Auf einen Blick
- Polnischer NameBazylika Mariacka
- Heutiger BauBacksteingotik des 14. Jahrhunderts
- AltarVeit Stoß, 1477 bis 1489, Lindenholz
- Türmezwei ungleich hohe, der höhere ist Stadtwachturm
- Dauer30 bis 45 Minuten, mit Turmaufstieg 1 Stunde
Der Altar von Veit Stoß
Zwölf Jahre lang, von 1477 bis 1489, arbeitete der aus Nürnberg stammende Bildschnitzer Veit Stoß, auf Polnisch Wit Stwosz, an diesem Altar. Er ist aus Lindenholz geschnitzt, im geöffneten Zustand über zehn Meter breit, und die Hauptfiguren sind größer als ein Mensch. Der Mittelteil zeigt das Entschlafen Mariens, umringt von den Aposteln, deren Gesichter Stoß nach echten Krakauer Bürgern schnitzte. Man sieht Falten, Adern und schmutzige Fingernägel.
Die Flügel werden einmal am Tag am späten Vormittag geöffnet und am Nachmittag wieder geschlossen. Steh vorher da: Das Öffnen ist ein kleines Ritual, und der Unterschied zwischen geschlossenem und geöffnetem Altar ist enorm. Die genauen Zeiten hängen am Eingang aus.
Während der deutschen Besatzung wurde der Altar zerlegt und nach Deutschland gebracht. Nach dem Krieg fand man ihn in Nürnberg wieder und brachte ihn 1946 zurück nach Kraków. In den Jahren nach 2015 wurde er umfassend restauriert, seitdem leuchten die Farben wieder.
Zwei Türme, zwei Geschichten
Die beiden Türme sind unterschiedlich hoch, und das fällt sofort auf. Der höhere gehörte nicht der Kirche, sondern der Stadt: Von dort hielt der Türmer Ausschau nach Feuer und Feinden, deshalb trägt er einen spitzen gotischen Helm mit vergoldeter Krone. Der niedrigere ist der eigentliche Glockenturm.
Die Legende erzählt von zwei Brüdern, die je einen Turm bauten, und davon, wie der eine den anderen aus Neid erschlug. Das Messer, das dabei angeblich im Spiel war, hängt bis heute in den Tuchhallen. Historisch belegt ist davon nichts, aber jeder Krakauer Stadtführer erzählt es, und das ist Teil der Sache.
Der Hejnał zur vollen Stunde
Zu jeder vollen Stunde öffnet sich oben ein Fensterladen, und der Trompeter spielt das Signal in vier Himmelsrichtungen: nach Norden, Süden, Osten und Westen. Jedes Mal bricht die Melodie unvermittelt ab. Erzählt wird, ein Türmer sei beim Warnen vor den Mongolen von einem Pfeil getroffen worden. Nachweisen lässt sich das nicht, gespielt wird es trotzdem, und mittags überträgt das polnische Radio das Signal im ganzen Land.
Am besten hörst du es vom Brunnen vor den Tuchhallen aus, mitten auf dem Rynek Główny. Von dort bekommst du alle vier Richtungen mit.
Das Innere und der Turmaufstieg
Der Kirchenraum ist dunkelblau ausgemalt mit goldenen Sternen, eine Arbeit des 19. Jahrhunderts nach Entwürfen von Jan Matejko, an der auch die jungen Stanisław Wyspiański und Józef Mehoffer mitwirkten. Nimm dir Zeit für die Glasfenster im Chor und für die Seitenkapellen, in denen deutlich weniger los ist als vor dem Altar.
Auf den höheren Turm kannst du saisonal hinauf. Es sind mehrere hundert enge Holzstufen, oben stehst du in dem Raum, aus dem der Trompeter spielt. Die Zahl der Plätze pro Aufstieg ist klein, das regelt sich vor Ort in der Reihenfolge des Eintreffens.
Tickets: Es gibt zwei Eingänge. Wer zum Gebet oder zur Messe kommt, geht durch das Hauptportal und zahlt nichts. Wer besichtigen will, nutzt den Besuchereingang an der Seite und braucht ein Ticket, für Fotos zusätzlich eine eigene Erlaubnis. Der Turmaufstieg wird getrennt abgerechnet. Bezahlt wird in Złoty, Kartenzahlung ist möglich. Lehne am Terminal die Abrechnung in Euro ab und wähle Złoty.
