Großpolen · Posen

Rogal-Museum & Martinshörnchen

Der rogal świętomarciński ist ein Hörnchen aus Blätterhefeteig mit weißem Mohn, Nüssen und kandierten Früchten, und er gehört zu Poznań wie sonst nichts. Seit 2008 ist der Name in der EU als geschützte geografische Angabe eingetragen: Nur wer sich an das Rezept hält und zertifiziert ist, darf ihn so nennen.

Am Alten Markt zeigt ein kleines Museum in einem historischen Palais, wie das Ding entsteht. Es ist weniger Ausstellung als Vorführung: Der Teig wird vor dir gezogen, Gäste dürfen mitmachen, und die Erklärungen kommen im Posener Stadtdialekt. Eine Stunde, die auch mit Kindern funktioniert.

Rogal-Museum & Martinshörnchen
Foto: MOs810, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Polnischer Namerogal świętomarciński
  • Schutzstatusgeschützte geografische Angabe der EU, seit 2008
  • Füllungweißer Mohn, Nüsse, Rosinen, kandierte Früchte
  • Hochsaisonrund um den 11. November
  • Museumam Alten Markt, Vorführungen zu festen Zeiten
  • Dauerrund 1 Stunde

Was ein Martinshörnchen ist

Der Teig ist ein Hefeteig, der wie Blätterteig mit Butter touriert und viele Male gefaltet wird, deshalb blättert das Gebäck beim Abbrechen. Die Füllung besteht aus weißem Mohn, der anders schmeckt als der dunkle, dazu Nüsse, Rosinen und kandierte Früchte. Obendrauf kommt Zuckerguss und gehackte Nuss.

Die Spezifikation schreibt neben den Zutaten auch das Gewicht vor, ein zertifiziertes Hörnchen liegt zwischen 150 und 250 Gramm. Das ist reichlich: Eines reicht meistens für zwei Personen zum Kaffee. Bäckereien, die den geschützten Namen führen dürfen, hängen ihr Zertifikat sichtbar aus, oft direkt an der Theke.

Das Museum am Alten Markt

Das Rogalowe Muzeum sitzt in einem Palais an der Westseite des Alten Markts, im ersten Stock, mit Fenstern zum Platz. Der Ablauf ist immer gleich: Alle setzen sich, zwei Leute führen durch die Herstellung, mehrere Gäste dürfen nach vorn und selbst kneten, rollen und füllen.

Zwischendurch geht es um die Stadtgeschichte und um die Sprache. Die Vorführung läuft auf Polnisch und auf Englisch, und die polnische Fassung streut Wörter aus der Posener Mundart ein. Am Ende bekommt jeder ein Stück zu probieren. Buche vorher ein Zeitfenster, die Vorführungen laufen in festen Blöcken und sind am Wochenende oft ausverkauft.

Gut zu wissen: Ein paar Wörter aus dem Posener Stadtdialekt hörst du in der Vorführung immer wieder. Pyry sind Kartoffeln, die bimba ist die Straßenbahn, und eine szneka z glancem ist ein Hefegebäck mit Zuckerguss. Wer das aufschnappt, versteht auch die Schilder in manchem Café.

Der 11. November

Am Martinstag wird die Hauptstraße Święty Marcin zur Bühne: Ein Umzug zieht durch die Stadt, der heilige Martin kommt zu Pferd, der Stadtpräsident übergibt ihm symbolisch den Schlüssel. Gebacken und gegessen werden an diesem Tag Hunderte Tonnen Hörnchen, vor den Bäckereien stehen Schlangen.

Derselbe Tag ist in Polen Nationalfeiertag, der Unabhängigkeitstag von 1918. Beides fällt zusammen, und Poznań feiert entsprechend beides. Wenn du in dieser Woche kommst, buche dein Zimmer früh, siehe Hotels in Posen.

