Pommern · Danzig

Langer Markt & Rechtstädtisches Rathaus

Der Długi Targ ist der Platz, für den die Leute nach Gdańsk kommen: eine breite Straße mit hohen Giebelhäusern, dem Neptunbrunnen in der Mitte und dem Rathausturm am westlichen Ende. Wer hier steht, sieht die Hansestadt so, wie sie sich selbst gesehen hat, reich, weltläufig und ein bisschen eitel.

Vieles davon ist rekonstruiert, denn 1945 war fast nichts mehr übrig. Das macht den Platz nicht falsch, sondern erzählt seine zweite Geschichte gleich mit.

Langer Markt & Rechtstädtisches Rathaus
Foto: Richardmaackphotography, CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Polnischer NameDługi Targ
  • Neptunbrunnenin Betrieb seit 1633
  • Rathausturmgut 80 Meter, Aussicht über Treppen
  • Wiederaufbauab 1950 nach Aufmaßen und alten Ansichten
  • Dauer1 Stunde, mit Rathaus und Artushof ein halber Tag

Kein Platz, sondern eine Straße

Der Długi Targ ist genau genommen die breite Osthälfte einer Straße. Vom Goldenen Tor im Westen führt die Ulica Długa geradeaus, weitet sich zum Langen Markt und endet am Grünen Tor an der Motława. Diese Achse heißt Droga Królewska, Königsweg, weil die polnischen Könige bei ihren Besuchen genau hier einzogen.

Das Grüne Tor am Ostende wurde von 1564 bis 1568 als Residenz für königliche Gäste gebaut, in einem Stil, den die Danziger Baumeister aus den Niederlanden mitbrachten. Übernachtet hat dort so gut wie nie ein König. Heute ist es ein Ausstellungshaus, und der Durchgang bringt dich in zehn Schritten ans Wasser.

Der Neptunbrunnen

Seit 1633 steht Neptun mit dem Dreizack vor dem Artushof, das Gesicht zum Rathaus. Die Figur ist aus Bronze, das Gitter darum stammt aus dem Rokoko, und die Danziger haben ihren Meeresgott im Krieg vergraben und danach zurückgeholt.

Die Legende erzählt, Neptun habe wütend auf das Wasser geschlagen, weil die Leute Münzen in sein Becken warfen, und dabei sei das Gold in Flöckchen zersprungen. So sei der Kräuterlikör mit dem Blattgold entstanden, den die Stadt bis heute verkauft. Was davon stimmt, steht auf keiner Tafel. Zum Likör selbst mehr unter Essen und Trinken in Danzig.

Der Artushof

Der hohe Bau hinter dem Brunnen war kein Rathaus und kein Palast, sondern ein Versammlungshaus der Kaufleute. Der Name kommt aus der Artussage: Wer Handel trieb, sah sich gern in der Nähe der Tafelrunde. Die Fassade in ihrer heutigen Form entstand 1616 und 1617.

Innen steht ein einziger riesiger Saal mit Sterngewölbe, an den Wänden die Bänke der Kaufmannsbruderschaften, und in der Ecke ein Kachelofen aus der Mitte des 16. Jahrhunderts, über zehn Meter hoch und mit mehreren hundert bemalten Kacheln. Wer wissen will, wie sich Reichtum im Ostseehandel angefühlt hat, findet hier die kürzeste Antwort.

Das Rechtstädtische Rathaus und der Rote Saal

Der schlanke Turm mit der vergoldeten Königsfigur ist gut achtzig Meter hoch und trägt ein Glockenspiel, das mehrmals am Tag über die Dächer klingt. Im Haus darunter sitzt das Museum der Stadt.

Sein Herzstück ist der Rote Saal, der Sitzungsraum des Rats, mit einer Decke aus vergoldetem Holz und Gemälden. Das ovale Bild in der Mitte zeigt Danzig unter einem Regenbogen, verbunden mit der Weichsel, dem Meer und der polnischen Krone. Es ist ein politisches Bild: Eine Stadt erklärt, woher ihr Wohlstand kommt und zu wem sie gehört.

Vom Turm aus siehst du die Rechtstadt von oben, die Motława, die Kräne im Hafen. Der Aufstieg geht über Treppen, einen Aufzug gibt es nicht.

Tickets: Rathaus, Artushof und das Uphagenhaus an der Ulica Długa gehören alle zum Stadtmuseum und lassen sich mit einem gemeinsamen Ticket besuchen, das sich ab dem zweiten Haus rechnet. Gekauft wird an der Kasse oder über die Website des Museums. Bezahlt wird in Złoty. Bietet dir das Terminal die Abrechnung in Euro an, lehnst du ab und wählst Złoty.

Zur offiziellen Website des Stadtmuseums

Giebel, Beischläge und ein goldenes Haus

Die Häuser am Langen Markt sind schmal und hoch, weil die Grundstücke nach der Breite an der Straße besteuert wurden. Wer Geld hatte, baute in die Tiefe und in die Höhe und steckte den Rest in die Fassade.

Das auffälligste Beispiel ist das Goldene Haus mit den vergoldeten Reliefs über den Fenstern, gebaut zu Beginn des 17. Jahrhunderts für einen Bürgermeister. Fast noch mehr sagen die Beischläge: erhöhte Terrassen vor den Eingängen, mit Steinbänken, Stufen und Wasserspeiern. Dort saß man abends, sah die Straße und wurde gesehen.

1945 und der Wiederaufbau

Im März 1945 lag die Rechtstadt in Trümmern, geschätzt neun von zehn Gebäuden waren zerstört. Was du heute siehst, ist ab 1950 wieder aufgebaut worden, nach Vorkriegsaufmaßen, Fotografien, alten Stadtansichten und Kupferstichen.