Gut zu wissen: Die Marienkirche ist ein aktives Gotteshaus. Schultern und Knie bleiben bedeckt, Mützen kommen ab, und während der Messe wird nicht besichtigt. Wenn du unsicher bist: Sieh dir vor dem Eingang an, ob gerade Gottesdienst ist, und warte lieber zwanzig Minuten.
Wann du kommst und was in der Nähe liegt
Der Besucherstrom folgt der Altarzeit: Kurz vor dem Öffnen der Flügel ist es am vollsten, am späten Nachmittag am ruhigsten. Rechne mit dreißig bis fünfundvierzig Minuten für den Innenraum, mit Turm eher einer Stunde.
Direkt nebenan liegt der kleine Marienplatz mit der Barbakane-Richtung im Rücken. Von hier läufst du in fünf Minuten zum Florianstor, in einer Viertelstunde zum Wawel und in zwanzig Minuten nach Kazimierz. Der Überblick über die Stadt steht unter Krakau Sehenswürdigkeiten, praktische Hinweise unter Insider-Tipps.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istWenn sich vor dem Besuchereingang eine Schlange bildet, komm am späten Nachmittag wieder, dann sind die Gruppen weg. Alternativ gehst du in die Franziskanerkirche zwei Gassen weiter: Wyspiański-Fenster, kein Ticket, kaum Menschen.
- Wenn es regnetIdeal, denn alles Wesentliche ist drinnen. Nur der Turmaufstieg lohnt bei Regen nicht, weil die Aussicht dann grau bleibt und die Holzstufen rutschig werden.
- Mit KindernDer Altar mit seinen großen Figuren zieht Kinder überraschend an, die Stille ringsum nicht. Halte den Besuch kurz und plane den Hejnał zur vollen Stunde draußen als Belohnung ein.
- Mit eingeschränkter MobilitätDer Zugang zum Kirchenraum ist ebenerdig mit einer flachen Stufe, innen ist der Boden glatt und befahrbar. Der Turmaufstieg ist es nicht: mehrere hundert enge Holzstufen ohne Aufzug und ohne Ausweichmöglichkeit.
Häufige Fragen
Wann wird der Veit-Stoß-Altar geöffnet?
Einmal täglich am späten Vormittag werden die Flügel geöffnet, am Nachmittag wieder geschlossen. An Sonn- und Feiertagen weicht der Ablauf ab, weil sich der Gottesdienst vorschiebt. Die aktuellen Zeiten hängen am Besuchereingang aus und stehen auf der offiziellen Website der Basilika. Sei ein paar Minuten früher da, denn das Öffnen selbst ist Teil des Erlebnisses.
Kostet die Marienkirche in Krakau Eintritt?
Für Gläubige nicht: Wer durch das Hauptportal zum Gebet oder zur Messe kommt, zahlt nichts. Für die Besichtigung des Chorraums mit dem Altar gibt es einen Besuchereingang an der Seite und ein Ticket, für Fotos brauchst du eine zusätzliche Erlaubnis. Der Aufstieg auf den höheren Turm wird getrennt bezahlt und ist saisonal möglich.
Warum bricht der Hejnał mitten im Ton ab?
Die Legende sagt, ein Türmer habe beim Warnen vor einem Mongolenangriff einen Pfeil in den Hals bekommen. Historisch belegt ist diese Geschichte nicht, sie taucht erst spät in den Quellen auf. Das abrupte Ende gehört trotzdem seit Jahrhunderten zum Signal und wird von den Trompetern der Feuerwehr bis heute genau so gespielt.
Wie lange braucht man für die Marienkirche?
Dreißig bis fünfundvierzig Minuten reichen für den Innenraum, den Altar und die Seitenkapellen. Mit dem Aufstieg auf den höheren Turm wird es etwa eine Stunde, weil du auf den nächsten Durchgang wartest. Wenn du das Öffnen des Altars sehen willst, plane zusätzlich Wartezeit vor der Uhrzeit ein.
Was muss ich in polnischen Kirchen beachten?
Schultern und Knie bedeckt halten, Kopfbedeckung abnehmen, Handy stumm schalten. Während der Messe wird nicht besichtigt und nicht fotografiert, auch nicht leise am Rand. Kirchen in Polen sind gut besucht, du triffst also fast immer auf Menschen, die zum Beten da sind. Halte dich hinten auf, wenn ein Gottesdienst läuft.






