Auf einen Blick
- Hauptmahlzeitobiad am frühen Nachmittag, beginnt mit Suppe
- Günstigste Küchebar mleczny, die bezuschusste Milchbar
- Geschützte Namenobwarzanek krakowski, oscypek, rogal świętomarciński
- BezahlenZłoty, Karte fast überall, Trinkgeld rund 10 Prozent
- Promillegrenze0,2, wer fährt, trinkt nichts
Wie in Polen gegessen wird
Die Hauptmahlzeit ist der obiad, und der liegt traditionell nicht am Abend, sondern am frühen Nachmittag. Er beginnt mit einer Suppe, danach kommt das Hauptgericht mit Kartoffeln und einem Rohkostsalat, der surówka heißt. Abends wird oft kalt gegessen. Viele Lokale bieten mittags ein zeitlich begrenztes Tagesgericht an, das lunch oder danie dnia heißt und deutlich weniger kostet als die Karte.
Suppe ist kein Beiwerk. Sie steht am Anfang fast jeder Mahlzeit, und du bekommst sie in einer Menge, die anderswo als Hauptgang durchginge. Wer mittags eine Suppe und abends ein Hauptgericht nimmt, isst so, wie das Land es vorsieht.
Die zwölf Gerichte
1 Pierogi
Gefüllte Teigtaschen, gekocht oder danach in Butter angebraten. Die bekannteste Füllung heißt pierogi ruskie und besteht aus Kartoffeln und Quark; der Name verweist auf Rotreußen, also die östlichen Gebiete der alten Republik, und nicht auf Russland. Dazu gibt es pierogi mit Fleisch, Sauerkraut und Pilzen oder im Sommer süß mit Waldbeeren. Bestellt wird portionsweise, sechs bis neun Stück sind eine Mahlzeit.
2 Żurek
Die Suppe, an der sich entscheidet, ob du polnisches Essen magst. Grundlage ist ein Sauerteig aus Roggenmehl, der tagelang gärt, dazu kommen weiße Wurst, Kartoffeln und ein halbes hartgekochtes Ei. Sie schmeckt säuerlich und rauchig zugleich. In Touristenlagen wird sie in einem ausgehöhlten Brotlaib serviert, was gut aussieht und die Suppe schnell kalt werden lässt.
3 Barszcz czerwony
Rote-Bete-Suppe, meistens klar und nicht cremig, tiefrot und leicht säuerlich. An Heiligabend gehört sie mit uszka auf den Tisch, winzigen Teigtaschen mit Pilzfüllung. Im Winter bekommst du barszcz an Ständen auch im Becher zum Trinken. Achte darauf, dass viele Varianten auf Fleischbrühe basieren, wenn du vegetarisch isst.
4 Bigos
Sauerkraut und Weißkohl, langsam geschmort mit mehreren Fleischsorten, getrockneten Pilzen und oft Backpflaumen. Bigos wird über Tage immer wieder aufgewärmt und gilt erst dann als fertig. Das Ergebnis sieht unscheinbar aus und ist das kräftigste Gericht der polnischen Küche. Ein Winteressen, im Hochsommer wirst du es seltener finden.
5 Kotlet schabowy
Paniertes Schweinekotelett, dazu Kartoffeln und mizeria, ein Gurkensalat mit saurer Sahne und Dill. Der Klassiker des polnischen Sonntagstisches und in jedem Milchbar-Menü zu finden. Wer das Schnitzel aus der eigenen Küche kennt, findet hier keine Überraschung, aber ein sehr verlässliches Essen.
6 Gołąbki
Kohlblätter, gefüllt mit Hackfleisch und Reis oder Graupen, geschmort und meist in Tomatensauce serviert. Der Name bedeutet Täubchen. Es gibt sie auch vegetarisch mit Pilzen und Grütze. Ein Gericht, das nach Familientisch schmeckt und in Milchbars zuverlässig gut ist.
7 Placki ziemniaczane
Kartoffelpuffer, dick, außen knusprig, klassisch mit saurer Sahne oder Zucker. In Schlesien und in den Bergen bekommst du sie als placek po zbójnicku, also mit einem kräftigen Gulasch obendrauf. Das ist dann kein Beilagengericht mehr, sondern ein Teller, an dem du zu zweit essen kannst. Gut probierbar in Breslau.
