Auf einen Blick
- Polnischer NameEuropejskie Centrum Solidarności
- Eröffnet2014, am Tor Nummer zwei der Werft
- Dauerausstellungsieben Säle, chronologisch von 1970 bis 1989
- UNESCOdie 21 Forderungen im Register „Gedächtnis der Welt“
- Frei zugänglichHalle, Wintergarten, Bibliothek, Dachterrasse
- Dauer2 bis 3 Stunden
Warum das Tor Nummer zwei zählt
Vor dem Museum steht das historische Werfttor, an dem im August 1980 Blumen, Bilder und handgeschriebene Zettel hingen. Dahinter lag die größte Werft der Stadt, in der damals über fünfzehntausend Menschen arbeiteten.
Die Vorgeschichte gehört dazu. Im Dezember 1970 protestierten Arbeiter an der Küste gegen drastische Preiserhöhungen. Sicherheitskräfte schossen, Dutzende starben, die genaue Zahl ist bis heute umstritten. Zehn Jahre später streikten die Werftarbeiter erneut, diesmal organisiert und ohne Gewalt. Aus dem Streik wurde eine landesweite Bewegung, aus der Bewegung die erste unabhängige Gewerkschaft im Ostblock.
Am 31. August 1980 unterzeichneten Regierung und Streikkomitee das Danziger Abkommen. Die Halle, in der das geschah, steht wenige Schritte entfernt auf dem Werftgelände und ist ebenfalls zugänglich.
Die 21 Forderungen
Das Herzstück der Ausstellung sind zwei große Sperrholzplatten, auf die Streikende ihre einundzwanzig Forderungen geschrieben und ans Werfttor gehängt hatten. Punkt eins war nicht mehr Lohn, sondern das Recht auf freie Gewerkschaften. Es folgten Meinungsfreiheit, Freilassung politischer Gefangener, Verbesserungen im Gesundheitswesen.
Die Tafeln stehen seit 2003 im UNESCO-Register „Gedächtnis der Welt“, zusammen mit Dokumenten wie der Magna Carta. Vor ihnen zu stehen, ist der stille Höhepunkt des Besuchs: krakelige Schrift, Rechtschreibfehler, ein Stück Sperrholz, das ein System ins Wanken brachte.
Das Denkmal der gefallenen Werftarbeiter
Auf dem Platz vor dem Zentrum stehen drei Kreuze, 42 Meter hoch, an denen schwere Anker hängen. Sie erinnern an die Toten vom Dezember 1970. Errichtet wurde das Denkmal im Dezember 1980, weil die Streikenden es im Abkommen durchgesetzt hatten.
Das war beispiellos: ein Monument im Ostblock, das an Opfer der eigenen Staatsmacht erinnerte, gebaut von der Belegschaft, entworfen von Werftarbeitern und Künstlern. Der Platz ist frei zugänglich, immer offen und kostet nichts.
Das Gebäude
Der Bau von 2014 ist mit Cortenstahl verkleidet, der wie Rost aussieht und mit den Jahren nachdunkelt. Die schrägen Wände sollen an eine Schiffswand im Rohbau erinnern, und wer aus der Straßenbahn steigt, hält das Haus im ersten Moment für eine Werfthalle.
Innen öffnet sich eine helle Halle mit einem Wintergarten, dazu Bibliothek, Lesesaal und Café. Dieser Bereich ist frei zugänglich, auch ohne Ticket. Auf dem Dach liegt eine begrünte Terrasse mit Blick über das Werftgelände, die Kräne und die Stadt.
Die Dauerausstellung
Sieben Säle führen chronologisch vom Alltag im Sozialismus über den Streik von 1980 und die Verhängung des Kriegsrechts am 13. Dezember 1981 bis zu den Gesprächen am Runden Tisch und der Wahl vom 4. Juni 1989. Gezeigt werden Originale: eine Werftkrananlage, Overalls, Flugblätter, Untergrunddruckmaschinen, Verhörprotokolle.
Die Gestaltung ist modern, aber nicht laut, und der Audioguide ist auf Deutsch verfügbar. Plane zwei bis drei Stunden ein. Wer alles lesen will, braucht länger.
Tickets: Tickets gibt es an der Kasse und über die eigene Website des Zentrums, in der Hauptsaison lohnt sich ein Zeitfenster im Voraus. Halle, Wintergarten, Bibliothek und Dachterrasse kannst du ohne Ticket betreten, ein Ticket brauchst du für die Dauerausstellung. Bezahlt wird in Złoty, die Abrechnung in Euro am Terminal lehnst du ab.
