Stadt in Polen · Karpatenvorland

Rzeszów: Tor zu den Karpaten

Rzeszów ist die Hauptstadt des Karpatenvorlands und mit knapp 200.000 Einwohnern die größte Stadt im Südosten Polens. Sie liegt am Wisłok, rund 160 Kilometer östlich von Krakau (Kraków), und sie hat drei Dinge, die im Rest der Region fehlen: einen Flughafen, schnelle Zugverbindungen und eine Autobahn vor der Tür.

Als Städteziel steht Rzeszów nicht in der ersten Reihe, und das sagen dir hier auch die Leute selbst. Als Basis für die ganze Südostecke ist die Stadt dagegen die naheliegende Wahl. Dazu kommt ein Rundgang durch die Keller unter der Altstadt, der besser ist, als er klingt.

Rzeszów: Tor zu den Karpaten
Foto: Agawa288, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftKarpatenvorland (Podkarpackie), Hauptstadt
  • Polnischer NameRzeszów, gesprochen ungefähr „Scheschuf“
  • Einwohnerknapp 200.000
  • Lageam Wisłok, rund 160 Kilometer östlich von Krakau
  • FlughafenRzeszów-Jasionka (RZE), rund 10 Kilometer nördlich
  • Dauer1 bis 2 Tage für die Stadt, als Basis länger

Warum du in Rzeszów Station machst

Rzeszów ist eine Verwaltungs-, Industrie- und Universitätsstadt und wirkt auch so: viel Beton aus den 1970er Jahren, dazwischen eine kompakte Altstadt und sehr viele Studierende. Rund um die Stadt sitzt die polnische Luftfahrtindustrie, ein Cluster mit dem Namen Dolina Lotnicza, also Luftfahrttal. Das erklärt, warum hier eine Autobahn, ein Flughafen und ein Bahnhof zusammenkommen, den es für 200.000 Einwohner sonst kaum gäbe.

Genau deshalb lohnt sich die Stadt. Von hier erreichst du Łańcut, Przemyśl und Sanok jeweils als Tagesausflug, und in die Bieszczady fährst du in zweieinhalb Stunden. Zwei Nächte in Rzeszów sind ein guter Plan. Drei sind es nur, wenn du wirklich jeden Tag rausfährst.

Der Rynek und die Keller darunter

Der Marktplatz ist groß, leicht abschüssig und wird von einem Rathaus beherrscht, das im 19. Jahrhundert in historisierenden Formen umgebaut wurde und mit seinem Turm älter aussieht, als es ist. Ringsum stehen Bürgerhäuser mit Arkaden, darunter reihen sich Cafés und Restaurants. Abends ist hier viel los, und zwar mit Einheimischen, nicht mit Reisegruppen.

Der eigentliche Grund für den Platz liegt darunter. Die Podziemna Trasa Turystyczna führt durch die früheren Lager- und Vorratskeller der Kaufmannshäuser, die über Jahrhunderte in mehreren Ebenen in den Untergrund gegraben und später miteinander verbunden wurden. Der Weg ist gut dreihundert Meter lang, führt durch mehr als zwanzig Kammern und geht an der tiefsten Stelle etwa zehn Meter unter das Pflaster. Du gehst nur mit Führung, die Gruppen starten zu festen Zeiten.

Tipp: Für die Kellerroute meldest du dich am besten vorab an, die Gruppengröße ist begrenzt und im Sommer sind die Zeiten schnell weg. Unten ist es kühl und feucht, auch wenn es oben dreißig Grad hat. Zieh eine Jacke an und nimm Schuhe mit Profil mit, die Treppen sind steil.

Schloss, Kirchen, Springbrunnen

Das Lubomirski-Schloss südlich der Altstadt ist ein wuchtiger Vierflügelbau mit Wassergraben und Bastionen. Ein Museum ist es nicht, hier sitzt ein Gericht, du kommst also nur außen herum. Das Sommerpalais derselben Familie steht ein paar Straßen weiter im Park und ist ebenfalls in Nutzung.

