Auf einen Blick
- WoiwodschaftSchlesien (Śląskie)
- Polnischer NameGliwice, nur diese Form steht auf Fahrkarte und Schild
- Einwohnerrund 170.000
- Sendeturm1935, rund 111 Meter, höchstes Holzbauwerk der Welt
- Eisengießereigegründet 1796, Zentrum des Eisenkunstgusses
- Ideale Dauer1 Tag, als Ausflug von Kattowitz ein halber
Der hölzerne Sendeturm
Am nördlichen Stadtrand steht ein Turm, den man erst für einen Strommast hält und dann zweimal ansieht: Er ist vollständig aus Lärchenholz gebaut, verbunden mit Messingschrauben, ohne ein einziges Eisenteil, das die Antenne gestört hätte. Errichtet wurde er 1935 für den Reichssender, er misst rund 111 Meter und gilt als höchstes Holzbauwerk der Welt. Wer davorsteht, unterschätzt die Höhe zuerst, weil die Konstruktion so dünn wirkt.
Besteigen kannst du ihn nicht. Auf dem Gelände stehen aber das ursprüngliche Senderhaus und Nebengebäude, in denen heute eine Abteilung des Stadtmuseums untergebracht ist: Sendetechnik der dreißiger Jahre, Röhren, Schaltschränke und die Dokumentation der Ereignisse von 1939. Für den Besuch reicht rund eine Stunde.
Der 31. August 1939
Am Abend des 31. August 1939 drang eine Gruppe unter Führung des SS-Manns Alfred Naujocks in das Sendergebäude ein, überwältigte das Personal und setzte über ein Nebenmikrofon eine kurze Ansage auf Polnisch ab. Am Tatort ließen die Männer die Leiche des Oberschlesiers Franciszek Honiok zurück, der zuvor verhaftet und getötet worden war, damit ein vermeintlicher polnischer Angreifer vorgezeigt werden konnte.
Der Sender lag zu diesem Zeitpunkt in Deutschland; die Grenze zu Polen verlief seit der Teilung Oberschlesiens 1922 wenige Kilometer entfernt. Der Vorfall gehörte zu einer ganzen Reihe fingierter Grenzzwischenfälle, die derselben Logik folgten. Am Morgen des 1. September nannte Hitler sie in seiner Reichstagsrede als Begründung für den Angriff auf Polen, mit dem der Zweite Weltkrieg begann. Dass es sich um eine Inszenierung handelte, wurde später vor dem Nürnberger Gericht belegt.
Gut zu wissen: Auf dem Gelände erinnert eine Tafel an Franciszek Honiok, den ersten polnischen Toten dieses Krieges. Der Ort ist keine Sehenswürdigkeit im gewöhnlichen Sinn, sondern ein Tatort mit Museum daneben. Ein ruhiger Rundgang und ein Blick in die Ausstellung genügen völlig, mehr braucht es hier nicht. Mehr zu Orten dieser Art findest du unter Gedenkorte des Zweiten Weltkriegs.
Eisen, Kanal und was davon geblieben ist
1796 entstand in Gleiwitz die Königliche Eisengießerei, eine der ersten Kokshochofenanlagen auf dem europäischen Festland. Sie goss nicht nur Maschinenteile, sondern auch Schmuck, Kreuze, Grabplatten und feine Zierarbeiten. Dieser Gleiwitzer Eisenkunstguss war im 19. Jahrhundert ein Begriff, und die größte Sammlung davon steht heute in der Villa Caro, dem Wohnhaus eines Industriellen aus der Gründerzeit, das als Museum eingerichtet ist. Die Räume sind samt Ausstattung erhalten und zeigen, wie eine Unternehmerfamilie damals lebte.
Der zweite große Eingriff ist der Gleiwitzer Kanal, 1939 fertiggestellt, gut vierzig Kilometer lang und über mehrere Schleusen mit der Oder verbunden. Er ersetzte den älteren Klodnitzkanal und machte die Binnenstadt zum Hafen, dem südlichsten des polnischen Wasserstraßennetzes. Am Kanal entlang führen Radwege, das ist die entspannteste Art, sich das anzusehen.