Achtung: Nicht jedes Hörnchen im Schaufenster ist ein zertifizierter rogal świętomarciński. Achte auf das ausgehängte Zertifikat der Zunft, sonst bekommst du eine Kopie mit dunklem Mohn und weniger Füllung. Am Alten Markt zahlst du außerdem mehr als in einer Bäckerei zwei Straßen weiter.

Tickets: Das Museum arbeitet mit Zeitfenstern und festen Vorführungen, gebucht wird online oder an der Kasse, solange noch Plätze frei sind. Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro, Karten funktionieren überall. Lehn die Abrechnung in Euro am Terminal ab und wähle Złoty, sonst zahlst du den Aufschlag der dynamischen Währungsumrechnung.

Offizielle Seite der Stadt

Was in der Nähe liegt

Du bist mitten am Alten Markt: Die Ziegenböcke am Rathausturm sind einen Blick nach oben entfernt, zur Dominsel läufst du fünfzehn Minuten. Wo du danach richtig isst, steht unter Essen und Trinken in Posen, und was sonst noch auf dem Teller landen sollte, unter polnische Küche. Alle Orte der Stadt stehen unter Posen Sehenswürdigkeiten.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istWenn alle Vorführungen ausgebucht sind, kaufst du dir ein zertifiziertes Hörnchen in einer Bäckerei abseits des Platzes und setzt dich damit auf die Stufen am Rathaus. Für den nächsten Tag buchst du gleich online, am besten den ersten Block am Vormittag.
  • Wenn es regnetAlles liegt drinnen, im ersten Stock mit Blick auf den Platz. Bei Dauerregen kombinierst du das Museum mit dem Museum für Musikinstrumente an derselben Platzseite und bleibst so einen halben Tag im Trockenen.
  • Mit KindernSehr gut geeignet, weil Kinder nach vorn dürfen und selbst kneten. Kleine Kinder brauchen vielleicht Hilfe beim langen Sitzen, dafür gibt es am Ende etwas zu essen. Rechne mit süßen Fingern und nimm ein Tuch mit.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDer Vorführraum liegt im ersten Stock eines historischen Hauses, es gibt Treppen. Frag vorher nach, ob und wie ein Aufzug erreichbar ist, das lässt sich nicht spontan lösen. Der Weg über den Platz dorthin führt über grobes Kopfsteinpflaster.

Häufige Fragen

Was ist ein Rogal świętomarciński?

Ein Hörnchen aus gefaltetem Butter-Hefeteig mit einer Füllung aus weißem Mohn, Nüssen, Rosinen und kandierten Früchten, obendrauf Zuckerguss und gehackte Nüsse. Seit 2008 ist der Name in der EU geschützt, nur zertifizierte Betriebe in und um Poznań dürfen ihn führen. Ein Stück wiegt zwischen 150 und 250 Gramm und reicht meist für zwei.

Lohnt sich das Rogal-Museum in Posen?

Wenn du Vorführungen magst, ja. Es ist keine stille Ausstellung, sondern eine Stunde mit Mitmachen, Erzählen und Probieren, und sie erklärt nebenbei Stadtgeschichte und Mundart. Wer Museen lieber allein durchläuft, wird mit dem Format nichts anfangen können. Für Familien ist es einer der besten Programmpunkte der Stadt.

Muss man das Rogal-Museum vorher buchen?

Ja, besser. Die Vorführungen laufen in festen Blöcken mit begrenzter Platzzahl und sind an Wochenenden und in den Ferien oft ausverkauft. Buche online ein Zeitfenster und achte darauf, ob die Runde auf Englisch angeboten wird. Unter der Woche bekommst du an der Kasse oft noch einen Platz.

Wann isst man in Posen Martinshörnchen?

Rund um den 11. November, den Martinstag, der in Polen zugleich Unabhängigkeitstag ist. Dann zieht ein Umzug durch die Straße Święty Marcin, und in der Stadt werden Hunderte Tonnen Hörnchen verkauft. Bekommen kannst du sie aber das ganze Jahr über, in zertifizierten Bäckereien und Cafés.