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Sicher unterwegs in Polen

Die Frage kommt fast immer, meist etwas verlegen formuliert: Ist Polen sicher? Die Antwort ist kurz. Ja. Polen liegt bei Gewaltkriminalität im europäischen Vergleich niedrig, die Städte sind auch abends belebt, die Polizei ist präsent, und die allermeisten Reisen verlaufen ohne jeden Zwischenfall.

Was dir wirklich passieren kann, ist banaler: eine offene Tasche im Gedränge auf dem Krakauer Rynek, ein Taxi ohne Firmenschild vor dem Bahnhof, ein Bußgeld, weil in Polen strengere Verkehrsregeln gelten als in Deutschland. Dieser Text nimmt die Punkte der Reihe nach durch und räumt am Ende mit ein paar Vorurteilen auf, die seit den Neunzigern durch deutsche Stammtische geistern.

Sicher unterwegs in Polen
Foto: Kgbo, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Notruf112, kostenlos, auch auf Englisch
  • HauptrisikoTaschendiebstahl in touristischen Zentren
  • Alkohol am Steuerstrenger als in Deutschland, praktisch null
  • Zebrastreifenseit 2021 Vorrang für Fußgänger beim Betreten
  • Alkohol in der Öffentlichkeitauf Straßen und Plätzen verboten
  • Badeflaggeweiß bedeutet erlaubt, rot bedeutet verboten

Die kurze Antwort

Du kannst in Polen abends durch die Altstadt laufen, allein reisen, öffentlich fahren und dein Auto abstellen, ohne dass du dir mehr Gedanken machen müsstest als in Hamburg oder Köln. Die größten Risiken deiner Reise sind der Straßenverkehr und deine eigene Unaufmerksamkeit, in dieser Reihenfolge.

Das heißt nicht, dass nichts passiert. Es heißt nur, dass die Vorsichtsmaßnahmen dieselben sind wie überall: Wertsachen nah am Körper, Taxi über die App, kein Rucksack offen auf dem Rücken im vollen Tram.

Taschendiebstahl: wo und wie

Der einzige Kriminalitätstyp, der Reisende regelmäßig trifft, ist der Taschendiebstahl. Er passiert dort, wo viele Menschen dicht stehen: auf dem Hauptmarkt in Krakau (Kraków) und auf dem Weg zum Wawel, in der Warschauer Altstadt, in vollen Straßenbahnen, in Bahnhofshallen, auf Weihnachtsmärkten und bei Festen. Gearbeitet wird mit Ablenkung, nicht mit Gewalt.

Die Gegenmittel sind unspektakulär und wirksam. Portemonnaie und Telefon in die Vordertasche oder in eine Tasche, die vorn am Körper hängt. Im Gedränge eine Hand drauf. Das Telefon nicht auf den Cafétisch legen. Rucksack in der vollen Bahn nach vorn nehmen. Und lass den Reisepass in der Unterkunft, du brauchst ihn im Alltag nicht. Weitere praktische Punkte für die beiden großen Städte stehen unter Tipps für Krakau und Tipps für Warschau.

Taxi, Nachtleben und die klassischen Fallen

Die teuerste vermeidbare Erfahrung ist ein Taxi, das vor dem Bahnhof oder am Flughafen auf Touristen wartet. Ruf stattdessen ein Auto über eine App, dann kennst du Preis und Kennzeichen vorher und bezahlst bargeldlos in Złoty. Wenn es doch ein Straßentaxi sein soll, achte auf Firmennamen und Telefonnummer auf dem Dachschild und auf die Preisliste an der Scheibe. Wagen ohne beides sind die teuren.

Zweite Falle: das Nachtleben, vor allem in Krakau. Die Stadt ist ein beliebtes Ziel für Junggesellenabschiede, und wer sich vor einem Lokal ansprechen und irgendwohin führen lässt, landet gelegentlich bei einer Rechnung, die mit dem Konsum nichts zu tun hat. Geh in Bars, die du selbst ausgesucht hast, folge niemandem und behalte dein Getränk im Blick. Das ist keine polnische Besonderheit, es ist die Regel jeder Ausgehstadt Europas.

