Niederschlesien · Breslau

Markthalle & Tumski-Brücke

Die Hala Targowa an der Piaskowa ist die Markthalle von Wrocław, eröffnet 1908, und sie ist der ehrlichste Ort im Zentrum. Von außen Backstein mit Staffelgiebeln, von innen eine einzige weite Halle unter parabelförmigen Bögen aus Stahlbeton. Unten stehen Obst, Käse, Blumen und eingelegte Gurken, oben laufen Galerien um den Raum.

Du brauchst hier kein Ticket und keinen Plan, nur zwanzig Minuten und ein bisschen Kleingeld. Und du bist genau richtig platziert: Zwei Minuten weiter führt die Tumski-Brücke mit ihren Vorhängeschlössern hinüber zur Dominsel.

Markthalle & Tumski-Brücke
Foto: Janericloebe, Public domain · Wikimedia Commons

Auf einen Blick

  • Polnischer NameHala Targowa
  • Eröffnet1908
  • EntwurfStadtbaurat Richard Plüddemann
  • BesonderheitBacksteinfassade, Tragwerk aus Stahlbetonbögen
  • Tumski-BrückeEisenbrücke aus dem späten 19. Jahrhundert
  • Dauer30 bis 45 Minuten, mit Brücke und Dominsel ein halber Tag

Eine Halle, die aussieht wie eine Kirche

Von außen ist die Hala Targowa ein Backsteinbau mit Staffelgiebeln und hohen Spitzbogenfenstern. Mehr als ein Besucher läuft daran vorbei, weil er sie für eine Kirche hält. Drinnen kommt das Gegenteil: ein einziger großer Raum, überspannt von parabelförmigen Bögen aus Stahlbeton, die vom Boden bis unters Dach durchlaufen.

Genau darin liegt der Reiz. Als die Halle 1908 nach Plänen von Stadtbaurat Richard Plüddemann öffnete, war das ein technisches Wagnis: außen die vertraute Formensprache, innen ein Tragwerk, das damals neu war. Wer sich für Baugeschichte interessiert, steht hier ein paar Minuten und schaut nur nach oben.

Was du drinnen findest

Die Hala Targowa ist kein Museum, sondern eine Halle, die arbeitet. Im Erdgeschoss reihen sich Stände mit Obst, Gemüse, Pilzen, Käse, Wurst, Brot und sehr vielen Blumen. Auf der Galerie darüber sitzen kleine Läden, Kurzwaren, Änderungsschneidereien und ein paar Imbisse. Es riecht nach Dill, Räucherfisch und nassem Beton.

Nimm dein Zwischendurchessen hier und nicht am Rynek. Ein Stück Käse, im Sommer eine Tüte Kirschen, dazu saure Gurken direkt aus dem Fass: Das kostet einen Bruchteil dessen, was du zwei Straßen weiter in einem Lokal zahlst. Am Vormittag ist die Auswahl am größten, am späten Nachmittag räumen die ersten Stände zusammen. Sonntags bleibt es still, dann ist die Halle für dich kein Ziel.

Tipp: Geh die Treppe hoch auf die Galerie und schau von oben in den Raum. Erst dort begreifst du die Bögen, weil du sie in ganzer Länge siehst, und nebenbei hast du die schönste Sicht auf das Gewimmel unten. Von unten wirkt die Halle nur voll, von oben wirkt sie groß.

Zwei Minuten weiter: die Tumski-Brücke

Aus der Halle gehst du nach Osten, über die Sandbrücke auf die Wyspa Piasek mit der gotischen Sandkirche, und stehst dann vor der Tumski-Brücke, polnisch Most Tumski. Sie ist schmal, aus grün gestrichenem Eisen, stammt aus dem späten 19. Jahrhundert und trägt an ihren Pfeilern die Figuren der heiligen Hedwig und Johannes des Täufers.

Bekannt ist sie für die Vorhängeschlösser am Geländer. Ein Rat: Häng kein weiteres dazu, das Geländer trägt schon genug Metall. Der Blick von der Brücke auf die Kathedrale ist der eigentliche Grund, warum du hier stehst. Auf der anderen Seite beginnt Ostrów Tumski, der älteste Teil der Stadt.

Gut zu wissen: Auf Wegweisern, Fahrplänen und Stadtplänen steht ausschließlich der polnische Name. Frag also nach der Hala Targowa und nach dem Most Tumski, nicht nach Markthalle und Dombrücke. Dasselbe gilt für die Stadt selbst: Sie heißt Wrocław, gesprochen ungefähr „Wrotswaf“, und nur so findest du sie auf der Anzeigetafel am Bahnhof.

Die Runde, die sich lohnt

Diese Ecke ist der beste Einstieg in die Inselwelt der Oder. Plan es als eine Kette: Markthalle, Sandbrücke, Sandkirche, Tumski-Brücke, Dominsel. Danach die Mühleninseln, wo im Sommer die Studierenden auf der Wiese sitzen, und zurück am Wasser entlang zur Universität. Zu Fuß sind das keine drei Kilometer, mit Pausen ein halber Tag.