Der Wiederaufbau war eine Entscheidung, keine Kopie. Man stellte die Fassaden im Zustand des 17. Jahrhunderts wieder her und ließ Anbauten des 19. Jahrhunderts weg. Hinter den Häusern entstanden statt der engen Hinterhöfe grüne Innenhöfe. Deshalb wirkt die Straßenfront historisch und der Blick von hinten modern.

Gut zu wissen: Der Wiederaufbau fiel in die Jahre, in denen sich die Bevölkerung der Stadt fast vollständig austauschte. Die deutschsprachigen Einwohner flohen oder wurden vertrieben, es kamen Menschen aus ganz Polen, viele aus den im Osten verlorenen Gebieten. Die Stadt, die diese Fassaden wieder aufgebaut hat, war eine andere als die, die sie gebaut hatte.

Essen am Langen Markt: eine klare Empfehlung

Die Terrassen am Platz haben die teuerste Lage der Stadt, und das steht auf der Karte. Du zahlst dort die Aussicht, nicht die Küche. Trink einen Kaffee, wenn dir der Blick auf den Brunnen das wert ist, und iss zwei Gassen weiter, Richtung Ulica Piwna oder hinter der Marienkirche.

Achte auf zwei Klassiker: Fisch wird gelegentlich nach Gewicht abgerechnet, Beilagen manchmal einzeln. Einmal nachfragen, dann gibt es am Ende keine Überraschung.

Was in der Nähe liegt

Vom Grünen Tor sind es dreißig Schritte zur Uferpromenade und fünf Minuten zum Krantor. Nach Norden führt jede Quergasse zur Marienkirche, deren Turm dich ohnehin die ganze Zeit begleitet. Die schönste Verbindung dorthin ist die Ulica Mariacka, in deren Kellern der Bernstein verkauft wird.

Alle Orte der Stadt im Überblick stehen unter Danzig Sehenswürdigkeiten, der Rest der Stadt unter Gdańsk.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istWeich in die Ulica Piwna oder die Ulica Mariacka aus, beide liegen einen Block entfernt und sind deutlich leerer. Ist im Rathaus viel los, dreh die Reihenfolge um und geh zuerst in den Artushof, dort staut es sich seltener.
  • Wenn es regnetRathaus und Artushof sind reines Innenprogramm und füllen problemlos zwei Stunden. Die Durchgänge des Grünen und des Goldenen Tors halten dich kurz trocken, für längeren Regen ist das Uphagenhaus an der Ulica Długa die dritte Adresse.
  • Mit KindernDer Brunnen, das Glockenspiel und der Blick vom Turm funktionieren gut, der Rote Saal weniger. Ein einfacher Trick: Lass die Kinder die vergoldeten Figuren und die Wasserspeier an den Beischlägen zählen, damit läuft der Rest der Straße von allein.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Platz ist eben, aber durchgehend Kopfsteinpflaster mit breiten Fugen, mit Rollstuhl oder Rollator also anstrengend. Die Beischläge haben Stufen. Rathaus und Artushof sind historische Häuser mit engen Treppen, der Turm ist ohne Aufzug nicht zu schaffen.

Häufige Fragen

Ist der Lange Markt in Danzig original oder wieder aufgebaut?

Wieder aufgebaut. Im März 1945 war die Rechtstadt zu etwa neunzig Prozent zerstört. Ab 1950 rekonstruierte man die Fassaden nach Vorkriegsaufmaßen, Fotografien und alten Stadtansichten, allerdings im Zustand des 17. Jahrhunderts. Einzelne Bauteile wie Portale und Steinfiguren sind original, sie wurden aus den Trümmern geborgen und wieder eingesetzt.

Lohnt sich der Aufstieg auf den Rathausturm?

Ja, wenn dir Treppen nichts ausmachen. Von oben siehst du die Rechtstadt als Ganzes, dazu die Motława, die Speicherinsel und die Kräne im Hafen. Einen Aufzug gibt es nicht, und der letzte Abschnitt ist eng. Wer nur einen Ausblick will, kommt auf dem Turm der Marienkirche höher hinauf, weil die Aussichtsplattform dort dicht unter der Spitze liegt; dafür sind es rund 400 Stufen.

Was ist der Artushof?

Ein Versammlungshaus der Kaufleute, benannt nach der Artussage. Handelsherren trafen sich hier zu Geschäften, Festen und Gerichtsterminen. Der Innenraum ist ein einziger großer Saal mit Sterngewölbe, den Bänken der Bruderschaften und einem über zehn Meter hohen Kachelofen aus dem 16. Jahrhundert. Heute gehört das Haus zum Museum der Stadt.

Wie viel Zeit braucht man für den Langen Markt?

Für den Platz selbst mit Brunnen, Fassaden und einem Bummel bis zum Grünen Tor reicht eine Stunde. Kommen Rathaus mit Rotem Saal, Artushof und der Turm dazu, wird ein halber Tag daraus. Am leersten ist es vor neun Uhr morgens, am schönsten am Abend, wenn die Fassaden angestrahlt sind und die Gruppen weg sind.

Kann man am Langen Markt mit Karte bezahlen?

Praktisch überall, auch an kleinen Ständen. Gezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Wenn dir das Kartenterminal anbietet, den Betrag in Euro abzurechnen, lehnst du ab und wählst Złoty: Diese dynamische Währungsumrechnung kostet Aufschlag. Etwas Bargeld brauchst du gelegentlich für öffentliche Toiletten.