Stadt in Polen · Ermland-Masuren

Wolfsschanze (Wilczy Szaniec): Bunkeranlage bei Rastenburg

Im Wald bei Gierłoż, rund acht Kilometer östlich von Rastenburg (Kętrzyn), liegen die gesprengten Bunker der Wolfsschanze, auf Polnisch Wilczy Szaniec. Von Juni 1941 bis November 1944 war diese Anlage das Hauptquartier Adolf Hitlers. Von hier aus wurde der Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion geführt.

Am 20. Juli 1944 verübte Claus Schenk Graf von Stauffenberg hier das Attentat, das scheiterte. Der Ort ist heute zugänglich, aber er ist kein Ausflugsziel und keine Sehenswürdigkeit. Diese Seite sagt dir, was dort steht, wie ein Besuch abläuft und was du vorher wissen solltest.

Wolfsschanze (Wilczy Szaniec): Bunkeranlage bei Rastenburg
Foto: Adam Jones from Kelowna, BC, Canada, CC BY-SA 2.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftErmland-Masuren (Warmińsko-Mazurskie)
  • Polnischer NameWilczy Szaniec, bei Gierłoż
  • Nächste StadtRastenburg (Kętrzyn), rund 8 Kilometer westlich
  • Errichtetab 1940, genutzt von Juni 1941 bis November 1944
  • Zerstörtim Januar 1945 von der abziehenden Wehrmacht gesprengt
  • Dauer des Besuchseineinhalb bis zwei Stunden mit Führung

Was die Wolfsschanze war

Ab 1940 baute die Organisation Todt im Wald bei Gierłoż eine Anlage von rund 250 Hektar: etwa zweihundert Gebäude, darunter Dutzende Bunker mit Wänden und Decken von mehreren Metern Stärke, dazu Baracken, ein Gleisanschluss, ein Flugplatz in der Nähe, Minenfelder, Stacheldraht und mehrere abgestufte Sperrkreise. Getarnt wurde alles mit Netzen und künstlichem Bewuchs.

Am 24. Juni 1941, zwei Tage nach dem Überfall auf die Sowjetunion, bezog Hitler das Quartier. Er hielt sich hier über Jahre hinweg an mehr als achthundert Tagen auf, zusammen mit der militärischen Führung. Die Wolfsschanze war damit über weite Strecken das Zentrum der deutschen Kriegführung im Osten. Entschieden wurde hier nicht nur über Fronten, sondern über die Besatzungspolitik in den eroberten Gebieten.

Der 20. Juli 1944

Am 20. Juli 1944 kam Stauffenberg als Stabschef des Ersatzheeres zur Lagebesprechung und deponierte eine Aktentasche mit Sprengstoff. Die Besprechung fand nicht im Bunker statt, sondern in einer hölzernen Lagebaracke, weil der Bunker gerade verstärkt wurde. Die Explosion tötete vier Menschen, Hitler wurde nur leicht verletzt.

Der Staatsstreich in Berlin brach noch am selben Abend zusammen. Stauffenberg und drei Mitverschwörer wurden in der Nacht im Bendlerblock erschossen. In den Monaten danach verhaftete die Gestapo Hunderte Menschen aus dem Umfeld des Widerstands, viele von ihnen wurden nach Schauprozessen hingerichtet. An der Stelle der Lagebaracke steht heute eine Gedenktafel.

Warum heute nur Beton im Wald liegt

Im November 1944 verließ Hitler die Anlage endgültig. Im Januar 1945, kurz vor dem Eintreffen der Roten Armee, sprengte die abziehende Wehrmacht die Bunker. Weil die Decken zu massiv waren, brachen sie nicht zusammen, sondern rissen und kippten. Deshalb liegen die Blöcke heute schief im Wald, mit freiliegendem Bewehrungsstahl und Spalten, in denen Bäume wachsen.

Nach dem Krieg räumten polnische Pioniere über Jahre hinweg Zehntausende Minen aus dem Gelände, die Arbeiten zogen sich bis in die fünfziger Jahre. Erst danach war das Areal betretbar. Ein zweiter Ort dieser Art hat die Sprengung besser überstanden: bei Mamerki nördlich von Giżycko stehen die Bunker des Oberkommandos des Heeres weitgehend unversehrt.