Altstadt, Schloss und jüdisches Erbe
Der Rynek ist klein, quadratisch und schnell umrundet, in der Mitte das Rathaus, ringsum Bürgerhäuser und Lokale. Ein paar Schritte weiter steht das Piastenschloss, ein Rest der mittelalterlichen Befestigung, das ebenfalls zum Stadtmuseum gehört. Die Allerheiligenkirche daneben ist ein aktives Gotteshaus mit Messzeiten und Kleiderordnung.
Wichtig ist noch ein dritter Ort. Am jüdischen Friedhof steht das frühere Vorbereitungshaus für Bestattungen, ein Bau des Wiener Architekten Max Fleischer aus dem späten 19. Jahrhundert. Heute beherbergt es das Haus der Erinnerung an die oberschlesischen Juden. Die jüdische Gemeinde in dieser Region reicht Jahrhunderte zurück, sie stellte Kaufleute, Ärzte und Industrielle und wurde in der deutschen Besatzungszeit vernichtet. Das Haus erzählt diese Geschichte als Teil der Stadtgeschichte und nicht als Fußnote. Ein größerer Überblick steht unter Jüdisches Erbe in Polen.
1945 und die Stadt danach
Bis 1945 gehörte Gleiwitz zum Deutschen Reich. Mit der Verschiebung der Grenzen nach dem Krieg kam die Stadt zu Polen, ein großer Teil der Bevölkerung verließ sie oder wurde vertrieben, und neue Bewohner zogen zu, viele davon aus Lemberg und aus Ostpolen, das nun zur Sowjetunion gehörte. Mit ihnen kamen die Wissenschaftler der Technischen Hochschule Lemberg: 1945 wurde in Gliwice die Schlesische Technische Universität gegründet, die die Stadt bis heute prägt und ihr einen studentischen Zug gibt, den man in einer Industriestadt nicht erwartet.
Wer sich dafür interessiert, findet in Kattowitz im Schlesischen Museum die ausführliche Fassung dieser Geschichte, die Region insgesamt ist unter Schlesien beschrieben.
Anreise, Klima und Bezahlen
Gliwice liegt direkt an der A4 und am Autobahnkreuz mit der A1, damit an einem der wichtigsten Verkehrsknoten Polens. Auf Teilen der Autobahnen wird Maut erhoben, tagsüber ist Licht am Auto Pflicht, seit 2021 haben Fußgänger am Zebrastreifen Vorrang, und die Alkoholgrenze liegt niedriger als in Deutschland. Mit dem Zug bist du aus Kattowitz in gut einer halben Stunde da, aus Breslau in rund zwei Stunden, aus Oppeln in etwa einer. Der nächste Flughafen ist Kattowitz in Pyrzowice.
Das Klima ist mild für polnische Verhältnisse: Im Januar liegt der Tageshöchstwert im Mittel bei gut 2 Grad, nachts bei etwa minus 3 Grad. Juli und August erreichen rund 25 Grad und sind mit fast 90 Millimetern zugleich die nassesten Monate, der März ist mit gut 40 Millimetern der trockenste. Für Stadt, Kanal und Radweg passt Mai bis September am besten.
Achtung: Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro. Karte klappt fast überall, auch für kleine Beträge. Wenn dir das Terminal oder der Geldautomat anbietet, direkt in Euro abzurechnen, lehne ab und wähle Złoty: Diese dynamische Währungsumrechnung nutzt einen eigenen Kurs und kostet dich jedes Mal Geld. Das Thema im Detail steht unter Bezahlen in Polen.