Sehenswert ist die Bernhardinerkirche mit dem Gnadenbild der Muttergottes, ein Wallfahrtsziel der Region, dazu die gotische Pfarrkirche in der Altstadt. Beide sind aktive Gotteshäuser mit Messzeiten, also Schultern und Knie bedeckt und während des Gottesdienstes kein Rundgang. Am Rand der Altstadt liegt ein großer Multimedia-Springbrunnen, der an Sommerabenden mit Licht und Musik läuft. Kitschig, ja. Bei Kindern funktioniert er trotzdem.

Das jüdische Rzeszów

Vor 1939 war rund ein Drittel der Einwohner jüdisch. Die deutsche Besatzung richtete 1941 ein Getto ein, im Sommer 1942 wurde die Gemeinde in das Vernichtungslager Bełżec deportiert und ermordet. Geblieben sind zwei Synagogen am Rand der Altstadt, beide aus dem 17. und 18. Jahrhundert. In der einen arbeitet heute das Staatsarchiv, in der anderen eine Kunstgalerie.

Beide Häuser stehen unauffällig zwischen Neubauten, und genau deshalb lohnt der Umweg von fünf Minuten. Den größeren Zusammenhang findest du unter jüdisches Erbe in Polen.

Von hier aus fährst du weiter

Łańcut mit seinem Schloss und der Kutschensammlung liegt siebzehn Kilometer östlich, mit dem Zug bist du in einer Viertelstunde da. Przemyśl am San erreichst du in gut einer Stunde, Sanok mit dem Ikonenmuseum in rund zwei Stunden mit dem Bus. Die Holzkirchen der Karpaten liegen verstreut in Dörfern ohne Bahnanschluss, dafür brauchst du ein Auto, siehe Holzkirchen in Polen. Wie die ganze Region zusammenhängt, steht unter Karpatenvorland.

Anreise, Klima, Bezahlen

Der Flughafen Rzeszów-Jasionka liegt zehn Kilometer nördlich, Busse fahren in die Stadt. Von Deutschland aus gibt es Verbindungen, das Angebot wechselt aber mit der Saison, prüf es vor der Buchung. Mit dem Zug bist du aus Krakau in gut zwei Stunden hier, aus Warschau je nach Verbindung in rund vier. Die Autobahn A4 führt direkt an der Stadt vorbei und ist auf Teilstücken mautpflichtig.

Das Klima ist kontinental. Im Juli und August liegen die Höchstwerte im Mittel bei rund 25 Grad, im Januar bei 1,5 Grad, nachts sinkt es dann auf etwa minus 3 Grad. Am nassesten ist der Juli mit rund 88 Millimetern, am trockensten der März mit knapp 50. Mai, Juni und September sind die besten Monate.

Gut zu wissen: Gezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Karte funktioniert in Rzeszów praktisch überall, vom Museum bis zum Busticket. Bietet dir das Terminal oder der Geldautomat die Abrechnung in Euro an, lehnst du ab und wählst Złoty. Diese dynamische Währungsumrechnung kostet dich jedes Mal Geld.

Der klassische Fehler

Rzeszów als Sehenswürdigkeit zu buchen und dann enttäuscht zu sein. Die Stadt ist ein Knotenpunkt, kein Höhepunkt. Wer eine Altstadt am Stück sucht, fährt nach Krakau. Wer die Südostecke Polens sehen will, mietet hier ein Auto, schläft zwei Nächte und ist jeden Morgen früh weg.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Rzeszów17°Cklar
  • Wärmster MonatAugust, 25 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -3 °C
  • Trockenster MonatMärz
  • Höhe209 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

2°-3°J
5°-1°F
9°0°M
14°5°A
19°9°M
24°14°J
25°16°J
25°16°A
20°12°S
14°7°O
8°3°N
3°-1°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