Wie ein Besuch abläuft

Das Gelände ist eingezäunt und wird bewirtschaftet, am Eingang wird ein Entgelt erhoben, auch für den Parkplatz. Von dort führen markierte Wege zu den nummerierten Ruinen, Tafeln erklären, welches Gebäude wo stand. Ohne Erklärung siehst du im Wesentlichen Betonklötze im Wald, deshalb ist eine Führung sinnvoll.

Führungen werden auf Polnisch, Deutsch und Englisch angeboten. Eine Reservierung ist nicht zwingend vorgeschrieben, für eine deutschsprachige Führung meldest du dich aber besser vorher an, sonst hängt es vom Zufall ab, ob gerade jemand verfügbar ist. Rechne mit eineinhalb bis zwei Stunden.

Achtung: Die Ruinen sind nicht gesichert. Es ragt Bewehrungsstahl aus dem Beton, Kanten brechen ab, und in den Trümmern gibt es Hohlräume. Bleib auf den markierten Wegen, klettere nicht auf die Blöcke und geh nicht in abgesperrte Bereiche. Die Wege sind unbefestigt: Im Juli, dem nassesten Monat mit rund 92 Millimetern, und nach Regen ist der Waldboden matschig. Feste Schuhe sind Pflicht, Zecken und Mücken gehören im Sommer dazu.

Verhalten und Altersempfehlung

Dies ist der Ort eines Täterhauptquartiers, kein Denkmal für Opfer und keine Kulisse. Nachgestellte Posen, Selfies vor den Bunkern und alles, was in Richtung Inszenierung geht, sind hier fehl am Platz. Es gibt Besucher, die herkommen, weil sie Bunker beeindruckend finden. Der Ort taugt dafür nicht, und wer so hinfährt, hat ihn nicht verstanden.

Für kleine Kinder ist das Gelände nichts. Es ist unübersichtlich, teils gefährlich, und die Geschichte lässt sich nicht kindgerecht erzählen. Sinnvoll wird ein Besuch etwa ab dem Alter, in dem der Nationalsozialismus im Unterricht behandelt wird, und dann mit Vorbereitung. Ein paar Sätze vorher darüber, wer hier saß und was von hier ausging, ändern den ganzen Nachmittag.

Gut zu wissen: Am Eingang gibt es Verkaufsstände. Militaria und Devotionalien als Andenken passen nicht zu dem, was auf diesem Gelände entschieden wurde. Wenn du etwas mitnehmen willst, nimm ein Buch. Bezahlt wird in Złoty und nicht in Euro, Kartenzahlung funktioniert am Eingang meist, für Kleinbeträge ist Bargeld sicherer.

Anreise und Einordnung

Mit dem Auto ist es am einfachsten: von Olsztyn rund neunzig Kilometer, von Giżycko gut dreißig. Kętrzyn liegt an der Bahnstrecke Richtung Ełk, vom Bahnhof führen Busse und Taxis die letzten Kilometer nach Gierłoż. Wer aus Masuren kommt, fährt oft über Święta Lipka, das rund zwanzig Kilometer entfernt liegt. Wenn du beides an einem Tag machst, setz die Wolfsschanze ans Ende und nicht zwischen zwei andere Programmpunkte.

Wer sich mit der deutschen Besatzung in Polen ernsthaft befassen will, findet den Zusammenhang unter Gedenkorte des Zweiten Weltkriegs. Wo dieser Ort in der Landschaft liegt, ordnen die Seiten Masurische Seenplatte und Ermland-Masuren ein.