Sortiere zeitlich so: Halle am Vormittag, Brücke und Insel am späten Nachmittag, damit du zur Dämmerung im Gaslicht stehst. Unterwegs sitzen auf Sockeln und Fenstersimsen die Bronzezwerge.

Tickets: Für die Halle und für die Brücke zahlst du nichts, es gibt weder Kasse noch Voranmeldung. An den Ständen wird in Złoty bezahlt, viele nehmen Karte, an kleinen Ständen ist Bargeld schneller. Bietet dir das Terminal an, in Euro abzurechnen, lehne ab und zahle in Złoty, sonst bekommst du den schlechteren Kurs.

Offizielle Seite der Stadt

Was in der Nähe liegt

Vom Rynek läufst du gut zehn Minuten nach Nordosten zur Halle, umgekehrt genauso. Östlich beginnt über die Brücken die Dominsel mit der Kathedrale. Alle Orte der Stadt stehen unter Breslau Sehenswürdigkeiten, was du danach isst, unter Essen und Trinken, und wie du dich bewegst, unter Verkehr in Breslau.

Wenn es nicht klappt

  • Wenn es voll istVoll wird es samstagvormittags, und dann steht man in den Gängen. Geh in dem Fall zuerst auf die Galerie, warte oben zehn Minuten und lauf danach unten die Reihen ab. Wer es ruhig mag, kommt an einem Werktag kurz nach dem Öffnen, dann hast du die Halle fast für dich.
  • Wenn es regnetDie Halle ist überdacht und damit eine der besten Regenadressen im Zentrum. Bei Dauerregen hängst du das Erzbischöfliche Museum oder die Kathedrale auf der Dominsel an, beides ist in fünf Minuten zu Fuß erreichbar. Nur die Brücken selbst werden bei Nässe rutschig.
  • Mit KindernFunktioniert besser als erwartet. Blumen, Fische, Pilze und die Bögen über dem Kopf halten Kinder eine Weile bei Laune, und auf der Galerie darf man von oben hinunterschauen. Ein Stück Obst am Stand hilft. Auf der Runde zur Brücke findest du außerdem mehrere Bronzezwerge zum Suchen.
  • Mit eingeschränkter MobilitätDas Erdgeschoss ist ebenerdig und breit genug für Rollstuhl und Kinderwagen, die Galerie erreichst du über Treppen. Draußen liegt durchgehend historisches Pflaster, das ordentlich rüttelt. Die Tumski-Brücke hat an beiden Enden Stufen, mit Rollstuhl kommst du besser über die Straßenbrücke weiter nördlich auf die Insel.

Häufige Fragen

Lohnt sich die Markthalle in Breslau für Touristen?

Ja, wenn du eine halbe Stunde übrig hast. Du siehst ein frühes Stahlbetontragwerk hinter einer Backsteinfassade und zugleich einen Markt, auf dem die Stadt tatsächlich einkauft. Wer nur Sehenswürdigkeiten abhaken will, findet hier wenig. Wer wissen will, was in Niederschlesien auf den Tisch kommt, findet hier mehr als in jedem Restaurant.

Was kann man in der Hala Targowa kaufen?

Frisches vor allem: Obst, Gemüse, Waldpilze in der Saison, Käse, Wurst, Brot, Räucherfisch, eingelegte Gurken aus dem Fass und Blumen in großer Zahl. Auf der Galerie im Obergeschoss gibt es kleine Läden mit Kurzwaren und ein paar Imbisse. Als Mitbringsel taugen Honig, getrocknete Pilze und Gewürzmischungen.

Ist die Hala Targowa sonntags geöffnet?

Nein, plane sie nicht für den Sonntag ein. Die Halle lebt vom Werktagsbetrieb, samstags oft nur am Vormittag. Am schönsten ist sie unter der Woche vormittags, wenn alle Stände besetzt sind. Wenn du am Sonntag da bist, drehst du stattdessen die Runde über Sandinsel und Dominsel, die immer offen ist.

Wie kommt man von der Markthalle zur Dominsel?

Zu Fuß in fünf Minuten. Du gehst von der Halle über die Sandbrücke auf die Wyspa Piasek, vorbei an der Sandkirche, und von dort über die Tumski-Brücke nach Ostrów Tumski. Es geht ausschließlich über Brücken, ein Verkehrsmittel brauchst du nicht. Der Weg ist gepflastert und an beiden Brücken gibt es Stufen.

Darf man an der Tumski-Brücke ein Liebesschloss anbringen?

Gemacht wird es viel, gut ist es nicht. Das Gewicht der Schlösser belastet das historische Geländer, und die Stadt entfernt sie regelmäßig wieder. Nimm die Brücke als das, was sie ist: der schönste Zugang zur Dominsel mit Blick auf die beiden Kathedraltürme. Dafür brauchst du kein Vorhängeschloss.