Achtung: Alkohol trinken ist in Polen auf Straßen, Plätzen und in Parks verboten, auch das Bier auf der Bank am Weichselufer. Kontrolliert wird das durchaus, und es gibt ein Bußgeld. Getrunken wird in Lokalen, in Biergärten und auf ausgewiesenen Flächen. Für das Steuer gilt eine deutlich strengere Grenze als in Deutschland: Rechne mit null, ein Bier zum Mittagessen reicht schon.

Auto: Regeln, Parken, Einbruch

Im Straßenverkehr wird in Polen mehr kontrolliert und schneller bestraft als in Deutschland. Vier Punkte sind neu für viele: Licht ist tagsüber ganzjährig Pflicht, die Alkoholgrenze liegt weit unter der deutschen, Fußgänger haben seit 2021 schon beim Betreten des Zebrastreifens Vorrang, und auf Teilen der Autobahnen wird Maut erhoben. Dazu kommen die Umweltzonen in Krakau und Warschau. Alles im Detail unter Umweltzonen und Verkehrsregeln in Polen.

Beim Parken gilt die alte Regel: nichts Sichtbares im Auto lassen, keine Taschen auf dem Rücksitz, kein Navigationsgerät an der Scheibe. In den Städten nimmst du einen bewachten Parkplatz, das Schild heißt „parking strzeżony“, oder ein Hotel mit eigenem Stellplatz. Autodiebstahl ist heute ein Randthema, Aufbrüche wegen einer sichtbaren Tasche gibt es weiterhin, wie in jedem europäischen Land.

Draußen: Ostsee, Berge, Zecken

Das größte reale Risiko im Sommer liegt am Wasser. An der Ostseeküste gibt es Strömungen und ablandigen Wind, und die polnische Flaggenregelung unterscheidet sich von der deutschen: Eine weiße Flagge bedeutet, dass Baden erlaubt ist, eine rote Flagge bedeutet Badeverbot. Hängt gar keine Flagge, ist kein Rettungsschwimmer im Dienst. Halte dich an die bewachten Abschnitte.

In der Tatra und in den Beskiden schlägt das Wetter schnell um, Gewitter am Nachmittag sind im Sommer normal. Bleib auf den markierten Wegen, dreh rechtzeitig um und speicher die Nummer der Bergrettung, 601 100 300. Mehr dazu unter Wandern in Polen. In den Wäldern des Nordostens sind Zecken ein Thema, was du dazu wissen musst, steht unter Krank im Polen-Urlaub.

Gut zu wissen: Wird dir doch etwas gestohlen, brauchst du für deine Versicherung eine polizeiliche Anzeige. Die Polizei nimmt sie auf jeder Wache auf, in touristischen Zentren häufig auch englischsprachig. Lass dir eine Bestätigung geben und sperre Karten sofort über die zentrale Sperrnummer deiner Bank, siehe Bezahlen in Polen.

Alte Vorurteile, kurz sortiert

„In Polen wird dein Auto geklaut“ ist der Satz, der sich am hartnäckigsten hält. Er stammt aus den frühen Neunzigern, als sich nach der Wende Grenzen öffneten und die Statistiken kurzzeitig ausschlugen. Seitdem sind die Zahlen stark gefallen, Polen gehört seit Jahren zum Schengenraum und zur europäischen Fahndungszusammenarbeit, und Kfz-Diebstahl ist längst kein Thema mehr, das eine Reiseentscheidung beeinflussen müsste. Der Spruch ist nicht nur überholt, er ist in Polen auch ein sicherer Weg, ein Gespräch zu beenden.

Ähnliches gilt für die Vorstellung eines armen, grauen Landes. Wer heute in Warschau aus dem Zug steigt, steht in einer wohlhabenden Metropole mit Hochhäusern, guter Küche und einem Nahverkehr, der jeden deutschen Vergleich aushält. Allein reisende Frauen sind in polnischen Städten unauffällig unterwegs, das Sicherheitsgefühl in Innenstädten ist abends hoch. In den großen Städten ist das Klima liberal und weltoffen, auf dem Land konservativer, ganz wie anderswo in Europa auch.

