Pommern · Danzig

Westerplatte & Kriegsbeginn

Auf der Halbinsel Westerplatte am Eingang des Hafens von Gdańsk begann am 1. September 1939 um 4.45 Uhr der Zweite Weltkrieg. Ein deutsches Kriegsschiff beschoss das polnische Munitionsdepot, dessen Besatzung sieben Tage lang standhielt.

Heute ist der Ort eine Gedenkstätte und zugleich Kriegsgräberstätte: Ruinen im Wald, ein Friedhof, ein Denkmal auf einem Hügel. Der Besuch ist kostenlos und kostet dich einen halben Tag.

Westerplatte & Kriegsbeginn
Foto: Henryk Kotowski Kotoviski, CC BY-SA 4.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • OrtHalbinsel am Hafeneingang von Gdańsk
  • Kriegsbeginn1. September 1939, 4.45 Uhr
  • Verteidigungrund 200 Soldaten, sieben Tage
  • Denkmalfür die Verteidiger der Küste, seit 1966
  • ZugangGelände frei zugänglich, kein Eintritt
  • Dauerhalber Tag mit An- und Rückfahrt

Was hier geschah

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde Danzig 1920 zur Freien Stadt unter dem Schutz des Völkerbunds, weder Teil Deutschlands noch Polens, mit überwiegend deutschsprachiger Bevölkerung und mit vertraglich gesicherten Rechten Polens im Hafen. Zu diesen Rechten gehörte ab 1926 ein militärisches Transitdepot auf der Halbinsel Westerplatte, bewacht von einer kleinen polnischen Garnison.

Am 25. August 1939 lief das deutsche Schulschiff Schleswig-Holstein zu einem angekündigten Besuch in den Hafen ein und machte in Sichtweite fest. Am 1. September 1939 um 4.45 Uhr eröffnete es das Feuer auf das Depot. Das war der Beginn des Zweiten Weltkriegs.

Rund zweihundert polnische Soldaten unter Major Henryk Sucharski hielten die Stellung sieben Tage lang, obwohl sie für höchstens zwölf Stunden Widerstand ausgelegt war. Am 7. September kapitulierten sie. Etwa fünfzehn Verteidiger starben. Für Polen wurde Westerplatte im selben Moment zum Symbol, und das ist es bis heute geblieben.

Was du auf dem Gelände siehst

Die Halbinsel ist heute ein weitläufiges Gelände mit Wald, Wiesen und Wegen. Zwischen den Bäumen liegen die Ruinen der Kaserne und der Unterkünfte, teils gesichert, teils nur als Mauerreste erkennbar. Tafeln erklären, was wo stand.

Die Wache Nummer eins hat den Beschuss überstanden und beherbergt eine kleine Ausstellung. Auf dem Friedhof am Weg liegen Gefallene der Verteidigung. Auf einem aufgeschütteten Hügel steht seit 1966 das Denkmal für die Verteidiger der Küste, ein hoher, kantiger Steinblock, den du schon von der Hafeneinfahrt aus siehst.

Rechne für die Runde mit ein bis zwei Stunden zu Fuß. Die Wege sind größtenteils befestigt, es gibt kaum Schatten und wenig Unterstand.

Wie du hinkommst

Zwei Wege führen nach Westerplatte. Mit dem Bus ab der Innenstadt bist du in etwa einer halben Stunde dort, das ist die zuverlässige Variante. Von den Anlegern an der Motława fahren im Sommer außerdem Ausflugsschiffe die Tote Weichsel hinunter, vorbei an Werft und Hafenbecken. Diese Fahrt dauert etwa eine Stunde je Richtung und zeigt dir nebenbei, wie groß dieser Hafen ist.

Wenn du mit dem Schiff fährst, prüf vor dem Aussteigen die letzte Rückfahrt. Wer sie verpasst, steht am Ende einer Halbinsel. Wie das Nahverkehrsnetz sonst funktioniert, steht unter Verkehr in Danzig.

Achtung: Westerplatte ist zugleich Kriegsgräberstätte. Auf dem Gelände sind Gefallene bestattet, und seit einigen Jahren wird dort archäologisch gearbeitet. Es gelten dieselben Regeln wie auf jedem Friedhof: leise sein, auf den Wegen bleiben, nicht auf Ruinen und Denkmäler klettern, nichts mitnehmen. Am 1. September finden offizielle Gedenkfeiern statt, dann ist das Gelände teilweise abgesperrt.

Der Ort und seine Geschichte in der Stadt

Wer verstehen will, was nach dem 1. September 1939 folgte, findet den Zusammenhang im Museum des Zweiten Weltkriegs in der Innenstadt. Seine Ausstellung liegt fast vollständig unter der Erde und erzählt den Krieg vor allem aus der Sicht der Zivilbevölkerung Osteuropas. Sie ist umfangreich und fordernd, drei Stunden sind das Minimum.

