Großpolen · Posen

Posen Sehenswürdigkeiten

Poznań ist die Stadt, in der Polen anfängt. Auf der Dominsel stand im 10. Jahrhundert die Burg der ersten Herrscher, 968 bekam die Stadt das erste Bistum des Landes, und in der Krypta des Doms liegen die Mauerreste, auf denen das alles gegründet wurde.

Das Beste daran ist die Größe: Du schaffst das zu Fuß. Vom Alten Markt bis zum Dom läufst du eine gute Viertelstunde, in die andere Richtung liegt das Kaiserschloss in zehn Minuten. Diese Liste sortiert die zwölf Orte, die den Unterschied machen, sagt dir bei jedem, wie viel Zeit er kostet, und hängt am Ende eine Runde daran, die fast alles verbindet. Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro, und die Karte funktioniert an fast jeder Kasse.

Posen Sehenswürdigkeiten
Foto: Scotch Mist, CC BY-SA 3.0 · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • WoiwodschaftGroßpolen (Wielkopolskie)
  • Polnischer NamePoznań
  • Erstes Bistum Polens968, auf Ostrów Tumski
  • Alter Marktrund 140 mal 140 Meter
  • Für die Stadt2 volle Tage
  • Beste ReisezeitMai bis September

Die zwölf wichtigsten Orte in Poznań

Die Reihenfolge ist eine Empfehlung, keine Rangliste. Die ersten fünf haben eigene Seiten mit allen Details, der Rest steht hier komplett. Bis Nummer 9 liegt alles so dicht beieinander, dass du zwischen zwei Punkten selten länger als zehn Minuten läufst. Wer nur einen Tag hat, macht die Nummern 1 bis 3 und 6 und hat die Stadt trotzdem verstanden.

1 Alter Markt mit Rathaus

Der Stary Rynek misst rund 140 mal 140 Meter, und in seiner Mitte liegt kein leerer Raum, sondern ein ganzer Block aus Rathaus, alter Waage, Wachhaus und den schmalen Budenhäusern. Seine Renaissanceform bekam das Rathaus zwischen 1550 und 1560 von Giovanni Battista di Quadro aus Lugano.

Punkt zwölf öffnet sich über der Uhr eine Klappe, und zwei metallene Ziegenböcke stoßen zwölfmal die Hörner gegeneinander. Vorher bläst ein Trompeter vom Turm. Warum das so ist und was der Platz 1945 verlor, steht auf der Seite zum Alten Markt und Rathaus.

2 Ostrów Tumski mit Dom

Auf der Dominsel steht die älteste Kathedrale Polens. In der Krypta darunter liegen die Fundamente der Vorgängerbauten aus dem 10. Jahrhundert und die vermutete Grabstätte der ersten Herrscher. Seit 968 sitzt hier ein Bischof, das war das erste Bistum des Landes.

Auf der anderen Seite der Cybina erklärt Porta Posnania in einem Betonbau mit Kopfhörer, wie aus einer Burginsel ein Staat wurde. Alles dazu auf der Seite zur Dominsel Ostrów Tumski.

3 Kaiserschloss

Ein neuromanischer Bau von 1905 bis 1910, errichtet für Wilhelm II. als Zeichen preußischer Macht in einer polnischen Stadt. Zwischen 1939 und 1945 bauten die deutschen Besatzer ihn erneut um, samt einem Arbeitszimmer, das für Hitler eingerichtet wurde.

Heute ist es ein Kulturzentrum mit Kino, Konzerten und einem Rosengarten im Innenhof. Wie das Haus seine Schichten erklärt und was du davon zu sehen bekommst, liest du beim Kaiserschloss.

4 Stary Browar

Eine Brauerei aus dem 19. Jahrhundert, umgebaut zu einem Einkaufs- und Kunstzentrum aus Backstein, mit Höfen, Durchgängen und Kunst an den Wänden. 2005 wählte der internationale Verband der Shoppingcenter das Haus zum besten seiner Größenklasse weltweit.

Du gehst nicht zum Einkaufen hin, sondern wegen der Architektur, und danach in den Park nebenan. Details beim Stary Browar.