Klima und Anreise auf einen Blick

Gerade in Kętrzyn15°Cteils bewölkt
  • Wärmster MonatAugust, 24 °C
  • Kühlster MonatJanuar, -3 °C
  • Trockenster MonatMärz
  • Höhe103 m

Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius

1°-3°J
3°-2°F
7°-1°M
12°3°A
18°8°M
23°13°J
23°14°J
24°15°A
19°11°S
13°7°O
6°2°N
3°-1°D

Regen Millimeter und Regentage pro Monat

59mm14 TageJ
52mm11 TageF
43mm12 TageM
46mm11 TageA
63mm10 TageM
64mm10 TageJ
92mm14 TageJ
71mm11 TageA
50mm8 TageS
62mm12 TageO
49mm11 TageN
55mm12 TageD

Entfernung ab deutschen Städten

AbLuftlinieÜber Land ca.
Berlin557 km700 km, 8 Std. 45 Min.
Hamburg749 km940 km, 11 Std. 45 Min.
München949 km1.190 km, 14 Std. 45 Min.
Frankfurt971 km1.210 km, 15 Std. 15 Min.
Stuttgart1.028 km1.290 km, 16 Std.
Düsseldorf1.032 km1.290 km, 16 Std. 15 Min.
Köln1.034 km1.290 km, 16 Std. 15 Min.

Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.

Städte in der Nähe

StadtEntfernungMit dem Auto etwa
Heilige Linde12 km10 km, 0 Std. 15 Min.
Lötzen26 km30 km, 0 Std. 15 Min.
Nikolaiken33 km40 km, 0 Std. 30 Min.
Allenstein66 km80 km, 1 Std. 0 Min.
Augustow108 km140 km, 1 Std. 30 Min.
Frauenburg115 km140 km, 1 Std. 45 Min.

Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.

Häufige Fragen

Kann man die Wolfsschanze besichtigen?

Ja, das Gelände bei Gierłoż ist eingezäunt und zugänglich, am Eingang wird ein Entgelt erhoben. Markierte Wege führen zu den gesprengten Bunkern, Tafeln erklären die einzelnen Gebäude. Führungen gibt es auf Polnisch, Deutsch und Englisch. Ohne Erklärung siehst du vor allem Beton im Wald, deshalb ist eine Führung sinnvoll.

Muss man eine Führung vorher buchen?

Vorgeschrieben ist es nicht. Für eine deutschsprachige Führung solltest du dich aber vorher anmelden, sonst hängt es vom Zufall ab, ob gerade jemand verfügbar ist. Das gilt besonders außerhalb der Sommermonate. Rechne für den Rundgang mit eineinhalb bis zwei Stunden und plane danach keinen weiteren festen Termin ein.

Was ist am 20. Juli 1944 passiert?

Claus Schenk Graf von Stauffenberg deponierte während einer Lagebesprechung eine Aktentasche mit Sprengstoff. Die Besprechung fand in einer Holzbaracke statt, weil der Bunker gerade verstärkt wurde. Die Explosion tötete vier Menschen, Hitler wurde nur leicht verletzt. Der Umsturzversuch in Berlin scheiterte am selben Abend, in den Monaten danach folgten Hunderte Verhaftungen und Hinrichtungen.

Ist der Besuch für Kinder geeignet?

Für kleine Kinder nicht. Das Gelände ist unübersichtlich, die Ruinen sind nicht gesichert, und die Geschichte lässt sich nicht kindgerecht erzählen. Sinnvoll wird ein Besuch etwa ab dem Alter, in dem der Nationalsozialismus in der Schule behandelt wird, und dann mit Vorbereitung. Feste Schuhe braucht jeder, die Wege sind unbefestigt.

Warum sind die Bunker zerstört?

Die abziehende Wehrmacht sprengte die Anlage im Januar 1945, kurz bevor die Rote Armee eintraf. Weil die Decken mehrere Meter stark waren, brachen sie nicht zusammen, sondern rissen und kippten. Deshalb liegen die Blöcke schief im Wald. Nach dem Krieg räumten polnische Pioniere über Jahre hinweg Zehntausende Minen aus dem Gelände.

Wie kommt man ohne Auto hin?

Mit dem Zug bis Kętrzyn, das an der Strecke Richtung Ełk liegt, und von dort mit Bus oder Taxi die letzten acht Kilometer nach Gierłoż. Die Busverbindungen sind dünn und außerhalb der Saison noch dünner, kläre die Rückfahrt, bevor du losfährst. Von Olsztyn sind es rund neunzig Kilometer, von Giżycko gut dreißig.