Niederschlesien · Breslau

Jahrhunderthalle

Vier Kilometer östlich vom Rynek steht ein Bauwerk, das für seine Zeit fast unglaublich war: eine Kuppel aus Stahlbeton mit 65 Metern Spannweite, gebaut von 1911 bis 1913 nach Plänen des Stadtbaurats Max Berg. Größer hatte das damals niemand gewagt.

Seit 2006 gehört die Hala Stulecia zum UNESCO-Welterbe, und zwar nicht wegen ihrer Schönheit, sondern weil sie den Betonbau des 20. Jahrhunderts geprägt hat. Drumherum liegen ein Park, eine große Fontäne und ein japanischer Garten. Zusammen wird daraus ein guter halber Tag, besonders mit Kindern.

Jahrhunderthalle
Foto: Jar.ciurus, CC BY-SA 3.0 pl · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Polnischer NameHala Stulecia
  • Bauzeit1911 bis 1913, Architekt Max Berg
  • Kuppelrund 65 Meter Spannweite aus Stahlbeton
  • UNESCO-Welterbeseit 2006
  • AnreiseTram vom Zentrum, rund 15 Minuten
  • Dauerhalber Tag mit Park und Fontäne

Was an dieser Halle besonders ist

Die Halle entstand zur Jahrhundertausstellung von 1913, hundert Jahre nach den Befreiungskriegen gegen Napoleon. Max Berg entwarf einen Kuppelbau aus Stahlbeton, dessen Ringe sich nach oben staffeln wie ein umgedrehter Trichter. Innen finden mehrere tausend Menschen Platz, und über dir hängt nichts als Beton.

Beton war damals ein Baustoff für Fundamente und Brücken, nicht für Repräsentationsbauten. Berg ließ ihn sichtbar, ohne Verkleidung, und genau das macht den Bau bis heute wichtig. In der Volksrepublik hieß er Hala Ludowa, Volkshalle, und wurde für Kongresse und Konzerte genutzt. Beide Namen sind in der Stadt noch geläufig.

Innen und außen

Die Halle ist ein Veranstaltungsort, kein Museum. Wenn nichts aufgebaut wird, kommst du über eine Besucherausstellung in den Innenraum, die die Baugeschichte mit Modellen und Filmen erklärt. Bei Konzerten, Messen und Sportveranstaltungen bleibt der Saal geschlossen, das lässt sich vorher auf der Website prüfen.

Draußen führt die Pergola um einen langgestreckten Teich, ein halbkreisförmiger Säulengang mit Rankgewächsen, ebenfalls von 1913. Im Wasser liegt seit 2009 die Multimedia-Fontäne, die in ihrer Saison mehrmals täglich mit Musik und abends mit Licht spielt. Das kostet nichts, und die Kinder werden nass, wenn du sie lässt.

Tipp: Nimm die Fontäne am Abend statt am Nachmittag. In der Dunkelheit kommt die Projektion auf den Wasserwänden zur Geltung, und die Kuppel dahinter wird angestrahlt. Zieh dir eine Jacke an, am Wasser ist es kühler, als du denkst.

Was noch im Park steht

Neben der Halle ragt die Iglica in die Höhe, eine schlanke Stahlnadel von 1948, aufgestellt zu einer großen Ausstellung, mit der die neue polnische Verwaltung die westlichen Gebiete präsentierte. Sie ist Wahrzeichen und Zeitzeugnis zugleich.

Gleich daneben liegt der Pawilon Czterech Kopuł, der Vierkuppelpavillon von Hans Poelzig aus derselben Bauzeit, heute Museum für moderne Kunst. Dahinter beginnt der japanische Garten, der ebenfalls 1913 angelegt und in den Neunzigerjahren mit japanischer Hilfe erneuert wurde. Und auf der anderen Seite der Straße liegt der Zoo mit dem Afrykarium, dem einzigen Haus seiner Art in Europa, das ganz afrikanischen Gewässern gewidmet ist.

Das Ganze liegt im Szczytnicki-Park, einem der ältesten Landschaftsparks der Stadt. Dort steht auch eine kleine Holzkirche mit Schindeldach, die im 16. Jahrhundert in Oberschlesien gebaut und Anfang des 20. Jahrhunderts hierher versetzt wurde. Sie ist der stillste Punkt auf dem ganzen Gelände und wird von den meisten übersehen.