62mm14 TageJ
57mm12 TageF
48mm10 TageM
62mm12 TageA
84mm13 TageM
76mm13 TageJ
88mm15 TageJ
75mm10 TageA
84mm10 TageS
71mm10 TageO
57mm12 TageN
66mm13 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Berlin658 km820 km, 10 Std. 15 Min.
München787 km980 km, 12 Std. 15 Min.
Hamburg912 km1.140 km, 14 Std. 15 Min.
Stuttgart937 km1.170 km, 14 Std. 45 Min.
Frankfurt949 km1.190 km, 14 Std. 45 Min.
Köln1.067 km1.330 km, 16 Std. 45 Min.
Düsseldorf1.080 km1.350 km, 16 Std. 45 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Lancut17 km20 km, 0 Std. 15 Min.
Sanok56 km70 km, 0 Std. 45 Min.
Przemysl62 km80 km, 1 Std. 0 Min.
Sandomierz73 km90 km, 1 Std. 0 Min.
Krynica-Zdrój102 km130 km, 1 Std. 30 Min.
Neu Sandez104 km130 km, 1 Std. 30 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Lohnt sich Rzeszów als Reiseziel?

Als eigenständiges Ziel nur bedingt. Die Altstadt mit Rynek, Rathaus und Kirchen ist in zwei Stunden gesehen, die unterirdische Kellerroute kostet dich noch einmal eine gute Stunde. Der Wert der Stadt liegt in ihrer Lage: Flughafen, Autobahn und Bahnhof machen sie zur bequemsten Basis für Łańcut, Przemyśl, Sanok und die Bieszczady.

Wie kommt man von Krakau nach Rzeszów?

Mit dem Zug in gut zwei Stunden, die Strecke ist ausgebaut und die Verbindungen sind dicht. Mit dem Auto fährst du über die Autobahn A4 und brauchst je nach Verkehr ähnlich lange, auf Teilstücken wird Maut erhoben. Busse und Kleinbusse fahren ebenfalls, sie sind meist günstiger und etwas langsamer.

Was ist die unterirdische Route in Rzeszów?

Ein Rundgang durch die alten Vorrats- und Lagerkeller unter dem Marktplatz, die über Jahrhunderte in mehreren Ebenen in den Untergrund gegraben und später verbunden wurden. Der Weg ist gut dreihundert Meter lang und führt durch mehr als zwanzig Kammern. Der Besuch geht nur mit Führung zu festen Startzeiten, eine Anmeldung vorab ist im Sommer sinnvoll.

Gibt es Flüge von Deutschland nach Rzeszów?

Der Flughafen Rzeszów-Jasionka liegt rund zehn Kilometer nördlich der Stadt und wird von mehreren Fluggesellschaften angeflogen, auch aus Deutschland. Das Streckenangebot ändert sich allerdings von Saison zu Saison, verlass dich also nicht auf ältere Angaben, sondern prüf die aktuellen Verbindungen. Vom Terminal fahren Busse in die Innenstadt.

Wie viele Tage braucht man für Rzeszów und Umgebung?

Für die Stadt selbst reicht ein Tag. Sinnvoll sind drei bis vier Nächte, wenn du die Region mitnimmst: ein Tag Łańcut, ein Tag Przemyśl, ein Tag Sanok mit Freilichtmuseum. Wer zusätzlich in die Bieszczady will, verlegt die Basis besser weiter nach Süden und plant noch einmal zwei bis drei Tage ein.

Wann ist die beste Reisezeit für Rzeszów?

Mai, Juni und September. Dann ist es mild und die Tage sind lang. Juli und August erreichen im Mittel rund 25 Grad, der Juli ist mit etwa 88 Millimetern zugleich der nasseste Monat. Der Winter ist kalt: Im Januar liegt der Tageshöchstwert im Schnitt bei 1,5 Grad, nachts bei etwa minus 3 Grad.