Klima und Anreise auf einen Blick
- Wärmster MonatAugust, 25 °C
- Kühlster MonatJanuar, -3 °C
- Trockenster MonatMärz
- Höhe200 m
Temperatur Tag und Nacht, in Grad Celsius
Regen Millimeter und Regentage pro Monat
Entfernung ab deutschen Städten
| Ab | Luftlinie | Über Land ca. |
|---|---|---|
| Berlin | 441 km | 550 km, 7 Std. |
| München | 569 km | 710 km, 9 Std. |
| Hamburg | 696 km | 870 km, 11 Std. |
| Stuttgart | 705 km | 880 km, 11 Std. |
| Frankfurt | 711 km | 890 km, 11 Std. |
| Köln | 829 km | 1.040 km, 13 Std. |
| Düsseldorf | 843 km | 1.050 km, 13 Std. 15 Min. |
Monatswerte sind Durchschnitte der Jahre 2015 bis 2024, berechnet aus der ERA5-Reanalyse von Copernicus, bereitgestellt über Open-Meteo (CC BY 4.0). Die aktuelle Temperatur liefert das Meteorologische Institut Norwegen (CC BY 4.0). Die Luftlinie ist aus den Koordinaten berechnet. Die Werte für die Strecke über Land sind daraus geschätzt und ersetzen keine Routenplanung.
Städte in der Nähe
| Stadt | Entfernung | Mit dem Auto etwa |
|---|---|---|
| Kattowitz | 25 km | 30 km, 0 Std. 15 Min. |
| Oświęcim | 48 km | 60 km, 0 Std. 45 Min. |
| Bielsko-Biała | 59 km | 70 km, 0 Std. 45 Min. |
| Teschen | 61 km | 80 km, 0 Std. 45 Min. |
| Tschenstochau | 64 km | 80 km, 1 Std. 0 Min. |
| Oppeln | 67 km | 80 km, 1 Std. 0 Min. |
Entfernungen sind Luftlinie, die Fahrzeit ist aus der Straßenentfernung geschätzt und hängt von Route und Verkehr ab.
Häufige Fragen
Was war der Überfall auf den Sender Gleiwitz?
Am 31. August 1939 drang eine SS-Gruppe in das Sendergebäude ein und setzte eine kurze Ansage auf Polnisch ab. Am Tatort ließ sie die Leiche des zuvor getöteten Oberschlesiers Franciszek Honiok zurück, um einen polnischen Angriff vorzutäuschen. Der Sender lag damals in Deutschland. Hitler nannte den Vorfall am 1. September als Begründung für den Angriff auf Polen. Die Inszenierung wurde später in Nürnberg belegt.
Kann man den Sendeturm in Gliwice besichtigen?
Das Gelände ist zugänglich und im Senderhaus gibt es eine Abteilung des Stadtmuseums mit Sendetechnik der dreißiger Jahre und der Dokumentation zu 1939. Den Turm selbst kannst du nicht besteigen, er ist reine Antennenkonstruktion. Für Gelände und Ausstellung reicht rund eine Stunde. Der Turm liegt am nördlichen Stadtrand, mit dem Bus oder dem Auto bist du schnell dort.
Warum ist der Turm aus Holz?
Weil Metall in der Nähe der Antenne die Ausstrahlung gestört hätte. Deshalb wurde 1935 Lärchenholz verbaut und mit Messingschrauben verbunden, also ohne Eisen. Mit rund 111 Metern gilt die Konstruktion bis heute als höchstes Holzbauwerk der Welt. Dass sie fast neunzig Jahre überstanden hat, liegt an regelmäßiger Pflege des Holzes.
Lohnt sich Gleiwitz für einen Besuch?
Als Tagesziel ja, als Reiseziel für mehrere Tage eher nicht. Sendeturm, Villa Caro mit dem Eisenkunstguss, Piastenschloss, Rynek und das Haus der Erinnerung an die oberschlesischen Juden füllen einen Tag gut aus. Von Kattowitz aus bist du in gut einer halben Stunde da, was die Stadt zum idealen Halbtagesausflug macht.
Was ist der Gleiwitzer Eisenkunstguss?
Feine Arbeiten aus Gusseisen, die ab 1796 in der Königlichen Eisengießerei entstanden: Schmuck, Kreuze, Plaketten, Zierarbeiten, teilweise so dünn gegossen, dass sie wie Filigran wirken. Im 19. Jahrhundert war das ein europäischer Begriff. Die größte Sammlung steht heute in der Villa Caro, dem erhaltenen Wohnhaus einer Industriellenfamilie, das als Museum eingerichtet ist.