Ohne Heldenkitsch
Solidarność hatte auf dem Höhepunkt Millionen Mitglieder, und das Kriegsrecht traf sie hart: Internierungen, Verbot, Untergrund. Neun Jahre nach dem Streik führte derselbe Weg zu halbfreien Wahlen und zum Ende des Systems.
Was danach kam, war für die Werft bitter. Die Belegschaft schrumpfte drastisch, Hallen wurden abgerissen, auf dem Gelände entstehen heute Wohnungen und Büros. Auch die Deutung der Bewegung ist in Polen bis heute umstritten, und über die Rolle einzelner Beteiligter wird hart gestritten. Die Ausstellung blendet das nicht aus, und genau deshalb ist sie mehr als eine Feierstunde.
In der Nähe
Vom Zentrum läufst du in gut zwanzig Minuten zum Langen Markt, unterwegs kommst du am Museum des Zweiten Weltkriegs vorbei. Die zweite große Geschichte des 20. Jahrhunderts liegt am Hafeneingang: Westerplatte. Wie du dich in der Stadt bewegst, steht unter Verkehr in Danzig, alle Orte im Überblick unter Danzig Sehenswürdigkeiten.
Wenn es nicht klappt
- Wenn es voll istAn Regentagen und in den Ferien staut es sich am Eingang. Buch dann ein Zeitfenster im Voraus oder starte direkt nach der Öffnung. Ist alles ausgebucht, bleiben Denkmal, Werfttor, Halle und Dachterrasse, die kein Ticket brauchen.
- Wenn es regnetEin Regentag ist hier gut angelegt, das ganze Programm liegt drinnen. Nur der Weg vom Denkmal zum Eingang ist offen, und die Dachterrasse macht bei Wind wenig Freude.
- Mit KindernFür kleine Kinder ist die Ausstellung zu textlastig, ab etwa zwölf Jahren funktioniert sie gut, besonders die Räume zum Kriegsrecht und zum Untergrunddruck. Der Wintergarten in der Halle ist eine gute Pause zwischendurch.
- Mit eingeschränkter MobilitätDas Gebäude ist neu und durchgehend barrierefrei: Aufzüge, breite Wege, ebene Böden, auch die Dachterrasse ist erreichbar. Der Platz vor dem Eingang ist gepflastert, aber flach. Damit ist das Zentrum eines der zugänglichsten Häuser der Stadt.
Häufige Fragen
Was war Solidarność?
Die erste unabhängige Gewerkschaft im Ostblock, entstanden aus dem Streik auf der Danziger Werft im August 1980. Auf dem Höhepunkt hatte sie Millionen Mitglieder. Im Dezember 1981 wurde das Kriegsrecht verhängt, die Gewerkschaft verboten und viele Aktive interniert. 1989 führten die Gespräche am Runden Tisch zu halbfreien Wahlen und zum Ende des Systems.
Lohnt sich das Solidarność-Zentrum für Deutsche?
Ja, und es schließt eine Lücke. Der Weg zum Mauerfall 1989 begann nicht in Berlin, sondern unter anderem an diesem Werfttor. Die Ausstellung ist chronologisch aufgebaut, gut übersetzt und mit deutschem Audioguide zu haben. Wer die Achtzigerjahre selbst erlebt hat, erkennt vieles wieder und sieht es aus einer anderen Richtung.
Wie viel Zeit braucht man im Solidarność-Zentrum?
Zwei bis drei Stunden für die sieben Säle der Dauerausstellung. Wer alle Texte liest und die Filme ansieht, braucht länger. Dazu kommen zwanzig Minuten für das Denkmal vor der Tür, die Dachterrasse und das historische Werfttor. Ein halber Tag ist eine realistische Planung.
Ist der Besuch der Dachterrasse kostenlos?
Ja. Die große Halle mit dem Wintergarten, die Bibliothek, der Lesesaal und die begrünte Dachterrasse sind ohne Ticket zugänglich. Von oben siehst du das Werftgelände, die Kräne und die Stadt. Ein Ticket brauchst du nur für die Dauerausstellung. Auch der Platz mit den drei Kreuzen ist frei zugänglich.
Kann man das Werftgelände selbst besichtigen?
Teilweise. Das historische Tor Nummer zwei, der Denkmalplatz und die Halle, in der am 31. August 1980 das Abkommen unterzeichnet wurde, sind zugänglich. Andere Bereiche sind Baustelle oder Betriebsgelände, dort wird gearbeitet und gebaut. Halte dich an Absperrungen, und geh nicht auf eigene Faust zwischen die Hallen.