8 Zapiekanka
Ein halbiertes Baguette mit Champignons und geschmolzenem Käse, darüber Ketchup und je nach Bude noch einiges mehr. Das ist Straßenessen aus den achtziger Jahren und bis heute die Standardmahlzeit nach einem langen Abend. Die bekannteste Adresse ist die Rundhalle auf dem Plac Nowy in Kazimierz.
9 Obwarzanek krakowski
Der geflochtene Teigring, den du in Krakau an jeder Ecke aus kleinen Wagen bekommst, mit Mohn, Sesam oder Salz. Er wird vor dem Backen kurz gebrüht, daher der Name, und ist ein in der EU geschützter Begriff, den nur Bäcker aus Krakau und Umgebung führen dürfen. Frisch am Morgen ist er gut, am Nachmittag zäh. Am Rynek Główny stehen die meisten Wagen.
10 Oscypek
Geräucherter Käse aus Schafsmilch, in der Tatra von Hand in verzierte Spindelformen gepresst. Der Name ist geschützt, und echten oscypek gibt es nur in der Weidesaison der Schafe, also im Sommerhalbjahr. Auf den Straßen von Zakopane wird er gegrillt mit Preiselbeeren verkauft. Vieles, was dort als oscypek verkauft wird, ist allerdings Kuhmilchkäse.
11 Sernik
Käsekuchen aus twaróg, einem körnigen Quark, dichter und weniger süß als die deutsche Variante. Daneben lohnen szarlotka, ein warmer Apfelkuchen mit viel Zimt, und makowiec, die Mohnrolle, die zu Weihnachten auf jedem Tisch steht. Kaffeehäuser mit eigener Konditorei findest du in Warschau reichlich.
12 Pączki
Berliner mit Rosenkonfitüre oder Pflaumenmus, oben glasiert und mit kandierter Orangenschale. Am tłusty czwartek, dem Donnerstag vor Aschermittwoch, stehen im ganzen Land Schlangen vor den Konditoreien, und die Zahl der an einem Tag verkauften pączki wird im Radio durchgegeben. An jedem anderen Tag bekommst du sie auch, nur ohne Schlange.
Regionale Gerichte, die es nur vor Ort gibt
In Posen (Poznań) gehört das rogal świętomarciński dazu, ein Hörnchen mit weißer Mohnfüllung, dessen Name ebenfalls geschützt ist und das rund um den 11. November in enormen Mengen gebacken wird; es gibt sogar ein Museum dazu. In Danzig und an der Küste sind Fisch und Räucherware das Thema, in Schlesien die kluski śląskie, runde Kartoffelklöße mit einer Delle. In den Markthallen, etwa der Hala Targowa in Breslau, siehst du am schnellsten, was gerade Saison hat.
Bar mleczny: die Regeln der Milchbar
Milchbars sind staatlich bezuschusste Kantinen aus der Volksrepublik, die es bis heute gibt. Du isst dort für einen Bruchteil dessen, was ein Restaurant am Marktplatz nimmt, und zwar richtige Hausmannskost. Der Ablauf ist überall gleich: an der Kasse bestellen und bezahlen, mit dem Bon oder der Nummer an die Ausgabe stellen, Tablett selbst holen und das Geschirr am Ende zum Rückgabefenster bringen.
Die Karte hängt als Tafel an der Wand, oft nur auf Polnisch, und niemand nimmt es dir übel, wenn du zeigst und fragst. Ein paar Wörter helfen trotzdem, sie stehen unter Polnisch für die Reise. Manche Milchbars nehmen nur Bargeld, und zwar in Złoty. Erwarte kein Ambiente, sondern Resopal, Neonlicht und eine Schlange aus Studierenden, Rentnern und Handwerkern.
Tipp: Iss mittags in der Milchbar und abends im Restaurant. Der Mittagstisch ist die ehrlichste Küche des Landes, und du sparst dir das, was an den großen Marktplätzen für dieselben Gerichte aufgerufen wird. Eine Gasse abseits des Platzes ist ohnehin fast immer die bessere Wahl.
Wódka, nüchtern betrachtet
Wodka gehört zur polnischen Tischkultur, aber anders, als deutsche Klischees es erzählen. Getrunken wird er kalt, in kleinen Gläsern, zum Essen und in Gesellschaft, nicht nebenbei zum Durstlöschen. Neben dem klaren gibt es aromatisierte Sorten und selbst angesetzte nalewki auf Beeren oder Kräuterbasis. Bier ist im Alltag das häufigere Getränk, und die Zahl kleiner Brauereien ist in den letzten Jahren stark gewachsen.