5 Rogalowe Muzeum

Am Alten Markt zeigt ein kleines Museum, wie das Martinshörnchen entsteht. Das Publikum darf mitkneten, und die Erklärungen fallen im Posener Stadtdialekt, was die polnischen Gäste im Raum mehr freut als alles andere.

Das Gebäck heißt rogal świętomarciński, ist in der EU als Herkunftsangabe geschützt und schmeckt nach weißem Mohn. Mehr beim Rogal-Museum.

6 Pfarrkirche Fara

Zwei Minuten südlich vom Alten Markt steht die Stanislaus-Kirche, von Jesuiten gebaut und um 1700 vollendet. Innen ist sie so voll Barock, dass du erst einmal nach oben schaust: rosa Säulen aus Stuckmarmor, vergoldete Kapitelle, ein Altar bis unter die Decke.

Die Kirche hat eine große Orgel, Konzerte gibt es regelmäßig. Sie ist ein aktives Gotteshaus mit Messzeiten, während des Gottesdienstes wird nicht besichtigt.

7 Palmenhaus im Park Wilsona

Die Palmiarnia wurde 1910 angelegt und gehört zu den größten Palmenhäusern Europas. Unter Glas stehen Palmen, Kakteen und Bananenstauden, dazu kommen Becken mit Fischen aus tropischen Flüssen.

Bei Regen ist das die beste Adresse der Stadt. Der Park drumherum liegt direkt hinter dem Stary Browar.

8 Zamek Przemysła

Auf dem Hügel westlich des Alten Markts stand die Burg der Herzöge und Könige aus dem 13. Jahrhundert. Was du heute siehst, ist ein Neubau, 2016 fertig geworden und unter Denkmalpflegern umstritten, weil niemand genau weiß, wie das Original aussah.

Drinnen sitzt das Museum für angewandte Kunst mit Möbeln, Glas und Uhren. Vom Turm siehst du über die Dächer der Altstadt bis zu den Türmen des Doms.

9 Nationalmuseum

Das Muzeum Narodowe zeigt polnische Malerei und alte europäische Meister. Der berühmteste Besitz ist „Der Strand von Pourville“ von Claude Monet, das einzige Bild des Malers in einer polnischen Sammlung.

Es wurde im Jahr 2000 aus dem Rahmen geschnitten und erst zehn Jahre später wiedergefunden. Heute hängt es wieder an der Wand, gut bewacht.

10 Cytadela

Nördlich vom Zentrum liegt der größte Park der Stadt, auf den Resten der preußischen Festung Winiary. Im Februar 1945 war das die letzte Stellung der deutschen Truppen in Poznań, entsprechend liegen hier mehrere Kriegsgräberfelder, darunter ein britisches.

Zwischen den Wällen stehen 112 kopflose Eisenfiguren von Magdalena Abakanowicz. Sie heißen „Die Nichterkannten“, laufen alle in dieselbe Richtung und sehen aus jedem Winkel anders aus.

11 Śródka

Das kleine Viertel östlich der Dominsel war jahrhundertelang eigenständig und lag lange im Schatten. Heute klebt an einer Brandwand ein Wandbild, das eine ganze Straßenszene in gemalter Tiefe zeigt, mit Kirche, Balkonen und einer Straßenbahn.

Ringsum haben kleine Cafés aufgemacht. Für die halbe Stunde nach dem Dom ist das der richtige Ort, und die Porta Posnania liegt gleich um die Ecke.

12 Malta-See

Der künstliche See östlich der Dominsel ist eine Regattastrecke mit einem Uferweg rundherum. Am Nordufer fährt eine Schmalspurbahn, am Ostufer liegen der Neue Zoo und eine große Therme mit Becken unter Glas.

Mit Kindern wird daraus ein ganzer Tag, ohne Kinder reicht die flache Runde am Wasser.

Tipp: Sei um Viertel vor zwölf am Alten Markt und stell dich auf die Ostseite des Rathauses, dorthin zeigt die Uhr. Der Auftritt der Ziegenböcke dauert keine Minute, und wer erst um zwölf um die Ecke biegt, sieht die Rücken der anderen. Danach ist der Platz für eine Stunde am vollsten, das ist die beste Zeit für den Dom.