Die Ostgrenze: sachlich betrachtet

Polen grenzt im Osten an Belarus und die Ukraine. Beides betrifft deine Reise praktisch nicht, denn die touristischen Regionen liegen weit entfernt, und der Alltag in Lublin oder Rzeszów läuft völlig normal. Zwei Dinge solltest du trotzdem wissen. Erstens kann entlang der belarussischen Grenze zeitweise eine Zone mit Betretungsverbot gelten, die auch Teile des Waldes von Białowieża berührt. Zweitens ändert sich das je nach Lage.

Deshalb der einzige nötige Rat: Wenn deine Route in den äußersten Osten führt, wirf vor der Abfahrt einen Blick auf die Reise- und Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amts und auf die Seite des Nationalparks. Für Krakau, Warschau (Warszawa), Danzig (Gdańsk), Breslau (Wrocław), die Ostsee und die Masuren ist das Thema ohne Belang.

Tipp: Speicher dir vor der Reise drei Dinge im Telefon: die 112, die Sperrnummer für deine Karten und die Adresse deiner Unterkunft in polnischer Schreibweise. Damit deckst du die drei Situationen ab, in denen man sonst hektisch wird.

Häufige Fragen

Ist Polen ein sicheres Reiseland?

Ja. Bei Gewaltkriminalität liegt Polen im europäischen Vergleich niedrig, Innenstädte sind abends belebt und die Polizei ist präsent. Das häufigste Problem für Reisende ist Taschendiebstahl in touristischen Zentren, gefolgt von überteuerten Taxis und Bußgeldern im Straßenverkehr. Wer sich verhält wie in jeder anderen europäischen Großstadt, hat keine Schwierigkeiten.

Wo muss ich in Polen auf Taschendiebe achten?

Überall dort, wo Menschen dicht stehen: auf dem Krakauer Hauptmarkt und dem Weg zum Wawel, in der Warschauer Altstadt, in vollen Straßenbahnen, in Bahnhofshallen und auf Weihnachtsmärkten. Trag Portemonnaie und Telefon vorn am Körper, leg das Telefon nicht auf den Cafétisch und nimm den Rucksack in der vollen Bahn nach vorn. Den Reisepass lässt du in der Unterkunft.

Kann ich in Polen bedenkenlos Taxi fahren?

Am besten über eine App, dann kennst du Preis und Kennzeichen vorab und zahlst bargeldlos in Złoty. Straßentaxis sind in Ordnung, wenn Firmenname und Telefonnummer auf dem Dachschild stehen und eine Preisliste an der Scheibe klebt. Wagen ohne diese Kennzeichen, die vor Bahnhöfen und Flughäfen warten, sind die teuren.

Wird mein Auto in Polen aufgebrochen?

Das Vorurteil stammt aus den frühen Neunzigern, die Zahlen sind seitdem stark gefallen. Übrig bleibt der ganz normale Gelegenheitsdiebstahl: Lass nichts Sichtbares im Auto, keine Tasche auf dem Rücksitz, keine Halterung an der Scheibe. In Städten nimmst du einen bewachten Parkplatz, ausgeschildert als „parking strzeżony“, oder ein Hotel mit eigenem Stellplatz.

Ist die Grenzregion zur Ukraine und zu Belarus ein Problem?

Für eine normale Reise nicht. Die touristischen Ziele liegen weit von der Ostgrenze entfernt, und in Städten wie Lublin oder Rzeszów läuft der Alltag normal. Entlang der belarussischen Grenze kann zeitweise eine Zone mit Betretungsverbot gelten, die auch Teile des Waldes von Białowieża berührt. Wer dorthin will, prüft vorher die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts.

Was gilt beim Alkohol in Polen?

Zwei Regeln, die strenger sind als in Deutschland. Erstens ist Alkoholkonsum auf Straßen, Plätzen und in Parks verboten und wird mit Bußgeld belegt, getrunken wird in Lokalen und Biergärten. Zweitens liegt die Promillegrenze am Steuer weit unter der deutschen. Wer fährt, trinkt gar nichts, auch nicht das eine Bier zum Mittagessen.