Achtung: Die Promillegrenze im Straßenverkehr liegt in Polen bei 0,2 und damit deutlich unter der deutschen. Praktisch heißt das: Wer fährt, trinkt nichts. Kontrollen sind häufig, die Strafen empfindlich. Alkohol im öffentlichen Raum, also auf der Straße oder im Park, ist zudem verboten.
Bezahlen, Trinkgeld, vegetarisch
Bezahlt wird in Złoty. Kartenzahlung funktioniert in Restaurants, Cafés und selbst an Imbissständen fast immer, auch kontaktlos und für kleine Beträge. Wenn das Terminal anbietet, direkt in Euro abzurechnen, lehne ab und wähle Złoty, denn diese Umrechnung kostet dich jedes Mal einen Aufschlag. Mehr dazu steht unter Bezahlen in Polen.
Trinkgeld liegt bei rund zehn Prozent und wird gern in bar gegeben. Ein Hinweis, der oft schiefgeht: Wer beim Bezahlen „dziękuję“ sagt, während er Geld übergibt, sagt damit sinngemäß, dass der Rest als Trinkgeld gedacht ist. Vegetarisch essen ist einfacher geworden, als der Ruf des Landes vermuten lässt: pierogi ruskie, placki, Suppen auf Gemüsebasis und in den Städten eine wachsende Zahl fleischloser Lokale. Wo du in Krakau am besten isst, steht unter Essen und Trinken in Krakau, die Grundlagen im Blogbeitrag Essen in Polen.
Häufige Fragen
Was muss man in Polen unbedingt probieren?
Pierogi und żurek zuerst, weil beide zeigen, worauf die Küche aufbaut: Teig, Sauerteig und Säure. Danach bigos im Winter, placki ziemniaczane als Sattmacher und zum Nachtisch sernik. In der Tatra kommt oscypek dazu, in Posen das Martinshörnchen. Wer nur einen Tag hat, isst mittags in einer Milchbar und bekommt gleich drei davon.
Wie funktioniert eine polnische Milchbar?
Du bestellst und bezahlst an der Kasse, bekommst einen Bon oder eine Nummer, stellst dich an der Ausgabe an und trägst dein Tablett selbst zum Tisch. Am Ende bringst du das Geschirr zum Rückgabefenster. Die Karte hängt als Tafel an der Wand, oft nur auf Polnisch. Manche Milchbars nehmen ausschließlich Bargeld in Złoty.
Ist Essen gehen in Polen günstig?
Deutlich günstiger als in Deutschland, solange du nicht direkt am großen Marktplatz sitzt. Dort haben sich die Preise angeglichen. Der Mittagstisch, oft als danie dnia oder lunch angeschrieben, kostet einen Bruchteil der Abendkarte. Milchbars sind die günstigste Variante überhaupt. Bezahlt wird in Złoty, mit Karte fast überall.
Kann man in Polen gut vegetarisch essen?
Besser als der Ruf des Landes vermuten lässt. Pierogi ruskie mit Kartoffel und Quark, Kartoffelpuffer, Krautgerichte und viele Suppen sind fleischlos, und in Warschau, Krakau und Breslau gibt es zahlreiche vegetarische Lokale. Frag bei Suppen nach der Brühe, barszcz und żurek werden oft auf Fleischbasis angesetzt.
Wie viel Trinkgeld gibt man in Polen?
Rund zehn Prozent im Restaurant, gern in bar. Achte auf eine Eigenheit: Wer beim Übergeben des Geldes „dziękuję“ sagt, signalisiert damit, dass der Rest als Trinkgeld gedacht ist. Willst du Wechselgeld zurück, nenn einfach den Betrag, den du zahlen möchtest. In Milchbars und an Imbissen ist Trinkgeld nicht üblich.
Was trinkt man in Polen zum Essen?
Häufiger als Wodka ist Bier, dazu kompot, ein leichter Sud aus gekochtem Obst, und Tee, meist schwarz mit Zitrone. Wodka gehört zur Tischkultur, wird aber kalt, in kleinen Gläsern und zum Essen getrunken. Wer noch fährt, lässt ihn ganz weg: Die Promillegrenze liegt bei 0,2 und wird streng kontrolliert.