Warum Poznań als Wiege des polnischen Staates gilt

966 ließ sich Mieszko I. taufen, der erste Herrscher, dessen Reich schon die Umrisse Polens hatte. Wo genau das geschah, ist bis heute nicht geklärt: Ostrów Tumski in Poznań gehört zu den wahrscheinlichen Orten, Ostrów Lednicki auf halbem Weg nach Gniezno ebenfalls. Sicher ist, dass Poznań 968 das erste Bistum des Landes bekam.

Auf der Insel lag die Pfalz der ersten Herrscher, im Dom liegen sie begraben. Gniezno, rund fünfzig Kilometer östlich, wurde im Jahr 1000 Erzbistum und Krönungsort. Die beiden Städte gehören zusammen und liegen an der Piastenroute durch Großpolen.

Der zweite Teil der Stadtgeschichte ist jünger. Von 1793 bis 1918 gehörte Poznań zu Preußen, ab 1815 als Hauptstadt der Provinz Posen, und die Stadt wuchs in dieser Zeit weit über die Altstadt hinaus. Ende 1918 begann hier der Großpolnische Aufstand, der die Region an den wiedergegründeten polnischen Staat brachte. Beide Schichten stehen heute nebeneinander, und die Stadt erklärt sie offen.

Orte, an denen nicht besichtigt wird

Im Fort VII am westlichen Stadtrand richteten die deutschen Besatzer im Oktober 1939 das erste Konzentrationslager auf besetztem polnischem Boden ein. Dort wurden im Herbst 1939 erstmals Menschen mit Gas ermordet, Patienten aus psychiatrischen Anstalten der Region. Heute ist das Fort eine Gedenkstätte mit Museum. Der Weg führt durch kalte, dunkle Kasematten. Für Kinder ist der Besuch nicht gedacht, für Jugendliche ab etwa vierzehn Jahren nur mit Vorbereitung.

In der Innenstadt steht vor dem Kaiserschloss das Denkmal für den Posener Juni 1956: zwei hohe Kreuze, durch ein Band verbunden. Im Juni 1956 streikten die Arbeiter der großen Waggonfabrik, der Protest wuchs zum Aufstand und wurde mit Panzern niedergeschlagen. Dutzende Menschen starben, unter ihnen ein dreizehnjähriger Junge. Es war der erste große Aufstand im kommunistischen Polen.

Eine Runde zu Fuß

Start um elf am Alten Markt, einmal um den Rathausblock herum, ein Blick auf die Budenhäuser mit ihren Arkaden und auf die Bamberka, die Figur einer Siedlerin aus der Gegend um Bamberg. Um zwölf die Ziegenböcke, danach zwei Minuten nach Süden zur Fara.

Weiter nach Osten über die Warthebrücken auf die Dominsel: Dom, Krypta und Goldene Kapelle. Dann über den Steg nach Śródka zum Wandbild und, wenn du magst, in die Porta Posnania. Zurück läufst du am Wasser oder nimmst die Tram, siehe Verkehr in Posen.

Der zweite Tag gehört dem Westen: Kaiserschloss, das Denkmal davor, das Nationalmuseum, danach der Stary Browar und der Park Wilsona mit dem Palmenhaus. Für Cytadela und Malta-See rechnest du je einen halben Tag dazu. Den Überblick über die Stadt gibt die Seite zu Posen.

Ort Buchung Zeit einplanen
Ziegenböcke am Rathaus keine, einfach rechtzeitig da sein 15 Minuten
Rogalowe Muzeum Zeitfenster vorab, Vorführungen laufen in Blöcken 1 Stunde
Porta Posnania online sinnvoll, am Wochenende früh 1 bis 2 Stunden
Kaiserschloss Hof frei zugänglich, Führungen nach Termin 1 bis 2 Stunden
Dom mit Krypta an der Kasse vor Ort, Messzeiten gehen vor 1 Stunde
Malta-See mit Zoo Zoo online spart die Schlange am Eingang halber bis ganzer Tag

Tickets: Poznań ist unkompliziert. Nur zwei Häuser arbeiten mit festen Zeitfenstern, das Rogal-Museum und die Porta Posnania, und beide buchst du vorher online. Alles andere bekommst du an der Kasse. Bezahlt wird in Złoty, nicht in Euro, die Karte funktioniert an fast jedem Terminal. Wenn dich das Gerät fragt, ob du in Euro abrechnen willst, lehnst du ab und wählst Złoty, sonst zahlst du den Aufschlag der dynamischen Währungsumrechnung.

