunken, nicht als Mutprobe. Ein „na zdrowie“ gehört dazu, ein Glas Wasser oder eingelegtes Gemüse ebenso. Beliebt sind Mischungen aus Grasswodka und Apfelsaft. Krakau hat daneben eine große Craft-Bier-Szene, vor allem in Kazimierz.
Zwei Regeln, die du kennen musst: Alkohol trinken ist in Polen im öffentlichen Raum verboten, also nicht auf der Parkbank in den Planty. Und die Promillegrenze im Verkehr liegt bei 0,2 und damit deutlich unter der deutschen. Wer fährt, trinkt nicht, auch nicht ein Bier zum Mittag.
Wo du am Marktplatz nicht essen solltest
Rund um den Rynek Główny stehen Restaurants mit Karten in sechs Sprachen, Fotos der Gerichte und Personal, das dich hereinbittet. Du zahlst dort für die Aussicht, nicht für das Essen. Eine Gasse weiter, Richtung Universität oder in Kazimierz, isst du besser und deutlich günstiger.
Achtung: Steht auf der Karte ein Preis pro hundert Gramm, etwa bei Fisch oder Fleisch, frag vor dem Bestellen nach dem Gesamtpreis. Das ist die häufigste unangenehme Überraschung am Ende eines schönen Abends.
Bezahlen, Trinkgeld, Reservieren
Gezahlt wird in Złoty. Karten funktionieren fast überall, kontaktlos und auch für kleine Beträge. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab und wähle Złoty, sonst zahlst du den Aufschlag der dynamischen Währungsumrechnung. Alle Details dazu stehen im Beitrag Bezahlen in Polen.
Trinkgeld ist üblich, aber moderat: Aufrunden oder rund zehn Prozent. Sag beim Bezahlen den Betrag, den du insgesamt geben willst. Ein „dziękuję“, während der Kellner die Karte hält, wird gern als „stimmt so“ verstanden. Für Abendessen in Kazimierz reservierst du am Wochenende besser vorab, dort ist ab dem frühen Abend viel los. Was danach kommt, findest du auf der Seite Krakau: Insider-Tipps.
Häufige Fragen
Was muss man in Krakau unbedingt essen?
Pierogi in mindestens zwei Füllungen, Żurek als säuerliche Roggensuppe, einen Obwarzanek vom blauen Wagen und abends eine Zapiekanka am Plac Nowy. Wer mehr Zeit hat, probiert Bigos, Placki ziemniaczane und Maczanka po krakowsku, den geschmorten Schweinenacken in der Semmel. Einmal Milchbar gehört ebenfalls dazu.
Was ist eine Milchbar (bar mleczny)?
Eine staatlich gestützte Kantine mit einfacher polnischer Küche zu sehr niedrigen Preisen. Du liest die Karte an der Wand, bestellst und zahlst an der Kasse, wartest an der Durchreiche auf den Aufruf und bringst das Tablett danach selbst zurück. Mittags ist Hochbetrieb, abends haben die meisten schon geschlossen.
Wie viel Trinkgeld gibt man in Polen?
Üblich ist Aufrunden oder rund zehn Prozent, wenn du zufrieden warst. Sag beim Zahlen direkt den Gesamtbetrag, den du geben möchtest. Vorsicht mit einem beiläufigen „dziękuję“ beim Übergeben von Geld oder Karte, das wird oft als „stimmt so“ verstanden. In Milchbars ist Trinkgeld nicht üblich.
Ist Krakau vegetarierfreundlich?
Ja, überraschend gut. Die Stadt hat eine große vegane und vegetarische Szene, vor allem in Kazimierz, und selbst klassische Lokale führen fleischlose Pierogi, Pilzgerichte und Suppen. Achte bei Suppen darauf, dass viele traditionell mit Fleischbrühe angesetzt werden, und frag im Zweifel kurz nach.
Kann man am Rynek Główny gut essen?
Essen kannst du dort überall, gut und fair meistens nicht. Die Lokale direkt am Platz leben von der Lage, mit mehrsprachigen Karten und Leuten, die dich hereinbitten. Geh eine Gasse weiter oder nach Kazimierz, dann bekommst du besseres Essen für weniger Geld. Bei Preisen pro hundert Gramm vorher nachfragen.