Beides an einem Tag ist möglich, aber nicht empfehlenswert. Nimm dir für Westerplatte den halben Tag und für das Museum einen eigenen. Weitere Orte dieser Art im ganzen Land stehen auf der Seite zu den Gedenkorten des Zweiten Weltkriegs.

Gut zu wissen: Das Gelände selbst ist frei zugänglich und kostet keinen Eintritt, es ist auch nicht umzäunt. Für die Ausstellung in der Wache Nummer eins gelten eigene Öffnungszeiten, die du auf der offiziellen Website des Museums des Zweiten Weltkriegs findest. Es gibt vor Ort kaum Verpflegung, nimm Wasser mit.

In der Nähe

Die zweite Geschichte des 20. Jahrhunderts, die diese Stadt geprägt hat, liegt auf dem Weg zurück: das Europäische Solidarność-Zentrum am Tor der ehemaligen Werft. Die Schiffe legen unweit des Krantors ab. Alle Orte der Stadt im Überblick stehen unter Danzig Sehenswürdigkeiten, die Stadt selbst unter Gdańsk.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es nur an Feiertagen und rund um den 1. September. Wenn Gruppen am Denkmal stehen, dreh die Runde um und geh zuerst zu den Ruinen und zur Wache Nummer eins. Sind die Ausflugsschiffe ausgebucht, nimmst du den Bus.
  • Wenn es regnetDas Gelände ist offen und hat kaum Unterstand, bei Dauerregen wird der Besuch unangenehm. Verschieb ihn dann und nimm stattdessen das Museum des Zweiten Weltkriegs in der Innenstadt, das inhaltlich anschließt.
  • Mit KindernMachbar, aber erklärungsbedürftig. Ohne Einordnung bleibt es ein Waldweg mit Mauerresten. Sag vorher, dass hier Menschen gestorben und begraben sind, dann verhalten sich auch jüngere Kinder entsprechend. Kinderwagen kommen auf den Hauptwegen durch.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDie Hauptwege sind befestigt und weitgehend eben, die Strecke ist aber lang und liegt in der Sonne. Zum Denkmal führt eine Treppe den Hügel hinauf, unten bleibt der Blick trotzdem gut. Die Wache Nummer eins hat Stufen am Eingang.

Häufige Fragen

Warum begann der Zweite Weltkrieg auf Westerplatte?

Weil dort ein polnisches Militärdepot lag, mitten im Gebiet der Freien Stadt Danzig. Das deutsche Schulschiff Schleswig-Holstein war am 25. August 1939 zu einem angekündigten Besuch eingelaufen und eröffnete am 1. September um 4.45 Uhr das Feuer auf die Anlage. Der Angriff auf Polen begann in derselben Stunde auch an anderen Stellen der Grenze.

Wie lange hielt die Besatzung von Westerplatte stand?

Sieben Tage, vom 1. bis zum 7. September 1939. Die rund zweihundert Soldaten unter Major Henryk Sucharski sollten im Ernstfall etwa zwölf Stunden durchhalten, bis Entsatz käme. Der kam nicht. Etwa fünfzehn Verteidiger kamen ums Leben. In Polen steht Westerplatte seitdem für Widerstand gegen eine erdrückende Übermacht.

Kostet der Besuch von Westerplatte Eintritt?

Nein. Das Gelände ist offenes Terrain, frei zugänglich und nicht umzäunt. Nur für die Ausstellung in der erhaltenen Wache Nummer eins gelten eigene Öffnungszeiten. Bezahlen musst du für die Anreise, also für Bus oder Ausflugsschiff. Verpflegung gibt es vor Ort kaum, Wasser gehört in den Rucksack.

Wie kommt man von Danzig nach Westerplatte?

Mit dem Bus ab der Innenstadt in etwa einer halben Stunde, das ist die zuverlässige Variante. Im Sommer fahren zusätzlich Ausflugsschiffe von den Anlegern an der Motława, etwa eine Stunde je Richtung, vorbei an Werft und Hafen. Wer mit dem Schiff kommt, sollte vorher die letzte Rückfahrt des Tages prüfen.

Ist Westerplatte für Kinder geeignet?

Das Gelände ist offen und gut zu laufen, insofern ja. Der Ort selbst ist eine Kriegsgräberstätte und braucht eine Erklärung, sonst bleibt er ein Waldspaziergang mit Ruinen. Für Kinder im Grundschulalter reicht meist der äußere Rahmen, ältere Kinder können mit der Vorgeschichte etwas anfangen. Ruhiges Verhalten gilt für alle.