Offizielle Seite der Stadt

Gut zu wissen: Dom und Fara sind aktive Gotteshäuser mit Messzeiten. Schultern und Knie bleiben bedeckt, während des Gottesdienstes wird nicht besichtigt und nicht fotografiert. Wichtig ist außerdem die Schreibweise: Auf Fahrkarten, Bahnsteigen und Wegweisern steht immer Poznań, mit dem deutschen Namen kommst du am Automaten nicht weiter. Und wenn auf dem Messegelände eine große Messe läuft, werden die Hotelzimmer in der ganzen Stadt knapp.

Häufige Fragen

Wie viele Tage braucht man für Posen?

Zwei volle Tage reichen für das Zentrum: Alter Markt mit den Ziegenböcken, Fara, Dominsel mit Dom und Krypta, Śródka und Porta Posnania am ersten Tag, dazu Kaiserschloss, Nationalmuseum, Stary Browar und Palmenhaus am zweiten. Ein dritter Tag lohnt sich für Cytadela und Malta-See oder für einen Ausflug nach Gniezno. Für einen einzigen Tag bleibst du zwischen Rynek und Dom.

Wann stoßen die Ziegenböcke am Rathaus in Posen zusammen?

Jeden Tag um zwölf Uhr mittags, und nur dann. Kurz davor bläst ein Trompeter vom Turm, danach öffnet sich über der Uhr eine Klappe und die beiden Böcke stoßen zwölfmal die Hörner gegeneinander. Das Ganze dauert weniger als eine Minute. Stell dich auf die Ostseite des Rathauses und sei eine Viertelstunde früher da, dann siehst du wirklich etwas.

Welche Sehenswürdigkeiten in Posen sind kostenlos?

Der Alte Markt, die Ziegenböcke, der Gang über die Dominsel, das Wandbild in Śródka, der Innenhof des Kaiserschlosses mit dem Rosengarten, der Park Wilsona, die Cytadela mit den Figuren von Abakanowicz und der Uferweg am Malta-See kosten nichts. Kirchen sind frei zugänglich, um eine Spende wird gebeten. Bezahlen musst du für Museen, Krypta, Turm und Palmenhaus.

Wann ist die beste Reisezeit für Posen?

Mai bis September. Der August ist mit einem Mittel der Höchstwerte von 25,4 Grad der wärmste Monat, der Juli bringt mit 73 Millimetern den meisten Regen. Am angenehmsten ist der September: 20,6 Grad und mit 8 Tagen die wenigsten Regentage im Jahr. Im Mai sind es 18,9 Grad. Im Januar bleibt es mit 3,1 Grad am Tag grau, nachts geht es auf minus 1,6 Grad.

Lohnt sich Posen für ein Wochenende?

Ja, gerade als kurze Reise. Die Stadt ist kompakt, die Wege sind kurz, und du brauchst weder Auto noch straffen Plan. Von Berlin sind es rund 240 Kilometer Luftlinie, mit dem Zug bist du in knapp drei Stunden da, damit ist Poznań nach Szczecin die am einfachsten erreichbare Großstadt Polens. Zwei Nächte reichen für alles Wichtige, drei sind angenehmer.

Was muss man in Posen vorher buchen?

Wenig. Das Rogal-Museum arbeitet mit festen Vorführungen und ist an Wochenenden oft ausgebucht, das buchst du als Erstes. Für die Porta Posnania lohnt sich ein Zeitfenster, für Führungen durch das Kaiserschloss ein Blick auf die Termine. Alles andere klappt spontan. Wenn eine große Messe läuft, buchst du dein Hotel deutlich früher.