Tickets: Für die Besucherausstellung in der Halle zahlst du an der Kasse, eine Vorbuchung brauchst du nicht. Der Park und die Fontäne sind frei zugänglich. Für den japanischen Garten, den Vierkuppelpavillon und den Zoo gibt es jeweils eigene Tickets. Beim Zoo lohnt das Onlineticket, weil die Schlange am Eingang an Wochenenden lang wird. Bezahlt wird in Złoty, und wenn das Terminal Euro anbietet, lehnst du ab.

Zur offiziellen Website der Halle

Hinkommen und kombinieren

Vom Zentrum fährt die Tram rund eine Viertelstunde, die Haltestelle liegt direkt vor dem Gelände. Wie das Netz funktioniert und wie du Tickets löst, steht unter Verkehr in Breslau.

Der sinnvolle Ablauf: vormittags Zoo, mittags Park und japanischer Garten, nachmittags die Halle, abends die Fontäne. Ohne Kinder reicht ein halber Tag für Halle, Pergola und Pavillon. Danach fährst du zurück ins Zentrum, siehst dir die Dominsel zur Dämmerung an oder isst am Rynek. Alles andere in der Stadt steht unter Breslau Sehenswürdigkeiten, weitere Welterbestätten des Landes findest du unter UNESCO-Welterbe in Polen.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll ist es an Wochenenden im Sommer, vor allem am Zoo und zu den Fontänenzeiten. Komm früh, kauf das Zooticket online und schau dir die Halle in der Mittagszeit an, wenn alle im Park sind. Für die Fontäne stellst du dich an den westlichen Rand des Teichs, dort ist mehr Platz.
  • Wenn es regnetDie Besucherausstellung in der Halle und der Vierkuppelpavillon mit dem Kunstmuseum sind trocken, der Zoo hat mit dem Afrykarium ein großes Hallenrevier. Die Fontäne fällt bei Sturm aus, der japanische Garten macht bei Dauerregen keinen Spaß.
  • Mit KindernSehr gut. Wiese, Wasser, Zoo und ein Park ohne Autoverkehr sind eine verlässliche Kombination. Die Fontäne ist der Höhepunkt, plane Wechselkleidung ein. Für den Zoo brauchst du einen ganzen Tag, alles zusammen an einem Tag wird zu viel.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Gelände ist weitläufig, aber flach und gut befestigt, mit Rollstuhl und Kinderwagen gut zu befahren. Die Halle selbst ist ebenerdig zugänglich. Die Wege im japanischen Garten sind eng und teilweise geschottert, die Tram hält direkt am Eingang.

Häufige Fragen

Warum ist die Jahrhunderthalle UNESCO-Welterbe?

Weil sie den Betonbau des 20. Jahrhunderts entscheidend vorangebracht hat. Max Bergs Kuppel von 1913 überspannt rund 65 Meter und war damit die größte Stahlbetonkuppel ihrer Zeit. Der Beton bleibt sichtbar, ohne Verkleidung, und diese Konsequenz machte den Bau zum Vorbild. Aufgenommen wurde die Halle 2006 in die Welterbeliste.

Kann man die Jahrhunderthalle von innen besichtigen?

Meistens ja, über eine Besucherausstellung, die die Baugeschichte zeigt und in den Innenraum führt. Weil die Halle ein aktiver Veranstaltungsort ist, bleibt der Saal bei Konzerten, Messen und Sportterminen geschlossen. Prüf das am Reisetag auf der Website, dann sparst du dir die Fahrt umsonst.

Lohnt sich die Jahrhunderthalle mit Kindern?

Ja, aber nicht wegen der Halle. Die Kombination macht es: Fontäne im Park, japanischer Garten, viel Wiese und der Zoo mit dem Afrykarium direkt gegenüber. Damit füllst du einen ganzen Tag. Die Ausstellung in der Halle selbst ist für kleine Kinder schnell erledigt.

Wie kommt man vom Zentrum zur Jahrhunderthalle?

Mit der Tram, das dauert vom Zentrum rund eine Viertelstunde, die Haltestelle liegt direkt am Gelände. Ein Ticket löst du am Automaten in der Bahn oder per App, bezahlt wird in Złoty. Zu Fuß sind es vier Kilometer am Oderufer entlang, was bei gutem Wetter ein schöner Weg ist.

Wann läuft die Fontäne an der Jahrhunderthalle?

In ihrer Saison im Frühjahr, Sommer und Frühherbst, mehrmals täglich zu festen Zeiten, abends mit Licht und Projektionen. Im Winter ist sie abgestellt. Die Vorführung kostet nichts. Die aktuellen Zeiten hängen am Gelände aus und stehen auf der Website der Halle.